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Die wundersame Kraft des Pendels

Hugo Stamm am Montag den 27. November 2006

Das Pendeln gehört zu den Grundprinzipien des New Age oder der Neo-Esoterik. Es kann angeblich die viel besungenen Energien und Schwingungen „messen“. Das Pendel soll sogar auf Schwingungen reagieren, die physikalische Messgeräte nicht wahrnehmen können.

Der klassische Anwendungsbereich des Pendels ist das Aufspüren von Wasseradern. Esoteriker, die unter Schlafstörungen leiden, verdächtigen in erster Linie unliebsame Wasseradern, die unter dem Schlafzimmer verlaufen und störende Strahlen aussenden sollen. Pendler orten praktisch in allen Wohnungen Wasseradern und empfehlen standardmässig, das Bett in einer andern Ecke des Schlafzimmers zu platzieren. (Sie müssen schliesslich eine Massnahme empfehlen, um ein Honorar verlangen zu können.)

Dabei kümmern sich weder die von Schlafstörungen geplagten spirituellen Sucher noch die Pendler um geologische Erkenntnisse. Solche eng begrenzte Wasseradern sind sehr selten und finden sich höchstens in Gebieten mit geschichteten Kalkfelsen. Doch das kümmert die Pendler wenig. Sie orten selbst in Häusern Wasseradern, die an einem Seeufer stehen. Dort gibt es – was auch Laien einleuchtet – nichts als einen grossen Grundwassersee. Und sicher keine Wasseradern.

Der Glaube an das Pendel und die Wasseradern ist so weit verbreitet, dass selbst Leute daran glauben, die kein ausgesprochenes Faible für Esoterik haben. Solche “Energiegesetze” sind schon fast Allgemeingut im kollektiven Bewusstsein geworden. Wer sie anzweifelt oder als Aberglaube bezeichnet, wird mitleidig belächelt. Dabei kümmert es die Esoteriker nicht, dass selbst die feinsten Messgeräte keine solche Schwingungen messen können. Doch mit Physik wollen Esoteriker nichts zu tun haben. Diese Disziplin stammt aus dem verschmähten Reich des Materiellen.

Einer wollte es allerdings genau wissen und rückte dem Phänomen des Pendelns und anderen übersinnlichen „Gesetzen“ mit empirischen Methoden zu Leibe. Der bekannte amerikanische Magier und Trickexperte James Randi versprach allen Medien, Magiern, Esoterikern und Pendlern eine Million Dollar, wenn es ihnen gelingt, ein übersinnliches Phänomen unter empirischen Bedingungen vorzuführen. Randi glaubt, dass solche Rituale lediglich Tricks sind oder auf Selbsttäuschungen beruhen.

Kürzlich stellten sich in Deutschland sechzig Pendler und Personen mit angeblich übersinnlichen Kräften dem Test, der an der Universität Würzburg stattfand. Zuerst durften die Pendler und Magnetopathen bei einem «offenen» Versuch das Prozedere ausprobieren. Und es funktionierte. So schlugen beispielsweise die Pendel immer im richtigen Moment an. Nun konnte der Doppelblindtest beginnen.

Kandidat Johann Grüner erklärte, er könne die Aura von Pflanzen mit dem Pendel ausloten. Er wählte einen Blumenstock mit besonders starker Ausstrahlung. Dieser wurde jeweils unter einem von zehn Kübeln versteckt. Grüner hatte dreizehn Versuche. Jedes Mal schlug das Pendel wunschgemäss bei nur einem Eimer kräftig aus. Die Auswertung des Tests fiel aber ernüchternd aus. Grüner verzeichnete keinen einzigen Treffer, das Pendel hatte immer bei einem leeren Kübel reagiert.

Kandidat Karl-Heinz Reuter behauptete, er könne mit seiner Wünschelrute Wasseradern aufspüren. Für den Test standen ihm zehn zugedeckte Wassereimer zur Verfügung, doch nur einer war gefüllt. Bei seinen dreizehn Versuchen schlug die Rute jeweils zuverlässig bei einem Kübel an. Trotzdem war das Resultat vernichtend: Reuter hatte nicht einen Treffer gelandet. Der Pendler war konsterniert. Randi kann die Million behalten, alle Kandidaten erlebten Pleiten.

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