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  • Blumen und Schmetterlinge: Der Rosengarten.

  • Kirche und Kaffe: Die Münsterplattform.

  • Wiesen und Beton: Die Grosse Schanze.

  • Linden und Schatten: Die Schütte.

  • Nischen und Winkel: Die Kleine Schanze.

Ein Platz an der Sonne

Bern hat unfassbar viele Parkanlagen: 132 laden gemäss städtischer Eigenwerbung zum «Spazieren und Verweilen» ein. Wie lange der Besuchende verweilen möchte, ist freilich von Park zu Park verschieden – ein Direktvergleich.

Nachdem der Name «Elfenau» von der Gräfin Anna Feodorowna 1816 für das damalige Brunnaderngut gepachtet wurde, sind lyrische Parkbezeichnungen in Bern Mangelware. Unter den jüngeren Parks und Anlagen tragen deshalb manche so nüchterne Namen wie «Tscharnergut Spielplätze A-D» oder «N6 – Überdeckung Sonnenhof». Abgesehen davon ist die Parksituation in Bern aber eine sehr erfreuliche. 132 Parkanlagen existieren auf Stadtgebiet, dazu unglaubliche 640 «weitere Grünflächen», die, wie es die Stadt Bern auf ihrer Website formuliert, «zum Spazieren und Verweilen» einladen.

Doch welche Parks tun das wirklich? Hier die zentralsten Anlagen im Direktvergleich:

Schütte

  • Lage: Am Nordhang der Altstadt gelegen, erstreckt sich entlang des Aareufers zwischen Nydegg und Lorraine.
  • Image: Im Mittelalter wurde hier, auf der schlechten Seite der Stadt, der Abfall weggeschüttet. Daher auch der Name. Vor diesem Hintergrund muss man sagen: Die Schütte hat sich im Laufe der Zeit gemacht. Heute wird höchstens bei den Treppenstufen zur Altstadt hin noch dann und wann ein Drogenbesteck weggeworfen, ansonsten ist der Park recht ansehnlich. Aufgrund der schattigen Lage ist die Schütte dennoch nicht die erste Wahl, wenn es darum geht, ein nettes Plätzchen zum Verweilen zu suchen.
  • Sitzgelegenheiten: Vereinzelt. Besagte Treppenstufen und hier und da eine Bank.
  • Vegetation: Zwei uralte Linden sind bei Baumfreunden landauf, landab bekannt.
  • Klientel: Jogger, Hündeler, Drogensüchtige.
  • Kindertauglichkeit: Sehr gut – zumindest im Abschnitt des Längmuur-Spielplatzes, der mit einem grandiosen Kletterdrachen aufwartet.
  • Verpflegungssituation: Eher unbefriedigend. Nur schräg vis-à-vis im Restaurant Altenberg gibts Kebab und Getränke.
  • Wohlfühlfaktor: Gering. Es ist kaum Zufall, dass die meisten Besucherinnen und Besucher die Schütte lediglich durchjoggen.
  • Fazit: 2/5 Punkte: Ein historischer Park, der aber definitiv nicht zum Verweilen einlädt.

Kleine Schanze

  • Lage: Im Anschluss an die Bundesterrasse gelegen, profitiert die kleine Schanze vom Bundesstadtflair – was aber die Nähe zum Strassenstrich nicht ganz aufzuwiegen vermag.
  • Image: War schon mal schlechter, doch so richtig beliebt und belebt ist der Park auch seit seiner Aufwertung nicht geworden. Vermutlich liegt es an seiner Unübersichtlichkeit – Hecken, Winkel und Verzweigungen machen ihn zum idealen Umschlagplatz für allerlei zwielichtige Transaktionen.
  • Vegetation: Alles. Und in Sachen Fauna: Enten.
  • Sitzgelegenheiten: Bänke gibt es hier reichlich, ausserdem diese schön geschwungenen, hölzernen Holzliegestühle, die aber kaum je in Gebrauch sind.
  • Klientel: Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen Privatsphäre suchen. Polizisten auf Streife.
  • Kindertauglichkeit: Vorhanden – ein paar Spielgeräte stehen in Restaurantnähe – und, die Eltern danken – in Sichtweite der Erziehungsberechtigten.
  • Verpflegungssituation: Gut. Das Restaurant Kleine Schanze verkauft Kaffee auch über die Gasse.
  • Wohlfühlfaktor: Eingeschränkt. Tagsüber weist die kleine Schanze alle Vorzüge einer Lage am Sonnenhang auf. Gegen Abend, wenn die Polizeipatrouillen ihre Arbeit aufnehmen und Hektik verbreiten, wird es eher ungemütlich.
  • Fazit: 1/5 Punkte. Die kleine Schanze mag für vieles gut sein, aber kaum zum Verweilen.

Münsterplattform

  • Lage: Sakral. Am Fuss des Münsters gelegen, Bergstation des Matte-Lifts.
  • Image: Die früher als Kifferterrasse verschriene Plattform ist längst massentauglich geworden.
  • Vegetation: Kastanienbäume noch und noch.
  • Sitzgelegenheiten: Reichlich. Schöne grüne Retrobänke in Reih und Glied warten auf Ruhesuchende. Bloss die Brüstung bietet sich als Sitzplatz nicht an: Zwar weiss man seit Teobold Weinzäpflis Sturz in die Tiefe im Jahr 1654, dass man aus diesem Vorfall auch lebend hervorgehen kann, doch die Stabilität der Fangnetze sollte man dennoch nicht auf die Probe stellen.
  • Klientel: Touristen, Kiffer, Kinder.
  • Kindertauglichkeit: Ideal. Mit einem kleinen Spielplatz und einer Ludothek ist der Park bestens ausgestattet.
  • Verpflegungssituation: Recht gut, wenn auch ausbaufähig. Das Plattform-Café ist lediglich bei Schönwetter geöffnet und wartet angesichts seiner inspirierenden Lage mit einem eher uninspirierten Angebot auf.
  • Wohlfühlfaktor: Hoch. Wenn auch wegen der stier aufgestellten Bänke keine rechte Piazzastimmung aufkommen mag.
  • Fazit: 4/5 Punkte. Ein solider Park durch und durch.

Grosse Schanze

  • Lage: Auf dem Dach des Bahnhofs Bern, in unmittelbarer Uninähe.
  • Image: Die Grosse Schanze war früher vor allem nachts Sperrgebiet für einfache Erholungsuchende. Die Passantenunterführung durch den Bauch des Bahnhofs ist noch heute kein schöner Ort, doch insgesamt hat sich die Situation – zumindest tagsüber – doch merklich entspannt.
  • Vegetation: Wiese, Wiese und noch mal Wiese.
  • Sitzgelegenheiten: Steinquader und Liegen. Schwindelfreie sitzen auf die Steinmauer zum Kurzparking hin. Achtung: kein Sicherheitsnetz vorhanden.
  • Klientel: Studenten, Businessvolk in der Mittagspause, Länggassbewohner auf Durchreise.
  • Kindertauglichkeit: Kaum. Der riesige Spielplatz ist das sichtbarste Überbleibsel der Aufwertungskampagne, die die Schanze aufwerten sollte. Er ist – trotz stattlichem Klettergerüst – kaum je ausgelastet.
  • Verpflegungssituation: Feudal. Zum Restaurant auf der Schanze kommen die mannigfaltigen Grossverteiler im Bahnhof.
  • Wohlfühlfaktor: Mittel – eher praktisch als gemütlich, mit dem Charme eines begrünten Bahnhofdachs.
  • Fazit: 2/5 Punkte. Nur weil man hingehen kann, muss man es nicht unbedingt tun.

Rosengarten

  • Lage: An bester Lonely-Planet-Top-Tipp-Lage gelegen, über dem Aargauerstalden mit Blick über die Stadt.
  • Image: Formidabel. Warum sonst peilten all die prall gefüllten Reisecars zielstrebig den Rosengarten an?
  • Vegetation: Grosszügige Wiesenflächen, gute Rosenrabatten, nette Magerwiese am Hang, die auch für Schmetterlinge taugt.
  • Sitzgelegenheiten: Reichlichst. Auf der Wiese am Boden, am Kiesweg auf Bänken oder rittlings auf der Steinbrüstung – hier bleiben keine Wünsche offen.
  • Klientel: Touristen mit Fotoapparaten, Jugendliche mit verstärkter U-Musik, Studenten mit Seminar-Readern.
  • Kindertauglichkeit: Sehr hoch. Dank viel Umschwung und zwei angegliederten Spielplätzen. Obacht: Eltern beschweren sich über den Sandkasten, der aufgrund seines hohen Rands eine echte Krabblerfalle sein soll.
  • Verpflegungssituation: Sehr gut. Seit das Restaurant auf Ganzjahresbetrieb umgestellt hat, kann man nicht mehr nur im Sommer gespritzten Weissen und heisse Ovo bestellen.
  • Wohlfühlfaktor: Sehr hoch.
  • Fazit: 5/5 Punkte: Der Park der Parks in Bern – fragen Sie nur die Japaner.
Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 25. August 2014

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