Mompreneurs, vernetzt euch!

Mütter wagen vermehrt den Schritt in die Selbstständigkeit. (iStock)

Mütter wagen vermehrt den Schritt in die Selbstständigkeit. (iStock)

Seit einigen Jahren hört und liest man immer häufiger von «Mompreneurs». Müttern, die sich beruflich selbstständig machen und zum «Entrepreneur» werden. Tatsächlich gibt es auch immer mehr von ihnen. Laut Startups.ch, dem «Spezialisten für Online-Firmengründungen», wurden letztes Jahr mehr als 41’000 neue Firmen ins Schweizer Handelsregister eingetragen. Bei Startups.ch selber war mehr als jeder vierte Firmengründer weiblich. Davon war jede Zweite eine Mutter, die sich nach der Babypause selbstständig gemacht hat.

Glaubt man den Medien, so gehen viele Mütter diesen Schritt aus dem Irrglauben heraus, dass sich Kind und Karriere in der Selbstständigkeit besser vereinbaren lassen. Mag sein, dass manche sich das vor der Firmengründung so rosig ausmalen. Ich glaube allerdings, dass die Mehrzahl der Mütter vielmehr die Möglichkeit reizt, etwas zu tun, das ihnen wirklich Spass macht. Denn als Teilzeiterin einen anspruchsvollen, spannenden Job zu finden, ist leider keineswegs selbstverständlich. Oft bekommen Teilzeit arbeitende wenig Verantwortung und können sich nicht um die grossen Projekte kümmern, weil man nicht ständig anwesend ist. Gründet man seine eigene Firma und wird seine eigene Chefin, sieht die Sache anders aus.

Zusätzlich gefördert wird der Mompreneur-Trend von der Digitalisierung. Heute kann sich jeder mit wenigen Klicks eine Website inklusive Shop einrichten und seine Dienste oder Angebote via Social Media bekannt machen. So lässt sich mit relativ kleinem Risiko und bescheidenen Mitteln ins Unternehmertum starten.

Ob die Firma dann wirklich durchstartet, ist die andere Frage. Doch auch hier hilft den Mompreneurs das Internet, mit Netzwerk-Plattformen wie zum Beispiel «Networking Moms» (NWM). Die Seite von Maura Rohner ist gerade erst aufgeschaltet worden. Sie soll Mompreneurs aus allen Bereichen miteinander verknüpfen. «Vor einigen Jahren habe ich mich als Neu-Unternehmerin abgestrampelt mit Dingen wie Handelsregister und Webstamp. Plötzlich habe ich mir gedacht, dass es da draussen sicher ganz vielen Müttern genau gleich geht», sagt Rohner. Also habe sie vor vier Jahren kurzerhand beschlossen, eine Facebook-Gruppe namens «(Net)Working Moms» zu gründen, um sich mit anderen Mompreneurs über Probleme auszutauschen und sich gegenseitig zu beraten.

Die Gruppe wurde regelrecht überrannt. Rohner musste die ursprünglich öffentliche Gemeinschaft bald in eine geschlossene umwandeln. Somit wurde die Anzahl Mitglieder begrenzt, «damit man sich überhaupt noch die Gesichter merken konnte, mit denen man netzwerken wollte», so Rohner. Vor zwei Wochen ist aus der Facebook-Gruppe die NWM-Plattform entstanden, die professionelle Weiterentwicklung der Ursprungsidee.

eben #lettering #ontheroad to #networkingmom #nwmmember #nwmembers #meeting #citizienspace #zürich

Ein von lettera et cetera (@lettera_et_cetera) gepostetes Foto am

Unter dem Hashtag #nwmmembers tauschen sich die Mitglieder auch auf Instagram aus.

Wer auf der neuen Plattform mittun will, bezahlt einen monatlichen Mitgliederbeitrag. Dafür wird einem einiges geboten: Es gibt themenspezifische Foren und Gruppen wie die «Näherinnen», «Grafikerinnen» oder «Wordpress-User», in denen sich die Mompreneurs zu ihren Spezialthemen austauschen. Geplant ist zudem ein Nachschlagewerk, in dem gerade neue Mompreneurs Antworten auf Fragen wie «Was gehört in die AGB?» erhalten sollen. Und nicht zuletzt entstehen via NWM auch immer wieder Kooperationen. «Ich verkaufe meine Produkte mittlerweile in verschiedenen Läden und Webshops anderer Networking Moms», sagt etwa Petra Cordioli, die schon auf Facebook dabei war.

Obwohl sie teilweise in ähnlichen Bereichen tätig sind, ist von Konkurrenzdenken unter den Mitgliedern nicht viel zu spüren. «Schliesslich haben wir unsere Kunden alle woanders», sagt Nathalie Sassine-Hauptmann, ebenfalls seit Beginn Mitglied der Community. Sie schätzt neben den hilfreichen Tipps vor allem den sozialen Austausch mit anderen Mompreneurs. «Wir werden weder von berufstätigen Kinderlosen noch von Hausmamis verstanden. Deshalb ist es manchmal schön, mit anderen zu plaudern, die dasselbe erleben. Und dass wir das online tun können, ist genial, weil wir nicht wahnsinnig viel Zeit haben für ein Kaffeekränzli.»

Cordioli ergänzt, dass NWM sie auch immer wieder von neuem motiviere in ihrer Tätigkeit als Mompreneur. Die verschiedenen Mompreneur-Geschichten zu hören – einige davon übrigens wahre Erfolgsgeschichten, Lynn Lahusen und ihre Bakeria etwa –, sei extrem spannend und reisse einen mit: «Ganz nach dem Motto: Warum sollte ich das nicht auch schaffen?»