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Entmündigung der Gläubigen

Hugo Stamm am Samstag den 13. Dezember 2014
Scientology benutzt den E-Meter: Eine Art Lügendetektor. Foto: Keystone

Scientology benutzt den E-Meter: Eine Art Lügendetektor. Foto: Keystone

Die meisten Glaubensgemeinschaften erheben den Anspruch, die Gläubigen zu befreien oder zu erlösen. Zumindest im religiösen oder spirituellen Sinn. Sie geben auch vor, sich in den Dienst der Mitglieder zu stellen. In der Regel versprechen sie ihnen auch ein besseres Leben im Diesseits. Immer vorausgesetzt, die Gläubigen verhalten sich fromm und gottesfürchtig.

In der Realität lösen sie ihre Ansprüche oft nicht ein. Hinter der versprochenen Freiheit lauern oft Angst und Abhängigkeit. So sind viele Sekten und Glaubensgemeinschaften autoritäre Organisationen, die strenge Regeln und Dogmen aufstellen. Und die peinlichst darauf achten, dass die Gläubigen danach leben. Egal wie sinnvoll oder sinnlos diese sind. Wer sie nicht befolgt, setzt die vermeintliche Erlösung aufs Spiel, wird gedroht. Freiheit – auch spirituelle – sieht anders aus.

Scientology zum Beispiel kennt Sicherheitsprüfungen am «E-Meter» – einer Art Lügendetektor – für Mitglieder, die sich nicht strikt an die rigiden Regeln halten. Zu spätes Erscheinen zum Kurs oder zur Arbeit kann bereits Sanktionen nach sich ziehen. Gründer Hubbard hat verhörartige Befragungen und drastische Strafen eingeführt.

Johannes B. Kerner zerlegt in seiner Sendung vom September 2009 vor Sektenexperten ein «E-Meter».
Quelle: Youtube

Ein enges Kontrollsystem kennen auch die Zeugen Jehovas. Ein Krankenhauskomitee überwacht zum Beispiel, dass sich Spitalpatienten keine Bluttransfusion geben lassen. Wer gegen das – oft tödlich wirkende – Verbot verstösst, kann ausgeschlossen werden und verliert angeblich das Seelenheil. So wird der Glaube zur Indoktrination und zum Zwangssystem, das individuelle Freiheiten unterdrückt. Es kann doch nicht im Sinn eines Gottes sein, dass seine Geschöpfe sinnlos verbluten und die Ärzte tatenlos zusehen müssen.

Auch Freikirchen führen ihre Gläubigen an der kurzen Leine. Sie drohen mit Satan und der bevorstehenden Endzeit, fordern von den Gläubigen Keuschheit vor der Ehe und zehn Prozent des Einkommens. Die Hare Krishnas haben ein autoritäres Regime, verlangen ein asketisches Leben und die Unterwerfung unter die Lehre ihres Gründers. Das alles ist Zwang zum vermeintlichen Glück und zur versprochenen Erlösung.

Aber auch eine Grossinstitution wie die katholische Kirche tut sich schwer, die Gläubigen als mündige Wesen zu akzeptieren. Sie verehrt zwar Jesus als Sohn Gottes, doch sie ignoriert teilweise seinen Geist. So hat Jesus – wenn er denn so gelebt und gewirkt hat, wie er in den Evangelien dargestellt wird – dem Individuum Würde gegeben und die gesellschaftliche Anerkennung der Frau gefördert. Er hat sich mit den Pharisäern angelegt und sich auf die Seite der Prostituierten geschlagen, also Konventionen über den Haufen geworfen. Das war zu seiner Zeit revolutionär.

Von diesem Geist ist in der katholischen Kirche wenig zu spüren. Ja, sie entmündigt Gläubige in manchen Belangen. Frauen werden auf die dienende Rolle reduziert, Wiederverheiratete und Homosexuelle von der Kommunion ausgeschlossen, die Art der Empfängnisverhütung vorgeschrieben. Und Sündern droht die ewige Verdammnis in der Hölle. Dies ist kaum im Sinn und Geist von Jesus.

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301 Kommentare zu “Entmündigung der Gläubigen”

  1. olive sagt:

    @b

    das ist das Interessante , alle Esel riechen so aus den Nasenlöchern, auch wenn sie nordische Flechten fressen.
    Pitou habe allerdings noch gar nicht “geschnüffelt”, aber die mittleren und kleinen Sizilianer, einfach wundervoll.