Messi und der schwarze Schwan

Eine Carte Blanche von André Grieder. Grieder ist Fussballer, Kulturvermittler und Vater.

Auch ein bisschen wie Fussball? Natalie Portman in Black Swan.

Auch ein bisschen wie Fussball? Natalie Portman in Black Swan.

Es soll immer noch Menschen geben, die den Sport verteufeln und die Künste seligsprechen. Oder umgekehrt. Dabei hinkt doch das Spiel des FC Barcelona einem Ballett choreografisch und ästhetisch nicht hinterher. Messi und Villa kombinieren sich ähnlich kunstvoll durch die Gegner wie Odile und Siegfried in Schwanensee ihren Pas de deux tanzen. Auch Wettkampfcharakter hat beides: Barcelona misst sich mit Real Madrid, das Zürcher mit dem Stuttgarter Ballett. Weitere Sport- und Kunstarten lassen sich vergleichen.

Doch worin unterscheiden sich diese Disziplinen der Kultur? In ihrem Zeichensystem. Ein Feld, ein Ball, zwei Tore, ein paar Regeln und 22 Spieler – genial einfach. Aber Ballett? Nur schon die Bewegungsbegriffe verwirren: Assemblé, fouetté, temps lié und so weiter. Eine Geheimsprache, oft versteckt in einer mythischen Handlung. Schwanensee? Der oscarnominierte Psychothriller «Black Swan» wirkt hier nicht wirklich erhellend. Wer bildungsbürgerlich solide ausgerüstet ist, kann das im Opern-, Kunst- oder Schauspielhaus Gezeigte leichter geniessen und besser würdigen. Im Sporttempel reichen elementare Kenntnisse und das pure Interesse. Deshalb gehen ja auch mehr zum Eishockey ins Hallenstadion als zu Roman Signer ins Helmhaus.

Klar, bei einem Fussball- oder Eishockeyspiel weiss man nie, wie es kommt. Das ist spannend. Aber haben Sie im Schauspielhaus Nüblings «Macbeth»-Inszenierung gesehen?

Noch ein Unterschied? Es ist immer noch viel günstiger, den Letzigrund während einer Saison zu mieten und ein Kader professioneller Fussballer zu finanzieren als ein Opernhaus zu unterhalten. Und weil der Sport, insbesondere der Fussball, ein vor allem per TV einträglich zu vermarktendes Produkt ist, generiert er mehr privatwirtschaftliche Gelder als die hehren Künste. Deshalb muss der Staat diese finanziell unterstützen, wenn er kulturell wettbewerbsfähig sein will. Der Eintritt zu einem Heimspiel des FC Zürich kostet 20 bis 90 Franken. Ein Opernhaus-Platz für «Fidelio» ist für 35 bis 230 Franken zu haben – wobei der Kanton jeden Eintritt mit 277 Franken subventioniert.

MAMABLOG-MESSI

Auch ein bisschen wie Ballet? Lionel Messi in Aktion.

Nun geht es freilich im Sport und in den Künsten nicht nur um Wirtschaftlichkeit und Standortmarketing, sonden auch um den persönlichen und gesellschaftlichen Nutzen. Und den bergen beide Disziplinen. Der Südkurven-Fan des FCZ darf den Schiedsrichter beschimpfen und das gegnerische Team niederbrüllen. Das wirkt kathartisch und baut Aggressionen ab. Er trifft dabei seinesgleichen, das sozialisiert. Die Kulturhaus-Besucherin erfährt die Welt neu, weitet ihren Horizont, schärft ihr Urteilsvermögen. Ist doch alles wunderbar.

Zugegeben: Fussballfans benehmen sich manchmal daneben. Aber haben Sie mal eine Aktion des Wiener Künstlers Hermann Nitsch gesehen? Eben.
Es soll Menschen geben, die in den Letzigrund und in das Opernhaus gehen. Bravo! Wenn wir wollen, dass das mehr tun, müssen wir schon Kindern und Jugendlichen die Künste näherbringen. Zum Sport können sie selbst finden. Über die Schule erreichen wir sogar jene Fussball spielenden Jünglinge, deren Eltern aus finanziellen, sprachlichen oder kulturellen Gründen jedes Kunst-Haus meiden. Nun ist der Besuch kultureller Veranstaltungen kein Unterrichtsfach. Also müssen wir den Lehrpersonen die Künste schmackhaft machen und ermöglichen, ohne grossen organisatorischen und finanziellen Aufwand mit ihren Klassen die Künste erleben zu können.

Am 14. März startet Blickfelder, das Festival der Künste für ein junges Publikum. Film, Kunst, Literatur, Musik, Tanz, Theater – alles wird bis am 27. März in zahlreichen Zürcher Kulturhäusern zu besuchen sein. Schon über 6000 Schülerinnen und Schüler sind angemeldet. Und weil es wie im Sport auch in den Künsten nicht nur ums Zuschauen geht, sind die Blickfelder-Bühnen für Produktionen der Kinder und Jugendlichen offen. Wer Sport treibt, lebt gesünder, stärkt Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen. Wer sich künstlerisch betätigt, lebt besser, fördert Wahrnehmungsfähigkeit und Selbstvertrauen.
Wer jetzt noch den Sport verteufelt und die Künste seelig spricht, dem führen wir nun ein Zitat Herbert von Karajans vor – und weiter:«Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit», sagte der Dirigent – das gilt auch für jede sportliche Leistung.

Wir danken André Grieder für diesen Beitrag.

Blickfelder

161 Kommentare zu «Messi und der schwarze Schwan»

  • Roman Hatz sagt:

    Super Artikel!

  • Guido Sautner sagt:

    Ich war gestern mal wieder in der Oper und es hatte da ein paar Kindern, denen das Spektakel sichtbar Freunde gemacht hat. Meine eigenen Kinder haben uns eher erstaunt zugeschaut, weil wir uns ein bisschen mehr Mühe beim Aufbretzeln gemacht haben.

  • Franz Oettli sagt:

    Ballett, Opern oder sonst so gestelztes Zeugs haben mir nie viel gesagt. Ein paar mal waren wir im Bernhard-Theater, Hansjörg Schneider und Ruedi Walter, das war lustig. Ich glaube, die Kinder interessieren sich auch nicht sehr für unverständliche Sachen, oder solche, wo man noch viel lesen muss, damit man eine Ahnung hat, worums eigentlich geht. Opern sind ja sowieso meist auf Italienisch! Das ist doch hinausgeworfenes Geld. Dann schon lieber ein guter Fussballmatch. Waren wir auch mit den Kindern, hat Spass gemacht.

  • Katharina sagt:

    Hier ist ein Punkt
    .
    irgendwie fehlte der.

  • René Baron sagt:

    Ich selber liebe Fussball UND Ballett und sehe das als Teilnahme am GANZEN Leben mit all seinen Facetten. Die gerade durch den Unterschied der beiden Aktivitäten gegebene Bereicherung erfährt man durch aktives Mittun und nicht durch passives Dabeisein, oder durch blosses Kommentieren des in der Glotze Gebotenen. Die selber aktiven Protagonisten sind, beidderseits, meist wunderbare Menschen. Schlimm sind oft nur die Fans. Aber Fans sind nicht der Sport, und hätten wir mehr Anhänger der schönen Künste im Stadion und mehr Fans der Südkurve im Smoking, täte das wohl beiden Seiten gut.

  • Tom Bauer sagt:

    …super Beitrag, guter Vergleich!

  • Chris M. sagt:

    Werden hier nicht zwei Dinge vermischt?

    Aktivierung der Leute
    Staatliche Förderung für jederman beim selber spielen (Fussball, Hockey, Laientheater, Jugendmusik, Rap, Skate, usw.) im Amateurbereich hilft, die Leute zu aktivieren, sich zu betätigen, usw.

    millionenschweres ShowBiz
    Staatsbeiträge an Orten, wo Millionengehälter für „Stars“ und Stars bezahlt werden, finde ich grundsätzlich verfehlt.

    • Chris M. sagt:

      Das Opernhaus sollte genau so wenig subventioniert werden wie ein Pop-Konzert. Warum soll das finanzkräftigere Publikum vom Staat begünstigt werden und andere nicht? Hier sollte der Markt spielen: die Zuschauer sollen für die Kosten aufkommen. Dasselbe müsste für alle Bereiche des ShowBiz gelten inkl. Zuschauersport (20-30 strengen sich für viel Geld an, 10-20 Tausend schauen zu).

      PS 1: Vielleicht würden sich dann die „klassischen Künste“ weniger auf das abgehobene Publikum ausrichten und versuchen, breitere Kreise anzusprechen.
      PS 2: Das gesparte Geld wäre für Nachuchsförderung willkommen.

      • Orlando S. sagt:

        ..und nehmen sie gleich das Schauspielhaus, die Orchester, die Musikschulen und Bibliotheken dazu! Sozusagen ein urliberales, ja gar libertäres Postulat. Aber die Ausdrücke „finanzkräftig“, „begünstigen“ und „abgehoben“ geben ihrer Absicht einen eindeutigen Spin.

        Ist ihnen das „meritorische Gut“ ein Begriff?

        Wobei es nicht einmal so sehr um die Publika geht: ein zivilisiertes Gemeinwesen muss sich eine gewisse Grundausstattung an kulturellen Institutionen einfach leisten. Die Rolle des Opernhauses als Arbeitgeber für 600 Feststellen habe ich weiter oben dargelegt.

      • fufi sagt:

        Hey Orlando!

        Bitte Musikschulen und Bibliotheken streichen, ja!
        S’sind NICHT alle finanziell und bildungsbürgerlich privilegiert!

  • Thomas Roth sagt:

    Also mal ganz langsam: ich bin Unihockey-Juniorentrainer (nix mit Sport-Millionären),gehe lieber an einen Fussballmatch als ins Theater, ohne nach dem Spiel in einen Hauseingang zu pinkeln oder ins Puff zu gehen. Ich verstehe schlichtweg nichts,wenn sich nackte Schauspieler schreiend auf dem Boden wälzen und das ganze dann die Verwandlung einerBratwurst in eine Sonnenblume symbolisieren soll. Nennt mich doch intellektuell zurückgeblieben und steinzeitlichen Instinkten folgend. @Girardet&Co: gehen Sie doch auch mal an ein „Grümpi“, das könnte Ihnen gut tun. Ich gehe dafür wieder mal ins Theater

    • hmm Thomas Roth. ich liebe das „Grümpi“ noch mehr das „Turnerchränzli“ mit den drolligen Sketches dazwischen, die immer viel lustiger sind als Giaccobo/Müller und die „friends“ gar kein Problem. Ich würde Ihnen aber auch mal empfehlen mit einer adretten Frau im kleinen Schwarzen ein schönes Ballett anzuschauen. Das Klo- und Bratwurst-Theater der Regiefürze kann auch mir gestohlen bleiben. Nur für den Fussball- oder den Eishockeymatch fehlt mir der Sinn für massenwonnen.

  • S. Ammann sagt:

    Witzig, wie sich hier die meisten Kommentierenden selber feiern als auf das Thema des Blogs einzugehen. Entkrampfung täte beim Thema Sport und Kunst gut. Das Angebot ist in der Schweiz praktisch in allen Bereichen da für Kinder und Jugendliche, die Lehrpersonen geben sich in der Regel auch Mühe, beides zu fördern, und die Eltern könnten ja auch noch etwas dafür leisten. Und wenn ein Junior Ballet in einer gewissen Phase als „schwul“ bezeichnet muss es noch lange nicht heissen, dass das immer so bleibt. Eine gesunde Mischung von Kunst und Sport vorleben ist meine Devise.

    • Dabei war der sinn frühr sehr klar. Der Kunstunterricht sollte die Schüler befähigen die „Wilhelm Tell“. Aufführung im Schauspielhaus zu verstehen, damit sie wussten warum es bei der Landesverteidigung geht. Der Sport zielte früher im Rahmen von J+S darauf ab gute Soldaten zu haben. Darum: Ausdauer, mannschaftsspiele, Weitwurf, stangenklettern. Seit her beides nur noch Lifestyle ist, fällt uns zunehmend nichts mehr dazu ein.

      • Sportpapi sagt:

        Geistige Landesverteidigung ist doch schon eine Weile her. Obwohl… zum Sport: gerade die Gründung von J+S war doch auch ein Zeichen, dass man sich vom militärischen Vorunterricht lösen wollte. Deshalb durften auch die Mädchen mittun.

      • mila sagt:

        jawohl, sie durften – und wollten. deshalb hat dieses mädchen hier auch den ehrwürdigen kurs wandern und geländesport absolviert.

      • Sportpapi sagt:

        Hm – fast das einzige Fach, das eigentlich nur mit Murks unter Sport aufgeführt werden konnte… 🙂 Neben Lagersport natürlich, das ich damals absolvierte (und das heute auch zu W+G gehört).

      • mila sagt:

        aber sportpapi, es geht doch nichts über das knüpfen von knoten – wenn am ende daraus eine ganze seilbrücke entsteht… 🙂

      • Katharina sagt:

        Lagersport? was ist das denn? grausig.

      • Sportpapi sagt:

        Ich habe gar nichts gegen Knoten, Brücken, Seiltechnik. Nur ist das etwas gleich sportlich wie Schach spielen.
        @Katharina: Lagersport – ein kurzes Kapitel der J+S-Geschichte. Aber was J+S ist, das wissen Sie?

      • Katharina sagt:

        Nein, ich weiss nicht was das ist.

      • mila sagt:

        eine nachricht von mir ist schon länger unterwegs katharina, aber da es um dreck, schweiss und körpereinsatz geht, teils kombiniert mit sachen wie knotenkunde und kartenlesen, dürfte dich das thema wahrscheinlich nicht interessieren.

      • Patrick Tigri sagt:

        In der Schweiz heisst der Fahrausweis ja auch „Führer“schein, und niemand findet das komisch… ausser den deutschen Kollegen, die grad hier waren, als ich meinen machte.

      • Katharina sagt:

        es soll vermekrt werden, dass da etwas 24 stunden wartet.
        ich denke wir nehmen da einen talon von der langen papierrolle.

      • Pascal sagt:

        Zu 99% ist die mediale Ausschlachtung des Sports Selbstbeweihräucherung VON und FÜR Männer. Schlimmstes Beispiel Blicksportteil: Publizierte Sportleistungen der Frauen? Die kann man mit der Lupe suchen – obwohl auch beachtenswerte Leistungen da wären. Mit Sexiness, Schwangerschaft oder Geburt schafft es dann doch ab und zu in der Sportrubrik auch eine Frau in die Schlagzeilen.

      • Pascal sagt:

        Fazit: es scheint, als ob in der von und für Männer gemachten Sportberichterstattung stets noch George Orwells “Sport ist Krieg“ gilt: Die Aufgabe der Frau ist zu gebären, damit weitere Jungs im Krieg (Sport) verheizt werden können – und Mädchen weitere Sportler (Krieger oder Kanonenfutter) zur Welt bringen können.

  • heidi reiff sagt:

    Gruss noch von Belsazar !!!!!!!!

  • heidi reiff sagt:

    Ich bin eine Sportsbanausin persönlich, Roger Federer, nein danke , Hitzfeld nein danke, dieser Messi mit dem Leibchen Unicef nein danke, diese blöden geilen Tussis, die dem Roberto Blanco BHS auf die Bühne schmeissen nein danke wenn ich mal einkaufen gehe laufen meist Fussballmatchs , Tor und Penalti, Pokale, goldenes Bambi, meine letzte Rettung ist noch die Ikone Zarah Leander, – lass dicke Maenner um mich sein, ich zieh mir jetzt das schöne Lied von Saxophonist Jan Gabarek ein -„Remember me my dear“ mit Herzblut gespielt, kein so Brüller und Wüterich wie Rabauki Blocher und Co.

  • hansueli sagt:

    Das mag ja ein guter und ein interessanter Artikel sein, aber was das ganze mit dem Mamablog thematisch zu tun hat verschliesst sich meiner leider. Ich bitte um Aufklärung.

    • E.H. Roth sagt:

      vielleicht das Sport auch Kunst ist? Ohne Drill und Leistung nichts Publikum tauglich ist? Kultur und Sport sich näher sind als die meisten denken und ohne Begeisterung für die Sache keine Performance gut ist?

    • Auguste sagt:

      hmm…, wäre schlecht und uninteressant, aber sich ihrer mehr erschliessend denn wünschenswerter?

    • plop sagt:

      Der National/Ständerat hat die letzten Tage grad darüber diskutiert, inwiefern die Schulen wieder vermehrt kulturelles, oder sog. musisches Unterrichten sollte – (da Bildungsziele ja Kantonshoheit haben, wars nicht so beliebt, staatlich was zu Befehlen, den genauen Ausgang weiss ich jetzt aber auch nicht). Könnte sein, dass der Autor dies ansprechen wollte und eventuell sogar extra die Erwähnung der Politik vermieden hat um nicht wieder so wie gestern, eine Parteien-Debatte auszulösen…
      So meine Einschätzung.

  • elena sagt:

    Das Beispiel Ballett/Fussball als Gegensatzpaar Künste/Sport erscheint mir ein schlecht gewähltes Einstiegsbild in den Text: Meine Tochter absolviert seit sie 11 Jahre als ist eine Ausbildung als klassische Bühnentänzerin mit 20-22 Stunden wöchentlichem Training, inklusive Samstagmorgen und das für 12 Semester. Nach dem 3-stufigen Auswahlverfahren für die Ausbildungsplätze folgte eine ganztägige Untersuchung an der Sportclinc. Ballet hat offenbar einige sportliche Anteile. Aber an sich ein gutes Thema, kompliziert geschildert? Nach dem Training geht meine Tochter ab und an ins Letzigrund…

  • heidi reiff sagt:

    @ Sportpapi

    Mein Lieblingsfach in der Schule war singen, war auch mal in einem Singchor, es war ein Frauenchor, hat echt Spass gemacht, mein Stimme „ALT“, ich mag die Lieder von Countertenor Andreas Scholl, die Lieder von Peter Kraus mit 17 hab ich jetzt entsorgt, bin jetzt auf dem Dampfer von Udo Jürgens mit 66 Jahren faengt das Leben erst an ……… Die Bilder von Monet mag ich sehr, das Bild mit den Seerosen, die Bilder von Picasso sind mir ein Raetsel

  • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

    ich finde ballet grauenhaft und sport hirnbrot für die geistig armen. wo muss ich mich jetzt einordnen?

  • vietnamesische begleiterscheinung sagt:

    „Jede künstlerische Leistung ist ein Sieg über die menschliche Trägheit», sagte der Dirigent – das gilt auch für jede sportliche Leistung.“ – doch mit dem unterschied, dass das betrachten von sport mit menschlicher trägheit einhergeht und das betrachten von kunst eben nicht. DAS ist der unterschied, der gesucht wurde.

  • Orlando S. sagt:

    Es gibt auch einen guten Grund, weshalb die sogenannte Hochkultur eben ein älteres Publikum anspricht, das auch zahlungskräftiger ist und konservativer: eine Wagneroper, den Sacre de Printemps, Bachs h-moll Messe und Warten auf Godot geniesst man in aller Regel als Mensch, der schon etwas gereift ist und über eine breite Erfahrung verfügt (na gut, in dem Sinne war ich auch frühreif).

    Kiddos geben sich eher zufrieden mit einem bekifften Singer/Songwriter an der Gitarre in irgendeinem Altstadtkeller.

    Jedem das seine und mir das meine.

  • Pippi Langstrumpf sagt:

    Ich machte als Kind jahrelang klassisches Ballett und hätte mich deshalb gefreut, auch meine Söhne dafür begeistern zu können. Aber keine Chance, der Grosse fand es „schwul“, und wenn der Grosse das fand, galt das dem Kleinen als Gesetz. Nun betreibt der Grosse seit einigen Jahren intensiv Wushu und als ich ihn nach dem Besuchstag darauf hinwies, dass ich viele Bewegungen kenne aus dem Ballett, war er doch sehr erstaunt. Ich lud ihn ein in den Film Mao’s last dancer, seither bringt er dem Ballett grossen Respekt entgegen. Sport/Kunst / Kunst/Sport? Ich freue mich über sein Engagement

    • E.H. Roth sagt:

      ich spiele schon mein Leben lang Eishockey (richtig gelernt) Ballett hat mich jedoch von je her begeistert. Grund ist, es braucht in beiden Sportarten Jahre bis man einigermassen etwas kann, so wie beim Hockey. Ich habe grossen Respekt für die Tänzer oder Eiskunstläufer. Das Training ist enorm. Sie sind die einzigen die Kunst und Sport vereinen – ästhetik pur!
      PS. als ich mit 6 Jahren Schlittschuhlaufen lernte im Hockey, hat uns dies die Eiskunstläuferin beigebracht weil besser sie können wir es nie 😉

    • Auguste sagt:

      hmm…, pippi, ballet ist wirklich etwas schönes, aber vor schwarzen schwänen sollte man auf der hut sein.

  • Auguste sagt:

    hmm…, was da gerade mit Louis van Gaal oder Felix Magath abläuft, ist beste griechische tragödientradition – bloss, dass das gute, alte amphitheater heute allianz- oder veltins-arena heissen würde. haben sie diese aufführungen übrigens gesehen?

    • mila sagt:

      herrlich, auguste. diese menschlichen abgründe, die sich im fussball immer wieder auftun, lassen mich – trotz stetig sinkender qualität – sonntags ab und an in den doppelpass schalten.

      wem nach einem guten, zeitgenössischen drama von epischer (shakespearescher) tragweite gelegen ist, sollte sich die erste staffel von ’sons of anarchy‘ besorgen.

      • Auguste sagt:

        hmm…, mila, sie schauen doppelpass!?! – i’m quite amused.

        wenn udo lattek anfängt aus dem nähkästchen zu plaudern, bete ich immer still, dass er auch das ende seines kommentars erleben wird – drama, spannung und dazu ein phrasenschwein. wenn’s dann auch noch sauerkirschen-konfitüre auf dem frühstückstisch hat…

      • mila sagt:

        sauerkirsche-vanille, nach grossmutters rezept, made by migros. ich bete auch, aber eher in die richtung, dass das bayern-nähkästchen sich irgendwann einmal dann hoffentlich doch ausgeplaudert hat…

  • Erich sagt:

    Kultur und Sport – ein Gegensatz? Nein, eher eine Ergänzung. Warum denn nicht beides erfahren und das herausnehmen, das einem gefällt? Ich finde es gleicherweise schade, wenn Turnen oder Kultur im Stundenplan gekürzt werden. Und in beiden Disziplinen sollen Schüler möglichst viel vom ganzen Programm gesehen und erfahren haben (d.h. ich wäre dagegen, nur das zu tun, was allgemein gefällt), um später sich selber entwickeln zu können.

    • Sportpapi sagt:

      Sport ist im Moment tatsächlich von Kürzung bedroht. Aus formalen Gründen, siehe Debatte von gestern: Föderalismus. Kultur finde ich im Stundenplan hingegen nicht, kann deshalb auch schlecht gekürzt werden…

      • Erich sagt:

        @Sportpapi: Bei uns wird Kultur im Fach „Mensch und Umwelt“ abgehandelt und unterliegt dort dem „freien Ermessen“ der Lehrpersonen.

      • Sportpapi sagt:

        Eben. Und es kommt in Musikunterricht, Zeichnen, Deutsch, Fremdsprachen, Geschichte, … Oder was verstehen Sie unter „Kultur“ im Zusammenhang mit Schule?

      • chr sagt:

        Die grossen Vereine (GC, FCZ) machen sehr viel für Kinder und Jugendliche.
        Dass dies einfach ignoriert wird, finde ich extrem schade.

        Ich gehe mit unserer 6jährigen Kleinen an fast jedes Heimspiel des FCZ (Sektor D) und habe da noch keine schädlichen Einflüsse feststellen können. Sie findet die Atmosphäre da super, kennt fast alle Leider und singt begeistert mit. Dass da angeblich eine hasserfüllte oder gewalttätige Stimmung herrscht, ist ihr bis jetzt noch nicht aufgefallen – obwohl sie sonst ein eher schreckhaftes Kind ist…

      • Erich sagt:

        z.B. ein Besuch von Blickfelders „Festival der Künste“

  • Oliver sagt:

    Auch wenn es keinen interessiert.. wenn ich hier teilweise Posts lese, dann wundert es mich, dass von Seiten der Redaktion nicht MEHR rausgenommen wird.

    Dieses ständige Abdriften auf Nebenschauplätze ist echt nervig.

  • Mamablog-Redaktion sagt:

    Geschätzte Leserinnen und Leser
    Wir bitten Sie deshalb im Interesse aller Userinnen und User, hier nur solche Beiträge zu verfassen, die sich auch tatsächlich auf das Thema beziehen oder frühere Wortmeldungen aufgreifen. Bitte halten Sie sich an diese einfachen Regeln. Die Redaktion behält sich zudem vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische und unsachliche Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Besten Dank. Die Redaktion

    • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

      Das tu ich die ganze Zeit und trotzdem verfliegen meine Posts im Nirgendwo. Macht überhaupt keinen Spass hier. Was war zum Beispiel bei meinem Statement zu Shakespeare verkehrt?

    • Sportpapi sagt:

      Über technische und andere Probleme des Blogs wird keine Korresponenz geführt… 🙂

    • mila sagt:

      nachwirkungen vom barolo, lina? mit dem linken fuss aufgestanden? oder weshalb bist du schon so früh am morgen ein derart unartiges mädchen…

      • mila sagt:

        nein, orlando, mein beitrag bezog sich auf einen zwischenzeitlich gelöschten kommentar von lina, mit dem sie den karren anderer kommentatorInnen zu touchieren beabsichtigte. wobei lina und zappa einiges gemeinsam zu haben scheinen…

    • Sportpapi sagt:

      Was macht Heidi nur mit ihrer neuen Freizeit, wenn unsachliche Kommentare strikt gestrichen werden? 🙂

      • heidi reiff sagt:

        @ Sportpapi

        Gut gebrüllt Löwe

        Einfach zu Ihrer Info, ich habe als Kind mal im Stadttheater Basel die Aufführung Schwanensee von Tschaikowsky gesehen, ich war total begeistert, vermutlich war das ein Impuls die Ballettschule bei dem bekannten Solotaenzer Kleiber zu besuchen, Pliée an der Stange, in einer Phase als ich angefangen habe zu malen am IAC Zürich der Kurs Ballet war laengst passee hab ich getraeumt, ich stehe mit Spitzenschuhen als Solotaenzerin auf der Bühne, Remphase, Traeume sind keine Schaeume, hoffe Sie drillen Ihre anvertrauten Kids nicht nach alter Väter Sitte .

    • Sportpapi sagt:

      Die Redaktion behält sich vor. Nicht – sie macht. Wie sollte sie auch.

      • Auguste sagt:

        hmm…, wann hört endlich diese leidige gejammer wegen irgendwelchen posts auf. ein thema, 600 zeichen zum kommentieren – wer das partout nicht auf die reihe kriegt, soll halt mal ein bisschen üben gehen, bis es klappt.

        und noch ein kleiner hinweis nach oben: wenn nur noch themen kommen, die von intelligenten und unterhaltenenden kommentatoren/innen, mit teilweise erstaunlichem fach- und hintergrundwissen, in 600 zeichen zusammengestampft ergänzt werden können – dann könnt ihr mich auch bald.

      • Orlando S. sagt:

        Ich gebe ausnahmsweise Augie recht. Die Zeichenbeschränkung erachte ich als ein Segen. Man muss sich seine Sachen zurechtlegen und pointiert formulieren. Gute Übung. Ich käme auch mit 300 Zeichen aus. Ausserdem entfällt das mühsame überscrollen der langweiligen Monologe ohne Punkt und Komma von sehr mitteilsamen Zeitgenossen, die einem die Welt aus ihrer Sicht sozusagen integral erklären wollten.

      • Patrick Tigri sagt:

        O for instance.

      • Erich sagt:

        Beim Tigri sind schon fünf Zeichen zuviel.

      • Patrick Tigri sagt:

        Warum musst Du mich so verletzen, Erich?

      • Katharina sagt:

        Nein Auguste, ich bin nicht mit Ihnen einverstanden – ausser der zweite Abschnitt ist ironisch gemeint. Es ist sehr schwierig, auf so engem Raum sachlich differenziert zu argumentieren. Es fördert also Polemik, indem es Sachlichkeit begrenzt. Es ist eine klein krämerische Massnahme von Leuten, die mit der Welt im Netz schwer umgehen können. Es ist auch ein Beleg dafür, dass sie sich als Meinungsmacher verstehen und diese Rolle wird eben bei einer gleichberechtigten, offenen Diskussion zunehmend redundant.

      • Auguste sagt:

        hmm…, kat, sie haben natürlich recht. es ist fast nicht möglich die meisten anspruchsvollen blog-themen mit 600 zeichen hinreichend zu kommentieren, weshalb mein zweiter absatz als völlig ironiefrei zu verstehen ist. im ersten schwingt natürlich ein zünftiger schuss ironie mit. für die betrachtungen des web-clowns genügen mir 600 zeichen meistens völlig, aber ich bewege mich ja auch bevorzugt im tiefgründigen seichten.

        ich vertraue einfach mal darauf, dass nur die dummen ihre meinung nie ändern – sehen wir mal, wie es sich entwickelt. in der zwischenzeit gilt halt: short and sweet.

  • Patrick Tigri sagt:

    Ja, O kennt das auch, dass es hängt und hängt und hängt.

  • Hugo Müller sagt:

    Ich habe noch nie gehört, dass sich ganze Horden von Kulturhausbesuchern heftige Gefechte mit der Polzei liefern, ganze SBB Wagons verfüsten, Passanten anpöbeln und in jeden Hauseingang urinieren. Nicht, dass dies jeder Fussbalfan tut, aber immerhin eine ganze Menge, so dass es auffällt.

    • Sibelius sagt:

      Ja, nämlich (sagen wir mal) etwa 100 von 5’000-10’000 Zuschauern. Sprich 1-2%. Da können die anderen 98-99% nun wirklich nichts dafür.

      • Hugo Müller sagt:

        Auch die 100 richten einen immensen wirtschaftlichen Schaden an und werden dafür nicht entsprechnd belangt, sondern noch mit Mieterlass unterstützt.

    • Florian sagt:

      In letzter Zeit kam es in der westlichen Welt nicht allzuviel vor, dass Theaterbesucher Städte in Schutt und Asche gelegt haben, kam aber früher durchaus vor: http://de.wikipedia.org/wiki/Astor_Place_Riot um ein berühmtes Beispiel zu nennen.

  • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

    Kulturfördermassnahmen bei Kindern sind von eminenter Wichtigkeit. Wenn wir schon beim Thema Bildung und Erziehung sind… radikale Blogschreiber trompeteten gestern, Erziehung sei Sache der Eltern, nur leider besuchen die Wenigsten mit ihren Kindern Museen und Theater, Bibliotheken. Der gemeine Mensch sträubt sich davor, sein Hirn zu benutzen. Schade.
    Interessanterweise haben Institutionen wie Theater nur schon in Deutschland den viel höheren Stellenwert als hier, die Inszenierungen sind bedeutend anspruchsvoller (von grösseren Häuser mal abgesehen) und trotzdem jeden Abend voll!

    • mila sagt:

      war nicht das schauspielhaus zürich 2001 und 2002 deutschsprachiges theater des jahres? und basel 1999? meiner ansicht nach wäre schon viel erreicht, wenn eltern ihren kindern vorlesen würden, statt sie jeden abend vor die glotze zu setzen.

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        Ja. Diese Auszeichnung kam aber vom „Theater Heute“, eine deutsche Zeitung. Das Schweizer Volk hat damit überhaupt nichts zu tun gehabt. Halt, doch, sie haben dann den dafür verantwortlichen Intendanten medial abgeschlachtet. Bravo!

      • mila sagt:

        natürlich kamen die auszeichnungen von ‚theater heute‘, sonst wären sie ja nicht erwähnenswert gewesen… 🙂 dass man mit gewissen wucherungen des (post-)modernen regie-theaters seine liebe mühe bekundet, kann ich gut nachvollziehen. eine der besten inszenierungen, die ich je gesehen habe, war eine textnahe aufführung von ‚cyrano de bergerac‘ in wien. ein brilliantes stück braucht eben keinen entfremdenden ego-trip des regisseurs.

    • Orlando S. sagt:

      In Finnland und Deutschland ist alles besser: die Kultur, die Leute…

  • Sportpapi sagt:

    „Wer Sport treibt, lebt gesünder, stärkt Teamfähigkeit und Durchhaltevermögen.“ Ach, all diese positiven Wirkungen, die dem Sport zugeschrieben werden. Darüber könnte man diskutieren. Sie sind aber unerheblich, wenn es um die Frage geht, ob der Schausport mit Millionenbeiträgen gefördert werden soll. Im Speziellen hat Profifussball und Breitensportförderung nichts miteinander zu tun – nicht einmal gute Vorbilder sind da in der Regel zu finden. Davon unabhängig sollen die Vereine natürlich unterstützt werden.

    • Matthias sagt:

      Nein über die positiven Wirkungen des Sports muss man nicht diskutieren, Fakt ist aber ganz bestimmt das beim Fussball Match zusehen nur das Gegenteil gefördert wird. Faulheit, saufen und Gewalt.

    • Auguste sagt:

      hmm…, also für uns clowns hat lothar matthäus einen fast gottähnlichen status. und für psychologen ist der mann ein absolutes prachtsexemplar maskuliner denke – nach sieben frauen denkt er immer noch das sein denkapparat, dort etwas unterhalb der gürtellinie, tatsächlich einen brauchbaren gedanken denken kann.

      und wenn’s halt nicht als kultur durchgeht – kultig ist es allemal.

  • Hm, kann mir jetzt noch jemand wirklich erklären, was Kultur & Kunst für eine Wichtigkeit hat im Jahr 2011? Die Argumentation kommt heute nicht mehr über ein „toll und wichtig, fördert Selbstvertrauen und irgendwie die Wahrnehmung“… hinaus. Den Sinn und Zweck von Fussball kann ich durchaus nachvollziehen: Das ist gute Unterhaltung. Und Kulturelles? Ehrlich gesagt ist das doch ebenso nur Unterhaltung… und dann erst noch Schwierige… Wenn dem nicht so ist, könnten wir dann mal das Argumentarium und die Begriffe darum herum richtig aufbauen?

    • Auguste sagt:

      hmm…, ich bitte sie lukas vogelsang – was soll daran schwierig sein, auf einer bühne möglichst leichtbekleidete bis ganz nackte zwei stunden auf leute in unbequemen sitzen loslabbern zu lassen? die sollten mal versuchen, einen direkten freistoss aus 25 metern in den winkel zu zimmern – das ist schwierig.

  • Orlando S. sagt:

    Ach, man muss doch nur zugreifen heute als Jugendlicher, überall gibt es Sonderangebote für Schulen, Kinder, Jugendliche. Wir hatten Glück, wenn wir etwas Rabatt bekamen, zusammen mit den AHV/IV-Rentnern.

    Das Problem ist, dass ein Grossteil von dem, was die städtischen Theater so produzieren, elitärer, selbstreferentieller Schrott ist, der keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt ausser die üblichen ach wie urbanen, hippen BoBos (bourgeoise Bohème).

    War das Theater in den 60/70-Jahren wenigstens noch Anti-Bürgerlich, ist es heute nur noch Anti. Intelligente Unterhaltung? Strengstens verboten!

    • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

      Sie reden von Theater. Wie oft waren sie denn in den letzten 20 Jahren dort?
      In Deutschland geht fast jeder ins Theater und der Stoff/die Inszenierungen sind etwa gleich „elitär“ wie bei uns.
      Sie sprechen immer von Dingen, die sie gar nicht selber gesehen haben… schon gestern!

      • Orlando S. sagt:

        Ich bin eher Konzert- und Museumsgänger geworden, stimmt. Aber wollte ich Ihnen eine Liste mit Titel und Ort der Theaterstücke liefern, die ich in den vergangenen zwei Jahren besucht habe, würde ich die Zeichenbeschränkung hier sprengen, meine Liebe. Im hehren Schauspielhaus war ich zuletzt bei Carlet de Marivaux (Triumph der Liebe) und habe mich fürchterlich gelangweilt.

    • mila sagt:

      wenn ich sie recht verstehe, orlando, möchten sie im theater etwas über ein bestimmtes stück erfahren, und nicht in das ego des inszenierenden regisseurs abtauchen. wenn dem so wäre, könnte ich mich dazu hinreissen lassen, ihnen zuzustimmen.

      • Sportpapi sagt:

        Das könnte man aber auch einfacher sagen… Das Problem sind ja nicht die Intendanten/Regisseure. Sondern dass sie für ihre Eskapaden vom „Fachpublikum“ noch gefeiert werden. Sonst würde sich das Problem ja schnell von selber lösen.

      • mila sagt:

        die bourgeoise bohème hat doch schon orlando erwähnt. und wie war das noch einmal mit pereira und der finanzierung des opernhauses? ein aufschlussreiches beispiel, wie ich finde.

      • Orlando S. sagt:

        Das Stück selber lesen ist oftmals gewinnbringender als den Schrott des Regisseurs erdulden zu müssen, richtig.

      • Auguste sagt:

        hmm…, da verstehe ich sie jetzt nicht ganz, strasser. entstehen in der klassischen musik nicht auch dann und wann sternstunden, wenn ein neuer dirigent vor dem orchster steht und ihm die flötentöne etwas anders beibringt?

      • Orlando S. sagt:

        Doch natürlich, aber es wird dann immer noch die Partitur gespielt (die ich zu hause auf dem E-Piano schlecht nachspielen kann) und nicht eine eigene Interpretation. Zum Beispiel wird ein Mozart-Klavierkonzert nicht für E-Gitarre umgeschrieben und von einer Stravinsky imitierenden Ländlerkapelle statt des originalen Sinfonieorchesters begleitet und von einer entnervenden Videoshow auf riesigen Monitoren seitlich der Bühne kontrapunktiert.

      • mila sagt:

        besagte sternstunden gibt es auch bei modern inszeniertem theater, auguste. wenn dem regisseur – wie dem dirigenten – daran gelegen ist, die essenz aus dem vorgegebenen herauszukitzeln, oder selbige aus einer neuen perspektive zu beleuchten. wenn es jedoch nur darum geht, möglichst spektakulär (oder skandalös) aufzutrumpfen, dann hat der zuschauer wie zuhörer das nachsehen.

      • mila sagt:

        essenz wäre mein stichwort, auguste, leider ist der zugehörige kommentar (noch) nicht durchgekommen. selbige kann man – im theater wie in der musik – herauskitzeln und neu beleuchten. man braucht sie jedoch nicht neu zu erfinden. oder besser noch: man sollte nicht.

  • Die erotischen Implikationen sind erhellend. Während beim Fussball als einem Massenphänomen zwei Männerrudel sich präsentieren, die gegeneinander Krieg führen, der von den männlichen Fans mitgefeiert wird und nach dem Match vor allem das Rotlicht-Millieu vom Selbstbewusstseins-Zuwachs der Fans profitiert, welche „die Sau rauslassen“ durften (vielleicht auch die eine oder andere Freundin?). Das Ballett hingegen wird eher paarweise besucht. Die Frau Identifiziert sich mit den zwar gesellschaftlich weniger „prominenten“ Tänzerinnen und den tragischen Gefühlen des Mythos, der Mann holt Appetitt.

    • Auguste sagt:

      hmm…, also so ganz umsonst stecken sie die jungs dort nicht in strumpfhosen, giorgio girardet. und selbst der ruf der grössten tänzer beinhaltete nicht selten auch ein quantitatives element. einerseits die schritte – andererseits der schritt. there’s more than what meets the naked eye in ballet.

  • Katharina sagt:

    Das war mal als anderer Raum gedacht. inzwischen ist es Promotionsportal. Wieviel kostet die Aufschaltung?

    • mila sagt:

      katharina, die problematik, die angesprochen wird, ist durchaus interessant. ich kann mich noch gut erinnern: rund zwei drittel meiner gymikollegen haben diese theater-pflichtbesuche gehasst. bücher freiwillig gelesen hat höchstens die hälfte. ergo: kultur kann man anbieten, aber nicht aufzwingen. vor allem müsste man sich vielleicht vorher überlegen, was den jungen leuten gefällt – und was nicht. der besuch von zehntausend weitgehend unspektakulären ruinen in griechenland hat mich so zum beispiel fürs leben geschädigt. einen guten fussballmatch schaue ich mir hingegen heute noch gerne an.

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        Kultur kann man nicht aufzwingen, nein, aber wenn Kinder nie dafür sensibilisert werden, wird diese auch im späteren Leben keine Bedeutung für sie haben.

      • Sportpapi sagt:

        Nein, bitte nicht „sensibilisieren“! Das ist für mich das Unwort des Jahres. Erklären, zeigen, begeistern würde doch auch reichen. Leider habe ich aber auch den Eindruck, dass das wichtigste Kriterium von „Kunst“ ist, dass es nicht verstanden wird und entsprechend auch nicht massentauglich ist – der Rest ist begeistert, weil es halt elitär ist…

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        Entschuldige die falsche Wortwahl, natürlich sprechen wie vom selben.

        Das mit dem elitären stimmt eben nicht. Ich begeistere mich sehr für Theater und bin von Stücken begeistert, die viele als elitär bezeichnen würden. Doch dem ist nicht so, mir gefallen die nicht, weil sie hochgestochen sind (was heisst das schon). Theaterbesuche brauchen, das klingt jetzt blöd, auch Erfahrung, man wächst hinein.

      • Patrick Tigri sagt:

        Sportpapi möchte uns sensibilisieren, das Wort „sensibilisieren“ nicht mehr zu brauchen, er ist sensibel drauf.

      • Sportpapi sagt:

        Ich bin nicht sensibel drauf. Arbeite aber in einem Umfeld, in dem viel „sensibilisiert“ wird. Das ist dann auch synonym dazu, dass der Erfolg der Kampagne eigentlich nicht gemessen werden kann.
        @Zappa: Ich gehe sehr gerne ins Theater, vor allem auch, wenn klassische Stücke gespielt werden. Aber ich finde, ich sollte auch etwas vom Theater verstehen, ohne dass ich Erklärungen des Autors/Regisseurs brauche, was er wohl gemeint hat.

      • mila sagt:

        das stichwort ist richtig: man wächst hinein. deshalb macht es auch wenig sinn, mit einem komplexen bürgerlichen trauerspiel zu beginnen. es gibt genug werke aus dem 20. jahrhundert, mit denen man gerade jugendliche gut abholen könnte. aber nein, unter schiller, lessing oder dann gar shakespeare geht es nicht. und wenn schon shakespeare: wieso nicht mit der branagh-verfilmung von ‚much ado about nothing‘ beginnen? oder mit baz luhrmanns ‚romeo and juliet‘? oder meinetwegen mit tennesse williams ‚katze auf dem heissen blechdach‘, um einen zeitsprung in die moderne zu wagen?

      • mila sagt:

        wie ich es mit dem hineinwachsen sehe, wird an dieser stelle demnächst vielleicht (vielleicht aber auch nicht) zu lesen sein.

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        @sportpapi
        Das ist eben oft das Missverständnis. Es gibt nicht nur eine Art, ein Theaterstück zu verstehen. Das, was der Zuschauer sieht, interpretiert, muss nicht zwangsläufig das sein, was der Regisseur beabsichtigt hat. Das ist ja das schöne.
        Aber diese püpsigen 600 Zeichen sind zuwenig um ausgedehnt übers Theater zu diskutieren… 😉

      • Sportpapi sagt:

        Theater soll mich anregen, aber auch nicht ratlos zurücklassen…

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        Teil 1
        @ mila
        kompliziertes bürgerliches Trauerspiel? Also, Lessing ist alles andere als kompliziert und Shakespeare hat mit bürgerlichem Trauerspiel überhaupt nichts zu tun.
        Shakespeare ist perfekt für Jugendliche, er ist zeitlos. Ich weiss nicht, wann Sie das letzte Mal im Theater waren, aber jedes Shak.-Stück, dass ich in letzter Zeit gesehen habe war modern inszeniert und hätte Jugendlichen sehr gefallen.

      • mila sagt:

        da spricht frau von kultur, und schreibt noch nicht einmal das wort tennessee richtig… nein aber auch.

      • Zappa, formerly known as The Symbol sagt:

        Teil 2
        Grade die STücke der Moderne sind oft komplizierter. Mit dem Aufkommen des starken Regietheaters hat sich auch der Stoff verkompliziert. Jelinek? Kane? LaBute? Palmetshofer?Schimmelpfennig? Ich bezweifle, dass Theaterneulinge damit was anfangen können.
        Wie alt ein STück ist, spielt keine Rolle, das Relevante ist, was man damit macht.

      • Patrick Tigri sagt:

        Tennessee ist eh overrated. Robin ist viel besser und John sowieso.

      • Sportpapi sagt:

        Ich weiss noch, wie ich von Stoppards „Arkadien“ begeisterst war. Lag aber vielleicht auch an der anregenden Begleitung, mit der ich anschliessend diskutieren konnte.

      • mila sagt:

        ich dachte eher an die ‚welle‘ oder ‚jugend ohne gott‘. gibts beides auch im theater. dürrenmatt kommt ebenfalls immer gut an, besonders die ‚physiker‘ (wobei ich auch den geschmähten ‚romulus‘ sehr unterhaltsam finde). frisch, brecht, miller, das ist alles für teenies gut verständlich, während shakespeare, wie gesagt, aufgrund der fremdartigen sprache eine gut eingebettete heranführung benötigt.

      • mila sagt:

        wir werden unsere spannende, inhaltlich makellose diskussion wohl auf später verschieben müssen, zappa.

      • mila sagt:

        zappa, da habe ich mir doch alle mühe gegeben, shakespeare von schiller und lessing abzuheben. oder trauen sie mir etwa zu, dass ich mich mit theatergeschichte nicht auskenne? ich bleibe dabei – jugendliche, die erstmals ins theater gehen, werden sie eher mit dem ‚besuch der alten dame‘ bei der stange halten als mit dem ‚kaufmann von venedig‘.

    • lisa sagt:

      @katharina: stört mich auch, die promo, man hätte den guten ansatz auch ohne verwerten können.

      • mila sagt:

        man könnte es auch einfach als aktualitätsbezug sehen – schon einmal diese perspektive in betracht gezogen?

      • Katharina sagt:

        Ich finde der Anlass, auf den verwiesen wird, eine sehr gute Idee. Womit ich Mühe habe, ist diese Selbstverständlichkeit, mit der immer auf Fördergelder gepocht wird, gerade, was Sport betrifft. Sport ist ein sehr grosses Geschäft, das sich selbst finanzieren kann. Beim Artikel selber habe ich Mühe mit dem Ansatz, alles auf die Mittelmässigkeit zu drängen und dann eine so wunderschöne Kunst und Sport Form, wie Ballet, wegen dem Vokabular ins Lächerliche zu ziehen.

      • mila sagt:

        ja, damit hast du wohl recht, katharina, das ballet kommt – wie nicht anders erwartet – schlechter weg als der fussball. aber es werden, wie ich meine, keine zusätzlichen fördergelder für sport verlangt. vielmehr wird darauf hingewiesen, dass dieser sich selbst finanziert, während kultur vom staat subventioniert werden muss. was im grunde durchaus als ein gesellschaftliches armutszeugnis interpretiert werden könnte.

      • Patrick Tigri sagt:

        Naja, wenn das Opernhaus mit Millionen unterstützt werden muss und das Schauspielhaus auch, GC und FCZ dagegen ohne Subventionen ihr Zeugs durchziehen können, dann kann man sich schon ein paar entsprechende Fragen stellen, denke ich. Achtung: Ich frage hier, ich insinuiere keine Antworten. Wenn ich Antworten hätte, würde ich sie hier hinschreiben.

      • Katharina sagt:

        ich meinte nicht zusätzlich, sondern, dass dieses Anspruchsdenken als selbstverständlich empfunden wird.
        Dass das Fach in der Schule nicht einmal mehr vorhanden zu sein scheint, finde ich sehr bedenklich. So etwas gehört einfach zum Verständnis der eigenen Herkunft.
        Sport wird indirekt massiv staatlich mitfinanziert. So etwa beim Bau neuer Stadien, wo Städte durch bereitstellen von Land, spezielle Steuerabkommen und vielem mehr sich als besserer Standort profilieren wollen. Da sind Summen im dreistelligen Millionenbereich im Spiel.

      • Katharina sagt:

        Umgekehrt werden die paar Millionen für das Opernhaus kritisiert. Und das in einer vermögenden Stadt.
        Aber es muss dann auch gesagt werden, dass rein kommerziell finanzierte Kunst auch möglich ist.
        Nur: Ich sehe eine der Aufgaben der öffentlichen Hand ist die Bereitstellung von Infrastruktur. Dazu gehört auch Kultur, eben Museen, Konzerthäuser usw.

      • Sportpapi sagt:

        Die Subvention pro Kopf bzw. Zuschauer ist bei der Kultur natürlich viel grösser als bei Sport. Zudem gilt es dort zu unterscheiden zwischen Unterstützung für den reinen Profisport und Subventionen für die Jugendarbeit. Auf jeden Fall gilt die in der Schweiz praktisch nicht vorhandene öffentliche Unterstützung für den Leistungssport als Hauptgrund, dass wir leistungsmässig in den meisten Sportarten nicht konkurrenzfähig sind.

      • interim placeholder sagt:

        Och, Opernhaus, Schauspielhaus und weitere Theater gehören der Stadt, dem Kanton oder dem Bund, ich denke also nicht, dass es so falsch ist, wenn der Staat Stadien baut.

      • interim placeholder sagt:

        Rotscher! Simi! Hallo!

      • Orlando S. sagt:

        Haha…die läppischen 20 oder so Millionen die Stadt und Kanton fürs Opernhaus ausgeben reichen gerade mal um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Wir reden von hunderten Technikern, Handwerkern, Werkstätten etc. die Künster die man auf der Bühne sieht, sind da nur eine sehr kleine Gruppe.

        Das Opernhaus ist international so verdammt gut, weil Pereira wusste wie man Sponsoren reinholt. Anders hätte er sich die Weltstars, die man da an einem hundsgewöhnlichen Dienstag- oder Mittwochabend erleben kann, nicht leisten können.

        Sein Nachfolger komm genau vom Gegenteil her:
        Jetzt kommt ein

      • Orlando S. sagt:

        …nämlich aus einem durch die Stadt Berlin totalsubventionierten Haus mit starkem Fokus auf dem Regietheater. nun gut, einige der Inszenierungen waren weiss Gott etwas unbedarft-kulinarisch. Aber es komm selten gut, wenn man die Regisseure sich austoen lässt.

        Gut Nacht am Bellevue, sag ich da nur. Züri wird wieder provinziell. Adieu ihr tollen Sänger, die ihr hier Halt machtet für ein paar Abende irgendwo auf dem Weg von der Met an die Staatsoper…

        Es ist ein Irrtum zu glauben, die höhe der staatlichen Subventionen habe irgendetwas mit der künstleriscen Qualität zu tun!

      • Sportpapi sagt:

        @Placeholder: Ausnahmen gibt es immer. Nun ist Skispringen in der Schweiz nicht gerade verankert, für Tennis braucht es gewaltige Investitionen vom Elternhaus, ohne geht gar nichts.

      • Katharina sagt:

        „Die Subvention pro Kopf bzw. Zuschauer ist bei der Kultur natürlich viel grösser als bei Sport“ das stimmt eben nicht. wie viel etwa kostet ein Stadion? da war doch kürzlich ein neues eröffnet worden. in Dallas. eine Milliarde oder so. wer hat das bezahlt? die Stadt.

        Hier wird ja heftig von der öffentlichen Hand für Leistungssport gefördert. (Meines Wissens nicht). Deshalb haben wir ja so viele in der Spitzenklasse.

        nach der Logik müsste die Schweiz ja strotzen von Künstlern in der Weltklasse.
        Oder eben nicht.

        Das Problem ist, dass etwa Künstlern dann Eigeninitiative bevormundet wird.

      • Katharina sagt:

        Antwort wartet.

      • Sportpapi sagt:

        Nach meinem Wissen betragen die Subventionen allein für das Opernhaus über 70 Mio. Franken. Jährlich. Dafür könnte man schon fast ein neues Fussballstadion bauen. Und das für ein paar wenige Opernliebhaber. Ich finde das nicht läppisch, auch wenn ich es nicht in Frage stellen möchte.

      • Orlando S. sagt:

        Wieso braucht es ein neues Stadion?
        Dass der Hardturm nicht neu gebaut wurde, haben sie übrigens den Linken und Netten zu verdanken!
        Das hat mit dem Opernhaus nichts zu tun.

        Sind eine Viertelmillion (zahlende) Besucher für sie „ein paar Opernfans“?
        70 Millionen stimmt. Der Personalaufwand (600 Angestellte) beträgt allein 101 Millionen Franken.
        http://www.opernhaus.ch/de/about/Organisation/factsfigures.php

      • Patrick Tigri sagt:

        Ach, wenn nur die Rechten und die Fiesen das Sagen hätten.

      • Sportpapi sagt:

        Das sind dann also rund 700 Zuschauer pro Vorstellung. Bin positiv überrascht. Dennoch wird offenbar jeder Besucher im Opernhaus mit etwa 270 Franken subventioniert. Das ist bedeutend mehr als Sportzuschauer. Ob wir ein neues Fussballstadion brauchen, könnte man übrigens gerne diskutieren. Dass aber ein öffentliches Grossprojekt, das von der Mehrheit der Bevölkerung getragen wird, von einigen wenigen einfach blockiert und verhindert werden kann, halte ich für undemokratisch und skandalös.

  • Sehr interessantes Thema, wenngleich es in der Ausführung unter den mehrfachen Formen des zeitgeistigen „Mainstreamings“ leidet. Auf Biegen und Brechen wird ein agonistisches Männerphänomen (Fussball) mit einem eher femininen kulinarischen Phänomen der Hochkultur verglichen. Und das „Tertium comparationis“ ist einesteils der kathartische Moment, der beiden Veranstaltungen innewohnen soll und andernteils die ökonomische Implikation. Während im Fussball ritualisiert Krieg geführt wird, geht es beim Ballet um das Ringen um den höchsten Ausdruck im Zusammenhang mit „dem Tragischen“ und der „Musik“

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