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Leichter Sport

Die Feste sind vorüber, die Glieder sind träg und der Kopf ist mürb. Es ist an der Zeit, den Kreislauf wieder in Gang zu bringen – am besten mit diesen niederschwelligen Freizeitangeboten.

Wir fischten Fleischstückchen aus Bouillon und wendeten sie in Sauce, wir pulten Filet aus Teig und Geschenke aus Packpapier. Wir tranken gewürzten und erhitzten Wein und liessen harte Anischräbeli in der Serviette verschwinden. Wir gossen Blei, zündeten Tischbomben und Partytunes und tanzten in ehemaligen Fabrikhallen und zukünftigen Abrisshäusern dem Morgengrauen entgegen.

Und plötzlich stehen wir im neuen Jahr, der Taumel ist vorüber und wir fühlen uns seltsam verrenkt von den Festivitäten und ziemlich umnebelt. Zeit also, wieder fit zu werden. Mit leichtem Sport, denn wir wollen uns nicht gleich überfordern.

Das lohnt sich:

Billard: Fit durch Vorbeuge. Die bekömmliche Form des Kugelstossens. Wird zwar gerne in braungestrichenen Kellerräumen praktiziert, dafür tragen die Drinks lustige Namen wie «Billard Sunrise» (Campari Orange).

Schlittschuhlaufen: Besonders geeignet für den behutsamen Start ins Sportjahr 2013 ist die Kunsteisbahn vor dem Bundeshaus. Die Seitenlängen des Feldes sind überschaubar, und die zentral gelegene Eisfläche ist so gut besucht, dass nur gelindes Gleiten oder Pirouetten am Ort drinliegen. Übersetzen und sonstige Hardcore-Mätzchen spart man sich für die Bahnen in der PostFinance Arena, in der Ka-We-De und im Weyerli auf.

Gürbetaler Höhenweg o.ä: Frische Luft und Panoramablick. Ab Gurten oder Kehrsatz und dann immer der Nase nach, und beim Bauernhof ob Toffen gibts wunderbaren Apfelsaft.

Geocaching: Die weltumspannende Schnitzeljagd für den urbanen Pfadfinder. Sich mit den Spielregeln vertraut machen, dann per GPS-Koordinaten Versteck suchen. Sich dabei möglichst unverdächtig benehmen. Bern hat eine beträchtliche Anzahl von Posten zu bieten. Einer hat mit dem Baldachin zu tun.

Freiluftschach: «And one pill makes you small»: Alice-im-Wunderland-Erlebnis mit den öffentlichen Schachfeldern in Übergrösse. Wer über eine gewisse Expertise verfügt, darf die Cracks auf dem Bärenplatz herausfordern, wer lieber noch etwas trainiert, nimmt die weniger exponierten Felder, zum Beispiel im Lorrainepark oder an der Schwarztorstrasse, in Anspruch.

Das lohnt sich (noch) nicht:

Minigolf: Kopf- und Körperarbeit und Frustrationstraining in einem. Die beiden Minigolfanlagen in der Waldau und der Inneren Enge gehen aber leider erst Ende März bzw. Anfang April auf.

Air Hockey: Schnelle Scheiben auf rutschiger Unterlage in Hüfthöhe. Menschen mit gut trainierter Reaktion kommen nicht mehr auf ihre Kosten, seit die urigste Game Arcade Berns (damals über dem City Disc am untersten Ende der Marktgasse) vor Jahren zuging. Schande.

Klettern im Seilpark: Baumkronenbegehung für Schwindelfreie. Die Plattformen sind gut befestigt, bloss die juristische Grundlage ist wacklig. Bis zur regulären Saisoneröffnung ist der Besuch angemeldeten Gruppen vorbehalten.

Paint Ball: Dank der Expansion des Paintball-Multis PNB dürfen Bernerinnen und Berner bald ihren persönlichen Desert Storm (in den Ausgaben Medium 1 und 2) erleben. Ab 12. Januar sorgen «mehrere Rauchmaschinen und eine Musikanlage für das nötige Szenariofeeling» und ein Teppich-Sportboden «für ein sicheres Spielen und angenehmes Sliden!».

Das Problem ist hier weniger der pittoreske, aber doch recht abgelegene Standort (Mamishaus, zwischen Schwarzenburg und Rüeggisberg gelegen) oder der martialische Grundgedanke, sondern die insgesamt adrenalintreibenden Ausgangslage.

Das ist nichts für silvestergeschädigte Kreisläufe.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 1. Januar 2013

2 Kommentare

  1. Philipp Rittermann says:

    ich finde die auswahl nicht schlecht, (obwohl sie rein gar nix mit sport zu tun hat – fehlt nur noch dart-spielen….). mit geo-coaching bin ich aber nicht einverstanden; dies ist eine unsinnige beschäftigung für pädagogisch veranlagte familienväter um mami zu entfliehen ohne tacheles zu reden. ausserdem stört das die viecher im wald.

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  1. Philipp Rittermann says:

    ich finde die auswahl nicht schlecht, (obwohl sie rein gar nix mit sport zu tun hat – fehlt nur noch dart-spielen….). mit geo-coaching bin ich aber nicht einverstanden; dies ist eine unsinnige beschäftigung für pädagogisch veranlagte familienväter um mami zu entfliehen ohne tacheles zu reden. ausserdem stört das die viecher im wald.

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