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  • Volles Haus: Das Lorrainebad.

  • Noch mal Kind sein: Piratenschiff mit Ausguck.

  • Grosser Fisch. Verdammt Gross.

  • So friedlich sieht das Becken aus. Wenn man Fische und Pflanzen nicht sieht.

  • Die kleinen Freunde der Monsterfische.

  • Sonntagsidylle im Lorrainebad.

Lorrainebad: Monsterfische und kleine Kinder

Der Sommer ist da. Der «Hauptstädter» macht sich auf, Berns Badeanstalten zu erkunden. Diesmal: das Lorrainebad.

Die Vögel zwitschern, die Kinder kreischen, und hin und wieder erklingt die grimmige Stimme des Mannes vom Restaurant über Lautsprecher: «Nummer vierenünzg! Hamburger isch fertig, Nummer vierenünzg!» Es ist Sommer im Lorrainebad, zweifellos der beste Platz in Bern, um einen sonnigen Sonntagnachmittag zu verbringen.

Während das Wylerbad offenbar den Oberstufen gehört und das Marzili in eine ausgeklügelte soziale Ordnung eingeteilt ist, ist das Lorrainebad zumindest sonntags ganz klar in der Hand der kleinen Kinder. Genug Kinder für mehrere Kindergärten sogar, die fröhlich quer durchs Bad rennen. Seltsamerweise verschmähen sie den einem Piratenschiff nachgeahmten Kinderspielplatz allerdings, dabei hat das Ding sogar einen Ausguck – insgeheim ist man neidisch, zu alt für solche Vergnügungen zu sein.

Es ist ohnehin eine andere Vergnügung geplant, eine der zweifelhafteren Art. «Da rein willst du? In das Bad mit den ekligen Fischen?» werde ich gefragt. Genau: Ziel ist das Becken im Lorrainebad, die Badi soll schliesslich getestet werden. Auch wenn trotz regelmässigen Lorrainebad-Besuchen bisher nur sehr, sehr selten Menschen in dem Becken gesichtet wurden. Wieso auch, wenn die Aare gleich nebenan ist, und so langsam fliesst, dass man im Gegensatz zum Marzili eigentlich zurückschwimmen kann, wenn ein Ausstieg verpasst worden ist.

In geheimnisvollem Grün schimmert das Becken in der Sonne, und da sind sie ja auch schon, die «ekligen Fische». Sie sind gross, die Fische. Verdammt gross. Respektvoll suche ich mir einen Einstieg möglichst weit weg von den Monsterfischen, nur um zu erkennen, dass sie nicht alleine sind: Es wimmelt nur so von kleineren Exemplaren. Ein bisschen im Wasser planschen verjagt die kleinen Fischchen glücklicherweise in alle Richtungen. Unter den misstrauischen Blicken von mindestens einem Dutzend Enten und den Scrabble-spielenden alten Damen vom Restaurant drehe ich friedlich meine Runden.

Es riecht etwas seltsam, das Lorrainebecken, angeblich soll es Quell- und kein Aarewasser sein – wo auch immer die Quelle dieses Wassers entspringt. Zwar ganz ok, aber niemals so toll wie die Aare, denke ich mir, als plötzlich etwas meine Beine streift. Ein Monsterfisch, gekommen, um das Verjagen seiner Kleinen zu rächen? Nein, ein panischer Blick entlarvt eine Wasserpflanze als verantwortlich. Genug Nervenkitzel, Zeit, sich ins Trockene zu retten. Auch wenn der heisse Asphalt beim Heraufmarschieren oft die Füsse verbrennt: Die Aare ist tausendmal besser.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 7. Juli 2014