Mein letztes Babywunder

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So sieht Elternglück aus. Foto: Julieanne Birch (iStock)

Jetzt ist sie also da: Nach einer relativ entspannten Geburt ist meine jüngste Tochter in unser Leben geplumpst und vergrössert unsere Kernfamilie auf sechs Mitglieder. Allmählich sind wir so etwas wie ein Clan und sprengen die üblichen Dimensionen. Auto, Wohnung, Waschmaschine und mehr – vieles braucht ein Update auf die nächste Grössenordnung oder Benutzerstufe.

Das ist ungefähr so, als würden Sie versuchen, in einem sehr chaotischen, sehr kleinen Zimmer Ordnung zu schaffen, ohne es dabei ein einziges Mal zu verlassen. Sie wissen nicht genau, wo sie anfangen sollen, alles hängt miteinander zusammen und steht im Weg. Es ist also nicht so, als könnten Sie in Ihrem alten Leben stehend das neue schon mal vorbereiten und, wenn es dann so weit ist, einfach hineinspringen. Stattdessen muss alles gleichzeitig passieren. Innehalten und Kontemplation fällt im familiären Alltag aus. Zwischen Windeln, Wischen und dem anderen Wahnsinn bleibt keine Zeit für Selbstbetrachtung.

Perfekte Rosenohren

Was wie der Auftakt zu einer Jammerarie klingt, ist eigentlich nur eine Feststellung. Ich habe es ja so gewollt. Niemand hat mich zu irgendetwas gezwungen. Ausserdem habe ich zum Luftholen ja immer noch Texte wie diesen hier, selbst wenn sie erst nachts um drei nach einem sehr, sehr langen Tag entstehen. Sie helfen mir, den Blick für das Wesentliche zu verlieren.

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Familienplanung abgeschlossen: David und Victoria Beckham mit ihren vier Kindern. Foto: Victoria Beckham/Instagram

Klar ist noch ein Baby unfassbar viel Arbeit. Aber es sind auch noch ein letztes Mal so winzig kleine, perfekte Rosenohren. Es sind diese samtige Haut und die schläfrige Wärme im versteckten Nacken. Schluckaufattacken, die den ganzen Körper durchschütteln. Das glückliche Fiepen im Milchrausch. Die vielen Wunder, die jeder Tag so bringt. Auch der Tag, an dem das Baby dich vollkotzt, nicht richtig schlafen kann und kränklich wirkt, während seine Geschwister sich vernachlässigt und gelangweilt fühlen und so viel Stress wie möglich schieben. Sprich: Ein Tag wie jeder andere.

Ich mache das jetzt schon zum vierten Mal. Mit meiner Grossen war vor über 11 Jahren alles neu und aufregend. Die Anstrengungen habe ich weggesteckt, wie Mittzwanziger so etwas eben wegstecken. Genauso wie die Ernüchterungen. Bei ihrem Bruder mischte sich die Begeisterung schnell mit dem Eindruck des permanenten Arbeitsauftrags. Das lag weniger an ihm als an uns. Beim ersten Kind haben wir einfach gemacht, beim zweiten mussten wir liefern. Beim dritten uns nicht zuletzt auch beweisen, dass wir es noch draufhaben. Die doch sehr kurzen Nächte waren da nicht hilfreich. Und beim vierten ist es … ja was eigentlich?

Wie ein Epilog

Sicher auch Stress, Erschöpfung und Schlafmangel. Aber vor allem Zufriedenheit. Wir wollten vier Kinder – jetzt haben wir sie. Die Familienplanung ist erfolgreich abgeschlossen. Die gelegentlich ziemlich unschöne Wirklichkeit (Ich erspare Ihnen an dieser Stelle fäkale Details!) mischt sich mit einem seltsam epiloghaften Gefühl. So als würde man nach einer über zehnstündigen Autofahrt leicht schwankend im Abendlicht sein Heim betreten. Nichts ist ausgepackt, Essen muss sofort gekocht werden, die Kinder zanken sich ein bisschen. Aber alle sind da und der Sommer war sehr gross. In diesem Epilog denkt man daran, dass man nun keine Kleidungsstücke für ein mögliches nächstes Kind mehr aufbewahren wird, während man dem Baby einen Strampler anzieht. Man verwechselt die Vornamen der Kinder und merkt, dass man nie wieder einen Namen aussuchen wird. Man freut sich auf ein letztes erstes Wort und den letzten ersten Schritt.

Es schwingt viel Wehmut mit beim letzten Kind. Aber die gute Sorte. Jetzt werden sich einige von Ihnen natürlich fragen, wie ich mir damit so sicher sein kann, dass dies mein letztes Kind sein wird. Die Antwort darauf ist relativ einfach: Schnipp, schnapp, Samenleiter ab. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.