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  • Der Starter-Teller.

  • Fischstäbli.

  • Tiramisu zum Schluss.

Die 80er auf dem Teller

Wonach schmeckten die 80er? Unsere Herd-Kolumnistin Nicolette Kretz bereitet ein Nostalgie-Menü zu – mitsamt Toast Hawaii.

Wie die meisten stand auch ich an Sylvester unter dem Einfluss einer bewusstseinsverändernden Substanz, sehr wahrscheinlich Alkohol. Als ich ein paar Tage später eine Nachricht mit einem Link zu 80er-Jahren-Rezepten und den Worten «Igitt, das war eine schlechte Idee» kriegte, realisierte ich erst das Ausmass der Konsequenzen. Stück für Stück rekonstruierte ich, dass ein Freund und ich auf die hirnverbrannte Idee gekommen waren, ein 80er-Jahre-Znacht zu kochen. Wieso? Das wissen die Götter!

Ein wildes Brainstormen begann also im Freundeskreis: wonach schmeckten die 80er? Büchsenravioli oder Riz Casimir? Beides war früher. Quick Lunch und Stalden Creme? Zu einfach. Mah Mee oder Nasi Goreng? Mit den Essgewohnheiten der Eingeladenen nicht vereinbar. Tatarenhut oder Tischgrill? Geräte nicht vorhanden. Ich konsultierte die Notizhefte meiner Grossmutter, welche nicht gerade Massen von Rezepten aus dieser Dekade aufweisen. Doch immerhin,der 80er-Dessertklassiker schlechthin war drin: Tiramisù! Für die übrigen Gänge mussten also etwas Kreativität her.

Vorab servierte ich schliesslich ein kleines Vorspeisen-Medley aus der Zeit: Kleine Toast Hawaii, die allerdings auch mit frischer Ananas anstelle vom Büchsenprodukt nicht aufgewertet werden konnten – ist und bleibt eklig. Dazu Oliventapenade auf Blätterteigrondellen, welche 1985 zum ersten Mal in einer Betty Bossi erwähnt wurden. Dort wurde die Paste als Spezialität aus Südfrankreich gefeiert, doch einige lernten sie damals in den Toskana-Ferien auf Crostini kennen. Den Teller garnierte ich mit Rucola-Salat mit Aceto-Balsamico, die ebenfalls beide in den 80ern von Italien in die Schweiz überschwappten.

Für den Hauptgang orientiere ich mich an drei persönlichen Erinnerungen an die Zeit. 1) Eine meiner Leibspeisen als Kind waren Fischstäbchen. 2) An Samstagen gingen wir oft nach Grosshöchstetten auf den Markt, wo wir am Schluss als grosse Attraktion vom Stand der Vietnamesinnen eine Frühlingsrolle kriegten. 3) Für mich sind die 80er Jahre mit Grossbritannien verbunden, da wir einige Jahre davon dort lebten. Wie fusioniert man all das zu einem zeitgenössischen und schmackhaften Hauptgang?

Erinnerung 1 und 2 werden zur Neuinterpretation des Fischstäbchens verbunden, die man «Lachsstäbchen im Sesam-Knuspermantel» nennen könnte. Dazu schneidet man Lachsfilets in ca. 2 cm breite Streifen und mariniert sie ein paar Stunden in Sojasosse und etwas geriebenem Ingwer. Dann zerbröselt man Reisblätter (die man sonst zum Umwickeln von Frühlingsrollen verwendet) und vermischt sie mit etwas schwarzem Sesam. Die Lachsstreifen zieht man erst durch ein geschlagenes Ei, dann durch die Brösel und bratet sie analog dem gemeinen Fischstäbchen. Dazu etwas süss-saure Sosse und Wasabi-Mayo servieren. Erinnerung 3 kam in Form von Erbsenmus mit Minzen, genannt Mushy Peas, auf den Teller.

Das Tiramisù auf dem Schnipsel in Grossmutters Heft scheint eine Leserzuschrift von einer Frau M. Bachmann aus Worb gewesen sein und ist wieder sehr viel weniger experimentell als der Hauptgang. Ich bereitete diesen Standard-Nachtisch allerdings zum allerersten Mal vor, da ich eigentlich kein grosser Fan davon bin, möglicherweise weil ich mir als Kind im Tessin damit mal Salmonellen eingefangen hatte – auch so ein 80er-Thema. Aber wenn mans selber macht, sitzt es ja nicht lange in der Kühlvitrine. 2 Eigelbe werden mit 50 g Zucker verrührt. 200 g Mascarpone werden beigefügt, bei dem im eingeklebten Zeitungsausschnitt als Erklärung «Käse» steht. Man fragt sich, wie viele süsse Gruyère-Eierspeisen damals mangels des Originals die Küche verliessen. Weiter werden die Schalen von einer halben Zitrone und einer halben Orange und 2 steifgeschlagene Eiweisse daruntergehoben. Mit Löffelbiskuits legt man den Boden einer ca. 12 x 24 cm grossen Gratinform aus und beträufelt sie mit starkem Kaffee und einem Schnaps nach Wahl (geeignet sind Liköre, Cognac, Rum…). Darauf wird die Hälfte der Mascarpone-Masse verteilt, dann nochmals Löffelbiskuits, nochmals beträufeln, nochmals Masse. Zum Schluss mit Kakaopulver bestreuen und mindestens eine Stunde kühlstellen.

Dazu wurden Capri-Sonne und Passaia serviert (Gluglu war partout nicht mehr aufzutreiben) und so wurde daraus doch ein ganz leckeres Dinner fern vom prophezeiten «Igitt» – vom Toast Hawaii einmal abgesehen.

Nicolette Kretz

Nicolette Kretz ist in Bern geboren, kehrte nach einigen Abstechern immer wieder hierhin zurück, arbeitet als Festivalleiterin und Autorin und kocht für den «Hauptstädter» Rezepte aus den Notizheften ihrer Grossmutter nach.


Publiziert am 9. Januar 2013

21 Kommentare

  1. Philipp Ritternostalgiemann says:

    danke frau kretz. ich trauere den 80ern generell heute noch nach – DAS war die leichtigkeit des seins in reinkultur. nie kohle im sack aber immer was im glas. philosophische gespräche in der cintra-bar, sex mit schrägen damen im splendid nach der schlägerei in der piano-bar, ein letztes bier im “loch” und danach züri-gschnätzletzs mit röschti im 4eri morgens um 6 und danach ein billard im kaffee schlauch. dazu die unvergessliche geniale musik-periode. man lasse mich nochmals jung sein…..! 8)
    ps: der pepito im zh-niderdorf ist bis heute legendär…

    • Thilo says:

      Da muss ich aber danke Herr Ritternostalgiemann sagen. Höre gerade Antonello Venditti (live San Siro 1992) und denke an die alten Zeiten. Da kommt mir ihr Antwort ziemlich wehmütig rein. Der Pepito war der Knaller.

  2. Hanspi says:

    Im Vergleich zu den heutigen Pangasius-Knusperli vom Discounter, versprechen die Lachsstreifen in Sesampanade höchsten Sternegenuss

    • Nicolette Kretz says:

      Ich kann das Nachkochen tatsächlich sehr empfehlen! Beim Panieren unbedingt mit immer nur wenig Reisblatt-Sesam-Mischung arbeiten, da man sonst eine arge Pampe im Teller kriegt.

  3. Francesca Mettier says:

    Guten Tag Frau Kertz. Sie sollten sich nicht so geringschätzig über das Kochen in den Achtigerjahren äussern, sondern eher den Blick danach richten, was heutzutage in dieser Hinsicht so abgeht. Ich würde gerne wissen, ob Sie ohne die Rezepte Ihrer Grossmutter überhaupt etwas zustande gebracht hätten. Vermutlich nicht. So wie ich nämlich die Schweizer Frauen der jüngeren Jahrgänge kenne , wollen und haben die zwar grossartige Küchen mit Kochinseln und allem Brimborium um ja feste angeben zu können, aber kochen können sie schlichtweg und definitiv n i c h t! Und wenn es Ausnahmen gibt, so sind die so rar wie das Wasser in der Wüste.

    • Nicolette Kretz says:

      Ich kenne relativ viele Leute unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Nationalität, die sehr gut kochen. Einige von ihnen wohnen in Altbauwohnungen mit Altbauküchen. Andere haben tolle neue Kochherde, die manche Kochtechniken vereinfachen. Ich kenne auch Leute, die nicht so toll kochen. Sie wohnen zum Teil auch in Altbauwohnungen.

  4. B. Hauser says:

    Toast Hawaii ist doch nicht “igitt”! War für mich als Kind immer ein Fest, wenn es das gab. Gabs auch noch als Variante mit Pfirsichhälfte statt Ananas, natürlich alles aus der Büchse, nur dann ists “echt”! Hatte mit Hawaii nichts gemein ausser der Ananas, aber das reichte bereits. Was ich auch mit den 80ern kulinarisch verbinde, ist das Aufkommen von Halbfabrikaten (Teige, Würzmischungen, Backofen Pommes Frites) und Fertigmenüs (Quick Lunch, Saucen im Glas) und allgemein die noch kleinere Nahrungsmittelauswahl als heute. Man war im Alltag sehr pragmatisch und rechnete Zeit zunehmend in Geld um. Es kam nicht jeden Tag ein Stück Fleisch auf den Teller und wenn, dann gabs auch mal “minderwertige” Innereien wie Leber, Kutteln, Nierli, was man heute kaum noch isst. Kaufte man beim Metzger ein Huhn, hatte dies auch noch Innereien drin. Man ging noch selbst zu Fuss oder mit dem Velo in die Schule. Kinder mit dem Auto in die Schule zu fahren war verpönt – heute ist es in gewissen Quartieren der Normalfall. Es gab Ziegelsteinkuchen mit Löffelbiskuits. Meringues und Pastetli wurden fixfertig gekauft (auch die Pastetlifüllung) statt selbst hergestellt.
    Hummer war wirklich noch eine Exklusivität, die es nur in den Sommerferien am Meer ausnahmsweise gab oder nach der man sogar die Ferien richtete. Man entschied sich für Ferien in Portugal statt Zypern, weil es in Portugal noch frischen Hummer aus dem Atlantik gab, während in der Mittelmeerregion damals bereits viele Meeresfrüchte importiert werden mussten. Tartar war selten auf dem Teller, Fondue Chinoise nur an Weihnachten oder Silvester, Rehrücken einmal im Jahr im Herbst. Hat man heute mal Lust nach etwas Speziellem, dann findet man das Meiste dazu bereits bei Migros oder Coop, der Rest beim Thai, Türken, Tamilen. “Saison” wird in den Läden heute künstlich gemacht, aber eigentlich sind alle Produkte rund ums Jahr erhältlich. Wenn man Erdbeeren will, bekommt man sie heute auch im Winter. Wer Lust hat, kann Wild auch im Frühling statt Herbst essen, es kommt sowieso immer aus der gleichen Farm in Neuseeland oder Ungarn. (früher hatte Wild übrigens ab und zu noch Kugelsplitter drin, weil es geschossen werden musste, also wirklich wild war!). Dinge aus fremdländischen Küchen sind hier in Läden genau so normal wie Lokales. Das “Spezielle” ging verloren, fast alle können sich fast alles leisten. Es gab noch Dinge, welche früher ausserhalb ferngereister Kreise gar nicht erst bekannt waren und somit nicht konsumiert wurden. Heute wärmt sich der Bünzli ein Tikka Masala Fertigmenu aus der Migros, obwohl er noch nie in Indien war. In der Kantine gibts freitags Sushi.

    • Nicolette Kretz says:

      Meine Aversion gegenüber Toast Hawaii liegt vermutlich an einer grundsätzlichen Aversion gegenüber Ananas in salzigen Speisen. Diese wiederum stammt von einem Erlebnis in den 80er Jahren: meinem ersten indischen Essen in einem Restaurant in England – bzw. der darauffolgenden Nacht.
      Ich kann’s ja mal mit Birne versuchen. Das wär dann glaub das Toast Zwahlen.

  5. Thomas G. says:

    ein seltsamer, schwacher Beitrag…

    – die Stalden-Crème ist absolut nicht typisch für die 80er, die wurde nämlich 1901 von der Berneralpen-Milchgesellschaft, die später von Nestlé gekauft wurde, erfunden und erlebte sicher nicht während den 80ern ihre grosse Blüte..
    – die Fischsstäbchen wurden 1959 in England erfunden, sie starteten also Ihren Siegeszug zwei Jahrzente vor den 80ern.
    – Riz Casimir gibt es ebenfalls seit dieser Zeit und ist noch heute ein vielgesehenes Menü in jeder Grossküche und im Militär
    – Mah Mee, Nasi Goreng und Frühlingsrollen gibts wohl heute mehr als den 80er zu essen, man denke nur an die Dorf- und Stadtfeste, Chilbi’s etc. sowie an die o.e. Grossküchen.

    Also: weil wahrscheinlich es Teil der Kindheitserinnerungen von Frau Kretz war, heisst das nicht, dass das typisch für die 80er war. Und den Toast Hawaii als eklig oder “igitt” zu bezeichnen, ist aus verschiedenen Gründen (wir reden hier schlussendlich von Nahrungsmitteln!) total daneben. Die Welt besteht nicht nur aus zweitklassigen Szene-Restaurants und Sushi-Bars! Zeit, die (Haupt-) Stadt zu verlassen?

    • Nicolette Kretz says:

      Zur Repetition “Für den Hauptgang orientiere ich mich an drei persönlichen Erinnerungen an die Zeit.” Mein Ziel war ein feines Nachtessen für ein paar Freunde, kein wissenschaftlich korrektes Museum.

      Und den Beitrag als seltsam oder schwach zu bezeichnen, ist aus verschiedenen Gründen (wir reden hier schlussendlich über schriftliche fixierte Gedanken) total daneben.

  6. Thomas G. says:

    …und mit Birne anstatt mit Ananas heisst der Toast Hawaii selbstverständlich Toast Helene (Toast Zwahlen?). Sollte man eigentlich wissen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt…

  7. A. A. Baumann says:

    Genau, Herr G., und da die ersten programmierbaren Computer in den 40er-Jahren gebaut wurden, ist 1940-1950 das Computerzeitalter.

  8. Stephan Baumann says:

    Herrlich, ich hatte meine Kindheit auch in den 80er, für mich ist auch alles, was ich doof finde, 80er retro, Fernseher, Captain Iglu, Taubstummenhosen, hohe Turnschuhe in weiss mit pink. Danke, ich habe mich amüsiert über die Eriinnerung, als an die Leute noch am Lieblingsdessert nach Stadt oder Land zuordnen konnte, Schwarzwälder gegen Tiramisu, als in der Kindersendung auf DRS1 alle Kinder Roxette hören wollten.

  9. Rrr says:

    Weltklasse, Frau Kretz!

    Der Mozzarella trat den Siegeszug in der Schweiz glaubs ebenfalls in den 1980er-Jahren an. Jedenfalls lernte ich ihn da abseits der Pizza kennen.

  10. Adriano Granello says:

    Interessanter als die 80er waren auf jeden Fall die 70er-Jahre, als Frau und Herr Schweizer zum ersten Mal realisierten, dass es ausser Gschwellte, Rösti, Braten, Gchälzletem, Hörnli mit Ghacketem, Kopfsalat, Wähen, Omeletten und Büchsenravioli auch noch andere Speisen auf dieser Welt gab. Zum Beispiel das von der Schweizerischen Käseunion in dieser Zeit bekannt gemachte Raclette (ja, dazu gehört auch der Toast Hawai!) und Picata Milanese mit Tomatenreis…

  11. Johanna Lutz says:

    Guten Tag Frau Kretz,

    das ist interessant, dass Sie Toast Hawaii eklig finden. Mir geht es ähnlich, wenn ich so einen Toast im Restaurant bestelle. Aufgeweichtes, matschiges Brot unter nichtssagendem Käse. Und der Schinken ist meist auch nicht taufrisch. Wirklich eklig!
    Aber wenn ich das Gericht zu Hause mal mache, scheckt es wunderbar. Bei mir wird das Toastbrot vor dem Belegen kurz getoastet, dann dünn mit Butter bestrichen. Darauf kommt frischer Schinken, eine Ananasscheibe (aus der Dose einer besseren Marke), zum Schluss wirklich guter Emmentaler in nicht zu dünnen Scheiben. Und die Kirsche darf natürlich nicht vergessen werden. Dann ab in den Backofen zum Grillen! Dabei wird das Brot nicht aufgeweicht und so schmeckt der Toast Hawaii einfach gut.

    Viele Grüsse
    Johanna Lutz

  12. margrit klaus says:

    Die 80er….hab ich als Kind mit- und überlebt. Passaia finde ich heute noch gut (wenn ich das denn irgendwo noch finden würde), Gluglu kenn ich nicht (mehr). Meine persönlichen (!!!) kulinarischen Grauserinnerungen an damals, waren vor allem die Dosenravioli (frei nach: “Roco Ravioli, da hesch dini Rueh!”) Die krieg ich nie mehr runter, es sei denn es herrsche Hungersnot….
    Quick Lunch (Härdöpfelstock mit Brätchügeli) hingegen find ich heute noch geniaaaaal….Was Toast Hawaii angeht, geh ich einig mit Frau Kretz: Ananas und salzig passt einfach nicht, Ende.

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  1. Philipp Ritternostalgiemann says:

    danke frau kretz. ich trauere den 80ern generell heute noch nach – DAS war die leichtigkeit des seins in reinkultur. nie kohle im sack aber immer was im glas. philosophische gespräche in der cintra-bar, sex mit schrägen damen im splendid nach der schlägerei in der piano-bar, ein letztes bier im “loch” und danach züri-gschnätzletzs mit röschti im 4eri morgens um 6 und danach ein billard im kaffee schlauch. dazu die unvergessliche geniale musik-periode. man lasse mich nochmals jung sein…..! 8)
    ps: der pepito im zh-niderdorf ist bis heute legendär…

    • Thilo says:

      Da muss ich aber danke Herr Ritternostalgiemann sagen. Höre gerade Antonello Venditti (live San Siro 1992) und denke an die alten Zeiten. Da kommt mir ihr Antwort ziemlich wehmütig rein. Der Pepito war der Knaller.

  2. Hanspi says:

    Im Vergleich zu den heutigen Pangasius-Knusperli vom Discounter, versprechen die Lachsstreifen in Sesampanade höchsten Sternegenuss

    • Nicolette Kretz says:

      Ich kann das Nachkochen tatsächlich sehr empfehlen! Beim Panieren unbedingt mit immer nur wenig Reisblatt-Sesam-Mischung arbeiten, da man sonst eine arge Pampe im Teller kriegt.

  3. Francesca Mettier says:

    Guten Tag Frau Kertz. Sie sollten sich nicht so geringschätzig über das Kochen in den Achtigerjahren äussern, sondern eher den Blick danach richten, was heutzutage in dieser Hinsicht so abgeht. Ich würde gerne wissen, ob Sie ohne die Rezepte Ihrer Grossmutter überhaupt etwas zustande gebracht hätten. Vermutlich nicht. So wie ich nämlich die Schweizer Frauen der jüngeren Jahrgänge kenne , wollen und haben die zwar grossartige Küchen mit Kochinseln und allem Brimborium um ja feste angeben zu können, aber kochen können sie schlichtweg und definitiv n i c h t! Und wenn es Ausnahmen gibt, so sind die so rar wie das Wasser in der Wüste.

    • Nicolette Kretz says:

      Ich kenne relativ viele Leute unterschiedlichen Geschlechts, Alters und Nationalität, die sehr gut kochen. Einige von ihnen wohnen in Altbauwohnungen mit Altbauküchen. Andere haben tolle neue Kochherde, die manche Kochtechniken vereinfachen. Ich kenne auch Leute, die nicht so toll kochen. Sie wohnen zum Teil auch in Altbauwohnungen.

  4. B. Hauser says:

    Toast Hawaii ist doch nicht “igitt”! War für mich als Kind immer ein Fest, wenn es das gab. Gabs auch noch als Variante mit Pfirsichhälfte statt Ananas, natürlich alles aus der Büchse, nur dann ists “echt”! Hatte mit Hawaii nichts gemein ausser der Ananas, aber das reichte bereits. Was ich auch mit den 80ern kulinarisch verbinde, ist das Aufkommen von Halbfabrikaten (Teige, Würzmischungen, Backofen Pommes Frites) und Fertigmenüs (Quick Lunch, Saucen im Glas) und allgemein die noch kleinere Nahrungsmittelauswahl als heute. Man war im Alltag sehr pragmatisch und rechnete Zeit zunehmend in Geld um. Es kam nicht jeden Tag ein Stück Fleisch auf den Teller und wenn, dann gabs auch mal “minderwertige” Innereien wie Leber, Kutteln, Nierli, was man heute kaum noch isst. Kaufte man beim Metzger ein Huhn, hatte dies auch noch Innereien drin. Man ging noch selbst zu Fuss oder mit dem Velo in die Schule. Kinder mit dem Auto in die Schule zu fahren war verpönt – heute ist es in gewissen Quartieren der Normalfall. Es gab Ziegelsteinkuchen mit Löffelbiskuits. Meringues und Pastetli wurden fixfertig gekauft (auch die Pastetlifüllung) statt selbst hergestellt.
    Hummer war wirklich noch eine Exklusivität, die es nur in den Sommerferien am Meer ausnahmsweise gab oder nach der man sogar die Ferien richtete. Man entschied sich für Ferien in Portugal statt Zypern, weil es in Portugal noch frischen Hummer aus dem Atlantik gab, während in der Mittelmeerregion damals bereits viele Meeresfrüchte importiert werden mussten. Tartar war selten auf dem Teller, Fondue Chinoise nur an Weihnachten oder Silvester, Rehrücken einmal im Jahr im Herbst. Hat man heute mal Lust nach etwas Speziellem, dann findet man das Meiste dazu bereits bei Migros oder Coop, der Rest beim Thai, Türken, Tamilen. “Saison” wird in den Läden heute künstlich gemacht, aber eigentlich sind alle Produkte rund ums Jahr erhältlich. Wenn man Erdbeeren will, bekommt man sie heute auch im Winter. Wer Lust hat, kann Wild auch im Frühling statt Herbst essen, es kommt sowieso immer aus der gleichen Farm in Neuseeland oder Ungarn. (früher hatte Wild übrigens ab und zu noch Kugelsplitter drin, weil es geschossen werden musste, also wirklich wild war!). Dinge aus fremdländischen Küchen sind hier in Läden genau so normal wie Lokales. Das “Spezielle” ging verloren, fast alle können sich fast alles leisten. Es gab noch Dinge, welche früher ausserhalb ferngereister Kreise gar nicht erst bekannt waren und somit nicht konsumiert wurden. Heute wärmt sich der Bünzli ein Tikka Masala Fertigmenu aus der Migros, obwohl er noch nie in Indien war. In der Kantine gibts freitags Sushi.

    • Nicolette Kretz says:

      Meine Aversion gegenüber Toast Hawaii liegt vermutlich an einer grundsätzlichen Aversion gegenüber Ananas in salzigen Speisen. Diese wiederum stammt von einem Erlebnis in den 80er Jahren: meinem ersten indischen Essen in einem Restaurant in England – bzw. der darauffolgenden Nacht.
      Ich kann’s ja mal mit Birne versuchen. Das wär dann glaub das Toast Zwahlen.

  5. Thomas G. says:

    ein seltsamer, schwacher Beitrag…

    – die Stalden-Crème ist absolut nicht typisch für die 80er, die wurde nämlich 1901 von der Berneralpen-Milchgesellschaft, die später von Nestlé gekauft wurde, erfunden und erlebte sicher nicht während den 80ern ihre grosse Blüte..
    – die Fischsstäbchen wurden 1959 in England erfunden, sie starteten also Ihren Siegeszug zwei Jahrzente vor den 80ern.
    – Riz Casimir gibt es ebenfalls seit dieser Zeit und ist noch heute ein vielgesehenes Menü in jeder Grossküche und im Militär
    – Mah Mee, Nasi Goreng und Frühlingsrollen gibts wohl heute mehr als den 80er zu essen, man denke nur an die Dorf- und Stadtfeste, Chilbi’s etc. sowie an die o.e. Grossküchen.

    Also: weil wahrscheinlich es Teil der Kindheitserinnerungen von Frau Kretz war, heisst das nicht, dass das typisch für die 80er war. Und den Toast Hawaii als eklig oder “igitt” zu bezeichnen, ist aus verschiedenen Gründen (wir reden hier schlussendlich von Nahrungsmitteln!) total daneben. Die Welt besteht nicht nur aus zweitklassigen Szene-Restaurants und Sushi-Bars! Zeit, die (Haupt-) Stadt zu verlassen?

    • Nicolette Kretz says:

      Zur Repetition “Für den Hauptgang orientiere ich mich an drei persönlichen Erinnerungen an die Zeit.” Mein Ziel war ein feines Nachtessen für ein paar Freunde, kein wissenschaftlich korrektes Museum.

      Und den Beitrag als seltsam oder schwach zu bezeichnen, ist aus verschiedenen Gründen (wir reden hier schlussendlich über schriftliche fixierte Gedanken) total daneben.

  6. Thomas G. says:

    …und mit Birne anstatt mit Ananas heisst der Toast Hawaii selbstverständlich Toast Helene (Toast Zwahlen?). Sollte man eigentlich wissen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigt…

  7. A. A. Baumann says:

    Genau, Herr G., und da die ersten programmierbaren Computer in den 40er-Jahren gebaut wurden, ist 1940-1950 das Computerzeitalter.

  8. Stephan Baumann says:

    Herrlich, ich hatte meine Kindheit auch in den 80er, für mich ist auch alles, was ich doof finde, 80er retro, Fernseher, Captain Iglu, Taubstummenhosen, hohe Turnschuhe in weiss mit pink. Danke, ich habe mich amüsiert über die Eriinnerung, als an die Leute noch am Lieblingsdessert nach Stadt oder Land zuordnen konnte, Schwarzwälder gegen Tiramisu, als in der Kindersendung auf DRS1 alle Kinder Roxette hören wollten.

  9. Rrr says:

    Weltklasse, Frau Kretz!

    Der Mozzarella trat den Siegeszug in der Schweiz glaubs ebenfalls in den 1980er-Jahren an. Jedenfalls lernte ich ihn da abseits der Pizza kennen.

  10. Adriano Granello says:

    Interessanter als die 80er waren auf jeden Fall die 70er-Jahre, als Frau und Herr Schweizer zum ersten Mal realisierten, dass es ausser Gschwellte, Rösti, Braten, Gchälzletem, Hörnli mit Ghacketem, Kopfsalat, Wähen, Omeletten und Büchsenravioli auch noch andere Speisen auf dieser Welt gab. Zum Beispiel das von der Schweizerischen Käseunion in dieser Zeit bekannt gemachte Raclette (ja, dazu gehört auch der Toast Hawai!) und Picata Milanese mit Tomatenreis…

  11. Johanna Lutz says:

    Guten Tag Frau Kretz,

    das ist interessant, dass Sie Toast Hawaii eklig finden. Mir geht es ähnlich, wenn ich so einen Toast im Restaurant bestelle. Aufgeweichtes, matschiges Brot unter nichtssagendem Käse. Und der Schinken ist meist auch nicht taufrisch. Wirklich eklig!
    Aber wenn ich das Gericht zu Hause mal mache, scheckt es wunderbar. Bei mir wird das Toastbrot vor dem Belegen kurz getoastet, dann dünn mit Butter bestrichen. Darauf kommt frischer Schinken, eine Ananasscheibe (aus der Dose einer besseren Marke), zum Schluss wirklich guter Emmentaler in nicht zu dünnen Scheiben. Und die Kirsche darf natürlich nicht vergessen werden. Dann ab in den Backofen zum Grillen! Dabei wird das Brot nicht aufgeweicht und so schmeckt der Toast Hawaii einfach gut.

    Viele Grüsse
    Johanna Lutz

  12. margrit klaus says:

    Die 80er….hab ich als Kind mit- und überlebt. Passaia finde ich heute noch gut (wenn ich das denn irgendwo noch finden würde), Gluglu kenn ich nicht (mehr). Meine persönlichen (!!!) kulinarischen Grauserinnerungen an damals, waren vor allem die Dosenravioli (frei nach: “Roco Ravioli, da hesch dini Rueh!”) Die krieg ich nie mehr runter, es sei denn es herrsche Hungersnot….
    Quick Lunch (Härdöpfelstock mit Brätchügeli) hingegen find ich heute noch geniaaaaal….Was Toast Hawaii angeht, geh ich einig mit Frau Kretz: Ananas und salzig passt einfach nicht, Ende.

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