Allein zu Hause

Hurra, sturmfrei! Kinder machen sich über das Alleinsein oft weniger Sorgen als ihre Eltern. Foto: PeopleImages (iStock)

Hurra, sturmfrei! Kinder machen sich über das Alleinsein oft weniger Sorgen als ihre Eltern. Foto: People Images (iStock)

Letzte Woche plante ich einen gemütlichen Nachmittag im Wald. Die Sackmesser und Cervelats waren bereit. Es fehlte aber noch Hefe für den Schlangenbrotteig. «Kinder», rief ich durch die Wohnung, «wir müssen noch einkaufen gehen!» Der Reaktion zufolge hätte man denken können, ich hätte «Zehennägel schneiden» oder «zum Zahnarzt» gesagt. «Neeeeein, bitte nicht!», antworteten die spielenden Kinder unisono.

«Kommt schon», versuchte ich es pädagogisch wenig wertvoll, «ihr dürft dann noch ein Dessert auswählen.» Der Trick funktionierte nicht. Stattdessen fragte mein Sohn, warum ich denn nicht allein einkaufen gehen könne. Sie kämen schon ohne mich klar.

Ich: «Hm. Seid ihr sicher?»

Kinder: «Ja-ha!»

Und wenn jemand klingelt?

Die Kinder hatten, anders als ich, keine Zweifel. Ich machte mir einen Kaffee, um etwas Bedenkzeit zu gewinnen. Sollte ich die Kinder einschliessen? Oder sie von innen abschliessen lassen? Einer Nachbarin Bescheid sagen? Dann entschloss ich mich, keine grosse Sache zu machen aus diesem kleinen Versuch. Ich würde in einer halben Stunde zurück sein. Das Haus würde sehr wahrscheinlich nicht abbrennen. Das Schlimmste, was passieren konnte, war ein wüster Geschwisterstreit in Abwesenheit der Friedensrichterin. Oder masslose Selbstbedienung aus der Süssigkeitenschublade. Es würde schon schiefgehen!

Also machte ich ein kurzes Briefing – «Schön weiterspielen! Niemandem die Tür öffnen! Finger weg vom iPad!» – und verliess kinderfrei die Wohnung. Ein merkwürdiges, überwiegend gutes Gefühl.

Mama wird nervös

Beim Einkaufen traf ich eine Bekannte. Wo die Kinderchen seien, fragte sie. Zu Hause, sagte ich.

Sie: «Hat dein Mann frei heute?»

Ich: «Nein, sie sind allein zu Hause.»

Sie: «Also ganz allein? Jesses!»

Ich: «Der Grosse ist ja schon acht. Der war schon öfter eine Viertelstunde allein.»

Sie: «Aber die Kleine, jööö. Hoffentlich passiert nix!»

Ich: «Ähm, ja.»

Sie: «Bei der Kollegin meiner Schwägerin wurde mal eingebrochen, als die Kinder allein …»

Ich: «Also, du, ich muss!»

Sie: «Ja, geh nur. Bevor etwas Blödes passiert!»

Nach diesem blöden Gespräch wechselte mein Puls von Reggae zu House. Meine Handflächen wurden so schwitzig, dass mir fast das Einkaufskörbchen wegrutschte. War ich zu mutig gewesen? Hatte ich meine Kinder überfordert? Einer unbedachten Gefahr ausgesetzt? Meine Beine fühlten sich an wie Schlangenbrotteig.

Ich machte ein paar Yoga-Atemzüge und versuchte, mich zwischen all den beängstigenden Gedanken an meinen neuen PIN-Code zu erinnern. Dann schwang ich mich aufs Velo und raste den Berg hoch wie ein gedopter Rennfahrer. Mein Herz schlug jetzt wie Drum and Bass. Ich liess die Einkaufstüte beim Hauseingang stehen und flog die Treppe hoch zu meinen Babys. Tür auf.

Ich: «Hallooo!»

Nichts. Stille.

Ich: (lauter) «Hallo?! Kinder!»

Tochter: «Pssst, wir spielen Versteckis!»

Sie lebten! Beide da. Alle Finger noch dran. Und bei keinem Kind steckte eine brennende Wunderkerze im Auge. Ich war erleichtert. Und auch ein bisschen stolz. Hach, meine kleinen Grossen!

Das sagt die Expertin

Das spontane Experiment war geglückt. Im Nachhinein habe ich mich aber gefragt, ob es eigentlich rechtlich okay war. Darf man ein sechsjähriges Kind allein zu Hause lassen? Ich habe bei der Pro-Juventute-Elternberatung nachgefragt. Beatrix Wagner Minder sagt: «Ob man ein Kind allein zu Hause lassen kann, ist keine Frage des Alters. Es hängt vom persönlichen Entwicklungsstand des Kindes ab.» Hier noch einige Tipps der Expertin:

  • Die Eltern haben eine Aufsichtspflicht. Sie müssen dafür sorgen, dass das Kind auch während ihrer Abwesenheit vor Schaden bewahrt wird und niemandem Schaden zufügt.
  • Kinder nur allein zu Hause lassen, wenn sie dies wirklich wollen.
  • Vorgängig gibt es einiges zu bedenken und mit dem Kind zu besprechen: Sind Bezugspersonen in der Nähe, wenn das Kind Unterstützung braucht? Kann das Kind Gefahren einschätzen? Wie reagiert es, wenn es an der Tür klingelt? Weiss das Kind, was im Ernstfall zu tun ist? Wie kann es Hilfe holen?
  • Kinder allein zu lassen oder als Kind allein zu bleiben, kann geübt werden. Anfänglich für kurze Momente. Wenn das gut klappt, kann die Zeitspanne ausgedehnt werden.

50 Kommentare zu «Allein zu Hause»

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Loslassen ist sehr wichtig und richtig, nicht nur für Kinder, sondern gerade auch für Eltern. Doch oft habe ich das Gefühl, dass es nicht die Kinder sind, die Mühe mit Loslassen haben, sondern die Eltern, speziell die Mütter. Denb loslassen beginnt nicht erst mit dem Eintritt in den Kiga, sondern unmittelbar nach der Geburt mit dem Durchtrennen der Nabelschnur und ist ein stetiger, unaufhörlicher Prozess. Aber Kinder, deren überbeschützende und überbehütende Helikoptereltern sie in Watte packen und vor allen Gefahren und Herausforderungen verschonen und fernhalten, werden so zu ängstlichen, unselbständigen, unbeholfenen, verwöhnten und verweichlichten „Huschelis“ ohne Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein, was niemandem nützt. Also, liebe Eltern habt Mut und traut Euren Kindern mehr zu!

  • Andrea Mordasini, Bern sagt:

    Klar, jedes Kind ist anders, auch bei Geschwistern. Während ich den Grossen, den allgemein ängstlicheren, erst mit ca 8 alleine zu Hause lassen konnte für ca 1/2 h, war die draufgängerische Kleine bereits mit 3.5 dazu bereit. Da liess ich sie für ca 15-20 morgens alleine zu Hause, während ich den Grossen in den Kiga begleitete. Es klappte jeweils super und sie wurde sehr selbstsicher, selbstständig und selbstvertraut :). Ihn musste ich übrigens sehr lange in den Kindergarten begleiten, nach einer Weile auch bloss nur noch ein Teilstück, während die Kleine von Anfang alleine gehen wollte und dies auch tat. Jetzt mit bald 9,5 und bald 8 klappt das alleine lassen bei beiden sehr gut und problemlos. Es macht ihnen Freude und macht sie stolz :).

  • Franziska sagt:

    Tja, und dann gibts Orte wie hier (ländlich) wo die Kinder mit etwas mehr als 4jährig alleine mit dem Bus in den Kindergarten fahren „müssen“, da das „Mamitaxi“ weder von der Schule gewünscht noch vom Dorfpolizist gern gesehen ist. Und die Kleinen machen es grossartig. Und da könnte ja viel mehr geschehen, als wenn man die Kinder für eine halbe Stunde in den eigenen vier Wänden alleine lässt.
    Klar, haben wir sie zu Beginn entsprechend darauf vorbereitet, eingeübt und dann aber stückweise immer mehr alleine gehen lassen.

  • *Bazinga* sagt:

    Mein grosser hat es bereits mit 5 geliebt alleine zu Hause zu bleiben, während ich für eine halbe Stunde einkaufen ging. Soeben hat er auf die Kleine (frische 3 Jahre alt) das erste mal so lange aufgepasst. Ging prima. Beide waren mächtig stolz, bereits zu den Grossen zu gehören.

  • Coffee Toffee sagt:

    Spannendes Thema und für mich zur Zeit wichtig. Hab die Jungs (3 1/2 und 5) kürzlich allein zu Hause gelassen für kurze Zeit (15 min). Die Türen stehen immer offen (ebenerdige Wohnung). Der Grosse hat mich praktisch aus dem Haus verscheucht, er sucht seine Unabhängigkeit extrem. Dem Kleinen wars recht. Ich hatte keine Bedenken. Wer soll da schon innert 15 minuten vor der Türe stehen?
    Aber als ich sie ca 1/2 Stunde alleine auf den Sportplatz liess (ok, mit Funkgerät;) war ich doch recht nervös. Da ist der grosse Bruder als Aufpasser nicht so verlässlich, und die Anlage ist relativ gross. Aber ich finde mit 5 darf der grosse auch ca 2 Stunden auf dem Sportplatz verbringen- er kennt sich da aus. So viel Freiheit muss sein. (Wir wohnen schon ländlich aber doch schon Kleinstadt)

  • Benni Aschwanden sagt:

    Passieren kann immer irgendetwas, ob allein zu Haus oder nicht allein. Schlussendlich geht es dann um die Schuldfrage und das schlechte Gewissen. Und die Vorwürfe von sich selber und von solchen besserwisserischen panikschiebenden „Bekannten“ (oder z.B. Schwiegermüttern ;-)), die so sicher sind wie das Amen in der Kirche. Da kommt mir der Film Cramer vs Cramer in den Sinn, wo dem Vater das Sorgerecht verweigert wird, weil sein Sohn auf dem Spielplatz von einem Klettergerüst stürzt mit Schramme am Kopf und man dem Vater dann daraus einen Strick dreht. Wenn so etwas passiert ist es saublöd. Saublöd ist aber auch der Trend zur Überbehütung. Schwammige „Expertentipps“: Kind immer vor Schaden bewahren? Wie das denn?? Alleine lassen nur wenn das Kind will? Ältere Kinder wollen immer!

  • Anna sagt:

    Danke der Autorin – spannendes Thema gut beschrieben. Klar, grundsätzlich kann man unsere Jugendzeit nicht mit heute vergleichen. Aber vergessen die Helikoptermamis und -papis nicht von Zeit zu Zeit auch, dass es das Selbstvertrauen eines Kindes stärken kann, wenn es eine neue, ungewohnte Situation – in dem Fall das für eine gewisse Zeit alleine bleiben – gemeistert hat. Vielleicht sollte man sich für eine Entscheidung auch mal in die Lage des Kindes versuchen zu versetzen und aus dieser Sicht das Für und Wider abwägen und nicht nur sich selber und seine Ängste in den Vordergrund stellen. Alle jene, die von den Erlebnissen als Kinder berichten tun das ja heute auch mit einem gewissen Stolz.

  • Robert Hasler sagt:

    Ich find das krass gefährlich! Die heimhetzende Mutter könnte auf dem Velo in der Panik einen Herzinfarkt haben!

    • Carla sagt:

      Lustig gemeint, ja – aber den Gedanken mache ich mir durchaus. Was, wenn mir ausser Haus etwas passiert und die Kinder sind allein Zuhause?

      • Max Demian sagt:

        …Oder noch schlimmer, was, wenn Ihnen etwas passiert und die Kinder sind bei Ihnen?

        Wir leben in einer komplett risikoaversen Gesellschaft, dabei sind die Risiken allesamt minimal.

  • Marie sagt:

    Nicht unwichtig ist ja auch, wo dass man wohnt. Sind Nachbarn da, denen die Kinder vertrauen und zu denen sie gehen könnten? Wohnt man anonym in Zürich an der Langstrasse oder im Jeder-kennt-jeden-Quartier?

    Die meisten Eltern werden ihre Kinder und die gesamte Situation schon richtig einschätzen können. Und eine halbe Stunde, im Zeitalter von Handys, würde ich meinem Kind wohl schon früh zumuten.

  • Jon Marcuse sagt:

    Wenn man seine 6- und 8-jährigen Kinder noch „meine Babys“ nennt, stellen sich solche Lebensprobleme naturgemäss in Hülle und Fülle ein.

  • Reincarnation of XY sagt:

    Ja, ja, ja – wir sind alle schon mit 5 stundenlang unbeaufsichtigt gewesen, stets helmlos und nicht angeschnallt, haben auf Baustellen gespielt, sind nächtelang rumgestromert, haben die Eltern angelogen und auf eigene Faust in fremde Städte gefahren, gezeltet, Autos gestohlen etc. etc.
    Aber die Frage war doch nicht, was wir alles überlebt haben, sondern wie wir es handhaben mit unseren Kindern. Ich glaube kaum, dass auch nur einer hier mit seinen Kindern exakt gleich verfährt, wie man mit uns damals verfahren ist. Ich ging mit 5 allein mit meinen Schwestern 8 und 9 in die Badi. Damals war das nichts Aufsehen erregendes, heute wäre das sogar verboten.
    Wir leben heute in einer anderen Zeit.

    • 13 sagt:

      Richtig. Darauf wollte ich hinaus. In meinem Beitrag und der Frage an dres. Aber doch sollten wir unsere Erfahrungen nicht ganz ausser Acht lassen. Wenn es vor 30 Jahren möglich war, ein 7jähriges einen Nachmittag alleine zu lassen, warum dann heute so tun, als wäre eine Stunde ein Fiasko? Sind die 7jährigen (die wir selber erziehen) heute anders? Ja, es ist eine andere Zeit, aber fairerweise muss man sagen, dass sie die objektive Gefahren nicht so sehr verändert haben. Das „andere Zeit“ bezieht sich somit nicht unbedingt auf die Gefahren an sich, sondern eher an unser Sicherheitsbedürfnis. Wie Sie schreiben, damals war ein 5jähriger in der Badi normal, heute verboten. Aber deshalb wäre es nicht gefährlicher als früher, wenn man ihn lassen würde.

      • Christoph Bögli sagt:

        Die meisten Gefahren wurden objektiv seit damals sogar deutlich kleiner durch allerlei Verbesserungen bei Sicherheitsstandards und -technologien. Gleichzeitig hat sich aber parallel die Sensibilität für (vermeintliche) Gefahren stark erhöht, z.T. fast ins Hysterische. Diese Entkoppelung von Realität und Wahrnehmung ist generell ein recht gut belegtes Phänomen, z.B. bei Kriminalität.

        Kommt hinzu, dass sich der Stellenwert von Kindern im Laufe der Zeit tendenziell erhöht hat. Und dann natürlich der soziale Druck: Wenn alle herum im Panikmodus sind, ist es schwierig, als vermeintliche laissez-faire-Eltern aus dem Rahmen zu fallen. Alleine weil man nicht blöd da stehen will, wenn dann doch was passieren sollte..

      • 13 sagt:

        @ CB
        Das würde ich sofort unterschreiben. Es ist auch nicht nur das blöd dastehen, sondern wo die Eltern früher Mitleid erhielten, kommen heute oftmals nur Schuldzuweisungen und Vorwürfe. Und jeder wähnt sich damit in die Sicherheit, dass wenn er/sie sich nicht so „dumm“ verhält, wie die Eltern des verunfallten Kindes, ihren eigenen Kindern nie etwas passieren kann. Das geht dann soweit, dass viele übersehen, dass das Kind auf allfällige Gefahren vorzubereiten, ein grosser Teil der Prävention sein kann. Ich lese immer wieder den Satz: „Wenn man nur ein Kind retten kann…“. Und logisch, wie alle Eltern dieser Welt bete ich, dass meinem Kind nie etwas passiert. Aber objektiv betrachtet muss man sich schon fragen, ob die Rettung eines Kindes es wert ist, Tausende zu beschränken?

  • Farga sagt:

    Ich bin mit meinen Buben (5 und 8) in Neuseeland zuhause. Und hier wird gesetzlich vorgeschrieben, dass ein Kind vor seinem 14ten Geburtstag nicht alleine gelassen werden darf… obwohl ansonsten ein tolles Land, frag ich mich da schon manchmal wie man ein Kind zu Selbstaendigkeit erziehen soll…

  • Susi sagt:

    Als ich 7 war und mein Bruder 5, reisten wir jede Woche allein in ein Kinder-Malatelier in einem anderen Stadtkreis, also mit Tram und Bus vom Stadtrand ins Uniquartier. Da mein Bruder noch nicht lesen konnte und irgendwie zu klein war, um die Station zu erkennen, war es ein Leichtes, ihn zu veräppeln: „Ui!!! Mir hettät vorher müesä usstigä! Mir händ d’Station verpasst!! Was machemer jetzt??“ Funktionierte jede Woche wieder, der Witz. Verloren gingen wir aber nie.

  • dres sagt:

    Ich bin mit zehnjährig alleine mit dem Velo zu den Grosseltern in die Ferien gefahren (über 50 Km, ohne Handy, dafür mit Sandwich und Trinkflasche sowie Kleidern für zwei Wochen). Heute würde ein Kind bei so einem Ausflug wohl mit der Drohne überwacht…

    • 13 sagt:

      Würden Sie heute ihr Kind mit 10 Jahren auch schicken?

      • dres sagt:

        Ich gehe davon aus, dass das kein Problem sein dürfte. Gerade an jeder Ecke lauert auch heute kein Terrorist, Verwirrte und Perverse gab es auch schon in den 80ern. Insofern: ja.

      • 13 sagt:

        @ dres
        Nein, Terroristen, Verwirrte und Perverse wären jetzt auch nicht meine Angst. Eher so banalere Sachen wie ein Unfall, dass mein Kind keine Kraft mehr hätte, weiterzufahren oder dass es sich verfahren würde.
        Ich bin in meinem Umfeld eher die, die meinen Kindern mehr zutraut als andere und doch ginge mir das irgendwie zu weit. Mit 10 Jahren, mit 13 sähe es anders aus.

      • Christoph Bögli sagt:

        dres: Also Terrorismus gab es bisher in der Schweiz praktisch keinen, ausser man will irgendwelche Aktionen von „Öko-Terroristen“ oder politisch motivierte Morde wie Leibacher dazu zählen. Diese Gefahr besteht also eh nur im Kopf. Sonstige Gewalttaten gegen Kinder durch Fremde sind auch extrem unwahrscheinlich und haben seit den 80ern sogar deutlich abgenommen. Insofern ist es bedenklich, dass gerade diese vermeintlichen Gefahren aufgeführt werden, reale Gefahren wie Verkehrsunfälle hingegen nicht. Das zeigt einmal mehr, wie verzerrt die subjektive Wahrnehmung in der Frage ist.

        Ansonsten hängt das wohl von der Erfahrung des Kindes ab. Hat es schon längere Radtouren gemacht, kennt den Weg, etc. Falls ja, dann kein Problem..

      • dres sagt:

        @13: Bezüglich Kraft und Ausdauer würde vorsichtig gesteigert. Das machen wir ohnehin. Freiwillig und bestimmt ohne Druck von mir. Und der Weg müsste natürlich intus sein.
        @Bögli: Die Beispiele waren nicht wirklich ernst gemeint, deshalb die saloppe Formulierung. Ich dachte, das sei einigermassen verständlich…

      • 13 sagt:

        Bleibt immer noch die nicht unbedeutende Unfall- oder schlicht Pannenwahrscheinlichkeit.

  • Cybot sagt:

    Wenn ein Kind alleine in den Kindergarten gehen kann, kann es sicher auch mal eine kurze Zeit allein zu Hause bleiben – das letztere ist doch wesentlich ungefährlicher. Ich finde, ein Kind sollte es zuerst lernen, allein zu Hause zu sein und erst danach, allein aus dem Haus zu gehen.

    • Christoph Bögli sagt:

      Obacht, die meisten (tödlichen) Unfälle geschehen immer noch im eigenen Haushalt. So oder so ist aber beides extrem ungefährlich wenn man ein paar banale Verhaltensregeln beigebracht hat. Wenn man ab dem Kindergartenalter solche Phasen der Eigenverantwortung nicht zutrauen kann, dann ist das ein ziemlich deutlicher Misstrauensbeweis und zeigt, dass da was schief läuft..

  • Nina sagt:

    trage und mir nachgelaufen sei. Ich dachte natürlich, sie sitzt zuhause. In der Wohnung angekommen, war sie weg. Sie hatte Angst bekommen und wollte mich suchen. Dem Himmel sei Dank war sie zum Bäcker gelaufen, wo wir immer Brot kaufen. Dort wusste man, zu wem das Mädchen gehörte und gab ihr ein Guetzli und ein Rivella, während der Chef mich suchen ging. Wir trafen uns auf der Strasse und dank ihm konnte ich meine Tochter sicher nach Hause bringen. Sie ist nun mittlerweile 7 1/4 und beginnt ihren Radius zu erweitern, aber für mich war das eine Lehre, dass nicht alles „Erarbeitete“ so bleibt…..

  • Laurence sagt:

    Wenn das Älteste 8 ist, finde ich das jetzt auch nicht sonderlich abenteuerlich. Natürlich mit langsam starten. Fünf Minuten in die Waschküche und so. Das ganz normale Leben bedingt ja aAbwesenheiten, die völlig unaufgeregt geübt und ausgedehnt werden können. Bei alleine Zugfahren hätte ich aber persönlich Angst.

    • 13 sagt:

      @ Laurence
      Zug nicht, aber ich musste als 8jährige alleine mit dem Bus in die Schule. In einem fremden Land, wo ich knapp zwei Sätze der Landessprache sprach. Das war tatsächlich eine Herausforderung, aber daran wächst man ja bekanntlich. 😉
      Das würde ich wirklich vom Kind abhängig machen. Meine Tochter könnte es wohl. Sie ist ziemlich selbständig, gerät nicht leicht in Panik und hat im Notfall eine grosse Klappe und würde jemanden um Hilfe bitten. Aber ich kenne durchaus viele 8jährige, die ich eher nicht lassen würde.

    • Cybot sagt:

      5 Minuten in die Waschküche? Das ist jetzt nicht ernst gemeint, oder? Das geht doch gar nicht anders, oder soll man das Kind etwa jedes mal in den Keller mitschleppen? Das macht doch kein normaler Mensch. Selbst ein neugeborenes Baby kann man die paar Minuten alleine lassen. Mir scheint, viele Eltern sind heute einfach total paranoid.

      • dres sagt:

        5 Minuten in der Waschküche einsperren zum angewöhnen? Finde ich auch humaner als den Keller.

      • 13 sagt:

        @ Cybot
        Ein neugeborenes Baby kann man schon alleine lassen, es wird vermutlich sogar weniger anstellen als ein Kleinkind, ein Mensch mit etwas Herz tut das aber nicht. Meine waren jeweils dabei, sonst hätte ich sie ja vorher abbinden müssen, was ja nur Zusatzaufwand bedeutet hätte. Mit 6-8 Monaten konnten sie jeweils selber die Treppe runter und rauf krabbeln, da war das tragen gar nicht nötig. Dass aber ein Kleinkind diese 5 Minuten alleine bleiben kann, erscheint mir logisch.

    • Laurence sagt:

      Das Mami ist der Waschküche und das Kind allein in der Wohnung 🙂

  • Nina sagt:

    Auch ich habe meine Tochter schon mal für zwanzig Minuten allein gelassen, wenn ich im Migros noch schnell etwas Vergessenes besorgen musste. Ich schloss sie in der Wohnung ein (Angst, dass genau in diesem Moment etwas zu brennen anfing, hatte ich nie, bis ich mal mit meiner besten Freundin über das Thema gesprochen habe) und liess sie einen Video schauen. Da war sie etwa 5 1/2 jährig. Das ging eine Weile lang gut, und dann machte sie einen Entwicklungsschub und begann, sich mehr vorzustellen, was alles passieren kann. Nicht so genau wissend, was in ihrer Fantasie plötzlich abging, liess ich sie wieder mal allein, aber diesmal mit offener Wohnungstür. Als ich zurück kam, fragte mich eine Anwohnerin, mit der wir aber nicht genauer bekannt waren, ob meine Tochter ein gestreiftes Kleidchen

  • dres sagt:

    Acht und sechs und alleine zuhause für eine halbe Stunde? Doch, da gibt es gewisse Überlebenschancen.

  • 13 sagt:

    Ich habe in dem Alter (8) bereits das Mittagessen gekocht und einen ganzen Nachmittag auf meine kleine Schwester aufgepasst, während unsere Eltern arbeiteten. Heute wäre das ein Fall für die Vormundschaftsbehörde. Ja, das war eine andere Zeit und ein anderes Land und ich würde es heute nicht ganz so machen, aber der Gedanke hilft mir jeweils, wenn Leute, wie die erwähnte Nachbarin, Panik schieben. Meine Tochter (8) ist immer mal wieder eine Stunde alleine zu Hause. Sie findet das super. Wenn etwas ist, kann sie ein Telefon bedienen. Bis zu 30 Min lasse ich auch meinen Sohn (5) mit ihr zusammen alleine, wenn er das will. Man muss den Kindern auch etwas zutrauen. Wie sonst sollen sie lernen, Verantwortung zu übernehmen?

    • Ding Dong sagt:

      Danke.

    • Lucrecia sagt:

      Und damals gab es keine Handys, um schnell Mama etwas zu fragen.

      Hatten Sie schöne Ferien? 😉

      • 13 sagt:

        Handys nicht, Telefone hatten wir schon, so alt bin ich dann doch nicht 😉 Aber mind. die halbe Stunde auf dem Arbeitsweg herrschte tatsächlich Funkstille.
        Ja, danke, war erholsam.

    • Christoph Bögli sagt:

      Genau. Aber das ist ja letztlich der erwähnte „Entwicklungsstand“, der halt sehr unterschiedlich ausfallen kann. Manche können ja mit 18 kein Mittagessen kochen oder auf ein Kind aufpassen. Oder mit 28. Wobei das effektiv dann meist daran liegt, dass solche Menschen nie gefordert und damit in ihrer Entwicklung gefördert wurden, um auch mal (Selbst-)Verantwortung übernehmen zu können. Darum kann ich da nur zustimmen. Mit diesem permanenten pampern und helikoptern tut man den Kindern letztlich keinen Gefallen – und sich auch nicht, schliesslich züchtet man sich so lebensunfähigen Nachwuchs heran, der Rundum-Betreuung benötigt..

  • D. Hofer sagt:

    Ja das muss man wirklich von Kind zu Kind entscheiden. Unsere Tochter ist erst 2, da ist das noch kein Thema. Aber ich selber bin mit meiner Schwester von meiner alleinerziehenden Mutter schon früh auf die Selbständigkeit vorbereitet worden. Ich war 4 und meine Schwester 6. Frühstück, Mittagessen, Nachtessen war stets vorbereitet – je nach dem welche Schicht meine Mutter hatte. Als ich in die Schule kam mit 7 sind wir dann auch schon alleine mit dem Zug zu meinem Vater übers Wochenende. Ich glaube, da hätte man heute die KESB an der Backe. Meine Mutter wurde übrigens über all die Jahre von den anderen Eltern ignoriert.
    Gratulation Frau Meier für diesen mutigen Schritt.

  • roger sagt:

    lustiger Artikel, witzig geschrieben!

  • Schmidlin sagt:

    tja, und meine Töchter wollten mit 3 und 5 Jahren alleine im Quartierladen einkaufen gehen.
    ich besprach mit der Verkäuferin das Vorgehen, gab ihnen einen Zettel und den Einkaufswagen mit. Auf die Idee eine Kleinigkeit (Vollkorn Gipfeli od.so) für sich zukaufen, kam die Jüngere.
    Schade das wir wegzogen, es hat ihnen viel Spass gemacht und sie haben es überlebt!!!!!!!!!!!!!!

    • Lucrecia sagt:

      Wunderbar!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
      Und wieso brauchte das jetzt geschätzt 15 Ausrufezeichen?????????????????????
      Weniger ist mehr!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

    • Franz Vontobel sagt:

      Auf die Idee eine Kleinigkeit (Vollkorn Gipfeli od.so) für sich zukaufen, kam die Jüngere.

      Echt? Ein Vollkorngipfeli? Auf so eine absurde Idee kämen meine Gofen in hundert Jahren nicht…

  • V. Züllig sagt:

    Ich habe damals als die Kinder 5 und 7 waren wieder angefangen zu arbeiten (vor 35 Jahren) und die Kinder waren morgens und mittags je eine halbe Stunde alleine zu Hause. Ich habe regelmässig mit ihnen geredet, ob es so i.O. für sie wäre, immer alles reibungslos verlaufen, sind schon früh sehr selbständige Menschen geworden.
    Und gestritten haben sie wohl nie ohne mich, die oft Partei ergriffen hätte wars nicht interessant.

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