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Kei Problem mit dere Crem

«Der Teig geht sehr rasch und luftig auf» – oder auch nicht. Doch woran liegt das? An der Klimaerwärmung? Am Elektrosmog? Sind Computerspiele schuld?

Ich habe mir lange überlegt, ob ich dieses Grossmutter-Küchenexperiment tatsächlich bloggen soll, habe mich aber dann dafür entschieden in der Hoffnung, dass mir vielleicht jemand helfen kann damit. Es ist zwar nicht direkt gescheitert, aber irgendwie (wahrscheinlich) doch nicht so herausgekommen, wie es sollte.

Die Schlüsselstelle des Rezeptes, nämlich «der Teig geht sehr rasch und luftig auf», ist zugleich das, was mir Lust auf «Gebrühte Kugeln» machte, wie auch das, was überhaupt nicht eingetreten ist.

Ich stellte mir aufgrund diese Satzes so etwas wie Choux oder Windbeutel vor, schliesslich klang auch die Zutatenliste danach: «1 Glas Milch, 2 Stück Würfelzucker, 70 g Butter, 1 Prise Salz, 130 g Mehl, 3 Eier, Butter zum Backen». Das alles wird zu Brandteig verarbeitet: Milch, Butter, Salz und Zucker werden also aufgekocht, das Mehl «im Wurf» dazugeschüttet. Das wird dann (auf dem Herd) gerührt, bis ein Kloss entsteht. Die Pfanne wird vom Feuer genommen und die Eier werden dazu gemixt. So weit so gut. Doch dann werden die Kugeln nicht im Backofen, sondern in einer Pfanne mit Butter gebraten. Und da lief dann eben etwas schief: Die Klösschen gingen kein bisschen auf! Nein, sie hockten ziemlich plump im Fett und wurden zu etwas, das als kompliziert hergestellter Kaiserschmarrn berühmt werden könnte.

Was lief falsch? Wogegen lehnten sich die gebrühten Kugeln auf? Woran liegt es, dass diese heute nicht mehr gelingen? An der Klimaerwärmung? Am Elektrosmog? Sind Computerspiele schuld?

Im Rezept wird zu dieser Enttäuschung Vanillecreme serviert, doch ich wich aus auf eine «Crema al limone», die ebenfalls im Notizheft meines Grossmamis zu finden ist. In typischer Weise wurde das Rezept wahrscheinlich von meinem Grossvater auf der Hermes Baby getippt. Die Quelle war offensichtlich italienisch, Ergänzungen machte er auf Französisch: «Aggiungere le uova ben battute (jaune et blanc ensemble)».

Diese Creme machte das Dessert schwer wieder wett, oder wie Manuel Stahlberger singen würde: «Kei Problem mit dere Crem.» Man mischt dazu in einer Pfanne den Saft von 2 Zitronen sowie die Schale von einer davon mit einem halben Glas Wasser, einem halben Kaffeelöffel Nescafé-Pulver, 200 g Zucker und 4 geschlagenen Eiern. Das bringt man zum Kochen, bis die Creme dick wird. Sehr frisch und fein! Aber mit luftigen Kugeln wär’s noch viel leckerer gewesen.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 6. März 2013