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Verlorene Orte (IV): Der Stadtbach-Hügel

Der Hauptstädter ist auf der Suche nach versteckten Plätzen. Heute: im Herzen des Stadtbach-Hügels.

Es gibt Orte in dieser Stadt, die drängen sich nicht auf. Verborgen hinter Bäumen oder Mauern, versteckt in Winkeln, fristen sie ihr Dasein. Zugänglich die einen, abweisend die anderen – einen Besuch wert sind diese Orte aber sowieso. Wir haben uns auf die Socken gemacht.

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Wir verlassen das Bern der bekannten Orte nur wenige Meter vom Bahnhof und der Grossen Schanze. Gegenüber des Falkenpärkli steigt der Falkenhöhenweg leicht an. Am Ende liegt die Parkanlage des Restaurants Veranda. Hier ist die Aussicht überraschend und die Ruhe überwältigend. Ein verlorener Ort, im Herzen des unbekannten städtischen Bezirks Stadtbach.

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Der heutige Ort ist wohl auch ein verlorener, da sich nur die wenigsten Bernerinnen und Berner bewusst sind: Beim Stadtbach-Bezirk handelt es sich eigentlich um einen veritablen Hügel. Auf 570 Meter über Meer und damit 10 Meter höher als die Grosse Schanze befindet sich der höchste Punkt. Die reichen Bernerinnen und Berner der Jahrhundertwende waren sich der guten Lage jedoch durchaus bewusst. Zu Dutzenden bauten sie damals ihre Villen auf dieser Erhebung. So auch das Haus des Restaurants Veranda, das früher einem Seidenfabrikanten gehörte.

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Auch die Wege auf dem Stadtbach-Hügel sind verwirrend. Verschiedene Treppen und Kleinststrassen durchziehen das Gebiet. Schnell fühlt man sich im winzigen Bezirk Stadtbach verloren. Kein hilfloses Verlorensein jedoch, eher ein erfrischendes Gefühl, wieder einmal nicht genau zu wissen, wo man sich befindet. Auf einer solchen Treppe steigen wir einige Meter hinab. Auch hier lädt ein kleines Plätzchen mit 80er-Jahre-Charme zum Verweilen ein. Leider namenlos, ist es doch geradezu perfekt für einige Minuten Pause an einem sonnigen Dezembertag.

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Über den Wildhainweg gehts schliesslich hinab, zurück ins bekannte Bern. Nach wenigen Metern erblickt man die Welle. Der Bahnhof war nämlich gar nie weit. Nur 324 Meter Luftlinie liegen zwischen der belebten Welle und dem verlorenen, träumerischen Stadtbach-Hügel.

Simon Preisig

Nach einem Ausflug nach Quito, Chur, Kopenhagen und Zürich wohnt Simon Preisig endlich wieder in Bern. Hier vermisst er manchmal die Berge, manchmal die Urbanität und ist trotzdem zufrieden.


Publiziert am 14. Dezember 2015

1 Kommentar

  1. Reto Gasser says:

    Schad ist einfach dass der Bach eingedohlt ist. In Aarau hat man es geschafft den Bach offenzulegen. Aber heute ist die Gefahr wohl zu gross.

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  1. Reto Gasser says:

    Schad ist einfach dass der Bach eingedohlt ist. In Aarau hat man es geschafft den Bach offenzulegen. Aber heute ist die Gefahr wohl zu gross.

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