Die Nuggis der Gegenwart

Ein Papablog von Rinaldo Dieziger*

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Im Bann des Bildschirms: Kinder mit einem Tabletcomputer. (Bild: Thijs Knaap/Flickr)

Auf unserem Family-Trip durch Kalifornien verirrten wir uns eines Tages nach San Luis Obispo. Eine Kleinstadt an der Central Coast, von der die US-Talkshow-Queen Oprah Winfrey und der «National Geographic» behaupten, es sei die «happiest city in America». Wir übernachteten im Best Western Plus Royal Oak Hotel. Sicht auf Whirlpool. Die Kids waren happy.

Auf der anderen Seite der Madonna Road reihte sich das Angebot für ein schnelles und bequemes Nachtessen auf: McDonald’s, Applebee’s, Chipotle Mexican Grill, Tahoe Joe’s Famous Steakhouse und Buffalo Wild Wings. Der Buffalo sah von aussen brandneu aus. Und war es auch innen. Überall hingen Flachbildschirme. 50-Zöller. HDTV. Bestimmt zwei Dutzend. Baseball, Football, Basketball, und auf einem lief sogar Frauenfussball. Doch das reichte nicht. Gleich beim Eingang drückte die gelb-schwarz uniformierte Blondine unseren beiden Mädchen einen Computer von der Grösse eines iPad Mini in die Hand. Die Kids waren happy.

Und dann sahen wir Mike. Mike war acht oder neun. Seine ganze Entourage sass da. Die Eltern, mindestens drei Geschwister und die beiden angegrauten Walrösser in den XXL-T-Shirts, die seine Grosseltern sein mussten. Sie hockten alle zusammen an einem langen Tisch. Bis auf Mike. Mike sass alleine an seinem kleinen Tisch und starrte auf seinen Computer. Der kleine Kerl tat mir leid. Aber es kam noch schlimmer.

Urplötzlich gingen im ganzen Laden die Sirenen an und einer der Buffalo-Wild-Wings-Angestellten griff zum Mikrofon. Ein funkelnder Monster-Burger wurde reingefahren. Happy Birthday! Mike schaute kurz von seinem Computer auf, lächelte, biss in den Burger und wendete sich wieder dem Bildschirm zu.

Ich weiss nicht, ob er happy war. Wahrscheinlich schon. Burger und Bildschirm – was will ein kleiner Junge mehr? Ja, was will man als Papa mehr? Burger, Bier, Baseball und ein glücklicher Junge, der keinen Stress macht. Yeah.

So viel Happiness gibt es nicht nur in San Luis Obispo. Sie breitet sich überall aus. Es ist wohl eine Frage der Zeit, bis die Restaurants auch hier statt Malstifte Computer bunkern. iPad und iPhone sind die neuen Nuggis. An Apple a day keeps the problems away. Das hat auch Microsoft erkannt. Der erste Werbespot für das soeben lancierte Windows 10 zeigt deshalb ausschliesslich kleine Kinder. The future starts now. Ganz ehrlich: ich hoffe nicht.

rinaldo*Rinaldo Dieziger ist Unternehmer und Autor. Seine besten Papablogs sind als Taschenbuch erschienen. Er lebt mit Frau und Kindern in Zürich.

200 Kommentare zu «Die Nuggis der Gegenwart»

  • Pflästerli sagt:

    Was für Probleme haben wir den heute? Hört, hört!

    Eltern erzieht eure Kinder endlich! Ah, aber die Eltern haben ja auch Keine!

    Smart- oder Shitphones gehören nicht an den Esstisch.
    Wenn die Eltern das nicht schaffen, wird sich das Problem irgendwann von selber lösen. Garantiert.
    Wenn keine Kommunikation mehr untereinander stattfindet, müssen wir uns auch nicht mehr zusammen an einen Tisch setzen.

  • nicht-hypnoser sagt:

    … nun ja, funktioniert doch hervorragend: drück jemanden so ein zauberspiegelchen in die hand und hin und weg sind sie – aus den augen und aus dem sinn…!
    dienen als kindersitter zuhauf und die erwachsen sind ja davon ebenso hypnotisiert (…und laufen dann so auch gelegentlich vors tram…)

    …und wer das nicht merkt ist selbst schuld…

  • A.K. sagt:

    Zum Unterschied zwischen Malstiften und Medienkonsum:
    Mit Malstiften muss man selbst aktiv/kreativ werden, sich etwas ausdenken, sich eine Geschichte „ausmalen“. TV, iPad, Games etc geben schon Vieles vor (passiv berieselt werden).
    Vom Computer kann man abhängig werden (sowie vom Foren-Kommentieren 😉 Von Malstiften hab ichs noch nie gehört… höchstenfalls Künstler 😉

    Wenn vor mir einer am Malen ist, dann spreche ich ihn eher an, als wenn einer vor einem Bildschirm sitzt und TV schaut. Er könnte ja grad etwas verpassen, also lass ich ihn. Man lebt mehr nebeneinander anstatt miteinander.

    • Muttis Liebling sagt:

      Drücken wir es vornehmer aus: Der Malstift, die Gitarre und der Pinsel sind Kreativitätsgeneratoren. Die elektronischen Geräte, von Klangerzeugern mal abgesehen, sind Kreativitätsverstärker. Was heisst, wenn das zu Verstärkende Null ist, kommt auch aus dem besten Verstärker nichts raus. Aber wenn Ausgangsmaterial da ist, kann auch der Verstärker einen eigenen Teil zur Kreativität liefern.

    • Christoph Bögli sagt:

      Das Material zum Malen besteht in Restaurants standardmässig aus irgendwelchen Vorlagen, die ausgemalt werden müssen. Die Kreativität geht dabei gegen null. Auf der anderen Seite gibt es genug Spiele und Anwendungen auf Computern, bei denen man eine enorme Freiheit zur Kreativität hat. Es gibt, Ironie der Geschichte, sogar ganz simple Mal-Programme, in denen man einfach ein (virtuelles) weisses Papier vollzeichnen kann. Wieso genau sollte also eine physische Ausmalvorlage die Kreativität mehr fördern als völlig freies virtuelles Malen?

    • mila sagt:

      Christoph Bögli: Es gibt ganz tolle Malprogramme, richtig. Aber dabei hält man keinen Farbstift, oder Pinsel. Die virtuelle Erfahrung entspricht also doch nicht ganz der reellen. Und am Bildschirm rumwischen können im Zweifelsfall alle ‚digital natives‘.

      • mila sagt:

        Der Unterschied liegt also, kurz gesagt, in der haptischen Erfahrung. Die soll(te) es neben der Bilschirmbewegung ja ruhig auch noch geben. Inklusive Tünchen in einer echten Farbpalette.

      • Sportpapi sagt:

        Nun ja. Ich finde ja, jedes Restaurant sollte zwingend auch einen Spiel- und Bewegungsplatz anbieten. Wegen der körperlichen Erfahrungen. (Also doch wieder Mc Donalds?)

      • Christoph Bögli sagt:

        @mila: Nunja, der Teil mag anders sein zwischen den beiden Medien, aber anders ist in dem Fall nicht zwangsweise besser (oder schlechter). Konsequenterweise ist es also am sinnvollsten, wenn ein Kind beide Erfahrungen sammelt. Was ja auch kein Problem sein sollte, schliesslich verbringt ein Kind normalerweise nicht den ganzen Tag geschweige denn das ganze Leben im Restaurant – wo das Tablet nun einmal praktischer ist..

  • Anh Toàn sagt:

    Ja, früher wurde die Kreativität der Kinder noch mit „Malen nach Zahlen“ gefördert.

  • Leo Schmidli sagt:

    Nur als Denkanstoss, da ja heutzutage immer gerne pauschalisiert wird: Ein Pärchen sitzt am Strand, beide sind in ihre Handys vertieft. Als Beobachter zweifelt man natürlich sofort die Qualität der Beziehung an. Ähnliche Situation: Ein Pärchen sitzt am Strand, beide sind in ihre Bücher vertieft. Das ist natürlich positiv, es sind ja schliesslich Bücher. Warum?

    • Hattori Hanzo sagt:

      dabei lesen sie E-Books in ihren Handys

    • Christoph Bögli sagt:

      Das zeigt effektiv die verzerrte Wahrnehmung bei dem Thema. Allerdings ist das ein klassisches Problem: Das neuste Medium ist per se immer verdächtig und wird entsprechend pauschal als negativ wahrgenommen, während sich dies mit der Zeit normalisiert bei etablierten Beschäftigungen.
      Besonders verdächtig und darum problematisch macht das Smartphone zudem der Umstand, dass man nicht genau weiss, was der Nutzer damit gerade macht: Wird ein e-Book oder die Zeitung gelesen, gechattet, gespielt, Pornos geschaut..?

  • Marco sagt:

    Also unser Tablet mit welchem zugegebenermaßen unsere Kleine auch schon ruhig gestellt wurde und auf welchem auch schon gekaut wurde ist seit mittlerweilen 4 Monaten in den Ferien. Unserer Tochter haben wir erzählt es sei auf den Malediven, damit Sie wenigstens einmal Kontakt mit diesem wunderschönen inselparadies bekommt, in Tat und Wahrheit liegt es aber zuhinterst im Küchenschrank. Amüsant, nicht nur die Kleine hat das Tablet inzwischen vergessen, sondern auch Mami und vorallem Papi. Bezüglich XXL gekleideten Walrössern, amerikanische Sporttrikots sind halt so gross.

  • Rolf sagt:

    War grad in den Ferien in Italien, wo ich folgendes festgestellt habe.
    In einem luxuriösen Familienhotel am Strand wurden die meisten Kids im Restaurant effektiv mit Tablets ‚ruhig gestellt‘. Die etwas lauteren und lebendigeren Kids (die ohne Tablet halt) und deren Eltern wurden mit bösen Blicken anderer Gäste abgestraft….
    Auf dem Rückweg in einem Restaurant eines 2* Campings. Kein Tablet weit und breit, viele (unter anderem laute, aber vor allem lachende) Kinder. Sie kamen auch spontan an unserem Tisch vorbei um unseren Hund zu streicheln.
    Welche Kids wohl die besseren Ferien verbringen?

    • Hattori Hanzo sagt:

      woraus wir lernen, dass die Reichen die bösen sind und die wahre Menschlichkeit bei den Armen haust, die in Campingplätzen Urlaub machen

      • Susi sagt:

        HH: Ja, das wird doch auch so schön im Film „Titanic“ dargestellt. Da gibt es diese unglaublich lehrreiche Parallelmontage, wo Rose im Untergeschoss mit Jack und den anderen Armen tanzt bis der Schweiss läuft, während die Reichen zwei Decks höher Zigarren rauchen und steife Gespräche führen. (Und die aufs Auge gedrückte Frage: Wer hat wohl mehr Spass?)
        Haha!

      • Hattori Hanzo sagt:

        Susi – wir Armen brauchten schon immer diesen Trost
        wobei ich doch sagen muss – dass kein Klischee jemals völlig realitätsfremd ist
        meine besten Partys erlebte ich nicht in der gehobenen Klasse – mir geht nur die Sozialromantik auf den Keks

        aber geben sie’s doch zu – wir verblöden hier unsere Zeit alle vor dem Bildschirm und schreiben darüber, dass die Jugend wohl den Bach runtergeht, weil sie ihre Zeit nur noch vor dem Bildschirm verblödet
        Das ist doch ziemlich paradox – aber eben urtypisch menschlich.

      • Susi sagt:

        HH: natürlich, aber das habe ich schon beim letzten Text zu diesem Thema geschrieben. Wir alle echauffieren uns darüber, wie Eltern auf ihre Bildschirme starren, während wir auf unsere Bildschirme starren und Kommentare schreiben.

      • Hattori Hanzo sagt:

        aber genau das sind auch XXL angegraute Walrösser – Und das herrliche ist, dass es solche Menschen tatsächlich gibt. Sie passen in jede Ritze des Originals, bis ins letzte Detail.
        Und warum sollte man sich nicht darüber freuen und darüber schreiben dürfen.

        Klischees entsprechen eben immer auch der Wahrheit. Und es gibt sie tatsächlich, Bildschirm-Junkies, die alle von sich sagen sie seien hochgebildet und überdurchschnittlich intelligent, die sich rüber das tiefe Niveau der anderen echauffieren, die ständig in ihre Bildschirme gucken. Wahnsinn!

      • Susi sagt:

        @HH: Das muss ich Ihnen jetzt aber wirklich widersprechen: Nein, das sind keine Walrösser, sondern dicke Leute. (Walrösser tauchen beispielsweise in Dokumentarfilmen über Afrika auf.)

        Wo ich aber zustimme: Klischees sind empirische Wahrheiten.

      • Hattori Hanzo sagt:

        Susi – das ist dann eben Geschmackssache – ich liebe es, Tiere in den Leuten zu sehen
        letztlich sind wohl die Disneycomics eben so entstanden – und immerhin bin ich mit Donald Duck grossgeworden – da sieht man in Menschen schon mal Walrösser, Bulldoggen, Enten, Gänse usw.
        Und ich frage mich, was sie geändert hätte, wenn er geschrieben hätte: stark adipöse Leute in fortgeschrittenem Alter mit angegrauten Haaren – ermüdenden. Die XXL Walrösser sind herrlich – ein klares Bild, witzig – und hoffentlich können wir uns selbst auch auf diese Weise sehen: nicht allzu ernst, nicht allzu korrekt

      • Sportpapi sagt:

        Haha, ich finde ja Susi manchmal eine richtige Hexe 🙂

      • Susi sagt:

        @HH: Wenn Sie die Leute gerne als Tiere sehen, ist das etwas anderes, als wenn jemand durch Sprache Bilder in den Köpfen der Leute evoziert.
        (Ah, und wenn Sie auf sowas stehen, dann schauen Sie sich unbedingt mal Polanskis „Bitter Moon“ an, dort hat’s ein paar ganz nette Szenen drin mit Schweinemaske und so! 😀 )

        Aber zurück zum Thema: Wenn der Text sonst wenigstens originell dahergekommen wäre, hätte es vielleicht gepasst. (Ich hätte mich auch dann gewundert.)

        @SP: Ich fasse das natürlich als Kompliment auf.

      • Sportpapi sagt:

        Positive Diskriminierung, Susi…

      • Susi sagt:

        Aber positive Diskriminierung ist doch beispielsweise, wenn man sagt, die Schwulen seien kreative Menschen. Das ist doch nicht dasselbe, oder?

        So. Jetzt muss ich dann mal etwas Nützliches tun.
        🙂

      • Hattori Hanzo sagt:

        meine Herzensdame – nutzen sie doch diese primitive, auf schändliche Weise, diskriminierende Ausdrucksweise wenigstens zur persönlichen Weiterbildung.
        Susi: (Walrösser tauchen beispielsweise in Dokumentarfilmen über Afrika auf.)
        Realität: Das Walross (Odobenus rosmarus) ist eine Robbenart, die in den kalten Meeren der Nordhalbkugel vorkommt. Zwei Unterarten, das Atlantische (O. r. rosmarus) und das etwas größere Pazifische Walross (O. r. divergens), werden unterschieden. Das Walross gehört zur Ordnung der Raubtiere und ist die einzige Art in der Familie der Walrosse (Odobenidae).

      • Susi sagt:

        HH: Hahaha! Ich musste jetzt grad wirklich laut lachen bei diesem Kommentar! Ich hatte nämlich irgendwie gedacht, ein Walross sei in Nilpferd. So wegen Ross und Pferd. Die XXL-Nilpferd-Grosseltern. Als ich den Afrika-Satz schrieb, hatte ich zwar einen kurzen Zweifel, aber dann war ich zu faul, es nachzuschauen. Zudem finde ich natürlich, dass man jede Gelegenheit nutzen sollte, wo man Afrika irgendwie als Beispiel anbringen kann. Aber danke, man lernt nie aus. (Vielleicht sollte ich mehr Dokumentarfilme schauen anstatt Dinge wie „Bitter Moon“)

      • Hattori Hanzo sagt:

        das musste ich auch, Susi – ich habe einige male über ihr „Afrika“ hinweggelesen, bis ich merkte, dass in ihren Synapsen das Walsross zum Flusspferd mutiert ist (wobei: ihr im Nachhinein falscher Bezug zu Afrika, könnte man in der heutigen angespannten Zeit durchaus diskriminierend verstehen)
        Aber darum mag ich sie so gut.

        Also, der Fairness halber ziehen wir jetzt mal über den Täter her. Ein grün angehauchter Hipster jettet (CO2!) nach California, wo er ein wenig gepflegte Ami-Kritik von sich gibt. Weil er zuviel gekifft hat, lässt er sich zu unkorrekten Spässen hinreissen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Zu Letzteren HH:
        Wenn man schon aus niederen Beweggründen die Energie verheizt hat, welche im 19. Jhd. eine schweizerisches Bergdorf über den Winter gebracht hätte, muss man das wenigstens in kritikähnlich anmutende, schlecht bezahlte Textzeilen umsetzen. Sonst bliebe nur Scham.

      • Susi sagt:

        @HH: Ich habe jetzt grad mal das Buch angeklickt, das er geschrieben hat, es heisst „Papperlapapa“. Ob er und Papperlapapi wohl identisch sind?

        Und vielleicht haben Sie ja des Pudels Kern gefunden: Möglicherweise wäre es hilfreich, wenn man vor dem Lesen des Textes selbst eins geraucht hätte, dann fände man ihn auch lustig.

    • Muttis Liebling sagt:

      Dies ist nicht beobachtet, sondern ein Wunschtraum. Solche Campingplätze gibt es seit 3 Jahren nicht mehr. Ein jüngerer Kollege, welcher seit 20 Jahren jedes Jahr auf den selben Campingplatz auf Elba fährt, berichtete vor 5 Jahren erstmalig, dass die üblichen gemeinsamen Abende mit Kartenspiel und Umtrunk zugunsten individueller Beschäftigung mit der KI unwiderruflich verschwunden sind.

      • Sportpapi sagt:

        @ML: Statt solche Wahrheiten zu verkünden ohne Bescheid zu wissen wäre allenfalls mal etwas Recherche vor Ort angesagt… (wir waren gerade auf einem italienischen Campingplatz. Und ausser den ostdeutschen Nachbarn, die Tag und Nacht in ihren überlaut eingestellten Fernseher starrten, waren elektronische Spielgeräte eigentlich eher selten. Aber viel im Kreis sitzen und Alkohol trinken wie früher…)

      • Hattori Hanzo sagt:

        ich finde es diskriminierend, dass sie erwähnt haben, dass die Fernsehglotzer Ostdeutsche waren

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe aber nicht gesagt, dass sie auch etwas beleibt waren und an gewisse Tiere erinnert haben…

      • Widerspenstige sagt:

        …ich würde soweit gehen und sagen, dass da bereits ein Ansatz von Rassismus mitschwang….

      • Franz Vontobel sagt:

        Ostdeutsche sind eine Rasse..?

      • Carolina sagt:

        FV: Klar sind sie das – schauen Sie sich doch bloss mal ML an! Eindeutig eine eigene Rasse! 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        Um noch halbwegs die Kurve zum Thema zu bekommen, der George Friedman, bei dem ich das abgeschrieben habe, meint, auch die USA seinen noch im Stadium der Barbarei, während Westeuropa, wie erwähnt. längst in der Dekadenz suhlt.

      • Carolina sagt:

        Was Sie alles wissen, ML! Dass unsere Altvorderen – und zwar bis in hellenische und römische Zeiten – nicht jammerten (in welcher ethymologischen Ausprägung auch immer); dass es seit (aber genau!) 3 Jahren keine Campingplätze der guten alten Art mehr gibt…… Sagten Sie nicht weiter oben: ‚….Reife zeigt sich in der Abwendung vom Konkreten….‘?
        Ach so, ja dann….

  • Peter sagt:

    Gibts doch bei uns auch schon. McDonalds im Shoppingcenter Spreitenbach hat Plätze mit Tablets und runde Tische, wo von oben irgendwelche Computerspiele auf den Tisch projiziert werden und die offenbar mit Gesten gespielt werden können.

    • Susi sagt:

      Die Sushi-Bars bei Yooji’s haben das auch, an jedem Platz ist ein Tablet installiert, auf welchem man nebst bestellen auch spielen kann.

    • Xaver Meier sagt:

      Mit kleinen Kindern sollte man den McDonalds eigentlich meiden…

      • Franz Vontobel sagt:

        Man sollte McDonalds eigentlich generell meiden – für feinen Fast Food gibt’s ja unterdessen auch bei uns Alternativen („Holy Cow!“ usw.)

      • Susi sagt:

        Ich hab aber mal einen sehr feinen Hamburger und einen super Salat, beides nach Rezept von René Schudel gegessen.

      • Hattori Hanzo sagt:

        ich ess nur diesen, wenn wir in den Mc pilgern Susi

        – und das mit den Filmen – da hätte ich hunderte Beispiele
        in jedem interessanten Film werden herausragende Charaktere gezeichnet – ausser in neueren US-Serien, wo selbst die Statisten alle aussehen wie Models
        da gibt es die fette, schwarze, bildungsferne Rabenmutter vom Ghetto – den raffgierigen Finanzhai – den schlagenden Ehemann – die herzlose, SUV fahrende Tussie – Walross, Hering die ganze Palette wird uns vor Augen geführt

      • mila sagt:

        Ja, HH: aber der wirklich gute Film, oder die gute Serie, zeigt diese ‚herausragenden‘ (überzeichneten) Charaktere nicht eindimensional. Ein gutes Beispiel dafür ist in meinen Augen ‚Precious‘.

      • Susi sagt:

        @HH: Aber in diesen Beispielen geht es um Klischees, finde das nicht ganz dasselbe.

      • Sportpapi sagt:

        Die armerikanischen Walrösser sind kein Klischee?

      • Susi sagt:

        SP: Nein, die Dicken als Walrösser zu bezeichnen ist eine rhetorische Figur, ein Vergleich, kein Klischee. Ein Klischee ist, wenn man aus dem Übergewicht Schlüsse auf die Mentalität der U.S.-Bevölkerung zieht.

      • Sportpapi sagt:

        „Ein Klischee ist, wenn man aus dem Übergewicht Schlüsse auf die Mentalität der U.S.-Bevölkerung zieht.“ Macht man doch.

      • Hattori Hanzo sagt:

        mila – ja und nein
        erstens kann man in einem Kurztext nicht jedes Bild gleich wieder in tieferen Dimensionen darstellen, und was die Filme betrifft: können die tieferen Dimensionen der Charaktere genauso wieder ein Klischee sein. Es gibt auch Menschen, die tatsächlich sehr eindimensional sind. Gestern berichtete uns eine Frau von einer langjährigen Ehe mit 5 Kindern und einem Mann der täglich Sex wollte (ohne Interesse an ihr) und das möglichst zur gleichen Zeit „damit er morgen wieder gut arbeiten kann“ – solche eindimensionalen Leute gibt es tatsächlich.

      • Susi sagt:

        @SP: „“Ein Klischee ist, wenn man aus dem Übergewicht Schlüsse auf die Mentalität der U.S.-Bevölkerung zieht.” Macht man doch.“
        Ja, aber das hat nichts damit zu tun, ob man Tiernamen verwendet; das eine ist, sich eines Klischees zu bedienen, das andere ist eine rhetorische Figur. Man kann ein Klischee durch einen Vergleich ausdrücken („Die XY sind alle schlau wie Füchse“), aber ein Vergleich ist nicht immer ein Klischee („XY ist dick wie ein Walross“).

      • mila sagt:

        HH: Und Sie haben gerade diesen Kommentar wirklich (tod)ernst genommen? Ich eher nicht. Obwohl ich keineswegs bestreiten würde, dass es eindimensionale(re) Leute gibt. In jedem Fall schaue ich Filme und Serien garantiert nicht, um Eindimensionalität zu erfahren. Und Sie vermutlich ja auch nicht. 😉

        Selbst ein relativ eindimensional gezeichneter Charakter wie Frank (Francis) Underwood (Rache! Macht! Profit!) hat seine tieferen Schichten – und sei es nur in der Beziehung zu seiner Frau. Und so geht es vermutlich auch dem hinterletzten Bünzli, man muss sich nur die Mühe machen, hinter die

      • mila sagt:

        biedere Fassade zu blicken. Dann entdeckt man doch auch oft etwas liebenswertes, oder gar interessantes.

      • Sportpapi sagt:

        Das stimmt, Susi. Und welches von beidem ist denn nun die Diskriminierung?

      • Susi sagt:

        Beides. Warum?

      • Susi sagt:

        Falls es noch nicht aufgefallen ist: Ich bin heute zur Abwechslung mal im Klugscheissermodus.

    • Christoph Bögli sagt:

      Wenn man im McDonalds im Shoppingcenter Spreitenbach (oder sonst irgendwo..) essen geht, gar noch regelmässig, dann hat man doch eh ganz andere, wesentlich grundlegendere sozio-kulturelle Probleme als die Frage ob das Kind dort mit dem Tablet oder sonst irgendeinem Plastikding rumhantiert.

      Oder mal überspitzt gesagt: Wenn eine Familie den Shoppingcenter-McDonalds-Besuch als Wochenend-Highlight zelebriert, dann wird das Kind vom Tablet-Spielen definitiv auch nicht mehr dümmer..

      • Hattori Hanzo sagt:

        und wieso kommen sie auf die Idee- dass das das Highlight ist? vielleicht essen sie auch weil man auf diese Weise nach dem Einkauf schnell das Mittagessen abhaken kann, damit man dann eben noch genügend Zeit für ein Highlight hat

      • Christoph Bögli sagt:

        @Hanzo: Dank dem schönen Wort „wenn“ sind diese von vorn herein von der folgenden Aussage ausgeschlossen und nur jene gemeint, für welche das effektiv ein Highlight ist – und die gibt es wohl oder übel zur Genüge. Obs an den Tablets liegt, wenn ein solch simpler Konditionalsatzes nicht mehr verstanden wird? Wer weiss.
        Wobei ich auch den Rest inklusive der „schnell das Mittagessen Abhakender“ eigentlich nicht völlig davon ausnehmen will. Wie erwähnt, wenn das gemeinsame Mittagessen etwas ist, das man schnell im McDonalds abhaken muss, dann stimmt wesentlich mehr als der Tablet-Gebrauch nicht..

      • Hattori Hanzo sagt:

        Herr Bögli – so klug war dieser Haken mit dem „wenn“ nun auch wieder nicht. Wenn sie das wenn explizit ausschliessend hätten gebrauchen wollen, hätten sie das Wort „falls“ gebrauchen sollen. Das Wort „wenn“ ist in diesem Fall zweideutig. Comprende?

        Ansonsten: Wie schön muss das sein, wenn man sich automatisch zur geistig/moralischen Elite zählt, nur weil man seine Vorstellungen von Mittagessen als Massstab zur Beurteilung von Familienqualität nimmt.

      • Christoph Bögli sagt:

        Es ging eigentlich nicht explizit um elitären Dünkel. Es ging vielmehr um die durchaus amüsante Ironie, dass angesichts von McDonalds-Familien dort zur Verfügung gestellte Tablets und Videospiele ein relevantes Problem sein sollen. Persönlich erachte ich weder die Verwendung solcher Geräte noch den Medienkonsum an sich oder die Essgewohnheiten als zwingend negativer Faktor für die intellektuellen, sozialen oder kulturellen Kompetenzen innerhalb einzelner Familien – obwohl sich da allgemein betrachtet wohl durchaus ein gewisser unerfreulicher Trend finden liesse..

  • Hattori Hanzo sagt:

    Die Zeiten ändern sich.
    Steuern wir auf eine allgemeine Verblödung der Gesellschaft zu? Das ist die Frage, die sich jede Generation wieder neu stellt.
    Da die Menschheit nun nach Jahrtausenden solchen Fragens immer noch besteht, ist die Frage eher zu verneinen. Es sei denn, man geht davon aus, dass ausgerechnet in unserer Generation, die grosse Wende zum Untergang hereingebrochen ist. Über die zwar schon seit Jahrtausenden gejammert wird (früher zu unrecht), heute erstmals zurecht.

    • Muttis Liebling sagt:

      Das ist falsch. Die Kultur des Jammerns ist recht neu. Beginnend im Hellenismus bis in die Nachkriegszeit findet man keine Spuren davon. Auch ist diese Kultur extrem ungleich verteilt. Nirgends z.B. in Asien oder in Russland wird gejammert.

      Allerdings haben bisher alle Generationen ihrer Folgegeneration Verblödung attestiert. Das ist psychologisch schlüssig. Auch ich als Hochgebildeter kann Menschen, welche > 20 Jahre jünger als ich sind, in keiner Weise verstehen. Nicht mal unter Zuhilfenahme psychologischer Modelle. Die eigene Verblödung kann man nicht aufhalten.

      • Hattori Hanzo sagt:

        Mit „Jammern“ meinte ich eben: „alle Generationen ihrer Folgegeneration Verblödung attestiert“
        Und sie gehen recht, dass dies psychologisch bedingt sein muss.

        Ihre Ehrlichkeit ist für einmal erfrischend. Nur sollte aus so viel Wissen doch Reife entstehen. Sie müssten doch einsehen wie eitel der Dünkel der älteren Generation ist.

        Dann könnten Sie sich heute auch noch mit Herrn Tingler streiten, der den provokativen Gedanken „Freiheit durch Kaufen“ platziert hat. – Das wär doch ein echtes Thema für Sie.

      • mila sagt:

        Sorry, ML, aber das (ihre Ausführung) ist falsch. Kulturpessimismus ist wohl so alt wie die Menschheit selbst – gerade, wenn Sie die alten Griechen erwähnen, sollten Sie es eigentlich besser wissen. 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        Tinglers Text habe ich schon beim ersten Kaffee gelesen und in 3 Sätzen kommentiert. Wie immer vor allem für mein Archiv, denn in allen Blogs ausser diesem werde ich automatisch gefiltert.
        Von Eitel Dünkel würde ich nicht sprechen. Mein aktuelles Roman- Manuskript beginnt mit:

        Das Verständnis für das Aktuelle beträgt 100%-Alter. Mit 40 ist man noch gut orientiert, mit 60 versteht man nur noch das Notwendigste, aber selbst das interessiert einen nicht mehr. Vor dem 60- jährigen liegt die Welt des Allgemeinen, der Poesie und der Philosophie.

        Reife zeigt sich in der Abwendung vom Konkreten.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ oder kürzer: Mit 60 denkt man ausschliesslich über Dinge nach, von deren Existenz man mit 40 noch gar nichts wusste.
        Es gibt folglich gar keine gemeinsame Sprache zwischen der Eltern- und der Grosselterngeneration. Deshalb sind >55- jährige zwar meist noch leistungs- und arbeitsfähig, aber in der Regel nicht mehr in den Prozess der kollektiven Wertschöpfung integrierbar. Sie werden Einzelkämpfer.

        @mila, das schrieb ich doch, generationsüberschreitender Kulturpessimismus ist ein Charakteristikum der menschlichen Denkens.

      • mila sagt:

        Und wo genau beziffern Sie da den Unterschied zum Jammern? Ausser vielleicht, dass heute eher auf hohem (und teils belanglosem) Niveau gejammert wird…? Ich sehe da eher nicht viel neues sub sole. 🙂

      • Muttis Liebling sagt:

        mila, das Verb ‚jammern‘ wird in der Schweiz anders benutzt, als in anderen deutschsprachigen Ländern und in allen Übersetzungen. Etymologisch leitet es sich vom mittelhochdeutschen ‚jamer‘ ab und bedeutet traurig sein, als Gemütszustand eine Form der Selbstreflexion, die nichts zu tun hat mit dem fremdreflexiven ‚klagen über einen Umstand‘ oder kritisieren.

      • mila sagt:

        Das ist zwar interessant, ML, beantwortet aber nicht meine Frage.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ist das ganz einfach, mila. Wenn meine Oma in der depressiven Phase war, habe ich sie jammern gehört. Sonst ist mir das noch nicht passiert. Das ganze Spektrum von beklagen, bis konstruktiv und destruktiv kritisieren hat nichts mit jammern zu tun. Menschen jammern nur über sich selbst und im intimen Kreis. Nie öffentlich.

  • Dédé sagt:

    Wer seine Mitmenschen als „angegraute Walrösser“ bezeichnet, sollte sich nicht als Moralapostel aufspielen!

    • Franz Vontobel sagt:

      Wieso nicht? Und wo spielt sich der Autor als Moralapostel auf? Und inwiefern ist ihr Post nicht moralinsauer? Fragen über Fragen…

      • Dédé sagt:

        Oh! Hatte ja ganz vergessen, dass man „dicke“ und „alte“ Menschen beliebig diskriminieren darf…

      • Muttis Liebling sagt:

        Wenn sprachliche Vergleiche von Menschen mit Tieren (Geyergesicht, Schnauzer) oder Gegenständen (Wein-, Pulverfass) diskriminierend wären, müsste man 9/10 der Weltliteratur und z.B. den gesamten Literaturschatz der Antike indexieren.

      • Franz Vontobel sagt:

        Und dieses Statement ist nicht moralinsauer..? Mmh…

        Nebenbei: „Angegraut“ ist nun wahrlich nicht sehr diskriminierend, Und der Beschreibung nach waren die Grosseltern nicht „dick“ (XXL) sondern die US-Version davon… da ist Walross als Metapher wohl eher harmlos…

      • Susi sagt:

        Was ist der Text denn anderes als moralisierend? .
        Der arme Mike, der an seinem Geburtstag allein an „seinem kleinen Tisch“ sitzt und auf den Computer „starrt“. Der Aut0r gibt noch einen drauf: „Der kleine Kerl tat mir leid.“ Und: „Burger, Bier, Baseball und ein glücklicher Junge, der keinen Stress macht. Yeah.“ (Aha. Alliteration am Morgen vertreibt Kummer und Sorgen.)

        Auch ich bin über den Walross-Satz gestolpert. Sollte wohl lustig sein, ist aber diskriminierend.

      • Susi sagt:

        Franz und ML: Der Walross-Ausdruck steht ganz klar in diskriminierendem Zusammenhang. Verstehe nicht ganz, wieso ihr diese Kritik jetzt zerpflückt und versucht zu widerlegen mit irgendwelchen absurden Argumenten (gilt für ML, aber das ist ja nichts Neues. Als könnte man alle Tiervergleiche in einen Topf werfen. „Brillenschlange“ für Brillenträger also auch ok? Und „Grillenhirn“ für geistig Behinderte?). Kommt mir ja grad vor wie eine Diskussion mit meiner Tochter, in welcher sie die seltsamsten Argumente anführt, um ihre Behauptungen zu begründen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Susi, das Walross- Metapher ist in Wort und Karikatur so alt und verbreitet, dass man dem Autor dahingehend keine Originalität unterstellen kann. Moralin ist nur “Der kleine Kerl tat mir leid.” Das schreibt man tatsächlich niemals, ausser in einem Brief an die demente Oma.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ok, dann ist absolut jeder Meinungsartikel, der sich mit einer Situation nicht einverstanden erklärt moralisierend. Von ihrer Replik bis hin hin zu… Kritik am IS, z.B. – alles moralisierend…

      • Martin Frey sagt:

        Bin da völlig auf Susis Linie. Der Artikel insgesamt ist insgesamt ok auch wenn das Thema weder ein US-Thema noch irgendwie neu ist. Aber bei den Walrössern hat Hr. Dieziger daneben gegriffen, völlig unnötigerweise wie ich finde. Da gibt es nichts zu beschönigen oder zu relativieren.

      • Muttis Liebling sagt:

        Schreiben, malen, auf der Bühne spielen oder gestalten darf man eigentlich alles. Nur im Handeln und im direkten Gespräch, wenn eine natürliche Person frontal angesprochen wird, unterliegt man meist auch nur zeit- und modeabhängigen Einschränkungen.

      • Sportpapi sagt:

        Was ist diskriminierend? Wenn man Faktoren aufzählt und damit unterscheidet? Wenn man Leute benachteiligt aufgrund dieser Faktoren? Meiner Meinung nach meistens doch eher das letzte, und das ist hier ja wohl nicht der Fall.

      • Franz Vontobel sagt:

        Und ein geistig Behinderter kann nichts für seine Behinderung, ein XXL-Pärchen schon – die haben nämlich nicht bloss schwere Knochen und sind gute Verwerter…

      • Franz Vontobel sagt:

        Susi, was gibt es moralinsaureres als ein empörtes: „Das sagt man aber nicht!“

      • Susi sagt:

        Wer sagt denn hier, Kritik sei mit Moralisierung gleichzusetzen? Moralisiert wird, wo im Predigerstil Belehrungen stattfinden. Dieser Text hier stellt Tablet, Handy, Computer wieder mal als Achse des Bösen dar. Die Opfer sind unter anderem die Walrösser und der kleine Mike, der einem leid tut. Und im letzten Abschnitt die Prophezeihung der Ausbreitung der als „Happiness“ bezeichneten Bildschirm-Epidemie. Genau: Achtung, die Apokalypse holt uns heim.

      • Susi sagt:

        „Und ein geistig Behinderter kann nichts für seine Behinderung, ein XXL-Pärchen schon“
        Darum geht es in meinem Beispiel nicht, sondern um MLs Behauptung, Tiernamen seien nicht diskriminierend.
        Im Übrigen hat jemand, der sich auf Walrossgrösse frisst, ganz klar eine Essstörung, genau eine Magersüchtige. Aber der darf man dann in einem öffentlichen Artikel auch nicht „Gottesanbeterin“ sagen. Oder „Heuschrecke“.

      • Susi sagt:

        @SP: Eine Diskriminierung muss nicht eine Benachteiligung sein, sondern kann auch bedeuten, dass man eine Gruppe von Leuten entwürdigt, wie es hier geschieht.

        Eine vorangehende Antwort hängt grad noch.

      • Widerspenstige sagt:

        Hoppla, das Thema scheint einen ganz empfindlichen Nerv getroffen zu haben. Statt Inhalt zu hinterfragen und sein eigenes Tun, wird auf den Überbringer der schlechten Nachricht geschossen aus allen Kanonen.

      • mila sagt:

        Bin hier so ziemlich auf der Linie von Susi. Aber so betrachtet, war der gestrige Beitrag nicht weniger ‚diskriminierend’… Nach dem Motto: Mutter gleich Furie, Vater gleich kindsuninteressierter Waschlappen. (Ja, ich kaue immer noch daran.)

      • Susi sagt:

        @WS: Klar, wenn man etwas missbilligt, dann wurde ein Nerv getroffen und es hat mit einem persönlich zu tun.

        Bei mir ist es nicht der Fall, ich nenne dicke Menschen durchaus auch mal „Walrösser“ und bin alles andere als politisch korrekt, aber ich tue das ganz sicher nicht in einem öffentlichen Text. Auch nicht in meiner Funktion als Lehrperson. Es spielt eine Rolle, in welchem Rahmen etwas gesagt oder geschrieben wird.

        Zum anderen (Bildschirm-)Thema: „Überbringer der schlechten Nachricht“? Eine Nachricht sollte doch eigentlich zumindest in einem Teilbereich eine Neuigkeit sein, oder?

      • Sportpapi sagt:

        Noch etwas zur sprachlichen Diskriminierung: Persönlich finde ich ich solche Bezeichnungen wie hier angemessen, weil es sofort ein Bild entstehen lässt und jeder weiss, was gemeint ist. Viel schlimmer finde ich es, wie in wahrer Wortakrobatik manchmal versucht wird, einen Sachverhalt auszudrücken, ohne ihn zu benennen. Wenn ich mich da an die verhaltensoriginellen usw. erinnere. Und jedes Mal wir die neue Bezeichnung in kürzester Zeit dann auch wieder verpönt, weil doch diskriminierend und irgendwie fies.. (wäre unglaublich fett statt Walross eigentlich besser gewesen?)

      • Franz Vontobel sagt:

        Susi: Dieser Text hier stellt Tablet, Handy, Computer wieder mal als Achse des Bösen dar.

        Tut er das? Bzw. tun sie das nicht auch?

        Wenn schon, dann spricht sich der Text gegen den Einsatz von iPad & Co als Ruhigstellungsmittel aus.

        Sie sind ja arg polemisch drauf, heute…

      • Franz Vontobel sagt:

        ich nenne dicke Menschen durchaus auch mal “Walrösser” und bin alles andere als politisch korrekt, aber ich tue das ganz sicher nicht in einem öffentlichen Text.

        Nennt man solches tun nicht „Doppelmoral“?

      • Muttis Liebling sagt:

        Mancher mag sich erinnern, das ’schwul‘ auch mal ein diskriminierender Begriff war, den kein Journalist oder gar Politiker verwenden durfte. Ich bin 1987 in die AIDS- Epidemiologie gerutscht, welche zu der Zeit von genau diesen Herren dominiert war, weil sie es als ihre Krankheit empfunden haben und uns Heteros nur als Statisten dulden wollten.
        Aber die baten mich, diese angeblich diskriminierenden Bezeichnung und nicht ‚homosexuell‘ zu benutzen..
        Heute ist der Begriff längst in die journalistische Hochsprache eingegangen.

      • Susi sagt:

        @Franz: Ja, ich halte Tablets & Co. in bestimmten Bereichen auch für die Achse des Bösen, wenn auch nicht aus moralischen Gründen.

        ABER: Ich bin hier auf der Ebene der Kommentierenden, ich schreibe nicht einen jämmerlichen Art1kel und werde dafür auch noch bezahlt, nicht von irgendjemandem, nein, vom T agi!

        Kommentarschreibende dürfen sich mehr leisten als der Aut0r. Das meine ich mit dem Kontext: Glauben Sie mir, wenn Sie beispielsweise an einem unserer Frauenstammtischtreffen dabei wären, würden sich Ihnen die Zehennägel aufstellen. Aber wir publ1zieren das nicht.

      • mila sagt:

        @Franz: Da haben Sie schon recht, es ist eine Form von Doppelmoral. Und doch verletze ich tendenziell eher weniger Menschen, wenn ich privat (und hoffentlich einigermassen diskret) über die Walrösser im Burger King ablästere, als wenn ich Sie direkt so anspreche. Oder indirekt im Blog. Vis-à-vis, respektive im öffentlichen Gebrauch, wähle ich deshalb lieber eine weniger tendenziöse ‚Ansprache‘. Aber es bleibt, zugegeben, ein wenig heuchlerisch, das Ganze.

      • Susi sagt:

        @Franz: Mein längerer Beitrag ist in der Warteschlaufe.
        Nein, keine Doppelmoral, denn ich fahre schon in erster Linie nicht die Moralschiene. Ich schreibe nur, dass eine Aussage diskriminierend ist, und dass es ein Unterschied ist, wo und in welcher Funktion diese gemacht wird. Das ist einfach eine Feststellung. Ich käme auf jeden Fall sicher nicht auf die Idee, zu behaupten, meine Aussage sei nicht diskriminierend, wenn ich Dicke als Walrösser bezeichne.

      • Martin Frey sagt:

        Es gibt einfach Unterschiede zwischen Oeffentlichkeit und Privatsphäre. Im öffentlichen Raum gelten nun mal andere Regeln als in den eigenen vier Wänden. Genauso wenig wie man im Bikini zur Arbeit ins Büro geht, hat die Vermeidung von ätzenden abwertenden Begriffen über andere Leute irgendetwas mit Doppelmoral zu tun. Man kann das gleiche ausdrücken wenn es denn nötig sein sollte, ohne sich in der Schenkelklopfschublade zu bedienen.

      • Susi sagt:

        @Mila: Ich finde meine Haltung überhaupt nicht heuchlerisch; ich hebe ja nirgendwo den Schimpfefinger, sondern sage einfach, dass ich über diesen Ausdruck gestolpert bin. Und mich doch sehr gewundert habe, etwas so diskriminierendes in einem öffentlichen Text zu lesen. Mich gefragt habe, warum der das darf. Und dann den Kopf darüber geschüttelt habe, dass hier auch noch gesagt wird, das sei gar nicht diskriminierend.

      • Susi sagt:

        @Martin: Da kann ich nur zustimmen.

      • mila sagt:

        Susi, bitte nicht missverstehen: ich habe nur von mir selber, respektive von meiner (empfundenen) Doppelmoral, gesprochen. Ansonsten habe ich ja gesagt, dass ich hier so ziemlich auf Ihrer Linie bin.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ach kommen sie, Susi, das lässt sich jetzt wirklich nicht wegintellektualisieren – wenn ich im privaten Kreis fröhlich und mit Gusto Ausdrücke verwende, über die ich mich in der Öffentlichkeit empöre, so ist das Doppelmoral.

      • Susi sagt:

        Ja, das wäre es, wenn ich mich denn empören würde. Das tu ich aber gar nicht. Ich bin nur am Klugscheissern.

      • Susi sagt:

        Heimlich war der Walross-Satz sogar der einzige, der mich in diesem öden Text einen Mundwinkel leicht anheben liess für eine halbe Sekunde.

      • mila sagt:

        Dann erlauben Sie mir folgende Frage, Susi: was bezweckt das Klugscheissern? Ich gebe gerne zu, dass es mich persönlich beelendet, wenn ich hochgradig adipöse Paare klischeebildzutreffend mit übergewichtigen Kleinkindern im Fastfoidrestaurant beobachte. Und dieses Gefühl ist dann jeweils alles andere als intellektuell. Es äussert sich, wenngleich diskret, auch alles andere als politisch korrekt. Das darf ich dann für mich auch als heuchlerisch empfinden, ohne deswegen in eine Persönlichkeitskrise zu verfallen. 😉

      • mila sagt:

        So besehen: allem, was ich niemals jemandem buchstäblich ins Gesicht sagen würde, hängt zumindest eun Hauch von Doppelmoral nach. Aber das gilt, wie gesagt, nur für mein eigenes Empfinden.

      • Susi sagt:

        @mila: Ich sage es ja bereits an anderer Stelle, aber gerne auch hier nochmals: Ich habe oben schlicht auf die Kommentare von Franz und vor allem ML reagiert, und zwar aus der Perspektive der Sprach- und Literaturwissenschaft. Es ging darum, etwas richtig zu stellen; für mich ging es nicht, dass hier stand, Tiermetaphern erschienen auch in der Weltliteratur und darum sei es unproblematisch, dass oben Dicke als Walrösser bezeichnet würden, darauf wollte ich reagieren. Meine Motivation zu den Kommentaren war nicht moralischer Natur.

        P.S. Sie wissen nicht, was ich wem direkt ins Gesicht sage.

      • Franz Vontobel sagt:

        Susi: PMS..? 😀

        *duck-und-weg*

      • Susi sagt:

        Franz, Sie fürchten sich vor PMS? Zu Recht.

      • mila sagt:

        Ich gebe auch das gerne zu, Susi: ich mag Sie lieber, wenn Sie nicht im Klugscheissermodus sind. Und danebst habe ich effektiv nur von mir selber gesprochen.

      • Franz Vontobel sagt:

        Oh ja! Nur Dummköpfe und Lebensmüde fürchten sich nicht vor PMS!

      • Franz Vontobel sagt:

        Mit dem Hulk lässt sich nicht diskutieren…

      • Widerspenstige sagt:

        Susi:’…Zum anderen (Bildschirm-)Thema: “Überbringer der schlechten Nachricht”? Eine Nachricht sollte doch eigentlich zumindest in einem Teilbereich eine Neuigkeit sein, oder?‘ Wieso regen Sie und andere sich denn so darüber auf, wenn diese Nachricht soooo banal und ‚öde‘ daher kam? Ich sage nur ‚Doppelmoral‘ wie sie nicht schöner zum Tragen kommt….ächz.

      • Susi sagt:

        WS: Dass Smartphones & Co. zu Recht unter Beschuss stehen, pfeifen die Spatzen sowieso schon konstant von den Dächern. Dass diese allgemein bekannte Info dann noch moralisch untermalt wird im Stil von „Im Ami-Land, dort wo die Walrösser und Nilpferde sich gut Nacht sagen, dort sind die armen, einsamen Kinder, die ungefragt mit Hamburgern und Tablets eingedeckt werden. Seid achtsam, denn die Bildschirm-Epidemie greift um sich, bald wird sie auch bei uns ankommen!“
        Man hätte aus diesem Material eigentlich einen witzigen Text erstellen können. Es gibt hier Schreiber/innen, die schaffen es, aus Nichtigkeiten etwas Originelles zu gestalten. Ich rege mich hier also in erster Linie auf ab mieser Schreibe. Das aber nur am Rande; Sie haben keine Ahnung, wie es ist, wenn ich mich WIRKLICH aufrege.

        Und zu guter Letzt: Mir eine Doppelmoral unterstellen zu wollen, ist völlig an den Haaren herbeigezogen; mit meinen moralischen Prinzipien ist es nämlich generell nicht weit her. Aber sei’s drum.

    • Muttis Liebling sagt:

      Beide Teilsätze sind thematisch und logisch verfehlt.

      • Hattori Hanzo sagt:

        jetzt mal ehrlich Susi – ich finde sie steigern sich etwas zu sehr in etwas hinein
        wenn alles diskriminierend ist, dürfte man keine Romane mehr beschreiben, Satire schon gar nicht
        Ein Schriftsteller beschreibt die Welt, wie er sie sieht und da kommen dann zwei angegraute XXL Walrösser – herrliches Bild! – vielleicht ist der Schriftsteller selbst Übergewichtig – wie auch immer, wenn er gut ist, wird er auch selbstironisch sein, aber er hat kein Problem die Realität darzustellen.
        Die Gesellschaft, wir alle – brauchen eine spitze Feder.

      • Susi sagt:

        @HH: Es hat ein Bild des AutOrs, der ist nicht übergewichtig.

        Natürlich braucht es eine spitze Feder. Satire sollte aber nicht plump sein, so wie dieser Text.

        Nein, ich steigere mich nicht in etwas hinein, denn das würde heissen, es wäre ein übertriebener emotionaler Antrieb da; von mir aus hätte ich aber gar nicht auf den Walross-Ausdruck reagiert. Dédé tut es und bekommt dann so kindische Repliken mit Hinweisen auf antike Literatur. Auf sowas Hanebüchenes muss ich als Literaturwissenschaftlerin ja wohl reagieren, oder?

      • mila sagt:

        Sehen Sie, Susi – den gestrigen Text empfand ich als mindestens genau so plump. Und eigentlich um ein ganzes Stück ärger.

      • Hattori Hanzo sagt:

        @Susi – das ist mir bewusst. Ich dachte an ein Buch, das die unglaubliche Fettheit eines Feiglings thematisiert und der Autor dieses Buches ist selbst fett. (Ob er auch ein Feigling ist, weiss ich nicht. Stephen King bezichtigt Schriftsteller allgemein der Feigheit.) – Es ging mir nur darum, dass angegraute Walrösser legitim bleiben sollen. Genauso wie dürre Heringe etc. – die Gesellschaft wird nicht besser, wenn man sie nicht mehr spitz beschreiben darf. Im Gegenteil!
        In Filmen werden solche Bilder ständig transportiert, dort schreit zum Glück niemand sofort „Diskriminierung!“

      • Susi sagt:

        Ja, Mila, wir reden dann in zwei Jahren nochmal über den gestrigen Text.
        😀

      • Sportpapi sagt:

        Hm, Susi, aber mila und ich sind uns dort eher einig. Und ich und meine Frau haben diese Erfahrung eigentlich schon gemacht…

      • Susi sagt:

        @HH: Da wäre ich jetzt aber sehr interessiert an einem Film-Beispiel.

      • Sportpapi sagt:

        (ich finde es übrigens irgendwie diskriminierend, wie Sie mila Kompetenz absprechen, nur weil sie noch nicht Mutter ist… 🙂 )

    • Widerspenstige sagt:

      Normalerweise würde mich so eine Bezeichnung für sehr beleibte Mitmenschen auch stören. ABER: in diesem Kontext genannt hat der Autor – der sich ja mit Texten bestens auskennt und deren Tragweite notabene! – bewusst darauf fokussiert, dass das dann das Ergebnis wäre vom ewigen digitalbedingten Herumsitzen. Da drücke ich ein Auge zu und klatsche dem Autor Beifall für diesen Artikel! Der Inhalt sollte uns aufrütteln als Eltern und alle, die mit Kindern erzieherisch zu tun haben. Nehmt ihnen die Dinger so früh wie möglich weg und lasst sie Kreativeres spielen. Ich weiss, wovon ich schreibe…

      • mila sagt:

        Sie haben tatsächlich nicht ganz unrecht, WS. Ich habe für einen globalen Technologiekonzern gearbeitet und konnte gut beobachten, wie restriktiv so einige der gutverdienenden (und gutgebildeten) Eltern den Zugang ihrer Kinder zu technischen Gadgets privat handhaben. Auch wenn sie die Gerätschaften inklusive entsprechender Software natürlich gerne auch (mitunter unter dem Label kinderfreundlich) beruflich verkaufen wollen.

      • Sportpapi sagt:

        „Ich weiss, wovon ich schreibe…“ Woher? Denn bisher hat das nicht den Eindruck erweckt, jedenfalls nicht bei mir.

      • Franz Vontobel sagt:

        Ich weiss, wovon ich schreibe…

        Das halte ich für eine glatte Lüge – oder zumindest für Selbstbetrug der oberen Gewichtsklasse, im Walrossbereich, sozusagen…

      • Franz Vontobel sagt:

        Ich und SP auf einer Linie – das sollte ihnen zu denken geben, WS… 😀

      • Franz Vontobel sagt:

        mila, zwischen reglementiertem Zugang und komplettem Vorenthalten gibt’s dann aber noch einige Graustufen…

      • mila sagt:

        @Franz: Ja, natürlich, in jedem Fall. Ich selbst bin ja auch keine absolute Technologiegegnerin.

      • Sportpapi sagt:

        Hm, mila, und wir sind mit unseren Kindern immer unter Druck, weil ihre Kollegen Kinder von EDV-Spezialisten sind, die der Meinung sind, ein früher Zugang zu den neuen Technologien sei ein wichtiger Vorteil im Leben…

      • Susi sagt:

        @WS: Adipöse Menschen gab es in den USA schon vor 20 Jahren massenhaft, das hat nichts mit der Entwicklung der digitalen Welt zu tun.

        Ich wüsste aber nicht, warum der Aut0r Beifall verdient hat für das Aufwärmen von altem Kaffee. Manfred Spitzer (ja, sorry, Franz, das musste jetzt sein) hat die uns das mit „Digitale Demenz“ schon vor Jahren vor Augen geführt und wenigstens neurowissenschaftlich anstatt moralisch argumentiert.

        Unsere Tochter kriegt mein Smartphone nur in Notfällen (zweimal im Monat?) in die Finger. Mein Mann besitzt kein Smartphone und das Tablet teilt er kaum.
        Nein, der Text gibt mir keinen Denkanstoss, ich muss mein Verhalten nicht hinterfragen (zumindest nicht diesbezüglich 🙂 )

      • Sportpapi sagt:

        Vielleicht ist ja gerade ein Restaurantbesuch mit Kleinkindern ein solcher Notfall…

      • Franz Vontobel sagt:

        Susi, jetzt haben sie schon wieder „neurowissenschaftlich“ mit „trivialwissenschaftlich“ verwechselt… 😀

      • Susi sagt:

        @SP: Ja, kann gut sein. Ich persönlich kritisiere das, was im Artikel beschrieben wird, ja auch nicht. Ich sage einfach, wie ich es handhabe und wie es für mich stimmt. Dass ich keinen „Überbringer der unangenehmen Wahrheit“ auf unterirdischem Niveau brauche, obwohl mich das Thema eigentlich interessiert.

      • Susi sagt:

        @Franz: Lieber trivialwissenschaftlich als moralinsauer…

      • mila sagt:

        SP: Ich sprach ja ganz bewusst von so einigen, nicht von allen Eltern. Aber beobachten Sie nicht eher auch, dass in gutgebildeten Haushalten der Fernseher eher nicht im Dauerlaufmodus läuft, das Smartphone oder Tablet nicht permanent ausgehändigt wird (oder zusätzlich angeschafft), der Computer nicht frei zur beliebigen Verfügung steht?

        Die Frage ist insofern nicht ob (siehe Franz), sondern wie. Und hier scheint es mir doch einen gesellschaftlichen Graben zu geben, der zwar nicht ausschliesslich an Bildung (und Einkommen) bemessen werden kann. Aber tendenziell (statistisch) vermutlich schon.

      • Sportpapi sagt:

        @mila: Ich sehe das etwas diferenzierter. Man hat lange einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, schlechter Fitness und Bildschirmzeit zeigen können. Heute geht es nicht mehr so einfach, weil übermässige „unkontrollierte“ Fernsehzeit offenbar nicht das gleiche ist wie übermässige Computerzeit (bei der es keinen Zusammenhang gibt).

      • Franz Vontobel sagt:

        Der Compi im Kinderzimmer ist, wie früher der TV im Kinderzimmer, ein Indikator für Bildungsdistanz.

      • Sportpapi sagt:

        DAS glaube ich nicht, Vontobel. Im Gegenteil. Das was Sie meinen sind diese Spielkonsolen…

      • Susi sagt:

        „Man hat lange einen Zusammenhang zwischen Übergewicht, schlechter Fitness und Bildschirmzeit zeigen können.“

        Ja, heute geht das wirklich nicht mehr. Bevor die Ausdauermaschinen mit Bildschirmen ausgestattet waren, hielt ich es nie so lange darauf aus. Jetzt schaue ich zum Beispiel „Bauer sucht Frau“ auf dem Crosstrainer und kann einfach nicht mehr aufhören.

      • Sportpapi sagt:

        Alter Käse! „Für die Studie wurden Daten von mehr als 150.000 Schülern aus Virginia zwischen 2000 und 2005 ausgewertet, als sich das Internet ausbreitete, aber das Web 2.0 mit Facebook und Co. noch nicht vorhanden war.“

      • Franz Vontobel sagt:

        Jaja, ich weiss – Wahr ist nur die Wahrheit vom Sportpapi – aber sie haben natürlich recht: Facebook macht aus dem Compi natürlich eine Lernmaschine… 😀

        http://www.fhnw.ch/ppt/content/prj/s246-0031/das-wichtigste-in-kuerze
        Die Kinderzimmer bei Familien bildungsferner Eltern sind deutlich häufiger mit neuen Medien ausgestattet als bei formal mittel und hoch gebildeten Eltern. (Seite 1)

        Na, sie werden sicher auch hier wissen, warum der Studie nicht geglaubt werden darf (Basel ist irgedwie anders, 2011 ist auch zu lange her, es war gerade Vollmond…)

      • Muttis Liebling sagt:

        Das ist ja, was ich oben vorausgesagt habe, die sog. Sozialen Medien sind schon in der Unterschicht, also an ihrem und aller Ausgang angekommen. Zigarette und Smartphone sind Geschwister.

      • Sportpapi sagt:

        Auf die SChnelle: „Fernsehkonsum scheint dabei einen stärkeren Einfluss auszuüben als andere Bildschirm-Aktivitäten wie Computerarbeiten oder Videospiele.“ https://www.bips-institut.de/no_cache/veroeffentlichungen/presse/einzelansicht/artikel/idefics-studie-fernsehkonsum-erhoeht-das-risiko-fuer-uebergewicht-bei-kindern.html

      • Franz Vontobel sagt:

        Ihnen ist schon klar, ML, dass auch ein Blog ein „soziales Medium“ ist, oder?

      • Franz Vontobel sagt:

        Ich red aber nicht von Übergewicht, sondern vom Compi im Kinderzimmer als Indikator für Bildungsferne…

      • Muttis Liebling sagt:

        Na klar, Blogs gehören auch dazu. In der Unterschicht mehrheitlich angekommen bedeutet ja nicht, aus der Oberschicht schon raus zu sein. Helmut Schmidt ist immerhin der berühmteste deutsche Raucher. Nur die Prognose ist klar: Auch Blogs werden tendenziell verschwinden und zwar sehr schnell. Weil alles immer schneller geht. 2030 steht das Wort nicht mal mehr im Duden.

      • Franz Vontobel sagt:

        SP: Computer im Kinderzimmer. Laut lesen, bis es ins Hirn durchdringt.

        Nicht „Benutzung von internetfähigen Endgeräten“. Nicht “ Anteil der Kinder, die mehr als eine Stunde täglich
        am Compi sitzen“.

        Computer. Im. Kinderzimmer.

        Aber was mach hier eigentlich. Wahr ist, was SP für wahr erklärt… war mir ja schon vorher klar.

      • Sportpapi sagt:

        Ach so, Vontobel. Die stehen dann da, werden aber gar nicht genutzt.
        Haben Sie übrigens gemerkt, dass in Ihrem ersten, veralteten Link gar nichts darüber steht, dass Unterschichtskinder häufiger einen Computer im Kinderzimmer haben, oder diesen häufiger brauchen? Aber mit solchen Details halten wir uns nicht auf, oder?

      • Franz Vontobel sagt:

        Darum hab ich ja eine andere Studie nachgeschoben…
        Sie kritisieren mich für ein Detail in einer Studie, die sie eh für nicht valide erklärten..? Aber mit solchen Details halten wir uns nicht auf, oder?

        Es ist erst mal egal, ob die genutzt werden oder nicht – darüber hab‘ ich nie was gesagt. Die Aussage bleibt:
        Kinder aus bildungsfernen Schichten haben häufiger einen Compi in ihrem Zimmer.

        (Und ja, damit wohl auch vermehrt unüberwachten Zugang zu allen dunklen Ecken des Webs. Z.B.)

      • Sportpapi sagt:

        Nun zu ihrer zweiten Studie, die es übrigens für lesebegabte auch im Original gibt: Computer mit Internetzugang im Kinderzimmer nach formaler Bildung der Eltern: 30.7% (hoch), 31.7.% (mittel), 30.6% tief. Dafür stehen da offenbar noch einige Computer ohne Internetzugang.
        „In Haushalten, in denen die befragte Person über einen hohen formalen Bildungsgrad verfügt, sind signifikant weniger
        Spielkonsolen und Fernsehgeräte, hingegen mehr Computer gegenüber den Haushalten der formal weniger gebildeten
        Befragten vorhanden.“ Aber halt im Arbeitszimmer, über das ärmere Familien eher nicht verfügen…

      • Sportpapi sagt:

        Ach so, Sie haben stillschweigend die andere Studie nachgeschoben, weil sie das selber gemerkt haben. Ach ja. Manchmal sollte man auch zu seinen Fehlern stehen können!
        Aber Sie haben recht, die bildungsfernen Kinder haben wohl wirklich viel häufiger einen Computer im Zimmer – die alte Kiste von Freunden ohne Internetanschluss…

      • Sportpapi sagt:

        Und, nebenbei, was meinen Sie mit Detail? Wenn Ihre Hauptaussage gar nicht besprochen wird?

  • Sportpapi sagt:

    Wo genau ist denn nun der Unterschied zwischen Malstiften und co und Ipads?

    • Muttis Liebling sagt:

      Preis, Kaubarkeit, Projektierung in Sozialstatus und Weltanschauung.

      • Dédé sagt:

        Wenn der IPad vom Restaurant gestellt wird, bleibt somit als einziger Unterschied die Weltanschauung.

      • Franz Vontobel sagt:

        Es ist ein Irrtum anzunehmen, dass das iPad aus dem Restaurant kaubar ist.

      • Sportpapi sagt:

        @ML: Ich verstehe kein Wort. Aber statt dem vom Restaurant gestellten Ipad könnte es auch das Smartphone der Eltern sein. Und ja, viele Eltern haben mittlerweile eines…

      • Muttis Liebling sagt:

        @SP, auf Blei- oder Malstiftenden kann man kauen, ein Bild, welches in Filmen und Büchern gern als Metapher für (meist erfolgloses) Nachdenken benutzt wird. Für das Smartphone kenne ich keine vergleichbaren Szenarien.

      • Widerspenstige sagt:

        ML, habe beim Wort ‚Kaubarkeit‘ genau an diese Szenen gedacht. Wundervolle Metapher! Bei Smartphones & Co. gibt es eben nicht viel nachzudenken, denn es wird dauernd irgend ein Stuss in Bildern geliefert. Den heutigen jungen Menschen wird da etwas vom Kreativsten überhaupt vorenthalten, wenn man ihnen die Malstifte wegnimmt. Aus gutem Grund lassen ja IT-CEOs des Silicon Valley ihre eigenen Kinder ohne solche Kreaivitätszerstörer aufwachsen und geben sie in Waldorfschulen.

      • Sportpapi sagt:

        Oh ja, es ist natürlich unglaublich kreativ, mit den Malstiften die vorgegebenen Ausmalbilder auszumalen…

      • Franz Vontobel sagt:

        Bei Smartphones & Co. gibt es eben nicht viel nachzudenken, denn es wird dauernd irgend ein Stuss in Bildern geliefert.

        Oh, merket auf! Die Fachfrau spricht! 😀

        Wieder im Zombie-Modus, WS?

      • Widerspenstige sagt:

        Ja, es ist auf jeden Fall kreativer als ein kleines Bildschirmli anzustarren und wie verrückt darauf herumzutippen in einem Restaurant, Sp. Es kursiert sogar das Gerücht, dass sich ein malendes Kind leichter mit dem Alltag zurecht findet als ein digitalisiertes Kind. Auch reagiert es schneller auf Rufe aus der Küche zuhause, wenn Essenszeit ist etc…:D

        Franz, nicht soviel Redbull schon am Morgen nehmen, denn darin hat es zuviel Zucker. Und eine Überzuckerung ergibt eben solche Sätze wie von Ihnen.

      • Franz Vontobel sagt:

        Sorry, liebe WS, aber ich habe meine Zufuhr an raffiniertem Zucker auf ein Minimum beschränkt, und sowas Widerliches wie Red Bull trink ich schon gar nicht…

        Was ist an meinen Sätzen auszusätzen..? Sie haben ganz offensichtlich keine Ahnung von smarten Geräten und schliessen von der eigenen Verwendung auf die von anderen.

        Und sie haben sich selbst als Zombie bezeichnet – schon vergessen? Wieder eine Episode gehabt zwischen gestern und heute? 😀

        Und beruhigen sie sich wieder, das „ä“ in auszusätzen war Absicht… 😀

      • Muttis Liebling sagt:

        WS, das mit den Kindern der IT-CEOs des Silicon Valley lässt sich im Kontext dieses Blogs noch ausbauen. Keines der Kinder der Manager, welche vor Gericht beeidet haben, Rauchen sei unschädlich, haben jemals geraucht. Die heutigen P.M- Manager sicher auch nicht.
        Wie alle Süchte geht auch die social media Geschichte über die Oberschicht in die Gesellschaft rein und durch die Unterschicht wieder raus. Am 5.8.2015 meine ich, dass das Smartphone schon stärker nach sozial unten verteilt ist. Das Gerät und die aktuale mediale Anbindung ist am Verschwinden, nicht aber das Prinzip.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Das Prinzip der von Nutzer unkontrollierten Anbindung an eine zentrale Logik, die eben dieser Kontrolle dient, nur anders herum, wird sich verselbständigen und alles andere dominieren. Nur nicht mehr als Gerät, sondern temporär erst über Implantate (Retinachip), dann über berührungslose Kopplung an das ZNS. 2030 als Hausnummer.

      • Sportpapi sagt:

        @ML: „Keines der Kinder der Manager, welche vor Gericht beeidet haben, Rauchen sei unschädlich, haben jemals geraucht.“ Ach ja? Sind Sie sicher?

      • Widerspenstige sagt:

        Genau, Franz, es sind dreckige ‚Aussätzer‘ (ja, das ‚ä‘ ist bewusst geschrieben u reimt sich ja gut auf aussätzig….!).

        Eine klassische Form von self fulfilling prophecy. Das wollte ich damit sagen u Du bringst gute Beispiele, ML, denn dasselbe sieht man bei hochgejubelten Köchen, die für sich selber gerne einfach kochen oder schnell im Schnellimbiss vorbei gehen. Das ist gelebte Doppelmoral u kann eigentlich am besten jemand nachvollziehen, der unternehmerisch tätig ist..hihi. Die Kundschaft ist willig, wenn man das Marketing beherrscht, sich selber aber davon ausklammert…

      • Susi sagt:

        Herrje, WS, was soll dieses Köche-Beispiel? Doppelmoral, wenn man als Spitzenkoch für sich selber gerne einfach kocht oder im Schnellimbiss vorbeischaut? Doppelmoral, echt jetzt? Okay…

      • Sportpapi sagt:

        Hm, die WS war eben mal unternehmerisch tätig und kennt sich mit Marketing und Doppelmoral aus.

      • Susi sagt:

        Ja, mit Kochen, Marketing und Doppelmoral. Heute ist ihre Strategie, die Leute mit Absurditäten so zu verwirren, dass ihnen die Gegenargumente einfrieren. Mir wird schon ganz sturm.

      • Sportpapi sagt:

        Würde ja schon gerne wissen, was das für ein Business war, und wie es funktioniert hat…

      • Susi sagt:

        Mich auch. WS?

      • Susi sagt:

        Nach reiflicher, detaillierter und intensiver Überlegung glaube ich, bei WS‘ Koch-Beispiel drauszukommen. Das ist wie bei mir: Im Unterricht Shakespeare predigen und privat „50 Shades of Grey“ lesen. Voll die Doppelmoral-Susi

      • Stranger sagt:

        Das mit den 50 shades, Susi, verstehe ich. Ich selbst lese es darum nicht, weil es mich ärgern würde, aber ich sehe seine Attraktion. May it though be madness, yet there is method in it. Ich kenne eine Sekfranz- und deutschlehrerin, die es auch mit Freude gelesen hat.

      • Susi sagt:

        Stranger, ich habe „50 Shades…“ nicht mit Freude gelesen, bereits Band 1 ist grottenschlecht und das Niveau sinkt kontinuierlich, im Band 3 ist es unterirdisch. Sowohl inhaltlich als auch formal, sowas kann man sich kaum vorstellen. Ich hab trotzdem alle drei Bände gelesen, weil mich die Beliebtheit dieser Trilogie als gesellschaftliches Phänomen interessierte. Als Anglistin fühlte ich mich sozusagen verpflichtet (und wie üblich wollte ich mitreden können).

    • Franz Vontobel sagt:

      iPads und Co wirken viel immersiver als Malstifte.

      • Dédé sagt:

        Upps! Hatte „Kaufbarkeit“ gelesen… Egal, meine Tochter (15 Monate) hält bzw. hielt mein IPhone durchaus für kaubar…

  • Mara sagt:

    Kaum zu glauben, Ferien mit Kids in Kalifornien oder gar am indischen Ozean….dafür geht auch das Mami arbeiten, schließlich lebt man jetzt und will sich etwas gönnen…

  • Jonas sagt:

    Kann Silvia und Büchi nur zustimmen, solche Szenen mussten meine Partnerin und ich die letzten zwei Sommerferien in Griechenland auch beobachten. Da sitzt die ganze Familie mit Kleinkindern beim Abendessen gemeinsam am Tisch, die Eltern am Smartphone, die Kinder mittels DVD auf dem iPad ruhig gestellt. Noch viel erschreckender war ein Paar mit seinem Kind bei jenem beide Eltern am Smartphone sassen und das Kind traurig mit Besteck und Serviette spielte – vielleicht bekommt es ja auf den Geburtstag auch ein iPad….

  • Büchi sagt:

    Eine Szene in einem Restaurant hier bei uns in der Schweiz beobachten zu müssen, mit iPad Mini-losen Kindern, welche um ein wenig Aufmerksamkeit Ihrer ins iPhone versunkenen Eltern kämpfen, schmerzt genau so sehr, wenn nicht noch viel mehr, leider!

  • Silvia sagt:

    Dieses Pänomen beobachtete ich in einem Traumhotel im Indischen Ozean. Unsere Tochter wollte mit dem Miniclub essen. Familien mit Kleinkindern kamen in unser Hotelrestaurant bis an die Zähne bewaffnet mit IPad und Co. Anstatt die Kinder mit anderen Kindern im Miniclub Freundschaften schliessen zu lassen, setzte man sich zwar gemeinsam an einen Tisch. Aber die Kinder (ab 2/3 Jahren) stellte man lieber mit DVD’s ruhig. Hauptsache man sitzt gemeinsam am Tisch mit den Kindern, welche zwar ruhig sind, aber geistig völlig abwesend. Ja, ja : the whole happy familiy Syndrom!

    • Sportpapi sagt:

      Hm. Vielleicht wollten die Kinder ja nicht in den Miniclub? Und liessen sich auch nicht überreden, obwohl die Eltern es noch so gerne gehabt hätten?

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