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  • Auch hier war das Café noch im Rohzustand.

  • Das Café sozusagen noch ungemahlen: Impression der Bauarbeiten.

  • Gut fürs Quartier: Die Rösterei.

Im Kaffee-Café

Einen Kaffee trinken gehen – kann denn das so spektakulär sein? In der «Rösterei» schon.

Es kurven Lastwagen vorbei, Güterzüge rollen aus dem Bahnhof, auf einem hohen Kran nagt der Presslufthammer an den Kaminen der Kehrichtverbrennung am Warmbächliweg: Idyllisch gelegen ist sie wahrlich nicht, die Rösterei. Dafür versprüht diese Ecke Berns fast so etwas wie industrielle Urbanität.

Ein Innenstadt-Berner, wie es doch die meisten von uns sind, wird sich kaum per Zufall in die Rösterei verirren. Über eine schlechte Lage muss hier trotzdem niemand klagen: Zahlreiche Büros sorgen für einen gut laufenden Restaurantbetrieb über Mittag. Und wo jetzt noch an der Brachlegung des KVA-Areals gearbeitet wird, entsteht in absehbarer Zeit ein neues Wohnquartier. Beste Voraussetzungen also für die Zukunft.

Die Rösterei ist quasi die Direktverkaufsstelle des Berner Kaffeerösters Blaser. Nur gibt es neben Bohnen und Kaffeemaschinen eben auch fixfertigen Kaffee – und das in Varianten. Dass es hier um Kaffee und in erster Linie um Kaffee geht, ist auf den ersten Blick klar: Beim Eingang werden allerlei Kaffeemaschinen, -bücher und Zubehör verkauft, eine Röstanlage steht im Raum und den Tresen ziert eine hohe Cold-Drip-Anlage. Mit den silberglänzenden Kolbenmaschinen und der weiss gekachelten Rückwand versprüht das Lokal italienisches Flair.

Während an der Bar zwei Gäste mit dem Barista über Arabica, Robusta und den richtigen Anteil derselben im Espresso fachsimpeln, kommt auch schon bald der bestellte Café crème. Der wird aber nicht einfach mit einem vertrockneten «Güezi» auf dem Unterteller auf den Tisch geknallt. Serviert werden zwei hausgemachte Amaretti, eines davon mit Chili. Wie schon in der Karte wird der Café nochmals präsentiert: Die präsentierte Mischung sei aktuell sehr beliebt in der Rösterszene, ein ausgewogener Kaffee mit einer angenehmen Säure, was sich beim Verkosten als richtig erweist. Ungewohnt ist es schon, wenn einem der Kaffee wie ein Wein präsentiert wird – aber so viel Leidenschaft ist sehr sympathisch. Gerne würde man mal wiederkommen. Aber eben: So ganz um die Ecke liegt die Rösterei dann doch nicht. Für das Quartier ist sie aber sicher ein Glücksfall.

Übrigens: Auch wer statt auf Kaffee auf Tee oder Sirup setzt, kommt in der Rösterei auf seine Kosten, Länggass-Tee und Sirupier de Berne sei Dank.

Rösterei, Güterstrasse 4, Bern.

Christian Zellweger

Christian Zellweger geht seit 2010 unter den Lauben Berns und schaut, wer auch schaut.


Publiziert am 27. Oktober 2014

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