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  • (Bild: Martin Erdmann)

  • Im Casino herrscht ewige Düsternis. (Bild: Martin Erdmann)

  • Die Maschinen locken...(Bild: Martin Erdmann)

  • ...doch man geht weiter ins Herz des Casinos: Dem Spieltisch. (Bild: Adrian Moser)

  • Doch das Glück ist dem Spieler nicht hold: Die Bar würde locken...(Bild: Martin Erdmann)

  • ...doch mit dem Gewinnschein lässt sich nicht viel erkaufen. (Bild: Martin Erdmann)

Kurzaufenthalt im Kursaal

Von aussen hat das Kursaal-Gebäude den Charme eines Altersheims. Schwer zu glauben, dass sich im Innern die schillernde Welt eines Casinos verbirgt. Gemeinsamkeiten gibt es jedoch: An beiden Orten kann man ordentlich Geld liegen lassen. Im Casino geht das sogar richtig schnell.

Diese Gänge und Säle kennen weder Tag noch Nacht. Hier herrscht ewige Düsternis, gepaart mit mattem Neonlicht in schrillen Farben. Um das Reich des renovierten Grandcasinos Bern betreten zu dürfen, muss man am Check-In seine ID zur Kontrolle abgeben und zehn Franken bezahlen. Dafür gibt es einen Getränkegutschein – Spirituosen exklusive.

Dicker Teppich schluckt sämtliche Schritte. An den Wänden stehen die ersten Automaten. Auf ihren Oberflächen spiegeln sich die Gesichter der nachmittäglichen Spieler, deren Mimik vermutet lässt, dass Glück durch höchste Konzentration herbeigerufen werden kann. Der Gang biegt nach links ab, führt an der grossen Bar vorbei mitten in das Herz des Casinos.

Hier stehen die Spieltische. Wer hier dabei sein will, sollte entweder gut verdienen oder seiner Sache verdammt sicher sein. Mit 100 Franken geht es an den Roulettetisch. Mindesteinsatz 25 Franken, diesen gleich auf Rot gesetzt. Die Kugel rollt und kommt auf Rot zum Stillstand. Natürlich darf diese aufkeimende Gewinnsträhne keinesfalls stoppen. Also der gleiche Zug nochmals. Die Kugel bleibt auf Schwarz liegen.

Die Chips schwinden. Die vermeintliche Gewinnserie verwandelt sich in eine Pechsträhne. Wenigstens gibt es dann doch noch einen Hauch Glamour zu vermelden. Ein YB-Spieler taucht am Tisch auf. Der Fussballer tauscht gleich einmal fünf Hunderternoten gegen Chips. Nach zwei Runden hat er den Grossteil davon bereits verloren. Er setzt ein drittes Mal und verlässt den Raum ohne den Ausgang der Runde abzuwarten. YB scheint ein grosszügiger Arbeitgeber zu sein.

Von den 100 Franken ist nichts mehr übrig. Doch jetzt aufzugeben wäre zu erniedrigend. Also wird der Standort gewechselt. Roulette lässt sich auch per Automat spielen. Ein riesiges Rouletterad wird von Maschinen umrundet, auf denen die Einsätze abgegeben werden können. Die Blicke der Teilnehmenden sind starr zur Mitte gerichtet. Die Szene erinnert ein wenig an einen Stripclub, einfach für Freunde des Glückspiels.

Hier beträgt der Mindesteinsatz vier Franken. Deshalb sollten zehn Franken reichen, um auf die Siegesstrasse zurückzukehren. Nach zwei Runden blieben nur noch zwei Franken übrig. Höchste Zeit, um wieder ans Tageslicht zu kommen – nach gerademal zwanzig Minuten im Casino.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 21. September 2012

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