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Welcome to Miami II

Zustände wie in Miami: Bern lässt sich mit der Zählerei Zeit. Ihnen kommt das Ganze bekannt vor? Uns auch.

Vielleicht haben es sich manche Leserinnen und Leser schon gedacht: Manche Mitglieder der «Hauptstädter»-Redaktion schreiben in ihrer freien Zeit auch mal für den «Bund». Also eigentlich alle. So eigentlich immer. Und als solche hatten die Redaktionsmitglieder einen langen Sonntag, galt es doch am Wahlsonntag lange lange auf gewisse Resultate zu warten.

Bern der letzte Kanton, der endlich die Ergebnisse der Nationalratswahlen bekannt gibt? Falls Ihnen das bekannt vorkommt: Uns auch. Nicht zum ersten Mal gestaltete sich ein Wahltag in Bern als Däumchendrehen im Rathaus, bis die Staatskanzlei endlich mit ihren Zahlen herausrückte. Aus aktuellem Anlass und der redaktionellen Erschöpfung recyklieren wir darum hier einfach einen alten «Hauptstädter»-Beitrag aus den Anfangstagen unseres schönen Blogs. Hier der Text von unserem geschätzten ehemaligen Kollegen Benedikt Sartorius, datiert vom 26. November 2012.

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Die Hauptstadt steht wieder mal im Fokus des Spottes. Der Grund: Trotz geringer Wahlbeteiligung dauerte das Auszählen ewig wegen einer Fehlermeldung. Und so wähnt man sich für einmal in Miami. Schön.

Da werkelt man seit knapp zwei Monaten an einem Blog, der sich «Hauptstädter» nennt, und am Ende eines Tages, an dem die Stadt Bern wieder mal im Rampenlicht stand – dank Kaiser Tschäppät, dank den Nationalrats-Aushängeschildern Wyss und Teuscher und dank dem national bekannten «Duschen mit Doris»-Erfinder Reto Nause – ja, an einem solchen triumphalen Tag müssen wir zu Kreuze kriechen. Denn: Ja, wir Berner sind langsamer als der Rest der Schweiz.

«Bern zählt und zählt und zählt… Das nennt sich Hauptstadt?», war nur ein Tweet unter dem Hashtag #bern12, der sich über das bestätigte Klischee ausliess. Natürlich könnte man einwenden: Ja, die Hauptstadt, die ja hierzulande nur eine Bundesstadt ist, die darf das, weil sie etwas besonderes ist. Ja, Bern darf das, denn man wollte unbedingt den fliegenden Wechsel vom Rathaus Richtung Zibelemärit bewältigen. Ja, Bern darf das, damit mal wieder Schlagzeilen gemacht werden. Doch sieht so Standortmarketing aus? Nein, natürlich nicht.

Oder eben doch: Dank den Fehlern bei der Auszählung – auf stadbernisch «Fehlermeldung blockiert Abschluss der Stadtratswahl» – wähnt man sich in Bern im Süden, genauer in Florida, verfügt doch der US-Südstaat über berühmt berüchtigte Wahlmaschinen. Diese stehen zwar nicht in Bern, aber doch gilt es zu jubilieren: Endlich endlich werden solch hervorragende Perlen aus den Jukeboxes dieser Welt – namentlich «Welcome to Miami», natürlich Flo Ridas «Good Feeling» oder der Palace-Song «West Palm Beach» – auch der BernerIn ganz ganz Nahe an die Herzen gebracht. Und das ist doch allerhand für das Stadtberner Hauptstadtmarketing.

benedikt

Die Hauptstädter-Redaktion


Publiziert am 19. Oktober 2015

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