schliessen

Der Sicherheitsdirektor und die Musik-Junkies

Thun droht im Drogensumpf zu versinken. Die Lösung für das Problem ist relativ einfach.

Ein Vorplatz, der kaum zu kontrollieren ist und Drogen ohne Ende: Wer jetzt an die Reitschule denkt, sollte sich was schämen. Es ist natürlich vom Thuner N8Stern die Rede. Was klingt wie eine ÖV-Dienstleistung, die einem zu später Stunde noch nach Heiligenschwendi oder Seftigen bringt, ist in Wahrheit ein Nachtlokal, bei dem der Hang zum Hedonismus nicht an der Garderobe abgegeben wird. Oder um es mit den Worten der Kantonspolizei Bern auszudrücken: «Im Rahmen der koordinierten Grosskontrolle in einem Club an der Seestrasse in Thun vom vergangenen Wochenende stellte die Kantonspolizei Bern eine grössere Menge Betäubungsmittel sicher.»

Zur Erklärung: Die Polizei machte letztes Wochenende einen auf Partycrasher und unterzog die Crowd einer gründlichen Kontrolle, die ergab, dass sich über die Hälfte der Nachschwärmer an Drogen berauschte. Dazu beschlagnahmte die Polizei einiges an Rauschgift. Darunter auch «Crystal Meth» (Reinheitsgrad leider nicht angegeben) und «LSD-Trips» (an dieser Stelle heissen wir die Kantonspolizei Bern herzlich willkommen in der hippen Welt des Drogenslangs). Als das Regierungsstatthalteramt der Stadt Thun dann davon Wind bekam, zog das die Leute dort ziemlich runter. Die waren dann so gefrustet, dass sie den N8Stern kurzerhand dicht gemacht haben.

So weit, so gut. Aber der wirklich relevante Punkt in dieser Geschichte lieferte Thuns Sicherheitsdirektor Peter Siegenthaler. Er glaubt daran, Drogenexzesse mit Musik bekämpfen zu können. Denn im N8Stern läuft unter anderem Goa. Und Goa zieht, laut Siegenthaler, Menschen an, die dem Drogenrausch nicht abgeneigt sind. Ob er damit recht hat? Natürlich. Aber das spielt keine Rolle. Denn Siegenthaler glaubt, dass durch eine musikalische Umorientierung des Clubs die Drogenorgien verschwinden werden.

Ein äusserst interessanter Plan, dessen Umsetzung aber schwierig ist. Denn welche Musik ruft nicht in irgendeiner Weise zum Drogenkonsum auf? Christliche Gitarren-Tunes? Vielleicht. Aber was würden Sie wählen, wenn Sie zwischen Christenrock und Crack entscheiden könnten? Eben. Selbst wenn die N8Stern-DJs künftig mit kultivierten Klassik-Sets auffahren würden, wäre der Erfolg nicht sicher. Schauen wir uns kurz ein paar Komponisten an. Beethoven: Säufer. Mozart: Schluckspecht. Tschaikowsky: Schnapsdrossel. Wie sollte also verhindert werden, dass bei solch rauschfördernden Hit-Tunes wie «An die Freude» oder «Abendlied unterm gestirnten Himmel» die Dinge aus dem Ruder laufen?

Siegenthalers Theorie geht also nicht auf. Das Problem ist nicht die Richtung, sondern die Musik an sich. Clubs, die wirklich ein Zeichen gegen Drogen setzen wollen, sollten schon mal ihre Boxen schrotten.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 15. November 2013