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  • Penne alla Palermitana: Ein Hauch zu sehr al dente.

  • Versetzen sogar den Anti-Gourmet in Wonne: Cappelletti Rossi.

  • Italianità à gogo: Take-Away «Tschingg» in der Länggasse.

Eine geballte Ladung Italianità

Ein neues Take-away für die Länggasse: Italienischer als beim Tschingg kann man sich kaum verpflegen.

Bei Studierenden und Länggass-Ansässigen ist der Supermarkt Unimarket bekannt dafür, zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten geöffnet zu haben. Seit kurzer Zeit hat die Betreiberfamilie Dimo nun expandiert – bis auf die andere Strassenseite. Im ehemaligen Kiosk an der Neufeldstrasse kocht Maria Dimo täglich italienische Spezialitäten.

Das Take-away trägt den gewagten Namen «Tschingg» – eine Neudeutung des alten Schimpfworts, das sich wohl nur italienische Betreiber erlauben können. Vorurteile hin oder her, es strotzt nur so von Italianità bei den Dimos: Als sich die hungrigen Hauptstädter dem Häuschen nähern, springt ein junger Mann auf und schreit lautstark «Mamma!» hinüber zum Unimarket. Als ob das der italienischen Klischees nicht genug wäre, steht auch noch ein Korb voller Parmaschinken in der Ecke.

Bald kommt die Köchin mit zwei Paketen Penne in der Hand angerannt. Für die Testesserin heisst das, die Kochzeit ihrer Penne alla palermitana – Teigwaren mit Aubergine und Tomatensauce – erst abzuwarten, aber wie die Frau Dimo richtig bemerkt: «Frischer geht es eigentlich nicht.» Da Fegato alla veneziana – Kalbsleber mit Zwiebeln – für ein schnelles Mittagessen doch etwas heftig scheint, entscheidet sich der Testesser für die Cappelletti Rossi – Teigwarentaschen an Butter und Salbei.

An den Penne ist nichts auszusetzen, obwohl eine klein wenig längere Wartezeit nicht geschadet hätte: Sie sind für den Geschmack der Testesserin einen Hauch zu sehr al dente. Der Testesser gehört nicht zu den Menschen, die ob kulinarischer Genüsse in Begeisterung geraten, und kommentiert nur lakonisch «ist o. k.». Als aber zwischen den Cappelletti immer mehr Salbei zum Vorschein kommt, zeigt sogar er Wonne: «Jetzt wird es so richtig, richtig gut.»

Die Dimos servieren nicht nur gekonnt italienisches Essen, sondern verströmen auch eine ganze Menge italienischer Gastfreundlichkeit. Für die Essenden wird extra ein Tischchen an der Sonne aufgestellt, und zum Dessert gibt es zwei Krapfen gratis dazu. Verwirrend wird es beim Espresso: Holen muss man ihn im Unimarket gegenüber, da man ja «nicht die eigene Familie konkurrenzieren» wolle. Bezahlt wird dann aber – klar – beim Italiener.

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 20. Februar 2015

1 Kommentar

  1. marie says:

    was hier als al dente gilt, ist in italien matsche – wer genuine küche einfordert und sie lobpreist, kommt nicht drumrum, dies zu akzeptieren. ich gehöre zur al dente-fraktion und bin jedes mal glücklich und froh, wenn ich keine matsche serviert kriege! …mittlerweile macht sich auch schon die matsche-fraktion in italien breit und überall immer diese sahne an der sauce.

    familie dimo werde ich mir merken – viva al dente! 🙂

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  1. marie says:

    was hier als al dente gilt, ist in italien matsche – wer genuine küche einfordert und sie lobpreist, kommt nicht drumrum, dies zu akzeptieren. ich gehöre zur al dente-fraktion und bin jedes mal glücklich und froh, wenn ich keine matsche serviert kriege! …mittlerweile macht sich auch schon die matsche-fraktion in italien breit und überall immer diese sahne an der sauce.

    familie dimo werde ich mir merken – viva al dente! 🙂

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