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  • Sauber: Selbst die Gewerbepolizei konnte keine Verstösse feststellen.

  • Ein Gewerbe wie jedes andere: Pressekonferenz der Veranstalter 2006, flankiert von Darstellern.

  • Auch die Erotikmesse Amor musste Bern verlassen. Trotz bekannter Leumunde wie J.P. Love.

  • Kiffen in Messehallen ist in Bern Geschichte.

  • Dealen mit Hanfsamen: Den «Eltern gegen Drogen» gefiel das nicht.

  • Warmes Licht, heisse Debatten: Bis 2010 fand noch die Cannatrade in Bern statt.

  • ... oder gefällige wie die Suisse Caravan konzentriert.

  • Heute hat man sich auf gefreute Messen wie die Suisse Toy...

  • Das Bernexpo-Gelände: Früher ein Quell heftiger Diskussionen und Debatten.

Die wilden Jahre sind vorbei

«Die BEA Bern Expo geht Schmuddelwege»: Solche Schlagzeilen sind nicht mehr denkbar, seit der Berner Messeplatz mit züchtigen Veranstaltungen wie der Weinmesse vorlieb nimmt. Ein Rückblick auf Berns wilde Messe-Vergangenheit.

Die Weinmesse findet auf dem Bernexpo-Areal statt. Roter Teppich, adrett gestutzte Buchsbäumchen, Probiererlis aus der Showküche, eine blasierte Geschichte. Mit Neid schielen wir da nach Zürich, wo unerschrockene Redaktoren texthalber die Sexmesse besuchen dürfen. Jedem Saft seine Messe; hier: Saurer Walliser und Spucknapf; dort: Unterwäsche! Penisartisten! Do-it-yourself-Massagen!

Selbstverständlich entpuppt sich dann auch eine Erotikmesse als letztlich biedere Veranstaltung, als Arbeitsort für Aussteller aus dem süddeutschen Raum vornehmlich, und auch das aphrosidierende Parfum ist keine Entdeckung («Es riecht wie Ein-Euro-Deo»). Aber immerhin.

Dabei war Bern mal auf bestem Weg. Vor nicht allzulanger Zeit war die Stadt ein höchst kontroverser Messeplatz, ein Quell von Schlagzeilen und spannenden Debatten. Bern war quasi der Steinbrück unter den Schweizer Messestandorten, der Balotelli im Umzug, der Prinz Harry am Kostümball.

Wir erinnern uns: 2005 stand die Berner Evangelikale Gemeinde Kopf, als bekannt wurde, dass die Erotikmesse Amor in Bern stattfinden würde. «Die BEA Bern Expo geht Schmuddelwege», schrieb die EDU in ihrer Medienmitteilung. Schlimmer noch: Die Messe sollte zeitgleich mit der Hochzeitsmesse MariNatal über die Bühne gehen. Letzteres entpuppte sich als Planungsfehler und ist so dann nie geschehen, doch der Samen der Zwietracht war bereits gesät.

Nach zwei Auflagen verbannte die Leitung der BEA Expo Amor wegen eines «drohenden Imageschadens für den Messeplatz Bern». Und das, obwohl selbst die umstrittenen Live-Sex-Shows hochoffiziell bewilligt und gewerbepolizeilich abgesegnet worden waren. Zumindest konnten die Beamten, die vor Ort stichprobenhaft ihres Amtes walteten, keine Verstösse feststellen.

Seither war für die Amor-Veranstalter der Wurm drin. Langenthal verbot Amor in seinen Gestaden, weil es Imageschäden befürchtete. Das hatte dann bekannterweise zur Folge, dass die Langenthaler heute allgemein als sehr wehrhaftes Volk wahrgenommen werden, also gegen Minarette und gegen Sex.

Und dann natürlich, auch Skandal, die Kiffermesse Cannatrade. Die Vereinigung «Eltern gegen Drogen», präsidiert von Sabina Geissbühler (SVP) liess sich 2007 zu einem Protest auf dem Messegelände hinreissen, und zwar nicht wie vereinbart an der Papiermühlestrasse, sondern direkt vor dem Eingang. Die Messeveranstalter sahen nur knapp von einer Klage ab. 2010 kam es dann zur Terminkollision am Guisanplatz: Die Eishockey-WM verdrängte die Cannatrade aus Bern, seither tingelt sie zwischen Basel und Zürich.

Und Bern? Bern hat sich für die sichere Seite entschieden und konzentriert sich jetzt auf den züchtigen Teil der Messewirtschaft: etwa die Wohnwagenmesse Swiss Caravan (24.10. bis 28.10.), die Nutzfahrzeugmesse Transport.ch (7.11. bis 10.11.) oder die Berner Mineralien- und Fossilienbörse (30.11 – 01.12.). Nehmen sie uns noch die Schweinerennen an der BEA und die Bligg-Konzerte, muss der Messeplatz Bern bald ganz ohne Ferkeleien auskommen.

Die einzige Hoffnung auf eine kleine Kontroverse lässt mindestens bis Februar auf sich warten. Dann findet nämlich die Messe Fischen Jagen Schiessen (13.2. bis 16.2.2014)  statt. Gastkanton: Ferien- und Wolfregion Wallis. Berner Tierschutz, übernehmen Sie!

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 14. Oktober 2013