Lego nervt

Star-Wars-Vermarktung im Kinderzimmer: Imperiale Truppen aus Lego. (Foto: Keystone)

Bis vor wenigen Tagen hatte ich keine Ahnung, wer Darth Maul ist. Wenn es um Darth Vader geht, kann ich ja noch knapp mithalten und weiss, dass es sich um diese teuflische, auffällig schnaufende Star-Wars-Figur in schwarzer Rüstung handelt. Luke Skywalker, Obi-Wan Kenobi und Prinzessin Leia mit der lustigen Frisur kann ich auch noch einordnen, aber damit hat sich mein Star-Wars-Wissen dann auch schon erschöpft. Seit letztem Wochenende ist mein Repertoire allerdings um eine Figur reicher geworden und ich weiss jetzt, wer Darth Maul ist: der Weihnachtsmann. Ohne Scheiss! Zumindest wenn man sich an Lego orientiert: So befindet sich im diesjährigen Lego-Star-Wars-Adventskalender hinter Türchen Nummer 24 nicht etwa der Weihnachtsmann, sondern der böse Killer-Sith Darth Maul – im Samichlauskostüm.

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Adventszeit bei Lego: Darth Maul als Weihnachtsmann

Sie verstehen nur Bahnhof? Mir ging es bis vor kurzem auch so, doch seit die Star-Wars-Saga in Form von Legosteinen in unserem Kinderzimmer Einzug gehalten hat, lerne ich täglich dazu. Ich klär Sie kurz auf: Der dänische Spielzeughersteller, ist nämlich 1999 mit Lucas Arts (das ist die Firma von George Lucas, die er 1982 ursprünglich zur Computerspielentwicklung gegründet hatte) eine Kooperation eingegangen und stellt seither Bausätze im Star-Wars-Verschnitt her. Mit bombastischem Erfolg, die Produkte kommen bei Kindern dermassen gut an, dass die Lizenz dieses Jahr um zehn Jahre verlängert wurde. Für betroffene Eltern heisst das im Klartext, dass bis 2022 kein Ende dieser Plage in Sicht ist.

Sie erinnern sich vielleicht noch an die letztjährige Nano-Mania von Migros und der damit verbundenen Hysterie? Okay, dann können Sie ungefähr nachvollziehen, womit sich Eltern von Buben im Primarschulalter im Augenblick schlagen müssen. Denn, glauben Sie mir, es gibt kein Entkommen. Alles, aber wirklich alles dreht sich im Augenblick um Star Wars. Kein Kindergeburtstag ohne Todestern-Turbo-Tank-schlag-mich-tot-Teil und leider auch keine Adventszeit ohne Sternenkrieger, denn nichts wird sehnlicher erwünscht als der Star-Wars-Adventskalender.

Natürlich können sich Eltern dem Konsum-Diktat widersetzen und durch ihre Erziehung versuchen, ihre Kinder in eine andere Richtung zu lenken. Wir haben es versucht, letztes Jahr. Als unser Ältester den Kalender zum ersten Mal erwähnte (der Kleinere hatte damals das Jedi-Universum noch nicht betreten), haben wir Grossen die Augen verdreht und uns dagegen entschlossen. Denn schliesslich muss man die Kinder vor den fiesen Marketing-Fallen der Spielmultis schützen, so lange man kann, ausserdem passt doch nur schon das Wort «Wars» nicht in die Adventszeit. Also machten wir uns voller Eifer daran, selber einen Adventskalender zu basteln. Mit 24 kleinen Säckchen, die wir mal mit weniger, mal mit mehr pädagogisch wertvollem Inhalt füllten. Eine Heidenarbeit! Aber was für ein gutes Gefühl. Wir engagierten Gut-Eltern! So kreativ! So anders! Nun gut, unsere Euphorie war schnell verpufft, denn der Erfolg hielt sich im Rahmen. Zwar bedankten sich die Kinder jeden Morgen für die herzige Überraschung, doch war die Freude und vor allem das Interesse daran schnell verflogen. Wir gaben uns geschlagen.

So haben auch wir, wie wohl viele andere Eltern auch, dieses Jahr einen Star-Wars-Adventskalender gekauft. Und ganz ehrlich, die Packung mit der hässlichen Darth-Maul-Fratze nervt mich jetzt schon. Mann, Lego, ihr ward doch mal so richtig coole Spielzeughersteller. Ich habe euch als Kind geliebt. Und mein Mann war ebenfalls begeisteter Legobauer. Wir haben sogar noch ein Buch «Wir bauen mit Lego» (aus dem Jahr 1966) mit einem Vorwort von  Gerhardt Kirk Christiansen, dem Sohn des Legoerfinders. Darin schreibt er: «Liebe Kinder, Liebe Eltern. Als ich vor 15 Jahren den ersten Legostein in den Händen hielt, dachte ich nicht im Traum daran, dass einmal Millionen von Kindern in aller Welt, mit Lego spielen werden.» Ja, lieber Gerhardt, und dass eines Tages Millionen von Kindern mit euren bunten Steinen «Bounty Hunter Aussault Gunships» oder irgendwelche Jedi Starfighters bauen würden, das hättest du dir auch nicht erträumt.