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Guru Blocher im Himmel

Hugo Stamm am Donnerstag den 1. Februar 2007

22. Oktober 2007. Christoph Blocher klopft an die Himmelspforte. Im Türspion huscht ein Schatten vorbei.

„Wer bist Du?“, ertönt es aus der Gegensprechanlage.

„Ich bin der Boss der SVP.“ Petrus öffnet das Tor einen Spalt und mustert Blocher misstrauisch.

„Warum begehrst Du Einlass? Du bist ja noch voll im Saft.“

„Die Bundesversammlung hat mir gestern den Schuh gegeben, heisst. abgewählt. Die Linken und Netten haben Angst vor mir.“

„Herrgott, kennst Du eine SVP?“, fragt Petrus in Richtung Himmelsthron.

Aus dem Hintergrund erschallt eine tiefe Stimme: „Das ist doch die Spirituelle Vaterlands Partei des Gurus Blocher.“

„Ist der koscher?“, fragt Petrus.

„Gurus eigentlich nie, doch der Blocher hat immer so schön gesungen in der Kirche. Den können wir im Chor der Cherubinen bestens gebrauchen.“

„Kannst Du mir sagen, weshalb Gott Dich einen Guru nennt?“, fragt Petrus Blocher.

„Vermutlich, weil ich der Führer der SVP war.“

„Haben Dich denn Deine Anhänger als Heilsbringer verehrt?“

„Verehrt schon, aber Heilsbringer? Ich glaube nicht.“

„Das sagen alle Gurus, die bei uns anklopfen. Hast Du eine Heilslehre verkündet?“

„Nicht direkt, wir hatten nur ein Parteiprogramm.“

„Versprach es die Erlösung von den irdischen Leiden?“

„Schon, schliesslich haben die Kommunisten und Sozialisten das Volk mit Abgaben und Reglementen geknebelt.“

„Dann gab es bei Deiner SVP auch Rituale und soziale Kontrollen?“

„Wenn Du Wahlen gewinnen willst, brauchst Du schon Schlachtrufe, Arbeitspläne und Einsatzbrigaden, die den Mitgliedern auf die Finger schauen und ihre Arbeit kontrollieren. Sonst hast Du bald einen Hühnerstall wie bei den Grünen.“

„Und wie stets mit dem Geld? Finanzieren die Mitglieder Deine Sekte?“

„Die Reichen werden schon zur Kasse gebeten. Schliesslich ist das Missionieren neuer Mitglieder teuer, und die Wahl- und Abstimmungskämpfe kosten ein Vermögen.“

„Und ihr tanzt auch um das goldene Kalb?“

„Goldenes Kalb? Oh, das ist eine gute Idee. Kannst Du mir Dein Handy geben? Ich will meinen Parteichef Ueli Maurer telefonieren, er soll unser Wahlkampfziege Zottel mit Goldfarbe besprayen.“

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