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Die Thomas-Fuchs-Skala

Kurz vor Ostern wurde Bern von einer Welle von unzähligen sehr wichtigen Neuigkeiten überschwemmt. Wurde Ihre geistige Kapazität dadurch völlig überfordert? Macht nichts: Thomas Fuchs, Argumentationskönig, hilft bei der Aufarbeitung.

Kein anderes Thema dürfte vergangene Woche für mehr Aufregung gesorgt haben. Sie wissen natürlich, was gemeint ist: Piero Esteriore eröffnet in Bern einen Coiffeur-Salon. Wie muss man sich das vorstellen? Ist es eine Drive-In-Filiale? Und was, wenn der ehemalige ESC-Teilnehmer und passionierte Autofahrer, der gerne mal den Vorwärts- mit dem Rückwärtsgang vertauscht, plötzlich Haar mit Halsschlagader verwechselt?

Beurteilen wir die Situation mit der Thomas-Fuchs-Skala. Dieses Instrument, dessen Wirkung vom SVP-Mann und ausgewiesenen Steuerexperten höchstpersönlich geprüft wurde, ist äusserst nützlich, um etwas aus der Luft gegriffene Behauptungen zu untermauern. Das Brillante an dieser Methode: Wenn der Schwindel doch irgendwie auffliegen sollte, braucht man sich dafür nicht einmal zu entschuldigen. Wieso? Das müssen Sie Fuchs schon persönlich fragen. Die Wertung im Fall Esteriore: Erwartungen null, Haargelreserven null.

Aber war Esteriore wirklich das Top-Thema vergangener Woche? Sie werden bestimmt die Stirn gerunzelt haben. Da war doch noch was, etwas viel Schlimmeres sogar. Richtig: Jon Bon Jovi hat Berner Wurzeln! Wie konnte das nur an die Öffentlichkeit gelangen? Gibt es bei Bern Tourismus denn keine Stelle, die solche Meldungen abfängt und unter Verschluss hält? Wird das Leben in Bern jemals wieder dasselbe sein? Und gewährt Esteriore nun Rabatt auf den Bon Jovi-Look? Analysieren wir die Situation mit der Skala von Thomas Fuchs, Sie wissen schon, dem freundlichen Fachmann für Integrationsfragen. Fall Bon Jovi: Stolz null, Interesse, mehr über den eigenen Familienstammbaum zu erfahren, null.

Kennen Sie dieses bedrängende Gefühl, etwas wichtiges vergessen zu haben? Spüren Sie es jetzt gerade? Wenn ja, zu Recht. Denn die wahren Breaking News wurde bisher unterschlagen. Denn erst am Osterwochenende geschahen die Dinge von wahrer Bedeutung. Wohl kaum eine andere Nachricht hat die Nation so tief gespalten wie diese: Im Mattenhofquartier sass eine Ente in einem Kamin gefangen. Sie werden die Spekulationen über die Hintergründe dieses merkwürdigen Vorfalls bestimmt schon gehört haben. Wie gelangte die Ente in diese missliche Lage? Wollte sie sich vor Esteriores Schere verstecken? Oder vor der Tatsache, dass Jon Bon Jovi Berner Wurzeln hat? Und war die Rettung überhaupt gerechtfertig, da die Ente wahrscheinlich ein steuerfreies Leben führt? Wie würde Thomas Fuchs reagieren? Bedienen wir uns seiner Skala: Budgetorientiertes Handeln null, Lust auf chinesisches Essen null.

Nun, da wir Klarheit über die essentiellen Dinge des Lebens geschaffen haben, noch ein kurzer Blick auf die Nebenschauplätze: Bern kriegt eine neue Eventhalle. Wird bei dieser derselbe Fehler gemacht wie beim AKW und die Betriebsbewilligung wird nicht im Vornherein abgemacht? Wird die Eventhalle in der Tradition des Ewigi-Liebi-Theaters dasselbe produzieren wie das AKW Mühleberg – unbekömmlicher Müll? Werfen wir einen letzten Blick auf die Thomas-Fuchs-Skala: Ausstrahlung null, Hoffnung null.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 5. April 2013

1 Kommentar

  1. Philipp Rittermann says:

    der erinnert mich stark an “jabba-the-hut…”. und der soll sympathisch sein?

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  1. Philipp Rittermann says:

    der erinnert mich stark an “jabba-the-hut…”. und der soll sympathisch sein?

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