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Ebola als Strafe Gottes?

Hugo Stamm am Samstag den 22. November 2014
(Flickr/alles-schlumpf)

Die apokalyptischen Glocken läuten Sturm: Weihnachten und die Endzeit sind bald da! (Flickr/alles-schlumpf)

Die Seuche Ebola vereint alle Attribute auf sich, die bei ängstlichen Menschen Horrorvisionen hervorrufen. Vor allem die Bilder aus den betroffenen Gebieten prägen sich ihnen unheilvoll ein. Entstellte Menschen, Helfer im Astronautenlook, entleerte Dörfer, geächtete Kranke, die als Monster gelten. Das ist die Matrix für einen Blockbuster über die Apokalypse. Helfer in den Krisengebieten sind geschockt und bekommen den Eindruck: So fühlt sich die Endzeit an.

Ebola ruft denn auch zwei Interessengruppen auf den Plan, denen die Seuche wie gerufen kommt. Die Apokalyptiker unter den christlichen Fundamentalisten erinnern sich an die Johannes-Offenbarung und das Buch Daniel und sehen in der Seuche die Strafe Gottes. Verschwörungstheoretiker beschwören ihre längst prophezeite globale Krise herauf.

Ken Isaacs von der christlichen Hilfsorganisation Samaritan’s Purse warnte bei einer Anhörung vor den Gesundheitsbehörden: «Liest man die täglichen Lagemeldungen des Gesundheitsministeriums über Liberia, so herrscht darin – ich möchte nicht zu dramatisch wirken – eine Atmosphäre von ‹Apocalypse Now›».

In einer Newsgroup (Narkive) versucht ein Christ, die ängstlichen Teilnehmer zu beruhigen und schreibt: «Angst vor Ebola? Glaube an Jesus, und die Angst ist fort. Gehe zur Kirche, man wird dir dort eine Bibel schenken!» Der Kommentar eines anderen Gläubigen, den das Endzeitfieber offenbar schon gepackt hat: «Das nützt auch nichts mehr! Das Ende ist nah! Niemand kann jetzt mehr helfen!»

Ein weiteres Beispiel für die Ebola-Hysterie: Der Autor Bernd Neumann nennt sein neues Buch «Ebola und andere Killerkeime». Darin behauptet er, die Bedrohung für den Menschen sei grösser denn je. Deshalb erwartet er demnächst einen «Apokalypse-Keim», der eine Mehrheit der Menschen dahinraffen werde.

In der nächsten Eskalationsstufe wird bereits von der Zombie-Apokalypse gesprochen, weil weitere Killerkeime die Opfer so entstellen würden, dass sie zu Zombies mutierten. Im Blog Zombie-apokalypse.info heisst es: «Die Bedrohung ist also ernst zu nehmen und Notfallpläne müssen geschmiedet werden … Die Zombie-Apokalypse naht!»

Was treibt christliche Fundamentalisten und Verschwörungstheoretiker an, die Apokalypse herbeizusehnen? Fromme Christen hoffen, in der Gnadenzeit zu leben, in der sich die biblischen Prophezeiungen erfüllen. In ihren Augen läuten die apokalyptischen Glocken Sturm. Sie sehen alle Anzeichen erfüllt, die die Bibel für die Endzeit vorhersagt. Sie erhoffen sich die Wiederkunft von Jesus und die Erlösung.

Bei den Verschwörungstheoretikern sind die Motivationen komplexer und individueller. Manche entwickeln eine Lust am Morbiden und Destruktiven. Andere wollen sich unbewusst an der tumben Gesellschaft rächen, die sie wegen ihrer kruden Weltbilder belächelt. Die Vorstellung, die Ignoranten würden einer brutalen Seuche zum Opfer fallen oder in einer Katastrophe umkommen, scheint ihre Fantasie zu beflügeln.