Die First Ladies der USA: Von unsichtbar bis unverzichtbar

Eingefrorenes Dauerlächeln: Nancy und Ronald Reagan, 1984 im Weissen Haus: Foto: PhotoQuest/Getty Images

Von Pat Nixon ist das Zitat überliefert, sie habe «den härtesten unbezahlten Job der Welt». Die Rede ist von Flotus, der First Lady of the United States. Tatsächlich ist ihr «Amt» nirgends erwähnt, jede First Lady muss ihre Rolle selber definieren – und dies vor den Augen einer unerbittlich kritischen Öffentlichkeit. Nicht anders als ihren 46 Vorgängerinnen ergeht es Melania Trump. Zuerst macht sie sich nach einer Operation 25 Tage rar und wird mit Hohn und Spott überzogen. Dann trägt sie bei ihrem Besuch von Flüchtlingskindern eine Jacke mit der Aufschrift «I really don’t care. Do u?».

Über den Anlass redet seither niemand mehr, dafür umso mehr über die Botschaft. Wir wissen nicht, was Melania Trump uns damit sagen will. Eines ist es sicher nicht: «Nur eine Jacke», wie ihre Sprecherin sagte. Denn die Kleidung der First Lady ist stets von Bedeutung. Spätestens seit sie bei ihrer Abreise in ein Katastrophengebiet High Heels trug, weiss dies auch Melania Trump.

Eine First Lady kann ziemlich viel falsch machen: Melania Trump vor der Air Force One. Foto: Carolyn Kaster (Keystone)

Dass die Auftritte der First Lady auf Schritt und Tritt verfolgt werden, ist nicht neu. Früher ging es darum, ob die Dame gläubig genug ist. Ob sie die Kleider trägt, die sich für eine «gute Mutter» ziemen. Ob sie brav den Mund hält, wenn der Mann redet. Eine First Lady kann also ziemlich viel falsch machen. Mal wird zu viel politisches Engagement misstrauisch beäugt, mal der Rückzug ins Private als Schritt zurück in eine überholte Frauenrolle kritisiert. Die First Ladies repräsentierten stets auch aktuelle Gesellschaftswerte. Über alle Jahrhunderte hinweg gab es sowohl politisch denkende und in die Öffentlichkeit drängende Frauen als auch zurückhaltende, das Publikum scheuende Frauen.

«Er regiert, ich wende die Koteletts»

Die erste First Lady, Martha Washington, gab von 1789 bis 1797 zwar gerne Dinner-Partys, nahm aber nicht am politischen Leben teil und sah sich als «Staatsgefangene». Eliza Johnson (1865–69) soll das Weisse Haus in vier Jahren nur zweimal verlassen haben, für einen Empfang und für ein Kinderfest. Frances Cleveland (1886–89) hütete ihre Privatsphäre dermassen streng, dass die Journalisten ihr vier behinderte Kinder andichteten.

Als «Lady No Comment» bezeichneten die Medien Bess Truman (1945–53), die das Repräsentieren hasste und sagte: «In der Öffentlichkeit sollte eine Frau schweigend neben ihrem Mann stehen und zusehen, dass ihr Hut gerade sitzt.» Auch Mary «Mamie» Eisenhower (1953–61) entsprach dem typischen Frauenbild der Nachkriegszeit. Ihr Zitat «Ike regiert das Land, ich wende die Koteletts» steht sinnbildlich dafür.

«Lady No Comment»: Bess Truman (1945–53). Foto: Keystone

Selbst Jackie Kennedy sah ihre Rolle darin, sich um ihre Bilderbuchfamilie zu kümmern. In einem Film führt sie mit mädchenhafter Stimme durch das von ihr restaurierte Weisse Haus. Ihre Weltgewandtheit zeigte die gebildete Journalistin und Lektorin, als sie beim Staatsbesuch mit Charles de Gaulle locker französisch parlierte, worauf John F. Kennedy die Welt wissen liess, er sei der Mann, der Jackie nach Paris begleiten durfte. Ihr Glamour machte sie zur Trendsetterin schlechthin.

Als «Lady Presidentress» die erste Stilikone war die lebenslustige und Tabak schnupfende Dolley Madison (1809–17). Ihre Turban-ähnliche Kopfbedeckung wurde zum «must have» der feinen Damen. Nachfolgerin Elizabeth Monroe dagegen galt als frivol, weil sie sich schminkte. Ganz Paris schwärmte von «la belle Américaine», während die Washingtoner Gesellschaft über ihr Auftreten die Nase rümpfte. Süchtig nach Aufmerksamkeit war Mary Lincoln (1861–65). Über ihre offenherzige Kleidung hiess es, «sie legt ihren Milchapparat dem öffentlichen Gaffen offen».

Nancys Dauerlächeln

Betty Ford brach Mitte der 1970er-Jahre gleich mehrere Tabus: Sie sprach über ihre Alkohol- und Tablettensucht und sagte, Sex vor der Ehe sei nicht schlimm und Frauen sollten abtreiben dürfen. Die Amerikaner fragten sich, «wie Jerry Ford das Land regieren können soll, wenn er nicht einmal seine Frau kontrollieren kann». Hillary Clinton feilte der Karriere Bills zuliebe an ihrem Image. Sie zog sich schicker an, schminkte sich und ersetzte ihre Brille durch Kontaktlinsen. Ein «animal politique» blieb sie dennoch und versteckte dies auch nicht. Nancy Reagan dagegen zeigte in der Öffentlichkeit ein eingefrorenes Dauerlächeln, während sie im Weissen Haus die wichtigste Ratgeberin ihres Mannes war.

Als erste First Lady mit Einfluss auf den Präsidenten gilt Sarah Polk (1845–49), die ihrem Mann James beim Redenschreiben half und ihn bei der Wahl seiner Mitarbeiter beriet. Edith Roosevelt stellte als erste First Lady 1901 eine Mitarbeiterin ein und bremste mit ihrer Sachlichkeit regelmässig den aktionistischen Gatten Teddy.

Das Volk verehrte Eleanor Roosevelt (l.), hier mit der Schauspielerin Jean Harlow 1937. Foto: Keystone

Mit Eleanor Roosevelt zog 1933 eine der einflussreichsten Frauen der US-Politik des 20. Jahrhunderts für 12 Jahre ins Weisse Haus. Die Frau von Franklin D. Roosevelt hatte eine eigene Radiosendung, schrieb die tägliche Zeitungskolumne «My day», gab Medienkonferenzen ausschliesslich für Frauen und setzte sich für Menschenrechte und Gleichberechtigung ein. Sie reiste für ihren an den Rollstuhl gefesselten Mann durch die Welt und an Kriegsschauplätze. Das Volk verehrte Eleanor Roosevelt – wie es auch anderen First Ladies mehr Zuneigung entgegenbrachte als den Präsidenten. Das ist auch 2018 nicht anders.

2 Kommentare zu «Die First Ladies der USA: Von unsichtbar bis unverzichtbar»

  • Jürg Brechbühl sagt:

    Es mag trivial sein: Das Stimmvolk der Vereinigten Staaten von Amerika hat einen Präsidenten gewählt und nicht dessen Familie. Alles andere ist wurscht.

  • Denise Moore sagt:

    Wie kann man über Präsidentengattinnen schreiben, ohne Michelle Obama zu erwähnen? Ich glaube auch nicht, dass Melania Trump beliebt ist. Man hat eher Mitleid mit ihr. Interessant ist die Rolle und Persönlichkeit von Eleanor Roosevelt. Ein maker and mover. Von denen braucht es mehr.

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