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Rückzug in die stille Stube

Bern lebte am Wochenende – dank einem Clash der Kulturen, der seinesgleichen sucht. Und unser Hauptstädter wünschte sich für einmal ein wenig mehr Ruhe.

Es war ein lautes Wochenende in der Stadt – und zugleich eines, das die verwirrendste Ansammlung an Subkulturen in meinem bisherigen Berner Dasein mit sich brachte: Versprengte Fasnächtler, marschierende Linksautonome, Polizisten, SCB-Fans, allesamt in Vollmontur, trafen da am Samstagabend bei der Heiliggeistkirche und am Bahnhof aufeinander. Und ja, man kann das schon als Beweis dafür nehmen, dass Bern lebt – und für fast alle Platz hat.

Für unsereinen blieb in dieser Parade der Uniformen allerdings nur die schöne und unvermeidliche Position des Beobachters. So man hat gesehen, dass nicht nur Trickblut geflossen ist, man hat gehört, dass die Guggen die Lautstärkevorschriften, die Clubs zum Schliessen bringen, während den Gassentagen nicht einhalten, und man hat bemerkt, dass auch tagsüber der Restalkohol- und Testosteronpegel konstant hoch geblieben ist. Man wollte auch ein Lied auf die heldenhafte und bewundernswerte Bern-Mobil-Pilotenschaft anstimmen, doch das wäre dann des Lärms zuviel gewesen.

So zog ich mich dann doch mal zurück in die stillen Stuben und wusste eigentlich gleich viel wie vor diesem Wochenende: Zuweilen gilt es die Innenstadt schlicht zu meiden, vor allem an Samstagnachmittagen und Grossanlässen, an denen ich nicht viel verloren habe. Man könnte auch sagen: Der jammernde Kleinstädter in mir, auch der lebt.

Benedikt Sartorius

Benedikt Sartorius lebt seit dem Transfer aus dem Oberland in Bern und hat seit einiger Zeit Frieden mit der Stadt geschlossen. Eine gewisse Neigung zum Sandstein- und Laubenallergiker ist aber immer noch spürbar.


Publiziert am 18. Februar 2013

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1 Kommentar

  1. Philipp Rittermann says:

    das ist ganz normal herr sartorius. je älter man wird, desto mehr geht man dem rummel aus dem weg. ich lebe auf dem land und auch das ist mir phasenweise noch zu hektisch.

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  1. Philipp Rittermann says:

    das ist ganz normal herr sartorius. je älter man wird, desto mehr geht man dem rummel aus dem weg. ich lebe auf dem land und auch das ist mir phasenweise noch zu hektisch.

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