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  • Wird bald von Exodus-Strom überschritten: Kirchenfeldbrücke.

  • Godfather of Exodus: Moses.

  • Ermittelt wichtige Zahlen: Statistiker bei der Arbeit.

  • Gibt es in Bern zu wenig: Neugeborene.

  • Künftige Geisterstadt: Stöckacker Süd.

Alles geht zurück

Bern verliert an Einwohnern. Was sind die Gründe dafür und wann haben Sie eigentlich das letzte Mal ein Baby gesehen?

Vor einer Woche fragten wir uns an dieser Stelle, wo denn bloss alle sind. Wir hielten es für plausibel, der Hitze die Schuld an Berns leergefegten Strassen in die Schuhe zu schieben. Vielleicht machten wir es uns zu einfach. Denn nach neusten Erkenntnissen beschleicht uns ein grauenhafter Verdacht: Bern wandert sich aus. Die Statistikdienste vermeldeten vergangene Woche einen leichten Rückgang der Bevölkerung. Bern schrumpft. Zwar konnte die Stadt in diesem Jahr 5548 neue Einwohner begrüssen, doch 5682 Personen haben sich bereits dem schleichenden Exodus angeschlossen.

Unter dem Strich leben nun also 134 Menschen weniger in Bern. Die Zahl scheint zwar harmlos. Selbst der Zuschauerschnitt der Heimspiele des FC Breitenrains überbietet diese Zahl um beinahe das dreifache. Dennoch: Das Herz der Stadt Bern muss schmerzen. 5682 Mal verlassen für eine andere. Wer ist sie bloss und was hat sie, was Bern nicht hat? Das sind gefährliche Fragen. Nicht nur für das städtische Seelenwohl, sondern auch für Berns Rolle als Wirtschaftsstandort. Stehengelassen zu werden, sendet auch in der Geschäftswelt keine attraktiven Signale aus. Verkommt Bern etwa zur schweizerischen Antwort auf das geisterstädtische Detroit?

Und denken wir doch einmal an die städtebaulichen Konsequenzen eines anhaltenden Einwohnerschwunds. Die geplanten Wohnbauten im Stöckacker Süd, Viererfeld oder Schönberg Ost würden die Stadt umrunden wie ein Gürtel einen Besenstiel. Wer soll denn in den ganzen Wohnungen leben? Tendenziell zieht man in Bern eher aus als ein. Apropos Leben: Bern hat einen Sterbeüberschuss. Auch das haben Statistiker herausgefunden. In Bern sind in diesem Jahr mehr Menschen gestorben, als geboren wurden. In der Nachwuchsförderung hapert es also, was sich wiederum in der Abnahme an geschlossenen Ehen widerspiegelt.

Sind es also die Aussichten auf den wirtschaftlichen Niedergang, der ständige Hauch des Todes im Nacken oder die schwindende Bereitschaft zur Liebe, welche die Menschen aus Bern treibt? Darüber kann man bloss werweissen. Doch eines wissen die Kollegen von den Statistikdiensten auf sicher: Wenn man Bern den Rücken kehrt, stehen die Chancen gut, dass man den Deutschen Pass hat. Rund ein drittel der Wegzüger sind Deutsche. Über ihre Motive lassen uns die Statistiker leider im Dunkeln tappen. Wurden sie etwa in der Marktgasse an einem Taschenkauf gehindert? Oder gar aus dem Marzili oder dem Lorrainebad weggewiesen?

Die langsame Leere macht auch vor der Tierwelt nicht halt. Zum Beispiel hat sich die Berner Bärenpopulation 2009 zwar verdoppelt, in diesem Jahr ging sie aber schlagartig um ganze 25 Prozent zurück. Wie sich die Situation für Mensch und Tier entwickeln wird, wird sich zeigen. Trotz einiger Abgängee lässt es sich in Bern anscheinend doch ganz passabel leben. 137’597 Menschen werden sich kaum irren.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 12. August 2013

3 Kommentare

  1. Philipp Rittermann says:

    ach herr erdemann. das problemchen wird zeitnah wieder kompensiert werden; spästestens dann, wenn in bern ein vom bund angeordnetes grosses und luxuriöses asyl-zentrum eingerichtet wird…

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  1. Philipp Rittermann says:

    ach herr erdemann. das problemchen wird zeitnah wieder kompensiert werden; spästestens dann, wenn in bern ein vom bund angeordnetes grosses und luxuriöses asyl-zentrum eingerichtet wird…

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