So gelingt der Alltag mit Drillingen

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Drei Kinder aufs Mal verändern das Leben stärker als eines: Elian Zürcher mit ihren Töchtern. Foto: zvg

Nach der Geburt meiner Tochter war ich häufig am Anschlag. Durch den geringen Altersabstand der Kinder (22 Monate) hatte ich nämlich eine Art Zwillinge: zwei windeltragende Minimenschen mit unruhigem Nachtschlaf und geringer Frustrationstoleranz. Wie anstrengend! Ob meine Energie für ein drittes Kind reichen würde? Ich bin mir bis heute nicht ganz sicher. Eine Frau, die sich diese Frage gar nie stellen musste, ist Elian Zürcher. Die Psychologin wurde vor fast zwei Jahren Mutter von Drillingen. Heute bietet sie gemeinsam mit einer Hebamme Vorbereitungskurse für werdende Mehrlingseltern an. Ich traf Elian auf ein Gespräch.

Elian, wie überlebt man das erste Jahr mit Drillingen?
Mit Hilfe! Ich würde niemandem empfehlen, das ohne Hilfe durchziehen zu wollen. Meine grösste Stütze ist natürlich mein Mann, und wir hatten zudem Unterstützung von unseren Müttern und einer Nanny. Gefüttert wurde immer zu zweit, solange die Mädchen noch Milch tranken. Ich habe drei Kinder, aber nur zwei Hände – es ging also gar nicht anders.

Wie hast du reagiert, als du erfahren hast, dass du mit Drillingen schwanger bist?
Ich konnte es zuerst gar nicht fassen. Mein Mann und ich hatten noch gewitzelt, dass wir Zwillinge eigentlich ganz toll fänden. Und dann waren es Drillinge. Es dauerte ein paar Tage, bis ich diese Information verarbeiten konnte. Bis ich realisierte: Ich bekomme kein Baby, ich bekomme drei Babys! Dann wurde mir übel.

Vor Schreck?
(lacht) Nein, es war die Schwangerschaftsübelkeit! Bei Mehrlingsmüttern kommt sie häufiger vor und ist auch noch stärker. Sobald ich wusste, dass ich Drillinge erwarte, habe ich angefangen zu planen. Kann mein Mann freinehmen? Wer kann uns wann helfen? Was brauchen wir alles?

Und was braucht eine Mehrlingsmutter?

Einerseits viel Struktur. Die Kinder hatten von Anfang an einen festen Rhythmus. Alle vier Stunden haben wir sie gefüttert. Wir haben viel geplant und protokolliert, um die Übersicht nicht zu verlieren. Wer hat wann wie viel Muttermilch bekommen und wie viel Pulvermilch? Welches Mädchen hatte wann was in der Windel? Wann kommt wer vorbei, um zu helfen? Wir haben am Anfang mehrere Excel-Listen geführt. Es gibt Sicherheit, wenn man einen Plan hat.

Aber Kinder halten sich ja selten an Pläne.
(lacht) Das stimmt. Deshalb braucht es neben Struktur vor allem Kreativität und Einfallsreichtum. Denn es kommt sowieso immer anders als geplant! Ich konnte mir zum Beispiel vor der Geburt nie vorstellen, wie lange das Füttern tatsächlich dauert. Die Realität sieht eben oft anders aus. In meinen Kursen mache ich deshalb auf Themen aufmerksam, die vielen werdenden Eltern nicht bewusst sind. Wichtig ist, dass man irgendwo einen roten Faden hat, an dem man sich festhalten kann.

Als du schwanger warst, gab es deinen Kurs noch nicht. Wie hast du dich selbst vorbereitet?
Der Zufall wollte es, dass ich vier Jahre vor der Geburt meiner Kinder quasi einen Privatkurs als Mehrlingsmanagerin machen durfte. Eine Studienfreundin hatte Drillinge bekommen und ich half ihr anfangs fast wöchentlich bei der Betreuung. Dadurch hatte ich eine gute Vorstellung, was auf mich zukommen würde. Zudem half mir mein Beruf als Psychologin schon viel bezüglich Familien-, Zeit- und Aufgabenmanagement.

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Alles muss dreifach vorhanden sein, sonst gibt es Streit. Foto: zvg


Was unterscheidet denn Geburtsvorbereitungskurse für Mehrlingseltern von gewöhnlichen Geburtsvorbereitungskursen?

Ein Kind verändert alles. Das kennen auch Einlingseltern. Bei Zwillingen oder Drillingen verändert sich aber alles noch viel stärker. Ich versuche, die werdenden Eltern darauf vorzubereiten. Bei gewöhnlichen Kursen geht es vorwiegend um die Geburt. Danach wird man das Kind schon irgendwie schaukeln. Bei Kursen für Mehrlingseltern ist die Geburt auch ein Thema. Viele Fragen gibt es aber vor allem für die Zeit danach, die ersten Monate mit den Mehrlingen. Wie können wir den Alltag organisieren? Wie können wir diese riesige Aufgabe als Familie bewältigen? Wie bleiben wir ein Paar? Gerade Mehrlingseltern sollten sich während der Schwangerschaft gut vorbereiten und sich Strategien zurechtlegen, damit es später nicht zur totalen Erschöpfung kommt und sich die Partner nicht verlieren.

Deine Kinder werden bald zwei Jahre alt. Welche Phase war bisher am anstrengendsten?
Neben der Zeit nach der Geburt war die Phase zwischen 10 und 14 Monaten sehr intensiv. Die Kinder machten grosse Fortschritte in der motorischen Entwicklung und schliefen plötzlich ganz schlecht. Irgendwie war immer mindestens ein Mädchen wach. Wir kamen kaum zum Schlafen und mussten oft nachts mit dem Kinderwagen raus. Zum Glück wurden wir auch in dieser Phase von unseren Müttern unterstützt. Wir sind dafür sehr dankbar.

Und wie geht es dir heute?
Ich bin recht ausgeschlafen! Die Kinder werden grösser und wir sind auf weniger Hilfe angewiesen. Seit einem Jahr bin ich auch ziemlich mobil mit dem Dreierwagen, wenn ich mit den Kindern alleine bin. Und seit Neustem packe ich auch mal alle drei ins Auto für einen Ausflug, zum Beispiel in den Tierpark. Wenn ich arbeite, werden die Kinder immer von einem Grosi plus Nanny betreut. Für eine einzelne Person ist es einfach sehr anspruchsvoll und kräfteraubend, auf drei kleine Entdeckerinnen aufzupassen.

Nehmen wir an, du gehst mit einer Familie auf eine einsame Insel. Welche drei Dinge nimmst du mit?
Ich würde die Lego-Duplos, Lieblingsbücher der Kinder und natürlich Sändeli-Sachen mitnehmen. Natürlich braucht es drei Bücher, drei Eimer und drei Schaufeln, wenn möglich in der gleichen Farbe. Ich tue mir damit einen grossen Gefallen und vermeide unnötiges Gezanke. Auf einer einsamen Insel möchte man ja auch ein wenig entspannen.

Über Mehrlinge und Konkurrenz ging es gestern auch imOutdoorblog.