Schrebergarten statt Spielplatz

Ein Gastbeitrag von Seraina Kobler*

Als ich das letzte Mal auf einem Spielplatz Spass hatte, war ich etwa 5 Jahre alt. Dann war da irgendwas mit einer pinkfarbenen Schaufel, Sand in den Augen und einer erzürnten Mutter, die furienhaft ihre Tochter verteidigte. Diese streckte mir hinter dem Rücken der schäumenden Medusa die Zunge raus.

Über 20 Jahre später, mein Sohn war gerade im Krabbelalter, hatten die begrünten Flächen mit Sandkästen und Spieltürmen, abgestimmt auf die grobmotorische Entwicklung, auf mich noch immer die gleiche Anziehung wie eine Dose abgestandenes Bier am Morgen nach einer Party. Auf die übereifrige Grosseltern, bemutternde Spätgebärende und perfekt durchgestylte Hipstermütter wird an dieser Stelle nicht eingegangen. Was also tun?

Es musste ein Kompromiss her. Einer, bei dem der Halbe sich entwickeln und Erfahrungen machen kann, bei dem mein Puls aber unter 80 bleibt. Die Einladung einer Freundin zum Grillieren in den Schrebergarten brachte die rettende Lösung. Die Halben vergnügten sich prächtig, manschten in der Erde, assen Würmer und beobachteten Eidechsen. Wir Mütter jäteten, tratschten, tranken Tee zum Summen der Bienen. Alles war gut.

Mit viel Glück bekamen wir einige Monate später selber einen Garten angeboten. Das war vor fünf Jahren. Auch wenn unsere «Datscha», wie die Gartenhäuschen in Russland genannt werden, viel Arbeit macht – zurück auf den Spielplatz? Nie.

Wenn ich abends todmüde im Bett liege und mir plötzlich in den Sinn kommt, dass ich das Gewächshaus mit den empfindlichen Setzlingen nicht abgeschlossen habe und wieder aufstehen muss, dann fluche ich schon, ja. Aber es wird jedes Jahr besser. Die Halben, unterdessen sind sie zu zweit, helfen jedes Jahr mehr. Zum ersten Mal diesen Sommer gar mit eigenem Beet: Kartoffeln, Zwiebeln und ein grosser Bagger. Auf dem Fensterbrett ziehen sie Sonnenblumen und Erbsen. Jeden Morgen stehen sie auf und brechen in Begeisterungsstürme aus, wenn wieder das Köpfchen einer neuen Pflanze durch die weiche Erde stösst.

Es gibt einige Dinge, die ich meinen Söhnen beibringen möchte. Sie sollen wissen woher das Gemüse kommt, das sie meistens verschmähen. Sie sollen Feuer machen können, auch wenn sie sich dabei die Finger verbrennen. Sie sollen mit Schwertern kämpfen, aber erkennen lernen, wann genug ist. Sie sollen ihrer Natur freien Lauf lassen, sie aber trotzdem irgendwann beherrschen. Dafür braucht es Chaos und Ordnung, Wildheit und Kultiviertheit, Nähe und Distanz.

Wir haben den Schrebergarten, weil er Verantwortung braucht aber trotzdem Freiheit gibt. Weil man einfach so ein Baumhaus bauen kann und es niemanden stört, wenn jeder zweite Nagel krumm in der Landschaft steht. Bis vor Kurzem waren die Gartenkolonien noch mit einem furchtbar spiessigen Image behaftet. Nachbarschaftskriege wurden im Fernsehen übertragen und über Gartenzwerge gespottet. Die Männlichkeit der Gärtner wurde an der Grösse der meist mit Chemie aufgepumpten Zucchetti gemessen.

Heute baumeln Dicokugeln in den Weinlauben, Kindergebrüll durchzieht die Frühlingsluft und es wird biodynamisch gegärtnert. Zwei Drittel für uns, eines für die Schnecken, welche eingesammelt und mit dem Schneckentaxi liebevoll aber bestimmt in den nahegelegenen Wald verfrachtet werden. Der Drang zur Erforschung der Natur wird bei den Halben immer stärker. Da gibt es den Forsch im Wasserloch, die Molche und viele, viele Regenwürmer, die sie längst nicht mehr essen, sondern aufeinandergestapelt in kleinen Nestern auf die Wiederauswilderung warten.

Sorgen bereitet mir eigentlich nur, was geschieht, wenn das Spielplatzalter vorbei ist und die Halben, die dann eigentlich mehr Ganze als Halbe sind, ihre schulfreien Nachmittage anders verbringen wollen. Ich könnte in Versuchung kommen, sie trotzdem mitzuschleppen, und sie hätten statt einem Spielplatz- ein Schrebergartentrauma.

seraina kobler*Seraina Kobler ist Journalistin, hat zwei Söhne und lebt mit ihrer Familie in Zürich.

102 Kommentare zu «Schrebergarten statt Spielplatz»

  • Studentin sagt:

    Als Stadtkind, dass in einer engen Wohnung aufgewachsen ist, hätte ich oft gern das ganze Spielzeug gegen ein Baumhaus eingetauscht 🙁 die Spielerfahrungen im Dreck, in verwucherten Parkanlagen sind mir als einzige bis heute geblieben…

  • Jeanclaude sagt:

    Der Artikel ist so gut geschrieben, dass nicht mal die Druckfehler nerven. Den Inhalt will ich nicht kommentieren, da für mich kein Welt bewegendes Thema. ABER: die durch Seraina Kobler beschriebenen Szenerien haben ein Erdbeben ausgelöst. So viele ernst gemeinte Kommentare habe ich noch selten gesehen. Also scheint das Thema doch ein akutes Problem der heutigen Elternschaft zu sein. Kein Wunder, dass die Sofas bei den Psychologen dermassen frequentiert sind.

  • Werner Valentin sagt:

    Liebe Frau Kobler.
    Was für ein wunderbarer Text! Kompliment.
    Leider muss ich in den Kommentaren wieder dieses unsägliche, immer als verbaler Zweihänder geschwungenes „Sozialkompetenz“ lesen. Höhrt doch auf. Ich habe meiner Tochter gesagt: Mit sozialkompetenz kommst du Heute an die Discounterkasse, mit einer gesunden Portion ego auf den Chefsessel.

    • Susi sagt:

      Sie fühlen sich also vom Wort „Sozialkompetenz“ bedroht? Interessant.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Susi, Sozialkompetenz ist die Bedrohung für die Wettbewerbsgesellschaft. Was passiert, wenn alle sagen, ich will nur gewinnen, wenn ein anderer nicht verliert? Dann geht dieses Gesellschaftsmodell unter.

      • Susi sagt:

        ML, ich glaube, man müsste hier erst mal den Begriff „Sozialkompetenz“ definieren. Ich sehe ihn nicht als ein Synonym zur „Gschpürschmi-Kultur“, wie Sie es darstellen, sondern als Intelligenz im Umgang mit anderen und Empathievermögen. Wird eine solche Fähigkeit auf eine bestimme Art eingesetzt, dann kann man hochsteigen, ohne dass ein anderer sich als Verlierer fühlt. Oder man kann das Degradieren der anderen bewusst in Kauf nehmen. Macht und Sozialkompetenz schliessen einander nicht aus. (Darum kommt WV wahrscheinlich mit seiner Zweihänder-Metapher daher; reine Kastrationsfantasie. 😉 )

      • Werner Valentin sagt:

        Sehr geehrte Fr. Susi ohne NN
        Ich lebe im 2014 und verschliesse nicht meine Augen vor den wiedrigen Umständen den unsere Kinder (nicht nur) Beruflich erwartet. Sie dürfen Ihren Kinder ruhig diese romantische „wirhabenunsdochallegern-baumumarmer“ Mentalität mitgeben. Es braucht viele von denen die den Kaffee bringen. Und bitte, konstruktiv argumentieren, nicht Fantasien unter der Gürtellinie verwenden.

      • Susi sagt:

        Lieber VT
        Haben Sie auch den ersten Teil meines Kommentars gelesen, den oberhalb der Gürtellinie? Den mit der „Gschpürschmi-Kultur“, die m. E. kein Synonym für Sozialkompetenz ist? Habe mich ev. zu komplex ausgedrückt… Also, nochmals etwas einfacher und auch für Sie verständlich: Wenn man seine Sozialkompetenz gezielt einsetzt, kann das einen auf der Karriereleiter durchaus nach oben bringen, denn man kann andere manipulieren, ohne dass die es merken. Also kein Niedergang der Wettbewerbsgesellschaft.
        Bäume umarmen liegt mir fern, das merken die Sozialkompetenten sofort an meinen Beiträgen.

      • Muttis Liebling sagt:

        Macht und Sozialkompetenz schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil, ohne Macht keine Kompetenz. Wohlfühlen ist keine Sozialkategorie, nur Wohlsein. Wohlsein kann man nur durch Macht erzeugen, Wohlfühlen kann jeder drittklassige Marktplatzgaukler erzeugen.
        Jetzt im Augenblick, in einer Kneipe der Verlierer, in der das Bier 1.20 kostet, im brutalen Berlin, in welchem ich geboren und zuhause bin, ich mich wohl fühle, wo Unwohlsein Kult ist, spüre ich den Unterschied.
        Selbst in CH, in der Wohlsein von Geburt an verordnet ist, muss man Wohlfühlen manipulieren.

      • Susi sagt:

        ML, manchmal sind mir Ihre Theorien einfach zu hoch. Diesen hier lese ich dreimal durch und glaube, noch immer nicht ganz drauszukommen. 😉

      • Susi sagt:

        Vielleicht sollten Sie’s jetzt für mich auch vereinfachen?

      • Muttis Liebling sagt:

        Susi, Ihre ganzen Kommentare zeigen, dass Ihnen nichts zu hoch ist. Was Ihnen und fast allen erst mal intelligenten Menschen fehlt, ist die Akzeptanz, gegen sich selbst zu argumentieren.

      • Muttis Liebling sagt:

        Ich versuche es mal ganz einfach auszudrücken, Sie, Susi können so ziemlich alles. Wenn Sie das dann dennoch nicht wahrnehmen, liegt das daran, dass Sie sich nicht zulassen. Sie selbst sind stark, das lese ich aus jedem Ihrer Beiträge. Der Teil, welchen Sie davon stattfinden lassen, liegt weit unter Ihren Möglichkeiten.
        Sie wissen genau so gut wie ich, was ist. Ich bin Ihnen analytisch nicht überlegen, ich bin nur kompromissloser. Auf ML reagiert man nur, wenn man sich angesprochen oder düpiert fühlt.
        Es ist ein Doppelspiel zwischen Inhalt und Form, ML ist die Form, um Inhalt zu transportieren

      • Susi sagt:

        Lieber ML, über diese Kommentare muss ich mal ernsthaft und in Ruhe nachdenken.

    • Werner Valentin sagt:

      Frau Susi

      • Werner Valentin sagt:

        Sollte ich mich nicht 100% perfekt ausdrücken möchte ich mich entschuldigen. Deutsch ist nicht meine Muttersprache. Trotzdem, so heradlassend können Sie mit Ihrem Mann sprechen. Ich rede von Stärke und durchsetzungsvermögen, Sie von manipulieren (?) … Das ist doch hinterlistig und feige. Interessant währe wo hin Sie sich „manipuliert“ haben.

      • Susi sagt:

        Ich spreche nicht davon, wie Sie sich ausdrücken, sondern dass Sie mir unterstellen, dass ich mein Kind kuschelpädagogisch erziehe, obwohl ich oben genau das Gegenteil geschrieben habe. Daraus habe ich geschlossen, dass Sie meinen Kommentar nicht verstanden haben und habe das Ganze für Sie nochmal etwas plakativer ausgedrückt. Vielleicht sollten Sie die Beiträge genauer lesen, bevor Sie schiessen; wo ich (überspitzt, damit verständlich) von Manipulation schreibe, sage ich nicht, dass ich das selbst so handhabe, sondern zeige diese Möglichkeit auf, womit ich auf MLs Beitrag antworte.

      • Susi sagt:

        Haben Sie gemerkt, dass Sie hier ständig persönlich werden, und das auf völlig humorlose Weise? Sowas passiert, wenn einem auf der sachlichen Ebene die Argumente fehlen.

      • Susi sagt:

        P.S. Dass gerade Sie andere als „herablassend“ bezeichnen, gewinnt dem Ausdruck Ironie beinahe eine neue Facette ab.
        Lesen Sie Ihre eigenen Beiträge nochmal genau durch. Gibt es einen, in welchem Sie sich nicht herablassend äussern? Es beginnt schon dort, wo Sie despektierlich über die Menschen, die am Discounter arbeiten, schreiben und über diejenigen im Gastgewerbe (die den Kaffee bringen). Woher kommt diese Despektierlichkeit?

      • Bernhard sagt:

        @Susi und Werner Valentin
        Ich glaube, da liegt doch genau das Problem: Wer zu sehr von sich überzeugt ist (über das entsprechende Ego verfügt), mag in unserer heutigen Gesellschaft zwar beruflich erfolgreich sein, menschlich kann genau dieses „zu viel Ego“ aber dazu führen, dass man sehr einsam ist, weil man nicht konfliktfähig ist (ich bin unfehlbar, habe IMMER Recht und bin sowieso besser als alle anderen…) und aufgrund fehlender Empathie nicht merkt, dass die einzigen „Freunde“ sich nur deshalb mit einem abgeben, weil man die entsprechende Position bekleidet. Also doch lieber Discounter!

      • Susi sagt:

        @ Bernhard: Ich stimme da völlig zu. Während des Studiums habe ich oft in diesen Bereichen gearbeitet, beispielsweise geputzt, unter anderem im Uni Spital. Diese Welt kennen zu lernen, war für mich sehr wertvoll und ich habe den grössten Respekt vor den Menschen, die diese schwere, schlecht bezahlte und prestigearme Arbeit ausüben.

        Zum anderen Thema: Ich persönlich bin ziemlich rechthaberisch (merkt man’s?), habe aber trotzdem viele gute (teilweise auch rechthaberische) Freunde. Mit Sozialkompetenz (oh nein, schon wieder das Unwort!) findet man trotzdem die Kurve, weil man konfliktfähig ist.

      • Bernhard sagt:

        @Susi
        Ich empfinde das Wort „Sozialkompetenz“ ganz und gar nicht als Unwort. Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es im Gegenteil eine probates Mittel, weniger Stress und Ärger im Leben zu haben. Vor allem als Eltern, aber auch in der Partnerschaft können wir Streitigkeiten und Eskalationen deutlich vermindern, wenn das Gegenüber ernst genommen wird und spürt, dass seine/ihre Bedürfnisse durchaus erkannt, verstanden und respektiert werden. Auch wenn nicht immer danach gehandelt werden kann. Warum sollten wir dies unseren Kindern nicht vorleben und dadurch beibringen?

      • Bernhard sagt:

        Ich hab mir immer wieder überlegt, welches Vorbild ich meinem Kind sein möchte und auf welches Verhalten ich entsprechend positiv (stolz) reagieren würde. Thema Sandkasten: Erfüllt mich das Kind mit Stolz, welches die Spielsachen anderer an sich reisst, nicht mehr hergibt und dadurch immer alles zur Verfügung hat? Oder jenes, welches sich seine Spielsachen immer und ohne Gegenwehr aus der Hand reissen lässt und dann halt mit den Händen weiter „sändelet“? Oder macht mich das Kind stolz, das jeweils eine Lösung zu finden versucht und entsprechend argumentiert? Für mich war der Fall klar!

      • Susi sagt:

        @Bernhard: Mir sind jetzt grad ein paar Lichtlein aufgegangen, auch aufgrund Ihres Kommentars im thread weiter oben. Natürlich möchte man, dass sich das eigene Kind anständig benimmt im Sandkasten. Und jetzt erinnere ich mich, dass es gar nicht immer so war, dass ich passiv daneben sass, ich wies meine Tochter durchaus in Schranken, wenn sie anderen das Spielzeug wegnahm. Das ist aber recht lange her, mittlerweile verhält sie sich sehr fair, vielleicht gerade darum, weil ich es ihr gezeigt hatte.

      • Susi sagt:

        Ich empfinde das Wort „Sozialkompetenz“ natürlich auch nicht als Unwort, das war nur ein sarkastischer Einwurf.

  • ka sagt:

    unnötig und schade, dass Sie, um ihren Traum vom Schrebergarten zu rechtfertigen, zuerst Spielplätze und insbesondere die Menschen die sich da aufhalten, schlecht machen müssen. Jedem das seine, nichts ist vollkommen, von allem ein wenig ist vielleicht die beste Mischung.

    • HappyMama sagt:

      Danke für diesen Kommentar. Solange Frauen und Mütter sich gegenseitig unnötig und aus Frust und Eifersucht schlecht machen werden wir es nie weiter bringen. Also hört doch bitte auf damit. Merci.

  • Jana sagt:

    Spielplätze haben wirklich so ihre Tücken. Ich hatte als Kind das Glück, in einem kleinen Quartier aufzuwachsen. Jeder Garten wurde dadurch zum Spielplatz, denn es gab viele andere Kinder in meinem Alter, und einen Wald gleich nebendran, einen richtigen Wald, ohne Spaziergänger und Hunde, wo man Hütten bauen konnte, und auch nicht immer gleich im Sichtfeld der Erwachsenen bleiben musste. Wir haben in einem ausgedienten Sandkasten einen Teich angelegt, und im grossen Holunder hinterm Haus des Nachbarn ein Baumhaus gebaut. Auch jetzt in der Stadt haben wir den Wald gleich hinterm Block. Toll!

  • tina sagt:

    ah ja, die kinder selber ausmachen lassen. das bedeutet konkret: der stärkere setzt sich durch. man steht ja sowieso nicht permanent neben seinen kindern, aber ein bisschen hilfe beim konflikte lösen fand ich tatsächlich nicht verkehrt.
    kinder konflikte unter sich austragen lassen und langeweile wird sehr überbewertet

    • Susi sagt:

      Ja, das stimmt schon auch. Aber ist es nicht Largo, der schreibt, man soll nur eingreifen, wenn’s gefährlich wird?

    • 13 sagt:

      Es gibt einen Unterschied zwischen „man hilft bei einem Konflikt“ und „Ich stell mich wie eine Löwenmutter vor mein Kind, weil das eh das liebe und das andere das Böse ist“. Aber es gibt noch eine Sache, die oft vergessen wird: für die Kinder ist das Prinzip des Grösseren/Stärkeren seltener ein Problem als für die Erwachsenen. Sie akzeptieren schnell, dass das eben ist. Es ist in Kindergruppen oft ganz natürlich, dass eines der grösseren Kinder den Lead übernimmt, die kleineren folgen bis sie soweit sind, es selber mal einzufordern. Ausser natürlich, da kommt Mami und erklärt, es sei unfair.

      • Susi sagt:

        Ja, das sehe ich auch so, di Kinder akzeptieren das einfach, darum halte ich mich nach Möglichkeit mit gutem Gewissen raus.
        Manchmal (selten) kommt meine Tochter zu mir und beschwert sich über etwas, das sie auf dem Spielplatz als unfair empfindet. Ich gebe ihr dann zuerst einen Tipp (sag ihm, „d’Rutschbahn isch für alli da“) und wenn das nicht hilft, gehe ich auch mal und rede mit dem anderen Kind. Kommt aber, wie gesagt, extrem selten vor.

    • Sportpapi sagt:

      Kinder Konflikte unter sich austragen lassen ist eine Lebensschule.

      • ka sagt:

        aus meiner Erfahrung sind die Kinder, bei denen das Mami eingreift, schnell die Aussenseiter. wer den Ruf mal weg hat, immer bei Mama zu heulen, und die Mama setzt sich dann ein, hat es sehr schwer, von den anderen akzeptiert zu werden.

    • tina sagt:

      largo ist kinderarzt, ich lasse mir auch nicht gern sagen was ich soll.
      helfen beim konfliktlösungen finden, also allgemeine taktiken. da geht es eher darum, den stärkeren hinsichtlich gemeinschaftlichkeit zu helfen. das mache ich zuhause doch auch unter den geschwistern, sonst würde ein jüngeres nur immer untendurch müssen.
      es gibt ja mehr augenblicke die kinder unbeobachtet untereinander sind, also solche in denen sie überwacht sind. ich wehre mich dagegen, dass ausgerechnet konfliktlösungsstrategien selber gefunden werden sollen und es gar die schwächeren nicht störe, dominiert zu werden

      • Susi sagt:

        Largo ist Kinderarzt, was ihn aber nicht als Experten für kindliche Entwicklung diskreditiert. Nicht umsonst finden seine Studien so viel Beachtung, der weiss schon, wovon er spricht. Sich im Zweifelsfall nach seinen Ratschlägen zu richten, ist sicher nicht verkehrt.

      • 13 sagt:

        „das mache ich zuhause doch auch unter den geschwistern, sonst würde ein jüngeres nur immer untendurch müssen.“

        Das mache ich nicht und die meisten in meinem Umfeld sind erstaunt, wie selten meine Kinder streiten. Dabei kommt häufig folgendes raus: Sie ist grösser und der Chef. Das ist für ihn eigentlich ok. Aber er ist der Kleine und weckt auch ein Beschützerinstinkt in ihr. Sie nimmt ihm also etwas weg zur Machtdemonstration. Er akzeptiert es, ist aber traurig, ihr tut es leid und sie gibt es ihm oder bietet eine Alternative an. Alles ganz natürlich und es schweisst zusammen.

      • tina sagt:

        ihr lieben. in dieser gesellschaft besuchen selbst erwachsene in führungspositionen kurse in konfliktlösung. ich bin fest überzeugt, dass das wichtig ist, und dass einem nicht schaden wird, das zu lernen.

      • Bernhard sagt:

        Ich sehe es wie Tina. Ich wär froh gewesen, man hätte mich als Kind in die Schranken gewiesen, damit ich gelernt hätte, dass es nicht in Ordnung ist, seine Macht (Stärke) auszuspielen! So lernte ich, dass ich mit Gewalt alles bekomme und sich alle Probleme in Luft auflösen ( die anderen akzeptierten die Rollenverteilung irgend wann). Konsequenz: Bald einmal Einzelgänger ohne Freunde oder Kollegen. Und zwei Jungs, die sich mir aus Angst anschlossen, in der Hoffnung, dadurch nicht dran zu kommen…mich machen zu lassen, führte also zur Isolation und Konfliktunfähigkeit in der Kindheit!

      • Bernhard sagt:

        Ich bin der Meinung, man kann schwächeren Kindern durch gezieltes Eingreifen auch beibringen, dass es eben nicht normal ist, dass sich der Stärkere durchsetzt, sondern dass man für seine Wünsche/Bedürfnisse einstehen und den Konflikt annehmen und austragen kann. Und genau so kann man doch den stärkeren Kindern aufzeigen, dass es nicht in Ordnung ist, die eigene physische Überlegenheit als einziges Argument in die Waagschale zu werfen. Der Stärkere soll lernen, dass er nicht alles kriegt, auch wenn er es sich „holen“ könnte! Wo lernen die Kinder solches Verhalten sonst, wenn nicht von uns?

      • 13 sagt:

        @ tina
        Vielleicht solche, welchen das Mami als Kind die Konflikte abgenommen hat?

        Ich bin einfach grundsätzlich skeptisch gegenüber allem, was darin endet, dass man Kindern etwas bewusst beibringt. Ich behaupte mal, vieles haben sie in sich, sofern man die Natur nicht unterdrückt. Und der zweite entscheidende Punkt ist das Vorbild. Ich würde sagen, meine Kinder lernen aus einem Streit zwischen mir und meinem Mann mehr als aus Erklärungen. Aber heutzutage gib es viele, die sich extra nie vor den Kindern streiten würden. Ein Fehler, wie mir scheint.

      • Muttis Liebling sagt:

        @Bernhard, da der Stärkere am Ende doch immer gewinnt, ist das, was Sie vorschlagen eine ziemlich unproduktive Erfahrung. Lernen muss man schon als Kind, nicht gewinnen zu wollen, dann hätten wir einen Sozialisationssprung, aber keine Wettbewerbsgesellschaft mehr.
        Das Gegenmodell zum Wettbewerb wäre, der Stärkere nutzt seine Stärke nicht zum Gewinnen, sondern lässt die Schwächeren daran teilhaben. Das lernt man eher auf dem Spielplatz, als in der Isolationshaft Schrebergarten.
        Aber nicht von allein, nur begleitet von den Eltern.

      • 13 sagt:

        Ich habe dazu keine repräsentative Studie durchgeführt, höchstens vielleicht das eine oder andere Buch gelesen. Aber bei meinen Kindern merke ich, dass es funktioniert. Zuhause streiten sie eigentlich nie. Und bei den Elterngesprächen hörte ich im Kindergarten/KITA dass meiner Grossen oft die Rolle der Schlichterin zugeteilt wird, da sie gute Lösungen hat und beim Kleinen, dass er praktisch nie in einen Konflikt gerät, weil er sein Recht behaupten kann, ohne andere anzugreifen und halt auch vieles einfach gut sein lässt. Vielleicht ist es auch Charakter, aber ich glaube, nicht nur 😉

      • tina sagt:

        13, streiten ist doch nicht das problem.
        eltern können ihren kindern sowieso nicht alles abnehmen.
        kindern nichts beibringen? ich glaube wirklich nicht, dass du das so meinst

      • tina sagt:

        ehrlichgesagt würde ich mir sorgen machen, wenn es in beziehungen aller art nicht auch zu streit kommt. nur lösen muss man ihn. und das will gelernt sein. dass die lösung die ist, dass der höherstehende (weil stärker oder älter oder der chef oder reicher) immer gewinnt halte ich für die falsche lektion

      • Susi sagt:

        13, deine Kinder tönen sehr herzig. Ich habe über meine Tochter ähnliches Gehört bei den jeweiligen Krippen-Elterngesprächen. Man ist dann richtig stolz 🙂

      • 13 sagt:

        @ Tina
        ich habe nicht gesagt, ich bringe ihnen gar nichts bei. Aber wenn möglich, ziehe ich Ausprobieren lassen und Vorleben dem bewussten Eingreifen und Erklären vor, weil ich einfach der Überzeugung bin, dass das nachhaltiger ist. Und die Lektion „der grössere ist der Stärkere“ ist ja nur der erste Schritt, mit der Zeit entwickelt sich eben eine Beziehung, in der das nicht so ist. Jeder bekommt eine Rolle, die er auch erfüllen kann. Ich glaube nicht, dass einer benachteiligt wird. Bei uns hat die Grosse mehr Entscheidungskraft, der Kleine wird dafür von ihr verwöhnt und umsorgt..

      • tina sagt:

        13, ich glaube hier sieht man die verschiedenen grundhaltungen. ich erkläre meinen kindern gern haufenweise sachen, zusammenhänge und hintergründe aber auch fakten ungefragt, wohl auch weil ich selber schon als kind schätzte, wenn man mir die dinge genau erklärt, auf vieles komme ich nunmal nicht selber. man kann ja nicht umsonst soziologie studieren, die zusammenhänge sind komplex. man kann nicht von der familienstruktur schliessen, dass das auch auf andere gruppendynamische mechanismen zutrifft.

      • tina sagt:

        ausserdem spürt man in den kommentaren natürlich hier auch, dass unter erwachsenen 2 grundlegend verschiedene haltungen gibt: die elitäre („es gibt eben stärkere und schwächere, und es ist total natürlich, dass die stärkeren mehr haben“) und die soziale („je höherstehend die kultur, desto mehr werden die schwächeren von den stärkeren unterstützt“)

      • 13 sagt:

        @ Tina
        Ja, wobei Sie mir die elitäre Einstellung einfach unterstellen, anstatt genau zu lesen. Ich sprach von Führung übernehmen, Sie sprechen von Unterdrückung der Schwächeren. Das ist ein Unterschied. Schauen Sie sich im Arbeitsumfeld mal um. Hat man als Vorgesetzte nicht häufig mehr Mühe Angestellte anzuleiten, die älter sind als man selber? Und nehmen Sie es oft nicht schlechter an? Was denken Sie, warum ist das wohl so?

        Kinder kommen alleine auf so manche Fragen, wenn sie Zusammenhänge nicht verstehen, dann sind Erklärungen auch gut. Und sie brauchen gleich ihren Verstand.

      • tina sagt:

        können wir bei kindern bleiben? es ging ja im thema um das einmischen von müttern in kinderkonflikte. und du hast genau das geschrieben was ich in klammer als erklärung zu dem von mir dazu gewählten begriff „elitär“ angab. elitär ist, es natürlich zu finden, dass stärkere mehr haben (deine worte: dein jüngeres kind störe es nicht, wenn das ältere die führung übernimmt). bei konflikten geht es aber ja darum, dass es den unterlegenen stört

    • Teilzeitpapi sagt:

      Ist das so, dass sich immer der stärkere durchsetzt? Können Kinder in einer altersdurchmischten Gruppe einem Ältesten/Stärksten nicht einfach die Gefolgschaft verweigern resp. diesen ausschliessen, wenn sie seine Führung nicht akzeptieren? Oder einfach heimgehen, wenn er oder sie nervt? Vielleicht bin ich etwas blauäugig.

      • 13 sagt:

        Natürlich können sie, aber dafür braucht es die Reife, selber die Führung zu übernehmen. Ich sehe das in der KITA: Ein dreijähriger, welcher das Zusammenspiel erst lernt, wird gar nicht soweit sein. Er braucht es auch nicht, weil er es toll findet, eben zusammen zu spielen. Ein 5jähriger wird sich aber nicht mehr alles gefallen lassen, sondern Forderungen stellen und eine Alternative suchen, wenn sie nicht erfüllt werden.

      • tina sagt:

        gefolgschaft verweigern wäre dann eine charakterstärke. oder die stärke der gemeinschaft.
        ja, vielleicht sehe ich das alles auch grundfalsch, halte es aber nicht für schädlich, dass meine kinder diese seite auch kennenlernen.
        noch ein spielplatzbeispiel: der grosse nimmt dem kleinen etwas weg, der kleine kann sich nicht durchsetzen. konfliktlösung heisst nun nicht „jetzt gib dem armen kleinen den bagger sofort zurück“ sondern den vorschlag abzuwechseln einbringen, oder anregen zum zusammen spielen

      • tina sagt:

        ich hoffe, das beispiel kam an: konfliktlösung heisst lösungen suchen, dass alle auf ihre kosten kommen. und dabei zu helfen, heisst nicht, den kindern den konflikt abzunehmen, sondern ihnen zu helfen, ihre vorstellung von konfliktlösung zu erweitern.
        mag sein dass man selber darauf kommt, aber warum muss das rad neu erfunden werden. die lösungen im konkreten fall werden ja dann doch von den kindern erfunden

    • Andrea Mordasini, Bern sagt:

      @Tina: solange die Kinder kräftemässig einigermassen ebenbürtig sind, lasse ich sie tatsächlich erst mal gewähren und das Gezanke selber ausmachen. Eingreifen tue ich nur, wenns nicht anders geht, sich ein Kind, muss nicht meines sein, nicht mehr wehren kann und/oder die Situation zu brutal und zu gefährlich wird. Aber auch da: das Einschreiten muss nicht gleich hysterisch und hyänemässig sein… Übrigens habe ich auch schon beobachten können, dass sich eine Situation durchs Eingreifen eines Elternteils, eines Erwachsenen erst recht verschlimmert statt beruhigt hat.

  • Matthias Bolli sagt:

    Potzblitz, Discokugeln statt Gartenzwerge – wie unspiessig!

  • 13 sagt:

    Wir haben einen Garten. Dieser ist, mit Ausnahme eines Plätzchens für meinen Liegestuhl eigentlich vollumfänglich für die Kinder da. Sie haben da Möglichkeiten zu klettern, zu buddeln und zu spielen. Und täglich streite ich mich mit meiner fast 6-jährigen, ob sie nicht doch ganz alleine auf den immerhin rund einen Kilometer entfernten Spielplatz darf. Nicht etwa wegen der pädagogisch wertvollen Klettergerüsten, sondern weil Regenwürmer, so faszinierend sie auch sind, kein guten Spielkameraden abgeben. Mir tun die Kinder leid, die immer im eigenen Garten spielen sollen.

    • Susi sagt:

      genau, stimme vollumfänglich zu!

      • babuschka miro sagt:

        nehmen sie den kommentar von sportpepo nicht zu tragisch.ich habe eine ähnliche situation wie sie und lasse die kleine auch nicht alleine soweit gehen.zu freunden nach hause darf sie allerdings;auch wenn es weit zum gehen ist.mir geht es darum,dass sie,falls etwas ist ,in angemessener zeit,jemanden den sie kennt zur seite hat.

    • Sportpapi sagt:

      Weshalb dann der Streit?

      • 13 sagt:

        @ SP
        Der Streit liegt beim „alleine hingehen“. Der Spielplatz ist rund einen Kilometer entfernt. Der Weg ist machbar, es ist ihr Kindergartenweg, den sie alleine geht. Auch würde ich sie alleine auf den Spielplatz lassen, wenn er vor der Türe wäre. Aber in der Kombination ist es mir zu viel für ein Vorschulkind. Fällt sie vom Klettergerüst und tut sich weh, braucht sie immerhin 20 Minuten bis sie zu Hause ist. Und wer sagt mir, dass sie nein sagt, wenn die älteren Kinder finden, komm wir gehen dort oder dort hin. Sie hat viele Freiheiten, aber das traue ich ihr einfach noch nicht ganz zu.

      • Susi sagt:

        Es gibt recht günstige Walkie Talkies, ich lasse meine 5 Jährige manchmal allein auf den Spielplatz und sie nimmt dann so eins mit. Allerdings ist unser Spielplatz auch nicht so weit entfernt, 20 Minuten wäre mir glaub auch zu weit, um ein Kind in diesem Alter allein hingehen zu lassen, Walkie Talkie hin oder her.

      • Sportpapi sagt:

        Sie sind eine lustige. Oben geben Sie ML recht, der fordert, Kinder sollten unbehütet auf der Strasse aufwachsen. Aber dann ist es in der eigenen Praxis plötzlich wieder ganz etwas anderes…
        Wissen Sie, genau das ist das Problem. Wir haben alle romantische Vorstellungen davon, was wir selber meinen erlebt zu haben, wie es früher war. Und verunmöglichen unseren Kindern, selbstverständlich aus guten Gründen (also unserer eigenen, mehr oder weniger berechtigten Angst), das gleiche zu erleben.

      • 13 sagt:

        Der Unterschied liegt im Alter. Das, was ich oben beschrieben habe, war nicht unbedingt im Alter von 5, sondern in der frühen Schulzeit. Und ja, es war eine andere Zeit, ein anderes Land, andere Umstände. Es war „normal“, dass die Kinder alleine unterwegs sind. Wäre ich damals 20 Min von zu Hause weg vom Klettergerüst gefallen, hätten wir den nächsten Erwachsenen angesprochen, der mich heimgefahren hätte. Heute darf man aber ja nicht mit Fremden sprechen, nicht in fremde Autos einsteigen, es würde sich schon niemand getrauen, den Kind das anzubieten oder es in den Arm zu nehmen, wenn es weint.

      • 13 sagt:

        Was ich aber oben in erster Linie sagen wollte und so habe ich ML auch verstanden, ist das die „Natur“ im engeren Sinne oft überschätzt wird. Klar, ist es super, wenn ein Kind weiss, dass die Milch von der Kuh kommt, aber ich zumindest habe in meinen 30 Jahren noch nie eine Kuh gemolken und finde nicht, dass ich etwas verpasst habe. Wichtig ist, dass die Kinder in dem Umfeld, in dem sie eben aufwachsen, auch spielen können. Und ich erachte das spielen auf der Strasse nicht weniger förderlich als im Wald. Der Schrebergarten ist da so eine künstlich hergestellte Realität.

      • 13 sagt:

        @ Susi
        Dane, aber ich halte nicht so viel von solchen Gadgets. Wenn sie dann darf, habe ich auch ohne technische Spielzeuge Vertrauen in sie, dass sie reif genug ist. Ich sage ja hier auch nicht, sie darf bis sie 15 ist, nicht alleine dorthin. Ich bin sicher in 1-1-,5 Jahren ist das kein Thema mehr, aber zur zeit sagt mir mein Mama-Gefühl, es ist zu früh.

      • tina sagt:

        13 wo ist das so? sogar in der bösen stadt im bösesten stadtkreis wurde ich angerufen, wenn meine kinder irgendwo allein unterwegs gesehen wurden und es zeitlich aus dem rahmen fiel. einfach so zum sichergehen. und kinder die sich weh tun werden von den erwachsenen aufgelesen, versorgt und getröstet und die eltern gesucht.

      • Sportpapi sagt:

        @13: „Der Unterschied liegt im Alter. Das, was ich oben beschrieben habe, war nicht unbedingt im Alter von 5, sondern in der frühen Schulzeit. Und ja, es war eine andere Zeit, ein anderes Land, andere Umstände. Es war “normal”, dass die Kinder alleine unterwegs sind.“ etc. Ich glaube, Sie belügen sich da selber. Nicht die Umstände haben sich geändert, sondern die Einstellungen der Eltern. Und nein, wäre es so, wie Sie weiter ausführen, müsste man ganz dringend etwas ändern. Noch gibt es aber viele Passanten, die helfend eingreifen. Der Trend ist aber leider so wie beschrieben.

      • 13 sagt:

        Das eine ist nicht zwangsläufig ein Widerspruch zum anderen. Ich versuche meinen Kindern so viele Freiheiten wie möglich zu lassen. Aber ich bin wie andere selbstverständlich nicht gefeit durch die allgegenwärtigen Warnungen. Und ich gebe auch offen zu, dass ich nicht in allen Belangen gleich handeln würde wie meine Eltern (von damals, heute sehen sie so einiges anders). Es gab ganz klar gefährliche Situationen, wo ich sagen muss, dass ich vermutlich einfach noch nicht so weit, welche ich bei meinen Kindern vermeiden würde. Die Einstellung des Umfeldes, beeinflusst einen aber mit.

      • 13 sagt:

        Egal, wie man sich hier „gibt*, im Alltag ist es eben nicht egal, ob mein Kind als einziges alleine auf dem Spielplatz ist oder ob es eines von 20 ist. Man hinterfragt da seine Entscheidung. Und das meinte ich mit „Veränderung“ der Umstände, neben der ganz klaren Tatsache, dass zu der Zeit meine Eltern schlicht und einfach gar nicht in der Lage waren, uns 24 Stunden am Tag unter Aufsicht zu haben oder jemanden dafür zu bezahlen, man musste ja arbeiten. Tagesschule ging bis 3, die Eltern kamen um 4, Ferien war eh Ausnahmezustand. Das kann man einfach nicht mit heute und der CH vergleichen.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Mir ist das alles sehr klar. Ich bemühe mich allerdings, meinen Kindern möglichst die Freiheiten zu bieten, die ich selber genossen habe, auch gegen den allgemeinen Trend. (Was übrigens meine Eltern nicht immer toll finden, die plötzlich überall nur noch Gefahren sehen…). Denn wenn wir nicht irgendwann mal stopp rufen, wird diese Entwicklung immer weiter gehen. Zum Nachteil unserer Kinder. Nein, Kinder brauchen nicht jede Minute Betreuung. Nein, sie können auch Wege allein gehen. Nein, wenn etwas passiert, reicht es meist auch, wenn man nicht direkt daneben steht.

      • 13 sagt:

        Aber nochmals: Darum ging es mir im oben beschriebenen Kommentar gar nicht. Es ging um die Frage der „Natur“. Ich habe auch nie geschrieben, wie seien den ganzen Tag alleine in der ganzen Stadt herumgestrichen, nur hatten wir keine hübschen Gärtchen zum spielen.

        Trotzdem frage ich Sie: Würden Sie Ihren Sohn mit 5,5 Jahren alleine auf einen Spielplatz lassen, welcher einen Kilometer von ihrem Wohnort liegen würde, wenn er den Weg selber bewältigen könnte?

      • Susi sagt:

        warum sollte man das nicht mit der Schweiz vergleichen können? (Und welchem Land wird die Schweiz hier überhaupt verglichen?)
        VOr 30 Jahren herrschte auch hier eine andere Einstellung, ich war als Kind immer allein auf dem Spielplatz, anscheinend sogar, als ich erst jährig war. Meine Mutter warf ab und zu einen Blick aus dem Fenster. Später holte ich die Kleinkinder unserer Nachbarn raus, ich war vielleicht 7 Jahre alt und nahm das 10 Monate alte Nachbarskind mit in den Sandkasten.

      • Susi sagt:

        Mein Grosseltern hatten einen Bauernhof, die 8 Kinder (das kleinste ein paar Monate alt), waren immer unbeaufsichtigt, weil ihre Eltern auf dem Feld arbeiteten. Wenn man hört, was für Unfug diese Kinder damals trieben, wundert man sich, dass alle überlebt haben.
        Die Zeiten ändern sich überall. DIe Welt ist vielleicht auch gefährlicher geworden.

      • Sportpapi sagt:

        @13: Mein zweijähriger geht mittlerweile allein auf den Schulhausplatz, der neben meinem Haus liegt. Mein 4-jähriger zu seinen Freunden, die gegen einen Kilometer weg sind. Und der 6jährige darf im Dorf praktisch überall hin, wenn ich weiss, wohin. Ganz frei sind alle natürlich noch nicht. Und bei allen ist da ein Prozess vorangegangen und noch im Gang. Aber ja, alle drei sind allein auf Spielplätzen, ohne dass ich sie dabei immer sehe. Und wenn etwas passiert, müssen Sie vor Ort Hilfe bekommen, oder zu mir kommen.

      • Teilzeitpapi sagt:

        Spannendes Thema, das bei uns auch gerade aktuell ist. Unsere Kinder (4 und 7) sowie ein Nachbarskind (10) gingen das erste Mal alleine auf Wanderschaft in einem festgelegten Gebiet. Wege wählten sie selbst (am Ende 5km, 4.5h waren sie weg). Der 10-jährige bekam nicht die Babysitter-Rolle übertragen (natürlich wird er vermutlich der Anführer gewesen sein). Der erste Kilometer führte über Strassen ohne Trottoir, wahrscheinlich der gefährlichste Aspekt. Aber auch der 4-jährige kann schon vorsichtig sein und bei Autos warten, bis sie vorbei sind. Ging alles gut.

      • Teilzeitpapi sagt:

        Natürlich war es für mich auch ungewohnt und ich hatte ein leicht mulmiges Gefühl (ohne konkrete Angst). Sie kamen heim mit Blumensträussen, zufrieden, ausgeglichen und wollten gleich draussen weiterspielen. Und wünschten sich, das öfters zu machen. Sind wohl auf den Geschmack von Freiheit gekommen. Wie waren sie abgesichert? Sie kennen das Gebiet, ich habe ihnen Gefahren und den Umgang damit beigebracht. Pflaster hatten sie dabei, ebenfalls Taschentücher und Plastiksack. Und als äusserstes Mittel ein Handy, dessen Beherrschung sie mir vorher zeigen mussten (sie benutzten es noch nie).

      • Teilzeitpapi sagt:

        Und ich fragte sie, was an der Wanderung das gefährlichste sei. Auf die Autos kamen sie nicht gerade, weil sie das wahrscheinlich nicht mit wandern verbinden. Mitgegebene Regeln waren: Niemanden allein zurücklassen, keine Bäume verletzen, nicht durch die Felder, mit niemandem mitgehen und bei Autos auf der Seite stehend warten (ohne Trottoir). Sie erzählten, dass sie mit ferngesteuerten Autos von jemandem fahren durften und geklettert waren (keine Ahnung wie hoch, muss ich auch nicht wissen).

      • Teilzeitpapi sagt:

        Was wir übrigens als grösstes Risiko einstuften: Dass jemand die Polizei ruft, weil da drei Kinder alleine unterwegs wären und das zu gefährlich sei… Einmal wurden sie anscheinend gefragt, ob sie alleine seien. Für diesen Fall sollten sie sagen, dass sie das dürfen und gross genug seien. 😉 Wir leben ja in Zeiten, wo sowas nicht mehr üblich ist. Jedenfalls sah ich noch nie eine Kindergruppe alleine in der Natur (höchstens in Quartieren, entlang ein paar Strassenzügen).

      • 13 sagt:

        @ Susi
        Süd-Ost-Europa. Und ich kann es nicht mit der Schweiz vergleichen, weil wir im Unterstufenalter in die Schweiz gezogen sind und meine Eltern feststellen mussten, dass bereits damals, also vor rund 20 Jahren eine grössere Behütung stattfindet, als sie es gewohnt haben. Vergleicht man sie mit dem heutigen Grad, sieht es nochmals anders aus. Ich war vor Kurzem da und würde mal in etwa sagen, heute ist der Standard, der vor 20 Jahren in der Schweiz galt. Aber das ist natürlich mein subjektives Empfinden.

      • 13 sagt:

        @ SP
        Sie haben recht: es ist ein Prozess. Bis vor ein paar Monaten war auch gar kein Bedürfnis da, das kam mit dem Kindergarten. Alleine auf dem Spielplatz oder auch im Wald, der neben unserem Haus ist, sind sie logischerweise auch, da sehe ich sie nicht immer. Ich gehe beim betreffenden Spielplatz auch im Laden nebenan einkaufen und lasse sie da. Für mich macht es hier einzig die Kombination zwischen Weg und Spielplatz aus. Aber es ist eine Frage der Zeit. Beim zweiten Kind ist es schon einfacher. Das darf fast überall hin, solange er bei seiner Schwester bleibt. 😉

      • Muttis Liebling sagt:

        Es muss sich eben jeder in dem Spannungsfeld zwischen Sicherheit und den Kindern die Möglichkeit zum Erfahren des Umfeld zu geben, orientieren. Bei letzterem ist es so, dass die natürliche Umwelt nicht mehr der Wald und schon gar nicht der Schrebergarten, sondern sozial geprägt ist, mit Spielplatz, Supermarkt, Schule und völlig neuen Kommunikationsprotokollen.

      • Muttis Liebling sagt:

        2/ Ob man Konfliktlösung trainieren kann, halte ich für fragwürdig, Kinder können aber erfahrend lernen, welche Strategien selten funktionieren. Sie lernen auf jeden Fall nichts, wenn Mama oder ich, der Opa, ihre Konflikte löst.

      • Susi sagt:

        @13: Das ist interessant. Mir ist auch schon aufgefallen, dass zwischen verschiedenen Kulturen grosse Unterschiede im Bereich der Überwachung/Behütung bestehen, das merke ich auch an vielen meiner Nachbarn mit Immigrationshintergrund, die haben teilweise einen viel entspannteren Umgang mit diesen Themen.
        Das Gegenteil finden wir beispielsweise in den USA, dort werden einem sehr schnell die Kinder weggenommen, wenn man sie (angeblich) zu wenig gut beaufsichtigt.

  • Sportpapi sagt:

    Das ist aber offenbar gleich ziemlich viel Gartenfläche. Toll! Vor allem, wenn man das ums Haus hat…

  • Muttis Liebling sagt:

    Schweizer Spielplatz bedeutet, jedes hat sein eigenes Spielzeug und Mütter mischen sich in die Streitereien der Kinder. Nichts für meine Enkel, die Spielplatz als mutterfreie Zone kennen.
    Schrebergarten ist Schrebergarten, wer den hat, ist am Ende der Phantasie angekommen. Berliner Kinder wachsen auf der Strasse auf, zwischen parkenden Autos und schlafenden Obdachlosen. Obst kommt auch im Rest des Lebens aus dem Supermarkt, Milch aus der Tüte, das urbane Leben, alles was wirklich Leben ist, kommt von der Strasse.

    • Anneliese Meyer sagt:

      I like. Genau so sehe ich es auch. Oh, je — ich stimme Muttis Liebling zu (ich glaube ich brauche Ferien….).

      • 13 sagt:

        @ AM.
        Ich dachte gerade das Gleiche.

        Aber die Beschreibung von ML weckte soviele Kindheitserinnerungen: Velo-Slalom zwischen den parkierenden Autos und das verstecken in fremden Keller von dem Eigentümer, wenn es mal eine Schramme gab, das Klettern auf den Container-Kiosk, die Spielplätze, die so kaputt waren, dass das Rutschen zur Mutprobe wurde und das Anklopfen bei Nachbarn, weil die Sicherung wieder mal ausgefallen ist und Mami noch nicht zu Hause war. Natur findet eben nicht nur zwischen Blumen und Bäumen statt, die Umwelt ist das, was vor der Haustüre liegt oder vor dem eigenen Garten.

      • Rita Sophia sagt:

        Sie haben anscheinend total und voellig den Punkt verpasst den die Autorin beschrieb, aber auch voellig!

    • Susi sagt:

      Schweizer Spielplatz bedeutet, jedes hat sein eigenes Spielzeug und Mütter mischen sich in die Streitereien der Kinder.“

      Das hat was. Und man kommt sich dann fast etwas unpassend vor, wenn man sich bei den Streitereien nicht einmischt, sondern mit Zeitung und Kaffee auf dem Bänklein sitzt.

      Allerdings habe ich auch immer ein Argusauge halb wach, dass unsere Spielsachen nicht wegkommen… Bin halt auch ein wenig Schweizerbünzli.

    • Sportpapi sagt:

      Klar, Berliner Kinder wachsen auf der Strasse auf: http://www.strassenkinder-ev.de/strassenkinderinberlin.html

    • tina sagt:

      ich habe das ganz anders erlebt. züri hat so coole kindertummelfelder und dort hat es eben auch nette eltern

  • Sportkrücke sagt:

    Und falls man nicht das Glück hat, einen Schrebergarten angeboten zu bekommen: raus in den Wald grillieren. Die kleinen Anarchisten wissen schon, wie sich beschäftigen.

  • Jutta Maier sagt:

    Wenn die Schrebergärtenkomissionen nicht so schrecklich stur und eingebildet wären, wäre der Schrebergarten ein selbstverständlicher Spielplatz für Kinder. Aber nein, alles muss in Reih und Glied stehen, sorgfältg gejätet und in deren Augen representabel sein. Werr sich nicht dran hält, wird rausgeschmissen.
    Zum Glück gibt es immer mehr besetztes Land, das von weniger quadratisch denkenden Menschen bebaut wird und wo sich kreative Kräfte frei entwickeln können. Da vergnügen sich Kindergartengruppen und Punks einhellig nebeneinander, wenn es um die Urbanisierung brachliegendes Landes geht

  • Susi sagt:

    Warum muss man Spielplatz und Schrebergarten gegeneinander ausspielen? Werden hier nicht Äpfel mit Birnen verglichen?
    Ich habe Freunde mit Schrebergärten und möchte die wertvolle Zeit, die ich dort mit meiner Tochter verbringen, keinesfalls missen. Die sozialen Kontakte dort sind aber eher spärlich bzw. einseitig. Auf dem Spielplatz hingegen lernen Kinder, mit Konflikten umzugehen und üben den Umgang mit fremden Kindern. Wenn sie sich nur noch im Mikrokosmos des Schrebergartens bewegen dürfen, wie sollen sie denn da soziale Kompetenzen entwickeln können?

    • Susi sagt:

      2/ Die Kinder lernen höchstens, dass man sich, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, aus der feindseligen, den Puls hochtreibenden, von der Mutter klischierten Spielplatzwelt der übereifrigen Grosseltern, bemutternden Spätgebärenden und perfekt durchgestylten Hipstermüttern in den geschützten Schrebergartenraum zurückzieht; da ist alles viel einfacher, weil man sich nur den Gewächshaus- und Schneckenproblemen stellen muss.

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