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Zeitfenster (2): Nur die Brunnen bleiben

Sie sind die Fixpunkte, während sich rundherum im Laufe der Zeit fast alles ändert: In der zweiten Folge der Serie «Zeitfenster» widmen wir uns den Berner Brunnen.

Fast alle Geschäfte haben gewechselt, Tramschienen führen über unvertraute Strecken, und die Autos hatten einfach mehr Stil: Betrachtet man Bilder von Bern von Anfang des 20. Jahrhunderts, sieht so ziemlich alles anders aus. Nur die Berner Brunnen, die sprudeln immer noch an denselben Ecken. Kein Wunder, stammen die meisten von ihnen doch aus dem 16. Jahrhundert. Ihnen ist die neue Folge unserer Serie «Zeitfenster» gewidmet.

Um zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her zu wechseln, klicken Sie auf den Schieber in der Mitte der Bilder.

Pfeiferbrunnen
Unsere Brunnentour beginnt in Bahnhofsnähe, in der Spitalgasse. Die war 1920 offensichtlich nicht für den Privatverkehr gesperrt – bei den samstäglichen Menschenmassen heutzutage fast unvorstellbar. Der arme Pfeifer fristet übrigens ein Schattendasein: Als die Figur 2008 zwecks Restauration zwischenzeitlich demontiert wurde, bemerkte das laut einer damaligen Umfrage kein Mensch.

Anna-Seiler-Brunnen
Nächste Station ist der Käfigturm, respektive der davor platzierte Anna-Seiler-Brunnen. 1955 sah die seilersche Ecke auf diesem Bildausschnitt überraschend ähnlich aus, nur die Feinbäckerei ist in den Tiefen der Geschichte verschwunden. Die Brunnenfigur wurde erst im Nachhinein mit Anna Seiler in Verbindung gebracht, eigentlich stellt sie angeblich die Kardinaltugend Mässigung dar.

Kindlifresserbrunnen

Das Gegenstück zur Mässigung steht auf dem Kornhausplatz. Mit grossem Appetit knabberte der Kindlifresser auch 1955 an seinem Häppchen, Kinder waren da weit und breit nicht zu sehen. 60 Jahre später zeigt sich die heutige Jugend gegenüber dem Kinderschreck aber abgebrüht, das kleine Mädchen im Bild war wenig beeindruckt.

Zähringerbrunnen

Die Fahne beim Zähringerbrunnen zeigte um 1900 noch in die andere Richtung, sonst schaut der behelmte Bär auch 2015 düster drein wie eh und je. Was rechts angetuckert kommt, ist übrigens tatsächlich ein Tram, die frühere Linie führte noch via Kramgasse bis zum Bärengraben und sollte bald die Pferdeomnibusse aus der Innenstadt verdrängen.


Simsonbrunnen

Gelitten unter der Berner Stadtentwicklung hat der Simsonbrunnen. Zugunsten des öffentlichen Verkehrs wurde er so häufig hin und her versetzt, dass der arme Simson dabei stark zu Schaden kam. Das Original, das auf dem Foto von 1900 abgebildet ist, steht inzwischen im Historischen Museum, Säule und Figur sind 1973 durch Kopien ersetzt worden.


Bilder: gbl, historische Bilder via platzbern.ch

Gianna Blum

Gianna Blum hat 2006 das Land- gegen das Stadtleben eingetauscht und sucht immer noch nach dem Unterschied. Für Hinweise ist sie dankbar.


Publiziert am 5. Januar 2015