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Freiheit für die Eier

Hartgekochte Eier sind etwas für Wanderfreunde, auf dem Brunchtisch haben sie nichts verloren. Rechtzeitig zu Ostern: ein Plädoyer für pochierte Eier.

Wie für die meisten Dinge im Leben gibt es auch für hartgekochte Eier die richtige Zeit und den richtigen Ort. Als Begleiter des Specks zum Nüsslisalat, als Canapégarnitur oder als Wegzehrung für Wanderer ist das 9-Minuten-Ei eine gute Lösung. Jeder andere Aggregatszustand wäre an dieser Stelle falsch und gäbe eine schreckliche Sauerei. Doch zu Ostern sind die Eier ein Ärgernis. Ästheten können sich über die schön gefärbte Schale freuen und Sportsmenschen am Eiertütschen. Nostalgiker an der Tradition und Christen an der Symbolik. Hingegen sind kaum Menschen bekannt, die sich ein ganzes, hartgekochtes Ei aus purer Freude am Verzehr zuführen. Wenn sie es tun, dann nur mit Hilfsmitteln: Selbst Linienbewusste greifen hier gern zur Mayonnaise und Glutamatgegner zum Aromat.

Es geht ja, es lässt sich essen, werden die Konservativen jetzt einwenden. Doch das muss alles nicht sein. Befreit eure Eier aus der Schale! Geradezu herrlich sind nämlich pochierte Eier. Und zwar mit allem. Auf Toast, auf Gemüse, zu Schnittlauch, etwas Salz, einfach so. Es locken ein festes Eiweiss ohne Glibber und Hagelschnurrückstände sowie ein flüssiges Eigelb, das sich gemächlich, aber unbeirrbar über die Beilage verteilt.

Es geht ganz einfach: Eine weite Pfanne mit genügend Wasser zum Kochen bringen, Hitze reduzieren, bis das Wasser knapp köchelt. Eier in eine kleine Schale mit etwas Wasser-Essig-Mischung (1:1) schlagen. Darauf achten, dass die übrigen Zutaten so gut wie servierfertig sind bzw. das Brot im Toaster. Wasser im Topf mit dem Schneebesen zum Strudel rühren und die Eier vorsichtig hineingleiten lassen. Bei Wachteleiern etwa 30 Sekunden, bei Hühnereiern etwa 3 Minuten warten. Die Eier sind fertig, wenn sie aussen fest sind, das Eigelb beim Drucktest aber noch deutlich nachgibt. Im Eiswasser abschrecken und servieren.

Frohes Fest.

Hanna Jordi

Hanna Jordi lebt in Bern seit 1985. Etwas anderes hat sich bislang nicht aufgedrängt.


Publiziert am 3. April 2015