Darum müssen Mütter arbeiten gehen

Je länger eine Babypause, desto schwieriger ist der Wiedereinstieg im Job. Eine Coiffeuse bei der Arbeit. (Keystone, Gaetan Bally)

Der Bund müsste für Mütter Anreize schaffen, erwerbstätig zu bleiben, forderte Markus Theunert in einem Kommentar in der «NZZ am Sonntag». Theunert ist Präsident des Dachverbands Schweizer Männer- und Väterorganisationen männer.ch – und war vormals Männerbeauftragter des Kantons Zürich. Er äusserte sich im Zusammenhang mit einer geplanten Änderung des Unterhaltsrechts und dem von Bundesrätin Simonetta Sommaruga eingebrachten Vorschlag. Der Nationalrat behandelt ihn diese Woche.

Gemäss heutiger Rechtsprechung ist einer Mutter in den ersten zehn Jahren keine Arbeit, und bis zum 16. Lebensjahr des Kindes nur eine Teilzeitarbeit zumutbar. Sommaruga schlägt unter anderem vor, dass nicht nur verheiratete, sondern auch ledige Väter ihre Ex-Partnerinnen unterstützen sollten.

Theunert schreibt, die Gleichbehandlung von verheirateten und unverheirateten Paaren fände er grundsätzlich vernünftig. Allerdings mogle sich der Bund an der politischen Verantwortung vorbei. Denn: Statt weiterhin an einem – vom Mann bezahlten – Erwerbsunterbruch der Frau festzuhalten, sollte der Bund vielmehr «Anreize für eine Erwerbskontinuität der Frau setzen».

Das kann ich nur unterschreiben. Auch ich finde: Frauen sollen erwerbstätig bleiben – auch wenn sie Mütter sind. Denn die Zeit des Einzelernährers ist abgelaufen, das Modell «Frau bleibt zu Hause und Mann verdient das Geld» ist passé. In Zeiten der guten Ausbildungen und den immer besser werdenden Bedingungen, Familie und Beruf zu vereinbaren, sollte es das Ziel sein, die Arbeit mit Kindern, Haushalt und Erwerb zu teilen.

Ich rate jeder Mutter, nach einer Babypause von maximal einem Jahr wieder einem Job nachzugehen. Und zwar aus den folgenden drei Gründen:

  • Finanzielle Unabhängigkeit: Bleiben Mütter nach der Geburt der Kinder jahrelang Vollzeitmütter, ist das Risiko für sie, ja für die ganze Familie, viel zu gross: Trennt sich ein Paar oder lässt sich es sich scheiden (die Scheidungsrate in der Schweiz liegt bei immerhin 50 Prozent) – droht nicht selten die Armutsfalle, insbesondere für Frauen. Ich jedenfalls war wahnsinnig froh, einen Job mit einem 50%-Pensum zu haben, als ich mit meinem Einjährigen plötzlich alleine da stand.
  • Leichterer Wiedereinstieg: Mütter sind sich der Konsequenzen einer langen Babypause oft nicht bewusst. Doch je länger die Auszeit vom Arbeitsmarkt dauert, desto schwieriger wird der Wiedereinstieg. Nach zehn, fünfzehn Jahren beruflicher Absenz fassen sie oft nur schwer wieder Tritt. Ein kleines Arbeitspensum ist allemal besser als keines. Doch einen interessanten oder herausfordernden Job gibt es meiner Meinung nach nur ab einem Arbeitspensum von mindestens 60 Prozent.
  • Gelebte Gleichstellung: Das Paar begegnet sich eher auf Augenhöhe, wenn die Partner ihre Tätigkeiten teilen. Wer «nur» für Haus- und Fürsorgearbeit im Privaten zuständig ist, erfährt (auf Dauer) keine gesellschaftliche Anerkennung – unabhängig davon, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Das zeigen Gender-Studien der Uni Basel.

Es braucht etwas Mut und den Willen der Frauen, auch als Mutter einen Job zu schaffen. Denn natürlich: Es ist eine Mehrfachbelastung – insbesondere dann, wenn Haushalt und Kinderbetreuung nach wie vor selbstverständlich Sache der Frau sind. Es braucht deshalb auch ihre Männer, die sie auf ihrem Weg unterstützen. Die ihren Teil dazu beitragen, indem sie ihr Arbeitspensum reduzieren und einen Teil der Kinderbetreuung und Hausarbeit übernehmen. Und es braucht den Bund, der – wie Markus Theunert richtig forderte – Anreize schafft, dass Frauen auch als Mütter erwerbstätig bleiben. Zu diesen Anreizen zählen ausreichend Betreuungsplätze, flexible Arbeitszeitenmodelle in Betrieben und mehr Teilzeitstellen für Frauen und Männer.

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