Die grössten Dickmacher

Liebe Leserinnen und Leser, diese Woche widmet sich der Mamablog dem Thema Ernährung. Den Anfang macht Jeanette Kuster, die über ungesunde Kinderlebensmittel schreibt. Am Dienstag bloggt Gabriela Braun darüber, wie sich Stress am Esstisch vermeiden lässt. Am Mittwoch erfahren Sie, wie man ein Kind dazu bringt, gesund zu essen. Danach erzählt Andrea Fischer, wie sie ihre zuckerfreie Woche erlebt hat. Als Abschluss gibt es eine kleine Sammlung an Lieblingsrezepten der Bloggerinnen und Blogger. Viel Spass bei der Lektüre und beim Diskutieren! Die Redaktion.

Farbige Versuchung: Süsse Frühstücksflocken von Kellogg's. (Bild: Keystone)

Farbige Versuchung: Süsse Frühstücksflocken von Kellogg’s. (Bild: Keystone)

An die Kinderüberraschungseier erinnere ich mich noch aus meiner Kindheit, an die Frühstückflocken mit den lustigen Comicfiguren auf der Schachtel ebenso. Würden nur diese zwei Produkte um die Aufmerksamkeit unserer Kleinen buhlen, wäre der Lebensmitteleinkauf für Familien entspannt. Doch in Wahrheit handelt es sich dabei nur um die Spitze des Kinderlebensmittelbergs:  Neben der Butter liegt die rosa Hello-Kitty-Margarine im Kühlregal,  die kleinen Kinderquarks stehen bunt und verführerisch neben den normalen Joghurts, im Wasserregal hat es Extrafläschchen für die Kleinen mit Comicaufdruck und Erdbeeraroma.

Der Eindruck, es gebe immer mehr dieser Kinderprodukte,  täuscht nicht. Der Markt für Kinderlebensmittel wächst, und zwar rasant. Das Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund listet in seiner Lebensmitteldatenbank mittlerweile rund 12‘000 Produkte auf, die speziell auf Kinder zielen. Und die meisten davon sind äusserst ungesund.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat letztes Jahr 1500 Kinderesswaren getestet und kam zum Schluss, dass fast drei Viertel davon zu süss und zu fettig sind. Besonders extrem war das Ergebnis bei den Frühstücksflocken:  96 Prozent der untersuchten Kinderprodukte  müssen als ungesund eingestuft werden, weil sie zwischen 25 und 50 Prozent Zucker enthalten. Und dies trifft auf konventionelle Produkte genauso zu wie auf Bioflocken.

Gerade die Frühstücksflocken also, die unseren Kindern laut Werbung Kraft für den Tag und ganz viele Vitamine und Ballaststoffe liefern sollen, dürften von ihrer Zusammensetzung her eigentlich nicht täglich verzehrt werden. Womit wir beim zweiten Kritikpunkt in Sachen Kinderlebensmittel wären: der Art, wie sie den Kleinen verkauft werden.

Diese Produkte waren <br />für den Schmähpreis «Goldener Windbeutel 2013» nominiert. <br />(Bild: foodwatch.org)

Diese Produkte waren
für den Schmähpreis «Goldener Windbeutel 2013» nominiert.
(Bild: foodwatch.org)

Das Thema beschäftigt nicht nur uns Eltern, sondern auch die Politik. In verschiedenen Ländern sind Bestrebungen im Gang, die Werbung für ungesunde Kinderlebensmittel einzuschränken oder gar zu unterbinden. Auch in der Schweiz: So hat die Gesundheitskommission des Nationalrats bei der Beratung des Lebensmittelgesetzes letzten Winter vorgeschlagen, dass der Bundesrat an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel einschränken können soll. Eine Entwicklung, die wiederum betroffene Firmen wie Nestlé oder Zweifel dazu gebracht hat, sich unter dem Titel Swiss Pledge zusammenzuschliessen und sich eigene Werberichtlinien aufzuerlegen. Deren Wirksamkeit wird jedoch von verschiedenen Seiten bezweifelt. So sagte etwa Josiane Walpen vom Schweizer Konsumentenschutz (SKS) gegenüber «20 Minuten», dass «jedes Mitglied des Swiss Pledge andere Kriterien hat, welche Produkte nun als gesund gelten und deshalb auch bei unter 12-Jährigen beworben werden und welche nicht.» Kellogg’s beispielsweise bewerbe in der Schweiz Honeypops, während Werbung für diese Frühstückflocken in England oder Irland bereits verboten sei.

Der SKS befasst sich eingehend mit dem Thema und hat eine Analyse erstellt, die zeigt, dass circa jeder vierte TV-Spot im Kinderprogramm heute Fast Food, Süssigkeiten oder andere gesundheitlich fragwürdigen Snacks bewirbt. Und dies mit Versprechungen, die man als Normalverbraucher nur als irreführend bezeichnen kann. Capri-Sonne zum Beispiel, der Gewinner des Foodwatch-Schmähpreises «Goldener Windbeutel 2013», bewirbt sein Getränk mit fruchtigen Bildern und der grossen Aufschrift «12 % Fruchtanteil», sponsert Sportevents und Abenteuercamps und gibt sich dadurch ein äusserst gesundes Image. Dass jeder der kleinen Trinkbeutel sechseinhalb Würfelzucker enthält, wird in der Werbung bewusst verschwiegen.

Nun könnte man natürlich argumentieren, dass man der Werbung nicht alles zu glauben braucht und es an den Eltern liegt, ihren Kindern die Zuckerbomben zu verwehren und stattdessen gesunde Lebensmittel einzukaufen. Das stimmt natürlich. Es bedingt aber, dass man sich des Problems bewusst ist und sich im Laden die Zeit nimmt, bei verdächtigen Produkten die Zutatenliste zu studieren. Wer das nicht tun kann oder will, ist der Werbung und den gross aufgedruckten Schlagworten ausgeliefert. Wie die Mutter, die mir nach der Kita einmal erzählte, dass sie ihrer Tochter auf dem Heimweg zwar jeden Tag etwas Schokolade zu essen gebe, «aber nur Kinderschokolade, die hat ja viel Milch drin».

Dass die vermeintlich gesunde Schokolade, die überzuckerten Flocken und die mit etwas Fruchtsaft angereicherten Süsswässerchen weiterhin verkauft werden, wird sich nicht verhindern lassen. Doch vermutlich würden weniger Eltern diese Dinge ihren Kindern regelmässig vorsetzen, wenn  ihnen bewusst wäre, dass sie ihren lieben Kleinen damit vor allem Zucker, billiges Fett, Aroma- und Farbstoffe zu essen geben. Ist diese Bewusstwerdung nur mit einer Einschränkung der Werbung möglich, dann nichts wie her mit dem neuen Werbeverbot.

Was denken Sie über Werbung für Kinderlebensmittel und die Inhaltsstoffe von Kinderprodukten? Diskutieren Sie mit.