Wieso reagiere ich beim Sex überempfindlich?

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Schmerzen beim Sex können für Frauen sehr belastend sein. Bild: Raisa Durandi

Ich mag Sex. Doch oft bin ich schnell überempfindlich und ertrage Berührungen in der Vagina nicht. Wieso ist das so und was kann man dagegen tun?

Missempfindungen, Hypersensitivität und Schmerzen im Bereich der Vagina, wie Sie sie beschreiben, sind bei Frauen leider keine Seltenheit und zeigen sich oft sehr vielfältig. So klagen rund zehn Prozent der Frauen über ein leichtes Gefühl des Wundseins oder des Brennens. Sie empfinden Berührungen und Reibungen als unangenehm, sodass sogar das Tragen von Unterwäsche als störend und schmerzhaft wahrgenommen wird. In schwerwiegenden Fällen kann es sogar zu so starken Schmerzen kommen, dass eine Penetration unmöglich wird. In diesem Fall spricht man auch von Dyspareunie.

Verschiedene Ursachen

Die Ursachen für diese Hypersensitivität und Schmerzen können ebenfalls sehr unterschiedlich sein. Das Vestibulitis-Vulvae-Syndrom ist einer der häufigsten Gründe für Schmerzen am Scheideneingang, welche sich bei Berührung, während des Geschlechtsverkehr oder zum Beispiel auch beim Einführen eines Tampons bemerkbar machen. Das kommt daher, dass die Haut am Scheideneingang im Gegensatz zur übrigen Haut nur schlecht verhornt und folglich den mechanischen und chemischen Reizen gegenüber sehr empfindlich ist. Andere Ursachen für vaginale Schmerzen reichen von Entzündungen im Genitalbereich, Pilzinfektionen, einem zu engen Scheideneingang, einer unzureichenden Befeuchtung (Lubrikation) der Scheide, anatomischen Besonderheiten wie Rückwärtsknick der Gebärmutter bis hin zu schwerwiegenden Krankheiten wie genitalen Tumoren.

Prinzipiell empfehle ich, solche Missempfindungen im Genitalbereich oder Schmerzen beim Sex – egal ob akut oder chronisch – ärztlich abklären zu lassen. Steckt eine klare organische Ursache dahinter, kann das Problem meist schnell und effektiv (z.B. mit Medikamenten) angegangen werden. Gewisse Schmerzen (zum Beispiel aufgrund einer Endometriose) treten manchmal nur in bestimmten Sexstellungen auf. Hier kann ein Stellungswechsel die Beschwerden verhindern oder verringern. Zudem können vaginale Entspannungstechniken wie Kegelübungen helfen, Verkrampfungen aufgrund der Schmerzen während dem Sex zu lindern.

Sinnvolle Gleitmittel

Das Verwenden von Gleitmitteln ist ebenfalls sinnvoll, wenn die Empfindlichkeit auf mangelnde Befeuchtung der Scheide zurückzuführen ist. Manchmal aber spielen auch psychische Faktoren eine Rolle. Negative sexuelle Erfahrungen und früherer Missbrauch können in einigen Fällen zu chronischen Schmerzen während des Geschlechtsverkehrs führen. Hier kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. Zudem rate ich allen Frauen, bei auftretenden Schmerzen im Genitalbereich sofort zu handeln und den Arzt aufzusuchen. Denn nicht selten können sich ursprünglich organisch bedingte Schmerzen in eine sogenannte psychogene Störung wandeln. Die Angst vor dem schmerzhaften Sex kann zu einer Gedankenverknüpfung führen, sodass sich die Schmerzen mit der Zeit verselbstständigen. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess.

Sexualwissenschaftlerin Andrea Burri beantwortet einmal wöchentlich eine Leserfrage zum Thema Sexualität und Liebe. Diese wird vertraulich behandelt und ohne Namensnennung publiziert. Schreiben Sie uns auf sexologisch@tages-anzeiger.ch.

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18 Kommentare zu «Wieso reagiere ich beim Sex überempfindlich?»

  • trudi Frey sagt:

    In jungen Jahren weiss Frau noch nicht so gut Bescheid über diese Dinge. Daher sagt sie oft nichts.Später weiss sie mehr davon und somit kann Frau über das reden. Nun es ist wie alles im Leben eine Sache der Bertrachtungsweise und der Mann muss ebenfalls davon wissen.

  • Andrea sagt:

    Ich sage nur Gleitmittel. Eine absolut tolle Erfindung. Zusammen mit einem einfühlsamen Partner. Wo bleiben eigentlich die Männer bei diesem Thema?

    • Hans Hintermeier sagt:

      Was können wir schon dazu sagen? Uns fehlt quasi die persönliche Erfahrung. So viel Respekt vor der weiblichen Erfahrungswelt (die sich uns verschliesst) muss mMn schon sein.
      Würden wir uns trotzdem äussern, würde es schnell als „mansplaining“ rüberkommen.
      Da meine Frau auch nicht davon betroffen ist, fehlt mir auch die Erfahrung als indirekt Betroffener.
      Ich denke auch nicht, dass man wirklich zu allem eine Meinung haben muss, speziell wenn man sich nicht wirklich mit dem Thema vertieft auseinandergesetzt hat.

      • Hans Hintermeier sagt:

        Ansonsten kann man nur allgemeine Tipps geben: Ursachen abklären, gemeinsam nach Lösungen suchen, Verständnis, Rücksicht, Geduld.

    • Andrea sagt:

      Das stimmt, ich dachte mehr an Männer die Erfahrung mit diesem Thema haben und somit vielleicht aus dem Nähkästchen plaudern können. Es sind ja immer noch 2 daran beteiligt.

      • Adina sagt:

        „Echte Männer“ geben doch gar nicht zu dass sie einfühlsam sind, Andrea.
        Genauso wenig wie „starke Frauen“ es zugeben dass sie manchmal verletzlich sind und/oder von der Natur körperlich benachteiligt.

  • Tamar von Siebenthal sagt:

    Warum sucht Frau nicht eine Ärztin auf? Woher soll eine Seelendoktorin wissen, was die Ursachen sind? Wenn eine Kuh krank ist, rufe ich auch nicht meinen Zahnarzt, sondern den Veterinär.

    • tststs sagt:

      Aber wären gemäss Ihrem Konzept nicht sämtliche Frage/Antwort-Ratgeber obsolet?
      😉

    • Adina sagt:

      „Denn nicht selten können sich ursprünglich organisch bedingte Schmerzen in eine sogenannte psychogene Störung wandeln. Die Angst vor dem schmerzhaften Sex kann zu einer Gedankenverknüpfung führen, sodass sich die Schmerzen mit der Zeit verselbstständigen. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen ist ein sehr langwieriger und schwieriger Prozess.“
      Wenn die Aerztin nicht mehr helfen kann, dann braucht es offenbar eine Seelenärztin.

      • Tamar von Siebenthal sagt:

        Ja, das habe ich auch so gelesen, aber in der Fragenstellung ist kein Arztbesuch erwähnt, deswegen mein Einwand.

  • tststs sagt:

    Da ich nicht weiss, ob es sich um echte Fragen handelt, könnte mein folgendes Post auch total in die Hose gehen.
    Denn IMHO war in der Frage von Schmerzen etc nichts zu lesen, sondern von einer schnell (auftretenden) Überempfindlichkeit und „ertrage es nicht“. Dies muss ja nichts zwangsläufig mit Schmerzen einhergehen.
    Wer kennt das nicht, da ist man voll in Fahrt und auch schon richtig bei der Sache und dann macht der Partner etwas (irgendeine Berührung, die übrigens sonst auch als angenehm empfunden werden kann), das man nicht so läss findet und – Puff – auf einen Schlag ist die ganze Lust verflogen, ja man ist sogar so richtig sauer (eigentlich wegen einer Nichtigkeit).

    • tststs sagt:

      Das hat damit zu tun, dass bei – gutem – Sex die „Schutzschilde der Vernunft“ heruntergefahren sind, man reagiert nur noch instinktiv, emotional…

      Umgekehrt erklärt es übrigens, weshalb Versöhnungssex so toll ist… (eine sehr starke negative Emotion wird in eine ebenso starke, aber positive Emotion übertragen)

      • tststs sagt:

        Sobald der erste Teil freigeschaltet ist, macht dieses Post mehr Sinn… 😉

      • Adina sagt:

        Wie die Frage eigentlich gemeint war, das ist eine gute Frage. „Ertrage Behrührungen nicht“ hört sich etwas schmerzhaft an.
        Auf jeden Fall finde ich dass Frau Burri das ziemlich treffend beschreibt: „ein leichtes Gefühl des Wundseins oder des Brennens“.
        Ist das wirklich so dass Frauen ungern darüber reden? Wäre nicht ok.

  • Philipp M. Rittermann sagt:

    „schmieren und salben hilft allenthalben.“ 🙂

  • Adina sagt:

    Eigentlich soll etwa jede vierte Frau von einem Rückwärtsknick der Gebärmutter betroffen sein. Ein Viertel, das ist noch viel.
    Ich frage mich wieviele Frauen es ihren Männern ehrlich zugeben dass sie Schmerzen haben? Ausser sie haben Gleitmittel schon entdeckt, das ergibt sich ja ganz schnell, schon am Anfang einer Beziehung wenn man so verliebt ist dass man auf Sex keineswegs verzichten möchte.
    Eine kurze Google-Recherche die ich gerade gemacht habe hat ergeben dass Variationen der Löffelchen-Stellung auch helfen…

    • Adina sagt:

      „etwa jede vierte Frau von einer Rückwärtsneigung oder einem Rückwärtsknick“ (also beides) hätte heissen sollen. Sorry.

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