Der verlorene Sohn und die Medien

HANDOUT - Der vermisste 12-jaehrige Paul Schickling aus Gunzgen (SO), undatiertes Handout. Die Solothurner Staatsanwaltschaft hat im Fall des seit Samstag vermissten 12-jaehrigen Knaben Paul eine Strafuntersuchung wegen Entfuehrung gegen Unbekannt eroeffnet. Es koenne nicht ausgeschlossen werden, dass sich der Knabe mit jemandem verabredet habe. Die Strafuntersuchung sei aufgrund neuer Hinweise eroeffnet worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch, 22. Juni 2016, mit. Die Ermittlungen wuerden weiterhin in alle Richtungen und auf Hochtouren laufen. (HANDOUT Kantonspolizei Solothurn) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Für Opfer ist es wichtig, dass ihre Bilder schnell aus der Öffentlichkeit verschwinden. Bild: Keystone / Bearbeitung TA

Was bisher geschah: Ein Fünftklässler aus dem Schweizer Mittelland, ich möchte ihn hier Peter nennen, wurde vermisst. Der Polizei gelang es dank intensiver Fahndung, das Kind nach ein paar Tagen im angrenzenden Ausland zu finden. Der Junge hat sich in der Wohnung eines erwachsenen Mannes aufgehalten, den er über ein Onlinegame kennen gelernt hatte.

Ich bin heilfroh, dass Peters Eltern ihren Sohn am Sonntag wieder in die Arme schliessen konnten, «körperlich unversehrt», wie der Chef der Kriminalpolizei betonte.

Was genau ist vorgefallen in der Wohnung dieses Mannes? Ist der Täter ein Pädophiler? Schon gestern fragte die Boulevardpresse: «Hat er Peter sexuell missbraucht?» Wer Antworten auf solche Fragen sucht, stellt seine eigene, ekelhafte Neugierde über Peters Anspruch auf Privatsphäre.

Natürlich hat die Öffentlichkeit ein Recht auf Information. Aber welche Information brauchen wir nun wirklich noch zu diesem Fall? Als Mutter weiss ich bereits alles, was ich wissen muss. Experten haben Tipps gegeben zum Umgang mit Onlinegames. Ich bin also informiert, wie ich meine Kinder im Internet schützen kann. Muss ich wissen, wie der Täter aussieht? Oder was er mit seinem Opfer gemacht hat? Nein. Peter ist wieder zu Hause, er lebt, die Polizei hat tolle Arbeit geleistet. Punkt.

Für immer im Internet

Man kann darüber sprechen, warum Peter die wichtigen Regeln im Umgang mit dem Internet nicht gekannt oder nicht angewandt hat. Man kann darüber diskutieren, wo die Kinder das lernen sollen. Zu Hause? In der Schule? Oder im Onlinegame selbst – zum Beispiel in Form eines Hinweises vor der Registrierung? Man kann und muss über einige Dinge reden, mit den Kindern, mit anderen Eltern und im Klassenzimmer. Dazu gehören aber keine medial ausgeschlachteten Details über das Opfer, den Täter oder den genauen Tathergang. Denn solche Informationen dienen nicht der Prävention, sondern befriedigen lediglich voyeuristische Gelüste.

Peter war bis vor ein paar Tagen ein ganz normaler Junge. Nun kennt jeder seine Geschichte und seinen vollen Namen. Und auch Jahre später werden noch unverpixelte Bilder seines Bubengesichts auftauchen, wenn man ihn googelt. Zusammen mit allen Artikeln zu diesem Fall. Denn das Internet vergisst nicht. Natürlich machte es nach dem Verschwinden des Kindes Sinn, für die Vermisstmeldung Name und Foto zu veröffentlichen. Jetzt aber nützen diese Informationen nichts mehr, sie schaden nur noch – nämlich Peter. Dem zwölfjährigen Buben, dessen junges Leben weitergeht.

Einfach nicht anklicken

Der Junge hat einen Fehler gemacht: Er hat seine Privatsphäre nicht geschützt. Von den Medien erwarte ich, dass sie nicht denselben Fehler machen wie ein unbedarfter Fünftklässler. Zumal sie ja gemäss Journalistenkodex dazu verpflichtet sind, die Privatsphäre zu respektieren – solange das öffentliche Interesse nicht das Gegenteil verlangt. Ich finde es falsch und heuchlerisch, in einem Artikel Tipps zu geben zum Schutz der Kinder im Internet – und im nächsten Artikel ein ungeschütztes Kind und dessen Schicksal den gierigen Lesern zum Frass vorzuwerfen.

Peter wird seinen Fehler und die daraus resultierenden Geschehnisse mühsam verarbeiten müssen. Auf eine Berichterstattung, die vor den Klassenkameraden und der ganzen Schweiz seine Hosen runterlässt, kann er gut verzichten. Ich hoffe für diesen armen Jungen, dass während der Sommerferien genug Gras über die Sache wächst, damit er in Ruhe in die sechste Klasse starten kann. Wir alle können ihm dabei helfen: einfach nicht anklicken, nicht kaufen, nicht lesen.

93 Kommentare zu «Der verlorene Sohn und die Medien»

  • Mia Mia sagt:

    Wenn dieser Bericht doch nicht nur Geschwafel wäre sondern Taten! Nach der Erfolgsmeldung der Polizei hätte die Berichterstattung richtig anonymisiert und ohne Bilder laufen müssen, wenn überhaupt. Ich denke genauso wie NM aber ich gebe auch Susanna recht, Das Bild hier ist ebenfalls überflüssig. Vor allem stört mich, dass einerseits dieser Bericht hier erscheint, bei 20min aber weiterhin fleissig ein Kinderleben kaputt gemacht wird.

    • Muttis Liebling sagt:

      Heute ist Tag 4 danach. TA online hat immer noch 3 Artikel zum Thema parat. Das hat nichts mit einem Informationsauftrag zu tun, das ist einfach nur widerlich und es handelt sich NICHT um eine Boulevard- Zeitung!

    • Widerspenstige sagt:

      Das Darwinprinzip ist am Ruder im Verlagswesen und wir machen als Community gratis mit. Was ist zu tun? Vielleicht ein Artikel über Elternkurse als Standard zu neuen Medien? Wer keine Ahnung hat, kann nicht präventiv vorgehen und wer alles verbietet, hat bereits verloren. Wie weiter als Erziehungsmodell der Kinder unserer Zukunft?

  • Susanna sagt:

    Mit diesem Beitrag wird das Kind nicht geschont, sondern einmal mehr thematisiert – auch die Silhouette verweist auf das Bild. NM, was haben Sie sich denn dabei gedacht?

  • M.B. sagt:

    Ich höre bzw. lese hier die erste Stimme, die lauthals nach Privatsphäre eines Opfers ruft. Danke.

  • Markus Schneider sagt:

    Heuchelei und völlig sinnentleerte Diskussion. Das Thema ist beendet. Der Rest ist Sache der Gerichte.

  • Alpöhi sagt:

    Die interessante Frage, die niemand stellt, ist ja eigentlich: Warum musste P. von zu Hause abhauen? Gab es für ihn keine andere Möglichkeit, sein Ziel zu erreichen? Und: Was war denn überhaupt sein Ziel?

    • tina sagt:

      doch. haben wir gestern schon. genau über solche dinge braucht man sich ja eben nicht das maul auch noch zu zerreissen, wenn man null ahnung hat von den hintergründen

  • Papperlapapi sagt:

    Wie bereits einige angemerkt haben, hat hier die Polizei die Öffentlichkeit bei der Suche des Jungen involviert. Logisch interessiert sie sich (und ich schliesse mich da mit ein) dann dafür, was mit dem Jungen geschehen ist. Insgesamt sind die Zeitungen was die Veröffentlichung von Namen angeht, meines Erachtens zurückhaltenden geworden und nicht offener.
    Früher gabs den Fall Zwahlen, den Kindermörder Ferrari, Günther Tschanun, heute Thomas „N.“

  • Urs sagt:

    Die ganze Thematik ist völlig konstruiert. Wenn jemand vermisst wird, werden – naturgemäss – unverpixelte Bilder in Umlauf gebracht, verbunden mit dem Aufruf, sich zu melden, wenn man den Vermissten gesehen hat. Wird der Vermisste gefunden resp. befreit, wird der Fall in der Presse mit verpixelten Bildern veröffentlicht. Der Zeitpunkt, wann die Bilder des Opfers aus der Öffentlichkeit zu verschwinden haben, hängt logischerweise mit der benötigten Zeit zur Aufklärung des Falls resp. mit der Dauer der Fahndung zusammen und nicht mit Überlegungen, ab welchem Zeitpunkt die Privatspähre des Opfers geschützt werden muss.

    • Rudi Buchmann sagt:

      Wann wurde der Junge gefunden, vor zwei Tagen? Und der Blick, der Tagi und die BaZ berichten munter weiter über alles, was es nur auszuschlachten gibt. Hunderte wurden schon über Radio und Fernsehen gesucht. Nachdem die Personen gefunden wurden, war Ruhe. So extrem ist mir das noch nie aufgefallen.

  • Adina sagt:

    Nein, Frau Meier, ich muss den Namen des Kindes nicht kennen und auch der genaue Tathergang nicht.
    Es reicht mir vollständig wenn nur die Polizei das alles weiss, vorausgesetzt natürlich ich vertraue dass die Polizei ihr Job gut macht.
    Der Polizei in unserem Quartier vertraue ich wohl, immerhin waren sie ehrlich genug um zuzugeben: wir machen was wir tun, aber die Hauptverantwortung für den Schutz des Kindes vor sexuellen Missbrauch liegt bei den Eltern.

    Aus diesem Grund eben möchte ich so gut wie möglich von den Medien über solche Fälle (Ruperswil auch, da ging es auch um Kindesmissbrauch) informiert werden.
    Danke an der MB Redaktion für die gestrige Wiederholung des Beitrags aus August 2013, sehr hilfreich.

    • Christoph Bögli sagt:

      Blöderweise sucht aber in solchen Fällen gerade die Polizei selber die Öffentlichkeit und forcierte die Suche nach dem Vermissten über die Medien. Wenn so etwas mehrere Tage lang über die Titelseite aller grossen Medienplattformen läuft, dann ist es halt sehr schwierig, diese Büchse wieder zu schliessen. So verständlich die Forderung nach plötzlicher Privatsphäre ist, angesichts der Funktionsweise der Medien ist diese auch ziemlich naiv. Wenn bereits eine solch massive Öffentlichkeit und damit auch die Neugier der Leser geschaffen wurde, ist es sehr schwierig, das wieder unter Kontrolle zu bringen. Alleine auf einmal Bilder und Namen zu anonymisieren zu wollen, wenn diese vorher gezielt veröffentlicht wurden, hat einen sehr begrenzten Nutzen – jeder weiss ja bereits, um wen es geht..

  • Stefan W. sagt:

    Tja, die ekelhafte Neugier. Trotzdem die Frage: Sollte eine Zeitung ihren eigenen Qualitätskodex einhalten, oder ihn nur von der Konkurrenz einfordern?

    • Adrian Wehrli sagt:

      Erst kommt der Klick, dann die Moral. Der TA-Medien Warroom ist Ethik, Anstand und Wertefrei, eine saubere Rechenanstalt die den niederen Trieb des Sensationsgeilen Trieblesers nur sauber auswertet.

  • Rudi Buchmann sagt:

    Heute auf bazonline.ch:
    PanoramaVermischtesLeuteWetter
    Polizei erwischte Werner C. nackt mit Paul im Bett

    Muss jetzt die Familien wegziehen? Aber wohin, es kennt ihn ja die ganze Schweiz? Muss er jetzt in ein Heim? Wie wird Missbrauch von der Gesellschaft aufgenommen? Ist der Junge jetzt entwertet?

    Fragen über Fragen, aber die interessieren niemanden. Nicht einmal Kommentare kann man zu diesen Artikeln abgeben! Es geht ja nur ums Geld. Jeder Klick auf ein Werbebanner generiert Geld. Man macht die Menschen sensationsgeil und kassiert ab.

    Aber eigentlich sind wir mit dabei, durch all die Informationen und nicht nur der Junge – auch wir werden entwertet. Ähnlich wie im Fall Ruperswil. mitgehangen – mitgefangen.

  • ZImy sagt:

    Ich kann Frau Meier nur beipflichten. Allerdings war auch der Tagi bei seiner Berichterstattung da nicht ganz „sauber“. Ich denke da an den Artikel, der die selbstverfassten Online-Profile des Buben inklusive Rechtschreibfehler enthielt. Da habe ich mich auch gefragt, ob das denn unbedingt sein musste?

  • loulou55 sagt:

    Ich will ihnen Tina Meier ja nicht widersprechen, aber es erinnert mich an meine jüngeren Jahre.
    Ich habe links gewählt und an eine sozialere und gerechtere Welt geglaubt, dabei war sie damals um Einiges sozialer und gerechter als heute (aber das sieht man erst hinterher). Heute bezeichne ich das selbst als „Sozialromantik“ und lasse mich aus der rechtsnationalen Ecke sogar als „Gutmensch“ beschimpfen.
    Nein, das Rad der Zeit & Technik lässt sich nicht zurückdrehen, wir werden damit leben müssen.
    Warum fällt mir da der Song von Georg Danzer „Traurig aber wahr“ ein?
    DASS DER MENSCH A KRETZ’N IS‘
    HINTERLISTG FEIG UND MIES…
    …DASS A KIND BETROGEN WIRD
    DADURCH DASS’S ERZOGEN WIRD
    DASS DA STARKE ‚N SCHWACHEN SCHLUCKT
    UND DIE FAUST DIE HAND ZERDRUCKT
    TRAURIG ABER WAHR…

  • Katharina sagt:

    Wer von Ehrenkodex redet, sollte angesichst Katastrophen wie Brexit, Drumph und anderem genauestens über die Bücher.

    Aber lieber auf dem Buckel eines kleinen wehrlosen noch ein bisschen selbstgefälliges Wohlgefühl verbreiten.

    • Muttis Liebling sagt:

      Ich habe den Journalistenkodex heute morgen gelesen und für Wortabfall befunden. Dazu passt eine Meldung von heute, dass der CH- Presserat eine Eingabe vom 23.Juni, nicht 2016, sondern 2015, für rügenswert befunden hat. Wer die dahinter stehende Provinzposse inzwischen vergessen hatte, dem wurde sie heute noch einmal aufgewärmt. Man könnte das glatt kontraproduktiv und gemein nennen.

  • Peter Sulzberger sagt:

    Paul oder Peter spielt keine Rolle. Es ist für Eltern wichtig den Mechanismus zu verstehen, der zu der Situation von Paul/Peter geführt hat. Es ist wichtig, dass die Eltern verstehen lernen, dass ihr Kind von der Realität in die Irrealität abwandern kann, wenn auf der Gegenseite (z.B. Internet/Game) die entsprechenden Faktoren dazu aufgebaut und betrieben werden mit denen sich die Kinder besser identifizieren können, als mit „realen Vorbildern“. Wenn in ihrem Umfeld (Schule/Pausenplatz) mehrheitlich die fiktiven Helden Konjunktur haben ist Handlungsbedarf angesagt. Der Fall Paul/Peter zeigt dies drastisch auf. Wichtig für die Kinder ist, dass sie lernen, dass hinter ihren fiktiven Helden meistens ein Hilfskoch oder sonstiger „Vogel“ zum Vorschein kommt.

    • tina sagt:

      irgendwo las ich, dass es bei den vorsichtsmassnahmen bezüglich gamen und internet ähnlich ist wie mit dem strassenverkehr. man bringt dem kind die regeln bei, man begleitet erst noch, hakt nach, über längere zeit. aber man begleitet das kind nicht für alle zeiten. manchmal passiert einem ein fehler, manchmal läuft es einfach schief. man kann nicht alles kontrollieren. das heisst, man könnte schon: indem wir uns alle selber in ein gefängnis sperren.

      • Muttis Liebling sagt:

        Diese halbgaren Ratschläge an die Eltern, tina, sind doch alle für die Katz. Das Schaufenster Internet hat 24h geöffnet und es reicht 1 Fehler auf 1 Mio. Fälle des Rechts- Verhaltens und die Sache ist gelaufen.

        Ich kann ein noch so aufmerksamer Verkehrsteilnehmer sein, sozusagen das Ideal eines Verkehrsteilnehmers. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls immer >0 und proportional der Zeit im Verkehr.

        Da ist nicht einmal die 100% Helikopter- Mama vor, geschweige denn eine normale Familie.

      • tina sagt:

        für die katz schon nicht. es geht um das bewusstsein, das muss man ja kindern auch vermitteln.
        aber was definitiv falsch ist: wenn etwas schiefläuft, muss man nicht die kinder oder deren eltern anschuldigen, irgenwas falsch gemacht zu haben (das war ja heftig gestern im mamablog). aus den von dir genannten gründen, da hast du völlig recht

      • Alpöhi sagt:

        Und trotzdem stimmt der Hinweis von tina im Grundsatz. Denn in der virtuellen Welt ist es genau gleich wie in der richtigen: Wenn man sich an Orten rumtreibt, wo dubiose Gestalten auf einen lauern könnten oder man sich eine Krankheit einfangen könnte, dann lässt man besser die Finger davon. Es ist gesünder.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Alpöhi, klar hat tina mit ihrer Haltung recht. Es reichen ausschliesslich statistische Gründe, in irgend so einer Falle zu landen.

        Man kann die intakteste Familie sein, mir den intelligentesten und sensibelsten Kindern. Es reicht genau ein raffiniert verpacktes Angebot.

        Das ist eben der Unterschied. Man kann die Versagenswahrscheinlichkeit nach unten manipulieren, nie aber auf Null drücken. Aber das Versagen ist singulär, einmalig. Dagegen gibt es keine Strategie.

        Deswegen sind die selbstgefälligen Ratgeber mit Ratschlägen aus der Mottenkiste Teil des Problems, aber nicht der Lösung. Schon weil es letztere nicht gibt.

      • Carolina sagt:

        Ich empfehle den Artikel von M Binswanger von heute! Realistisch, alltagstauglich und frei von Belehrungen. Und: beschreibt sehr anschaulich, wie schwierig es auch für die kompetentesten Eltern ist, die Gratwanderung zwischen Helikopter-/Kontrollfreak-Erziehung und Loslassenkönnen zu allen Zeiten zu bewältigen.

      • tina sagt:

        habe ich carolina, fand ich auch gut.
        genau muttis liebling
        alpöhi: nein, so meinte ich das überhaupt nicht! im gegenteil. keine dubiosen gestalten die lauern. so ein weltbild möchte ich nicht haben müssen. auch nicht die finger davon lassen. oder bewegst du dich echt nicht im strassenverkehr, weil da dubiose gestalten lauern aus deiner perspektive? ich meinte das eher so wie ML schrieb.

      • Muttis Liebling sagt:

        Carolina, der Artikel von Frau B. ist wirklich das Beste dieser Tage. Aber was nutzt es?

        Entwicklung bedeutet, Grenzen zu überschreiten und das endet selten gut. Also muss man die Grenzen gestalten, nicht die Rezeption von Grenzen.

        Was erfahre ich aus der Geschichte von Paul S.? 99.999% irgendwas von Anti, aber der Eine erfährt: Das ist doch eine gute Idee.

        Und weil der Eine und nicht die 99.999% Anderen das Problem ausmachen, gibt es nur eine Strategie. Der Eine erfährt es nicht.

        Das aber widerspricht dem herbei geredeten öffentlichen Interesse, hinter dem nur Quotenwünsche stehen. Es gibt kein öffentliches Interesse an Gewalt und das muss man durchsetzen. Sonst geht das wie beim Domino.

        Man darf solche Geschichten nicht publizieren!

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Deswegen gab es in der DDR das strikte Verbot, über Mord und Selbstmord zu berichten. Der Dödel wurde in der Vermutung gehalten, dass es dies nicht gibt, obwohl die Rate ca. 30% unter der westdeutschen lag. Tötungsdelikte sind vor allem Beziehungstaten, da hilft kein Staat oder Sozialmodell.

        Aber das ist vernünftig, weil die fehlenden 30% Nachahmertaten sind. Die sind präventiert worden. Informationsfreiheit ist ein hoher Wert, aber es gibt höhere.

      • Alpöhi sagt:

        Tina, ich habe keine Paranoia, aber das Leben (und das Web ebenso) ist nich tüberall gleich ungefährlich. Wer sich an Orten mit erhöhtem Risiko aufhält, riskiert mit grösserer Wahrscheinlichkeit Schaden zu nehmen. Das ist alles.

        Ergo versuche ich, mein Risiko realistisch einzuschätzen (das was dabei herauskommt ist durchaus individuell) und meinen Kindern Werkzeuge mitzugeben, eben dieses Risiko realitisch abzuschätzen.

        ML hat aber recht: Auf null drücken kann man das „Schadensrisiko“ nicht. Das ist dann das Restrisiko. Und wenn ich mein Teil getan habe, dann darf ich das Restrisiko getrost Gott überlassen. Oder dem Schicksal, wenn euch das lieber ist. Eine Garantie gibt’s dafür allerdings nicht.

      • tina sagt:

        der junge hat sich nicht auf webseiten mit erhöhtem risiko aufgehalten. er wurde sozusagen in der tempo-30 zone auf dem trottoir angefahren

      • Alpöhi sagt:

        Dass ein 12-jähriger zu Hause ausbüxt und dies ankündigt, hat (um beim Bild zu bleiben) eher Ähnlichkeit mit „mittem im Dorf mitten auf die Strasse liegen“.

      • tina sagt:

        alpöhi, da hast du aber etwas ganz gehörig missverstanden. was du da schreibst, das ist doch eine ganz miese unterstellung. ich mag das gar nicht ausdeutschen. genau solche bemerkungen wie die von dir sind besonders mies, denn du hast dir da etwas völlig aus der luft gegriffenes zusammengereimt und unterstellst den falschen ganz übles. traurig

      • tina sagt:

        von leuten, die sich selber als christen oder gläubige darstellen wollen (wäre ja nicht nötig. man kann das auch einfach so für sich sein), erwarte ich eigentlich auch eine grosse menschenliebe, also eine sehr wohlwollende haltung, und zwar selbstverständlich insbesondere leuten gegenüber, die beispielsweise noch jung sind oder vielleicht sogar ein fehlerchen machten. anstatt diese leute noch besonders schlecht hinzustellen. kotz

      • Widerspenstige sagt:

        Schon mal etwas von Pharisäertum gelesen oder gehört, Alpöhi? o_o

  • Hans Hegetschweiler sagt:

    Ich habe mir auch dasselbe wie die Autorin gedacht. Das Problem ist nur, dass sich der Erwachsene in diesem Falle mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit strafbar gemacht hat und es zu einem Strafprozess kommen wird. Strafprozesse sind nun mal öffentlich und es besteht ein gewissen Interesse an der Berichterstattung. Deshalb ist in einem solchen Falle die Privatsphäre des Kindes fast nicht schützbar. Wir können uns darüber ärgern, wir können aber kaum den Grundsatz der Prozessöffentlichkeit preisgeben.

    • Muttis Liebling sagt:

      Zumindest in der BRD, dem Tatort, werden Prozesse wegen Verbrechen an Kindern i.d.R. nichtöffentlich geführt.

      • Carolina sagt:

        Diese Heuchelei, ML – als ob in Deutschland alles so wunderbar wäre in dieser Beziehung. Auch ein nicht-öffentlicher Prozess bzw ein Ereignis, das ein Kind involviert, wird in Deutschland von sämtlichen privaten Medien verfolgt (pun intended) – die Familien, Betroffenen und vor allem Opfer sind nach kürzester Zeit dank der Privatsender, die wir alle kennen, landesweit bekannt – da braucht man Google gar nicht mehr. Ich weiss nicht, was schlimmer ist: einerseits das nichtöffentliche Interesse zu betonen, andererseits aber zu behaupten, Deutschland sei in diesem Bereich der Massstab für Qualität! Deutschland hat – nach England – in Europa die Medien, die am wenigsten Respekt für Privatangelegenheiten haben, aber sich, wie Sie, pseudo-moralisch ereifern.

      • Muttis Liebling sagt:

        Caroline, es ist nur die wertfreie Aussage, dass in der BRD (nicht in Deutschland, ein Land hat keine Justiz, nur ein Staat eine solche) solche Prozesse nichtöffentlich geführt werden. Das hat der Vorkommentator falsch dargestellt.

        Dass dann aber sogar Staatsanwälte an die Presse durchstechen, ist auch bekannt und ich halte die BRD alles andere als moralisch oder auch nur in irgend einer Form als Vorbild.

        Was aber eben nur für die BRD, nicht für Deutschland gilt. Deutschland ist mir seit dem ersten Kaiser, Otto I., 10. Jahrhundert, äusserst sympathisch. Aber derzeit hat es einen Aussetzer.

      • Carolina sagt:

        Meine Güte, ML, schon so früh am Morgen?………..

      • Muttis Liebling sagt:

        Man hat halt im Alter so seine Rhythmen und der MB hat seine.

    • nando widmer sagt:

      Sorry, das ist nicht persönlich gegen Sie gerichtet, Herr Hegetschweiler, aber eine solche Erklärung ist armseelig. Ich kenne keinen Prozess aus der Schweiz oder Deutschland, wo es um Kinder ging und wo der Prozessverlauf öffentlich gemacht wurde. Meines Wissens, und ich weiss, wovon ich rede, steht der Kindsschutz samt Privatsphäre an oberster Stelle.

      • Carolina sagt:

        Ach ja? Da scheint mir aber eine sehr selektive Wahrnehmung vorzuliegen: (Vermutete) Verbrechen an Kindern und Strafprozesse sind zwar nominell einer Schweigepflicht unterworfen, aber wenn die Opfer und deren Familien zum zweiten Mal in den Boulevardsendungen der Privatsender (pseudo-verpixelt) gezeigt wurden, weiss die ganze Republik (wenn sie es will), um wen es geht.

      • nando widmer sagt:

        Carolina, darum geht es ja, dass die Zeitungen die betroffenen blossstellen, obwohl sie durch das Gesetzt geschützt wären. Genau das ist der Punkt. Man hat nicht das Recht, über solche Fälle im Detail zu berichten, dennoch sickern die Informationen durch und landen bei den Medien. Die Prozesse werden nicht öffentlich geführt von den Ämtern, aber die Medien respektieren die Schutzbestimmungen nicht.

      • Carolina sagt:

        Sorry, NW, ich habe Ihren Post so verstanden, dass Sie der Meinung sind, dass genügend Schutz besteht…. Entschuldigung.

  • nando widmer sagt:

    Frau Meier, Sie sprechen mir aus dem Herzen. Die Welt der Erwachsenen ist grausam, sie schreckt vor nichts zurück. Ich habe das ganze Wochenende über nur eines gehofft: dass die die Medien mit der Rettung des Kindes ihre Berichterstattung abschliessen. Und dann kam diese Nachricht gestern. Dieses Kind geht durch die Hölle und die Zeitungen heizen ihm das Feuer noch zusätzlich ein. Ich würde mein eigenes Kind vor solcher Blossstellung bewahren. Der Familie und dem Kind bleibt nichts anderes übrig, als dieses Land zu verlassen und an einen Ort zu ziehen, wo man sie nicht kennt. Und totz dieser Massnahme, wird die Nachricht in alle Ewigkeit im Internet kursieren. Paul ist bis zu seinem Tod dieser öffentlichen Blossstellung ausgesetzt.

    • tina sagt:

      auch solche extremen formulierungen sind nun wirklich nur öl ins feuer geschüttet.
      man könnte ja stattdessen den jungen und seine eltenr entlasten, anstatt noch auf ihnen herumzutrampeln. solidaritätsbekundungen. die leute lesen ja vielleicht auch zeitung

      • nando widmer sagt:

        Tina, entweder haben Sie noch keine eigenen Kinder, oder Sie haben kein Verständnis für das Leiden eines Kindes.

      • tina sagt:

        ich bemängle bei nando widmer und martin frey die drastische ausdrucksweise. die eltern des kindes lesen nämlich auch zeitung.
        und dann einfach weiter krasse anschuldigungen austeilen, bravo, das hilft sicher.
        ich würde raten, mal kurz innezuhalten anstatt wild um sich zu schlagen, und nochmals kurz wirken lassen, was ich eigentlich geschrieben habe. hinweis: den jungen und seine eltern entlasten, solidarität. anstatt auch noch auf ihnen herumzutrampeln. ich finde finde ihren letzten satz jedenfalls überhaupt nicht ermutigend für das kind oder die eltern. Sie etwa? diese ausdrucksweise macht noch mehr kaputt für die leute

  • Lucrecia sagt:

    Ich finde auch etwas schade, wenn MB das Gefühl hat, „mitziehen“ zu müssen. Wie schon bei der Flüchtlingskrise. Wenn ein Thema sonst überall steht, ist es gerade schön, hier etwas anderes zu finden.

  • Matthias sagt:

    Ein Problem ist natürlich, dass P. erst einmal spurlos verschwunden war und gesucht wurde. Dabei ist es natürlich hilfreich, wenn viele Leute z.B. den richtigen Vornamen oder gar das unverpixelte Bild des Jungen kennen. Nur lässt sich das dummerweise nachher nicht mehr rückgängig machen.

    • tina sagt:

      das stimmt. aber als man den jungen noch gesucht hat, hat man noch nicht all die dinge über ihn preisgegeben, wenns mir recht ist (habe es allerdings nicht so verfolgt). es ist eine sache, jemanden zu suchen, mit bild und angaben die dazu dienen könnten ihn zu finden (also: was trug er, wo wurde er zuletzt gesehen, sowas). es ist aber eine andere sache, sein online profil in den medien preiszugeben, seine freizeitbeschäftigung und solche dinge. natürlich zerreissen sich dann die leute das maul darüber –> „WAAAS 1-5 stunden online??? den eltern sollte man das sorgerecht entziehen“ –> so macht man aus einem opfer ein 3faches opfer

  • Zufferey Marcel sagt:

    Was meinen eigentlich die Werbetreibenden und Aktionäre der Medienhäuser zu diesem Thema..? Und der Scheffredakter?

    • Alpöhi sagt:

      Peter Uebersax , erfolgreicher Blick-Cheffe in den 80ern, schrieb in seinen Memoiren („BLICK zurück“): „Eine Zeitung, das ist akkurat gefaltetes Papier, mit Werbung bedruckt, und auf der Rückseite stehen Nachrichten.“ – Besser kann man die Prioritäten nicht auf den Punkt bringen.

      Oder: Selbst die NZZ wir auf einer Vierfarbenmaschine gedruckt, aber nicht wegen dem redaktionellen Teil.

    • Alpöhi sagt:

      Im Zeitalter des www wurde daraus das Rennen darum, wer die Agenturmeldungen und „Leserreporter-Meldungen“ am schnellsten ins www stellen kann. Nicht nur die Leser sind always online, auch die Redaktionen. Es wird 24/7 publiziert. Redaktionsschluss gibt es keinen mehr. Und „Zeitung voll“ ebenfalls nicht mehr.

      Auf der Strecke geblieben ist die seriöse journalistische Arbeit: Was ist wichtig? Was nicht? Die Onlinemedien überbieten sich gegenseitig im Reproduzieren des immer gleichen Unfugs.

      Es gibt eigentlich in der Schweiz nur ein einziges Medienhaus, das noch Qualitätsjournalismus betreibt und Themen selber recherchiert. Schade, dass es dessen Produkt nur im Jahresabo gibt.

      • Sportpapi sagt:

        Was spricht gegen ein Jahresabo?

      • Alpöhi sagt:

        Die Papierflut im Briefkasten. So viel kann nicht mal unsere Meerschweinchenwanne verarbeiten…

        Und die Buchstabenflut. Soviel kann ich gar nicht lesen.

        Ein Abo „light“ für eine Anzahl Tage pro Jahr wäre cool.

      • Muttis Liebling sagt:

        Können Sie, ggf. verschlüsselt, damit es nicht als Schleichwerbung kommt, das Medienhaus benennen?

      • Sportpapi sagt:

        Nach meinen Wissen gibt es das Abo light sogar. Oder man nimmt nur die Sonntagszeitung…
        Aber klar wäre eigentlich, dass journalistische Leistung bezahlt werden müsste. Nur hat man das in den letzten Jahren irgendwie verlernt.

      • Alpöhi sagt:

        ML: Es ist die einzige Neue Zürcher Zeitung, die allerdings schon so alt ist, dass die vom Volksmund „Alte Tante“ genannt wird. Was auch etwas mit dem traditionell buchstabenlastigen Layout der Printausgabe zu tun hat.

      • Alpöhi sagt:

        SP: Bin ganz einverstanden, eine gute Leistung darf auch etwas kosten. Aber 220 Stutz pro Jahr ist es mir dann doch nicht wert. Gründe siehe oben.

        Abo light sei erhältlich? Wo? Wo? Ich kriege imme rnur ANgebote für ein Monatsabo = 30 Ausgaben. Das ist nicht das was ich will.

      • plop sagt:

        alpöhi – ich habe so ein Abo, begonnen damals mit einem Studentenabo und seither dabei. Papierflut: Ja. Aber ich mag Papier im Haus. Leider hat „die Tante“ beim letzten Redaktionswechsel ein bisschen gelitten und das Layout haben sie auch noch mal geändert, weniger Blei (ich mochte diese klassische „Wüste“) und eben, manchmal muss ich nun über Artikel dort drin den Kopf schütteln. Aber alles in allem lohnt es sich, ich würde eher sonstwo sparen als dort… Die „B-Informationen“ hol ich mir hier oder bei Watson…

      • Sportpapi sagt:

        https://abo.tagesanzeiger.ch/
        Also allenfalls nur ein Abo für das Wochenende. Oder nur für die digitale Nutzung, wenn das Zeitungsbündeln zu viel ist.
        Ehrlich gesagt wundere ich mich weiter über die Idee, dass man guten Journalismus nicht wirklich bezahlen will. Dass dieser leidet, weil diese Idee wegen der Gratis-„Zeitungen“ um sich greift, ist ja längst sichtbar, nicht unerwartet.

    • Adrian Wehrli sagt:

      Der Scheffelredaktor oder der Klickzählator? Inhalt ist doch schon lange tot. Wir wollen nicht gut informiert sondern gut unterhalten sein! Wo ist die nächste Blutlache mit Brüsten und herrenlosem Kätzenchen?

  • 13 sagt:

    Grundsätzlich alles richtig. Und doch ist es etwas sehr scheinheilig, die Geschichte im MB nun schon den zweiten Tag hintereinander zu gebrauchen, um Clicks und Leser zu generieren und dann Berufskollegen vorzuwerfen, das Gleiche zu tun. Gras drüber wachsen lassen und halt auf den Profit daraus verzichten wäre schön, warum nicht bei sich selber anfangen?

    • Martin Frey sagt:

      Gestern ging es um das Ausloten der Gefahren aus dem Netz für Kinder generell, heute um einen selten selbstkritischen Blick auf die Medien im Umgang mit solchen Fällen. Ich finde das einen beträchtlichen Unterschied zB im Vergleich zur Newsredaktion, die Tag für Tag jedes noch so ungeprüfte Gerücht von Organen wie der Bildzeitung 1:1 übernimmt.

    • Lucrecia sagt:

      Völlig auf Ihrer Seite, 13.
      War gestern schon mein Gedanke.
      @MF
      „Generelle Tipps“ sind ja zeitlos. Könnten irgendwann erscheinen. Aber gestern natürlich war das Interesse grösser.

      Eines möchte ich hinzufügen: Schlimm ist zusätlich, wenn Medien den Job schlecht machen und die Tatsachen falsch darstellen. Dann zirkuliert eine falsche „Medienwahrheit“ oder Gerüchte und Spekulationen. Soll der Betroffene das ertragen oder doch seine Erlebnisse schildern? Ich erinnere mich hier an den Fall Kampusch.

    • Sportpapi sagt:

      @13: Ich finde den Beitrag heute gerechtfertigt und wohltuend. Und ich glaube nicht, dass er wahnsinnig viele Clicks produziert.

    • Katharina sagt:

      MF: Lies mal die Twitterfeeds unserer Macher mit ehrenkodex qualitätssiegel hier. Vor allem, wie die sich gegenseitig betrollen, mobben und ungeniert zur Hatz auf unliebsame andere aufrufen.

      Das geht soweit, dass intime Details, auf Twitter notabene und öffentlich einsehbar, gepostet werden.

      • Martin Frey sagt:

        Liebe Kath, bin zwar nicht ganz sicher worauf Du hinaus willst. Mag auch damit zu tun haben dass ich nie, wirklich nie mich mit Twitter näher beschäftige. Ich wüsste nicht weshalb.
        Aber wenn es das ist was ich vermute, dann überrascht mich das überhaupt nicht.

  • Martin Frey sagt:

    Sehr einverstanden Frau Meier. Die Medien treiben wieder mal die Sau nach allen Regeln der Kunst durchs Dorf, ohne Rücksicht auf Verluste und Intimitäten. Sie werden dass Tag für Tag tun, bis kein Knochen mehr den Wölfen zum Frass vorgeworfen werden kann. Dann werfen sie sich auf den nächsten Fall. Das Schicksal von P. wird ihnen dannzumal so egal sein wie bereits heute schon.
    Das sind leider die Mechanismen Ihrer Branche, Frau Meier, die ihren „Ehrencodex“ nur noch vom Hörensagen kennt. Man kann das gar nicht genug verurteilen meine ich. Und wie Sie richtig sagen, kein Kauf, kein Klick, aber auch kein Mittratschen wo auch immer. Jede/r soll die eigenen Konsequenzen aus solchen Fällen ziehen, der Rest ist degoutant.

    • tina sagt:

      ja eben. datenschutz ist halt schon ein thema, nicht?
      aber martin frey bevorzugt euch heute blutdrünstigen dramastil

      • nando widmer sagt:

        Im Gegensatz zu Ihnen ist sich Martin Frey der Tragweite dieser Berichterstattung bewusst, die es auf den Jungen haben wird. Datenschutzdiskussionen…Tina…ist das alles, was sie geistig bieten können? Will dieses Kind, das über die Details öffentlich gesprochen wird? Hat man das Kind jemals gefragt, ob es ok ist? Will dieses Kind ihre Solidaritätsbekundung und ihr Mitleid? Haben sie das Kind gefragt, ob sie dürfen? Haben sie sich nie gefragt, ob man diesem Kind nicht zu nahe tritt? Wer will schon angestarrt werden von Augen, die einem Sagen: „Oh Du armer Kerl bist sexuell missbraucht worden, kann ich dir meine Solidarität bekunden und Dich entlasten, Du ärmster?“

        Die Zeitungen gehen zu weit, viel zu weit!

      • tina sagt:

        ich bin mir wohl eher als Sie der tragweite der berichterstattung bewusst, sonst würden Sie ihre wortwahl zügeln. Sie machen nämlich genau das, was Sie hier bemängeln. nicht ich.

      • tina sagt:

        datenschutz hiesse eben auch, dass man all das zeugs nicht breittritt, auf das sich alle geierartig stürzen um dann mutmassungen wie ihr 2.letzter satz zum beispiel als wahrheit breitzutreten

      • Martin Frey sagt:

        @tina: wenn Sie einen sachlichen Kommentar oder eine Frage haben sollten, dann bitte ich Sie, diese inhaltlich wie auch sprachlich so zu gestalten dass man diese verstehen und auch darauf antworten kann.
        Wenn Sie einfach einen Laternenpfahl suchen… Nun ja, dann suchen Sie sich bitte einen Laternenpfahl.

      • tina sagt:

        so reiss dich mal zusammen martin, es reicht.
        ich habe gestern schon dazu stellung genommen, dass datenschutz wichtig ist. während du das so hinstelltest, als ob leuten, denen datenschutz wichtig ist, menschenleben egal seien (das war der wortlaut!). du wolltest damit provozieren (ist nachzulesen). als ich reagierte, hast du mich genau so blöd hingestellt wie auch heute wieder. dabei hast du ja provozieren wollten und ich habe halt reagiert. ich bemängelte deine reisserische art. deine, ja, wegen deines textes, und ja, insofern war das persönlich, klar. was denn sonst
        heute nun ein blogtext darüber, wie wichtig es gewesen wäre, dass in der öffentlichkeit nicht alles breitgetreten wird. ich weise auf meinen hinweis von gestern hin: ja genau. datenschutz.

      • tina sagt:

        genau das meinte nämlcih der blogtext. dem müsstest du zustimmen. aber du warst wieder nur reisserisch. ich weise nochmals darauf hin.
        du stellst mich als doofi hin, die keiner versteht und die eh nichts zu sagen hat. das geht zu weit.
        also nochmals: hör auf, dich reisserisch zu äussern. lerne: datenschutz hätte dem jungen geholfen.
        und benimm dich wie ein erwachsener mensch

      • tina sagt:

        ich war sachlich. du nicht. also kehr vor deine eigenen tür und nicht mehr dieser ton gefälligst

  • Muttis Liebling sagt:

    Frau M., geben Sie mal im Suchfenster der TA den Namen P. ein und schauen Sie, was da erscheint. Auch dieser Blog, obwohl Sie den Knaben in Peter umbenannt haben. Daneben 5 (in Worten F U E N F) online verfügbare Artikel, z.T. ohne jeden Nährwert für den Leser, zumindest für mich.

    Beispiel: «Die Täter sind in der Regel pädosexuelle Männer» Das Standard- Experteninterview mit nur statistischen Aussagen, aber mit Namensnennung P.! Da sehe ich überhaupt kein öffentliches Interesse.

    Gegenprobe im Berliner Tagesspiegel. Null Treffer. Objektiv ist das Thema mit der Verhaftung auch durch, Mutmassungen und Konjunktive gehören nicht in eine seriöse Zeitung.

    Den Journalistenkodex (Journalistinnen und Journalisten auferlegen sich freiwillig !) kann man sich in die Haare schmieren.

    • Muttis Liebling sagt:

      Welches öffentliche Interesse besteht an verpixelten Bildern des Knaben, an Fotos vom Wohnhaus des vermutlichen Täters? Kann ich Ihnen sagen, keines.

    • maia sagt:

      @ML: Jetzt können Sie noch machen, was Frau M. schreibt: „….wenn man ihn googelt“. Dann erhalten Sie „ca. 25’000’000 Ergebnisse“.

      • Muttis Liebling sagt:

        Google habe ich nicht für knapp 600 Franken/ Jahr abonniert.

      • Matthias sagt:

        Also, wenn Sie „Paul“ googeln dann kriegen Sie logischerweise Milliarden von Ergebnissen. Davon dürfte aber nur ein verschwindend kleiner Teil diesen Fall betreffen. „Paul“ ist nun einmal ein seit Jahrtausenden viel verwendeter Name. Als Beispiel seien hier nur Paul McCartney oder der Apostel Paulus genannt (welcher auf Englisch „Paul“ heisst).

      • maia sagt:

        @ML: Natürlich habe ich Google nicht abonniert. Aber ich nutze es doch hin und wieder als Suchmaschine und habe dafür noch keinen Rappen bezahlt.
        @Matthias: Für wie blöd halten Sie mich? Sicher gebe ich in diesem Fall nicht einfach „Paul“ ein…….

      • Muttis Liebling sagt:

        @maia, damit ist gemeint, dass meine Kritik am Verlag auch und vor allem in meiner Rolle als zahlender Abonnent begründet ist.

        Als zahlender Kunde weise ich darauf hin, dass am Morgen des 28. Juni kein berechtigtes öffentliches Interesse mehr an einem Fall vorliegt, welcher am 26. Juni vorläufig abgeschlossen war, es also seit Sonntag keine neuen Informationen gibt.

      • Matthias sagt:

        @maia: Und was googeln Sie dann? Ich bezweifle nämlich, dass Sie (a) eine Suchanfrage konstruieren können, die tatsächlich nur Seiten zu diesem Fall hervorbringt und (b) dass tatsächlich auf (mehr als) 25 Millionen Seiten etwas zu diesem Fall steht. Wenn Sie nämlich „Paul“ mit weiteren Suchbegriffen ergänzen, dann wird Google tendenziell zuerst die Seiten bringen, auf denen alle Begriffe zu finden sind, aber auch Seiten zählen, welche nur einen der Begriffe enthalten (also z.B. nur „Paul“). Tut mir leid, aber ich glaube, Ihre „25’000’000 Ergebnisse“ haben wohl Null Aussagekraft. 😉

    • Adrian Wehrli sagt:

      Falsch. Wir, der heimliche BBB (Blut, Büsi & Busen)-Geile Pöbel, möchten mehr wissen, mehr sehen. Das Opfer, den Täter, wir wollen uns wohlig warm in unserer Beutungslosigkeit suhlen, moralisch erhaben. Die Story ist dünn, es fehlt die Kettensäge und die Verfolgungsjagdt. Aber es hält unsere mediale Rausch-Geilheit wach bis zum nächsten EM-Spiel. Falls Sie nicht dauer-erregt und empört sein wollen, kappen Sie das Internet und lesen Sie den Duden.

      • Muttis Liebling sagt:

        Wie bei allen fortgeschrittenen Kundenbeziehungen besteht eine Symbiose zwischen Nachrichtenlieferant und Rezipient. Es werden nur Bedürfnisse befriedigt, welche zuvor erzeugt wurden.

        Darin besteht das Dilemma des Bezahljournalismus. Nach unten verlieren sie Kunden durch Medien ohne direkte Kosten, nach oben verlieren sie die anspruchsvollen Leser, weil sie die unten halten wollen. Werbung ödet alle an, die ist der kleinere der Sargnägel, dafür aber omnipräsent.

        Deshalb sage ich. Das Bezahlmedium ist eine aussterbende Art. Wie der stationäre Buch- und Computerhandel. Platten-, CD- Läden wären beinahe ausgestorben, bis die Vinyl wiederentdeckt wurde.

        Zeigt uns, ohne Hardware lassen sich Informationen auf Dauer nicht verkaufen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Hardware bedeutet in dem Fall Papier. Ich abonniere eine Tages- und eine Sonntagszeitung wegen des Papiers. Die Informationen auf dem Papier bekomme ich auch woanders her. Informationen kaufe ich nicht. Schon gar nicht, wenn ich über BILLAG ja alle Informationen schon bezahlt habe.

        Ich denke mal, man kann von Informationen verteilen auf Dauer nicht leben. Das gilt auch für Computer- Software. Wenn mein Notebook nicht schon Windows drauf hätte, würde ich mir LINUX installieren und nie über Software- Lizenzen nachdenken.

        Ich schreibe schon lange an einer Software zur Semantik- Analyse med. Texte. Aber ich habe nicht vor, damit zu geschäften. Es ist die Realisierung meiner Vorstellung, wie man Text analysiert. Vor JAVA hätte ich es verbal beschreiben müssen. Aber immer ohne Geschäft.

      • Joerg Hanspeter sagt:

        @Muttis Liebling: Wenn Ihre Aussage stimmt „Ich abonniere eine Zeitung wegen des Papiers, die Informationen kriege ich auch woanders her“, dann mache ich Ihnen jetzt ein Angebot, dass Sie einfach nicht ablehnen können. Ich liefere Ihnen die selbe Menge unbedrucktes Zeitungspapier für die Hälfte des Abonnement.-Preises. Schicken Sie mir doch Ihre Email-Adresse, damit ich Ihnen den Einzahlungsschein zustellen kann.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Joerg Hanspeter, so einfach funktioniert das auch wieder nicht. Ich habe schon eine ausgefeilte Lesetechnik. Erst lese ich den ersten, dann den letzten Absatz. Dann von hinten nach vorn, bis ich den Artikel verstanden habe, meist bei weniger als 50% der Artikellänge.

        Dann stelle ich zwar meist fest, dass es alles schon wusste, aber das Partiallesen musste schon sein und es überbrückt nebenbei auch meinen täglichen SBB- Kontakt von und zur Arbeit.

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