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  • Iphone-Parade: Wurde es nicht gefilmt, ist es nicht passiert.

  • Ein Anzeichen für sehr viel fun: Feuer.

  • Die «Fun & Action Stuntshow» bietet beides: Fun und action!

  • Ein sehr schlechtes Bild. Viel zu wenig action.

  • Balsam für die Seele: Benzin.

  • Symbol für gute Zeiten: Kaputtes Auto.

  • Will Blechschaden sehen: Publikum.

  • Nur eine Abrissbirne ist lustiger: Monstertruck.

Ein Fest der Zerstörung

Zwei Monstertrucks haben in Bern ihr Unwesen getrieben. Wir haben ihnen dabei zugesehen.

Es gibt zwei Arten von Menschen. Die einen können bei aufheulenden Motoren den Drang zu johlen nicht unterdrücken. Die anderen fühlen sich über das Verhalten der einen leicht irritiert. Erstere versammelten sich am Samstag zur «Fun & Action Stuntshow» auf dem Parkplatz des Bernexpo-Geländes gegenüber dem Stade de Suisse. Ich ging trotzdem hin. Für 30 Franken (Stehplatz) wurde einem 90 Minuten «Fun & Action» versprochen. Leere Worte, die Show ging um einige Minuten länger.

Solch eine Stuntshow ist ein wenig wie Zirkus. Aber anstatt in einem Zelt, befindet man sich in einem durch Sichtschutz geformten Rechteck. Die Manege besteht aus nichts als dunklem Asphalt und anstatt Pferde gibt es nur deren Stärke. So etwas wie ein Zirkusdirektor führt durch die Show. Mit den Wörtern «fun» und «action» geht er dabei relativ inflationär um und seiner Redegewandtheit nach dürfte ihm das Expogelände bereits von seinem Nebenerwerb als Tupperware-Verkäufer an der Bea bekannt sein.

Will man das Geschehen auf dem Asphalt in einen kulturellen Kontext setzen, dann könnte man es als eine Art brachiales Ballett für Motorfahrzeugfreunde beschreiben. Autos schleudern über den Asphalt bis Reifen platzen, Motorräder springen über Rampen und durchs Feuer. Irgendwie weiss man nicht so recht, ob man seine Hände dazu benutzen soll, die Ohren vom Lärm, die Augen vom Qualm oder die Nase vom Geruch von verbranntem Gummi zu schützen. Die meisten Zuschauer gebrauchen sie einfach zum Applaudieren. Es ist schrecklich irritierend.

Die Showeinlagen der Motorräder und PKWs sind nur Vorgeplänkel. Denn den meisten «fun» und die meiste «action» wird bis zum Schluss aufgespart. Dann kommt er zum Zug: Der T-Rex unter den Fahrzeugen, der zornige Zerstörer, das Wunschauto des White Trash – der Monster Truck. Ihm werden drei Autos zum Opfer dargelegt, die er danach plätten darf.

Aus lauter Dankbarkeit für die bevorstehende Demolierungsorgie ist das Publikum kaum noch zu halten. Das wiederum gibt dem Speaker solchen Aufwind, dass er von «fun und action» zu «zermalmen, zerquetschen, zerstören» wechselt. Der neue Slogan wird mantramässig wiederholt. Die beiden Monstertrucks rollen also über die wehrlosen Autos. Blech biegt sich, Glas zersplittert. Alle freuen sich, alles ist sehr irritierend.

Nach einer Zugabe – die Trucks rollten nochmals über die schrottreifen Karren – ist Schluss. Die Zelebration der Zerstörung ist vorbei, das Publikum hat sich amüsiert. Was bleibt sind schwarze Reifenspuren, zerbrochenes Glas und das beschämende Bedürfnis, etwas kaputt zu machen. Es ist sehr irritierend.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 23. September 2013

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