Wunschkinder sind wundervoll

Ein Papablog von Markus Tschannen*

Mamablog

Er kann es kaum erwarten, bis das Kind endlich da ist: Matthew Morrison und Cameron Diaz im Film «What to Expect when You’re Expecting».

«Unser Baby war geplant.» – «Ja, unseres ist auch ein Wunschkind.» Ein fiktiver Dialog, den ich so ähnlich aber auch schon aufgeschnappt habe. Die zweite Person, vermutlich vom Typ Forenmutti, setzt Wunschkind mit geplantem Baby gleich. Mein Problem damit: Es erweckt den Eindruck, dass ein ungeplantes Baby ungewünscht oder gar unerwünscht sei. Ich definiere die beiden Begriffe deshalb lieber so:

ge|plan|tes Kind, das; ein Kind, das durch Zeugung, Adoption oder eine andere Form der Familienbildung mit Absicht im jeweiligen Zeitraum erworben wurde.

Wunsch|kind, das; ein Kind, das von den rechtmässigen oder faktischen Eltern erwünscht ist und entsprechend geliebt wird.

Die meisten ungeplanten Kinder in meinem Umfeld entstanden während der Fasnacht und/oder unter mangelhafter Anwendung von Verhütung. («Ein Kondom über einer Banane auf dem Nachttischli verhindert im Fall kein Kind.» – «…» – «Ja, ich weiss, dass du es in der Schule so gelernt hast.» – «…» – «Egal, dein Kind ist wirklich herzig.») Die Eltern haben sich in den mir bekannten Fällen schon während der Schwangerschaft sehr auf ihren Nachwuchs gefreut. Die fehlende Planung wurde schnell zur lustigen Anekdote. Ich finde, auch das sind Wunschkinder.

Unser Baby war geplant. Ich sage das deshalb, weil im entfernten Bekanntenkreis mitunter die Meinung herumgeistert, dem sei nicht so gewesen. Die Gründe für solche Gerüchte sind verständlich: Unsere Beziehung war noch jung (jünger als die Dauer einer Schwangerschaft), und meine Frau stand mitten in ihrem Studium. Aber wir waren uns unserer Sache sicher und wollten ein Kind. Also liessen wir die Banane auf dem Nachttischli weg und BÄNG! – schwanger.

Tatsächlich fragte ich meine Freundin bereits während der ersten Annäherung und noch bevor sie den Titel «meine Freundin» tragen durfte, ob sie denn auch ein Kind wolle. Liebe jüngere Leser: Nach dem dreissigsten Geburtstag sagt man plötzlich Dinge, die man früher nie für möglich gehalten hätte.

Aber selbst ungeplant wäre unser Kind ein Wunschkind gewesen, denn ich wollte schon immer Kinder haben. Mit jedem Jahr wurde dieser Wunsch grösser. Das hat wohl die Natur so eingerichtet, auf jeden Fall kann ich keinen rationalen Grund für meinen Kinderwunsch nennen. Ausser natürlich, dass ich mir schon etwas Sorgen um die AHV mache.

Vielleicht ist der Kinderwunsch ja biologisch programmiert. Ich verbrachte schon als Jugendlicher gerne Zeit mit Kindern. Mit 15 habe ich im Schullager auf die vierjährige Tochter meiner Französischlehrerin aufgepasst. Auch an diversen gesellschaftlichen Anlässen fand man mich schnell unter einem Haufen johlender Kinder. Ich war Plüschtier, Bällebad, Hüpfburg und glücklich dabei.

Sehr glücklich war ich dann auch über das Ultraschallbild mit dem kleinen schwarzen Punkt. Mein Baby und der Beweis, dass biologisch klappen sollte, was mir die Natur in den Kopf gesetzt hatte. Selbstverständlich ist das ja nicht. Wunschkinder sind wundervoll, und es ist bestimmt frustrierend, wenn die Natur dann doch nicht mitmacht. Manche Eltern finden in der Adoption die Lösung. Und dann gibt es Menschen, die haben diesen Kinderwunsch, wären tolle Eltern und würden gerne ein Kind adoptieren. Aber sie dürfen nicht, weil sie dasselbe Geschlecht haben. Das macht mich traurig. Wütend macht es mich nicht, denn Gesetze stammen in der Regel von früher und lassen sich ändern. Wütend machen mich Menschen, die aus fadenscheinigen Gründen an antiquierten Gesetzen festhalten wollen.

tschannen*Markus Tschannen lebt mit Frau und Baby wochenweise in Bern und Bochum. Unter dem Pseudonym @souslik nötigt er auf Twitter rund 8000 Follower, an seinem Leben teilzuhaben.