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Erich und die Frauen

Erich Hess war in J.P. Loves Sendung zu Gast. Es war unbeschreiblich! Wir haben es dennoch versucht.

Freunden der skurrilen Fernsehunterhaltung dürfte Schweiz 5 schon länger ein Begriff sein. Der kleine Privatsender trumpft immer wieder mit sehenswerten Formaten wie «Heilkraftübertragung live mit Anita Grogg», «Paul Stucki’s Musig Stubete» oder «Kraftvoll Leben» auf. Wer nun glaubt, Schweiz 5 beschränkt sich auf esoterisch-konservative Wohlfühlsendungen, liegt falsch. Mit dem Einbruch der Nacht wird es schmuddelig. Mit «J.P. Love Late Night Show» manövriert der Sender das Flaggschiff der Verdorbenen durch den Schweizer TV-Tümpel.

Vergangene Woche servierte der Sender einen besonderen Leckerbissen. Erich Hess, bekannt aus dem deutschen Satirefernsehen, war bei J.P. Love zu Gast. Die Show war etwas wie die Liveübertragung der ersten Mondlandung: Als Zuschauer konnte man kaum glauben, dass das wirklich passiert, war dadurch aber umso faszinierter vom Geschehen auf dem Bildschirm. Weil in der Sendung im Gegensatz zur Mondlandung gelegentlich weibliche Brustwarzen zu sehen sind, besteht die Möglichkeit, dass das Video von Youtube, wo die komplette Sendung immer und immer wieder angeschaut werden kann, gelöscht wird. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, im Namen des kulturellen Erbes der Schweiz, alle relevanten Szenen der Sendung zu protokollieren, damit dieses Ereignis nie in Vergessenheit geraten wird.

Erich Hess hört J.P. beim Singen zu!
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Was für ein gelungener Start in die Sendung. J.P. Love singt über seine Männlichkeit, zu seiner Rechten haben zwei Sexpuppen auf dem Sofa Platz genommen. Ihnen gegenüber sitzt Erich Hess, der Mann der Stunde, und patscht rhythmisch auf die Armlehne seines Sessels. Auf dem Bild nicht zu sehen: jegliche Schnitt- und Animationsspielereien, welche die moderne Technik zulässt. Schon jetzt weiss man als Zuschauer, dass man Zeuge eines historischen TV-Moments wird.

Erich Hess hört J.P. immer noch beim Singen zu!
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J.P. ist immer noch sehr männlich und singt immer noch darüber. Doch nicht nur das! Jetzt hüpft er vor Erich Hess auf und ab. Der ist davon so begeistert, dass er beginnt, in die Hände zu klatschen. Auch J.P. klatscht in die Hände. Nur die Sexpuppen klatschen nicht.

Applaus für Erich Hess!
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J.P. singt jetzt nicht mehr und setzt sich neben die beiden Sexpuppen auf das Sofa. Nachdem er seine Sonnenbrille gegen eine andere Sonnenbrille eingetauscht hat, stellt er seinen Gast vor. Dabei zeigt J.P., dass er mit seiner Von-Karte-ablesen-und-ins-Publikum-schauen-Technik in keinster Weise einem verlegenen Primarschüler nachsteht, der gerade unvorbereitet vor versammelter Klasse ein Referat über das Nilpferd hält. J.P. verspricht grosse Unterhaltung und Comedy. Natürlich, schliesslich ist Erich Hess im Studio. Dieser ist nun gross im Bild, dann passiert nichts, und dann spielt die Regie plötzlich Applaus ein. Das kam zwar etwas spät, aber die Regie ging wohl davon aus, dass Hess den Moment nutzen würde, um etwas zu sagen. Dieser entschied sich jedoch für Nicken und schiefes Lächeln. Beste Unterhaltung und Comedy!

Erich Hess lacht!
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Was ist denn jetzt los? J.P., Gott der ansprechenden Anmoderation, erzählt gerade, dass Erich Hess schon «sehr, sehr viel» erreicht hat. Da platzt doch plötzlich ein Anrufer in die Leitung, der sich jedoch nicht so eloquent ausdrücken kann wie J.P. und deshalb wieder abgewürgt wird. Dieser verhaspelt sich darauf etwas und wirft die Hände in die Luft. Erich Hess lacht darüber schelmisch. Manche könnten jetzt meinen, dass Hess’ Performance bis jetzt etwas dürftig gewesen sei. Quatsch! Nach sechs Minuten Sendezeit hat er immerhin schon gepatscht, geklatscht, genickt und gelacht. Soll denn der gute Mann sein Pulver schon am Anfang verschiessen?

Erich Hess antwortet!
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Jetzt werden Anrufe entgegengenommen. Ein Zuschauer will wissen: «Erich, warum bist du nicht ehrlich?» Erich Hess antwortet, dass er immer ehrlich sei, und lacht dazu sehr fest. J.P. hat sein Comedyversprechen schon jetzt eingelöst.

Erich Hess schaut «sexy Clip»!
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Nach so viel Gerede braucht es zuerst einmal eine Pause. J.P. lässt einen «sexy Clip» einspielen, der wahrscheinlich direkt von einer VHS-Kassette aus den 90ern abgespielt wird. J.P. ist aber überzeugt, dass auch Erich Hess daran Freude haben wird. Dann folgt die totale Reizüberforderung. Als würden die Zuschauer vom «sexy Clip» nicht schon genug in Anspruch genommen werden, wird in der oberen Bildecke Erich Hess eingeblendet, der schelmisch den «sexy Clip» schaut. Wollten Sie das nicht schon immer einmal sehen?

Erich Hess dreht Sexpuppe über dem Kopf!
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Dass wir das noch erleben dürfen! Plötzlich lässt Erich Hess eine der Sexpuppen über seinem Kopf kreisen. Wie es dazu gekommen ist? Ein weiterer Anrufer wollte wissen, ob Erich Hess schon einmal mit Thomas Fuchs in der Sauna war. Hess verneint und sagt, dass Fuchs einen anderen Geschmack habe als er. J.P. ist plötzlich ganz aufgeregt und will beweisen, dass Erich Hess nicht schwul ist. Der Erotikguru weiss natürlich, dass man die bevorzugte sexuelle Orientierung am besten anhand einer Sexpuppe klärt. Erich Hess balanciert diese über seinem Kopf. Was das wohl bedeuten mag? Egal, nach wie vor Top-Unterhaltung!

Erich Hess, der «Politiker-Johnny»!
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Jetzt gehts aber los! Ein sehr unfreundlicher Anrufer will von «Politiker-Johnny» Hess wissen, ob er sich eigentlich nicht schäme, in dieser Sendung aufzutreten. Hess bleibt cool und gibt zu verstehen, dass er überall hingeht, wo er eingeladen wird. Die Sexpuppe kreist inzwischen nicht mehr über seinem Kopf.

Erich Hess, der «Stecher der Nation»?
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Diese Szene lässt daran zweifeln, ob Erich Hess wirklich in jede Sendung gehen würde oder doch nur Rosinen pickt. Denn J.P. zeigt nun, dass kritischer Polit-Talk auch ganz ohne Billag-Gebühren auskommt. Ob Hess der «Stecher der Nation» sei, will J.P. wissen. Zu dieser Annahme kommt er übrigens durch Erich Hess’ Igelifrisur. Gekonnt abgeleitet! Hess, ganz der gefuchste Politiker: «Das kann jeder auslegen, wie er will.»

Erich Hess + Natalie Rickli?
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Jetzt wird es richtig kritisch! J.P., grösster Freund der Gleichberechtigung, versucht Hess festzunageln: «Wieso wird die SVP von Männern dominiert?» Anstatt Hess antworten zu lassen, schiebt er gleich klare Forderungen nach und verlangt nach «jungen und knackigen Frauen». Hess verweist sofort auf seine ehemalige Wahlkampfpartnerin Nathalie d’Addezio. Für J.P. zu wenig. Er lenkt das Gespräch auf Natalie Rickli, die laut J.P. «sehr hübsch» ist. Könne sich Hess vorstellen, etwas mit ihr anzufangen? «Eher nicht.» Vielleicht ist Hess doch nicht der «Stecher der Nation».

Erich Hess über Prostitution!
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Jetzt gibts dicke Luft. J.P. und Hess kriegen sich wegen Prostituierten in die Haare. Hess verlangt, dass deren Gewerbe geregelt wird und sie Steuern abgeben müssen. Für Frauenfreund J.P. eine überrissene Forderung. «Die müssen einfach geil sein.» Könnte sich bitte die «Arena» eine Scheibe von dieser Gesprächskultur abschneiden?

Erich Hess und Küse!
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SVP-Wähler Küse ruft an und hat ein grosses Problem. Er hat neue Nachbarn aus dem Ausland, die dauernd einen «riesen Mais» veranstalten würden. Und weil wir hier in der Schweiz und nicht in Bagdad seien, würde ihn das stören. Hess ist ihm dabei keine grosse Hilfe. «Schweizer Familien können genauso laut sein.» Schlechter Witz oder Gesinnungswandel? Ist seine Wählerschaft darüber schon informiert? J.P. gibt sich deutlich volksnaher und bietet dem armen Küse, der vermutet, dass seine Nachbarn eventuell Haschisch rauchen, an, vorbeizukommen und die Situation zu klären.

Erich Hess und der lustige Hut!
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Der arme Küse ist immer noch in der Leitung. Jetzt kichert er aber wie verrückt. Denn J.P. hat Hess einen seiner Hüte über den Kopf gestülpt. Riesengaudi im Studio! Dann wird es für Küse Zeit, aufzulegen. Seine Verabschiedungsfloskeln sind wohl bald auf sämtlichen Plakaten zu lesen: «SVP go, alle anderen no!» oder «SVP top, alle anderen stopp» oder auch einfach «SVP! SVP! Hopp! Hopp! Hopp!»

Erich Hess und der Ebola-Witz!
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Ja, was kommt jetzt bloss? Wenn Sie eine Vorliebe für griffige Pointen haben, dann können Sie sich schon einmal freuen. Erich Hess macht gleich einen lustigen Witz. J.P. stellt ihm aber zuerst eine knifflige Frage, die er wohl einfach von Reto Brennwald geklaut hat. «Widmer-Schlumpf, Badran oder Leuthard – mit wem könntest du dir etwas vorstellen?» Hess sehr souverän: «Ich soll jetzt also auswählen, zwischen Ebola, Pest und weiss der Teufel was für einer schlimmen Krankheit?» Nur Christoph Mörgeli ist lustiger. Hess entscheidet sich übrigens schlussendlich für Frau Leuthard, «aber auch nur, wenn du mir die Pistole an den Kopf hältst.»

Erich Hess will nicht tanzen!
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J.P. will, dass Hess mit einer der Sexpuppen Tango tanzt. Hess ziert sich. J.P. will dafür wissen, ob Hess zurzeit in einer Beziehung mit einer Schweizer Frau ist. Hess will das aber partout nicht beantworten und muss als Strafe J.P.s Hut bis an das Ende der Sendung tragen. Das ist ein mehr als würdiges Finale von sehr überragenden 50 Minuten bester Unterhaltung.

Martin Erdmann

Martin Erdmann


Publiziert am 20. Oktober 2014

16 Kommentare

  1. Tinu says:

    Der wohl geilste Artikel des Jahres! Hammer! 🙂 Gratulation an den Schreiberling – auch wenn die Vorlage verpflichtend war 😉

  2. Dänu says:

    Ganz witzig geschrieben! 🙂 Aber die Sendung ist schon sehr peinlich, trotzdem Chapeau, dass sich Hess den Fragen stellt und auch auf offensichtlche Affronts gelassen und ruhig antwortet.

  3. Lahor Jakrlin says:

    Publizistik ist hartes Brot. In diesem Falle sind es Steine, die zu kauen sind. Denn es ist weniger das Rapportieren des Gesehenen, welches alles vom Schreibenden fordert. Es ist das Anschauen der Sendung selbst, welches alles fordert. Warum tut oder tat sich Martin Erdmann das an?
    Meine Bewunderung hat er.
    Jetzt freuen wir uns aber auch auf Fortsetzungen, denn es gibt in der Manege Bern neben Hess und Fuchs noch andere Clowns. Tschäppät allen voran. Oder in der “bürgerlichen Mitte” die Claudia Esseiva.

  4. Andy says:

    Ein grosses Dankeschön an Martin Erdmann, denn ohne diesen Artikel wäre ich wohl nie auf diese Sendung gestossen. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich da gesehen habe. Es war aber wohl das skurrilste, beschämendste und unterhaltsamste seit langem im Fernsehen. Ich bin überzeugt, dass man davon noch hundert Jahren sprechen wird!

  5. marie says:

    für deine ausdauer, die sendung bis zum ende protokolliert zu haben, hast du den pulitzer-preis gewonnen. ich hoffe, du hast davon keine psychischen schwierigkeiten davon getragen.

  6. R. E. Knupfer says:

    Köstlich ! Ein Brüller !
    Erich Hess wird Kult !
    Wie kann man da noch behaupten, dass die SVPler keinen Humor hätten !

  7. Christian Schaer says:

    Das ist ein wunderbarer Artikel und es freut mich, dass Hess in der Sendung war. Er beweist damit Mut und Humor.

  8. Tim Froböss says:

    Ja, es gibt sie immer noch – diese Sternstunden im TV. Ich befürchtete schon, das wäre vorbei. Und ich hättee gar nie geahnt, dass es so viele ‘geili Sieche’ in der Schweiz gibt.

  9. Juerg says:

    Unglaublich! Erich Hess ist immer für einen guten Spass zu haben. Nummer eins bleibt jedoch sein Auftritt im Deutschen Fernsehen.
    Interessant wäre, seine Motivation zur Teilnahme in dieser Sendung zu kennen.

  10. Irene feldmann says:

    Erstaunlich der Artikel und dessen Kommentare. Macht sich ein Politiker zum löli und der Showmaster zur vollbanause und zum tippen stimuliert euch das noch???? Euch allen fehlt wirklich einiges, das kann einem nur leid tun!

  11. Markus Schneider says:

    Bei der SVP gibt’s halt auch nur ganz normale Trottel – wie in den anderen Parteien. Es wird schon seinen Grund haben, warum gerade mal etwa 2% aller Schweizer überhaupt Mitglied bei einer Partei sind. Die anderen schauen eben lieber J. P. Love oder züchten Chüngeli oder gehen an eine Volksabstimmung.

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  1. Tinu says:

    Der wohl geilste Artikel des Jahres! Hammer! 🙂 Gratulation an den Schreiberling – auch wenn die Vorlage verpflichtend war 😉

  2. Dänu says:

    Ganz witzig geschrieben! 🙂 Aber die Sendung ist schon sehr peinlich, trotzdem Chapeau, dass sich Hess den Fragen stellt und auch auf offensichtlche Affronts gelassen und ruhig antwortet.

  3. Lahor Jakrlin says:

    Publizistik ist hartes Brot. In diesem Falle sind es Steine, die zu kauen sind. Denn es ist weniger das Rapportieren des Gesehenen, welches alles vom Schreibenden fordert. Es ist das Anschauen der Sendung selbst, welches alles fordert. Warum tut oder tat sich Martin Erdmann das an?
    Meine Bewunderung hat er.
    Jetzt freuen wir uns aber auch auf Fortsetzungen, denn es gibt in der Manege Bern neben Hess und Fuchs noch andere Clowns. Tschäppät allen voran. Oder in der “bürgerlichen Mitte” die Claudia Esseiva.

  4. Andy says:

    Ein grosses Dankeschön an Martin Erdmann, denn ohne diesen Artikel wäre ich wohl nie auf diese Sendung gestossen. Ich kann gar nicht beschreiben, was ich da gesehen habe. Es war aber wohl das skurrilste, beschämendste und unterhaltsamste seit langem im Fernsehen. Ich bin überzeugt, dass man davon noch hundert Jahren sprechen wird!

  5. marie says:

    für deine ausdauer, die sendung bis zum ende protokolliert zu haben, hast du den pulitzer-preis gewonnen. ich hoffe, du hast davon keine psychischen schwierigkeiten davon getragen.

  6. R. E. Knupfer says:

    Köstlich ! Ein Brüller !
    Erich Hess wird Kult !
    Wie kann man da noch behaupten, dass die SVPler keinen Humor hätten !

  7. Christian Schaer says:

    Das ist ein wunderbarer Artikel und es freut mich, dass Hess in der Sendung war. Er beweist damit Mut und Humor.

  8. Tim Froböss says:

    Ja, es gibt sie immer noch – diese Sternstunden im TV. Ich befürchtete schon, das wäre vorbei. Und ich hättee gar nie geahnt, dass es so viele ‘geili Sieche’ in der Schweiz gibt.

  9. Juerg says:

    Unglaublich! Erich Hess ist immer für einen guten Spass zu haben. Nummer eins bleibt jedoch sein Auftritt im Deutschen Fernsehen.
    Interessant wäre, seine Motivation zur Teilnahme in dieser Sendung zu kennen.

  10. Irene feldmann says:

    Erstaunlich der Artikel und dessen Kommentare. Macht sich ein Politiker zum löli und der Showmaster zur vollbanause und zum tippen stimuliert euch das noch???? Euch allen fehlt wirklich einiges, das kann einem nur leid tun!

  11. Markus Schneider says:

    Bei der SVP gibt’s halt auch nur ganz normale Trottel – wie in den anderen Parteien. Es wird schon seinen Grund haben, warum gerade mal etwa 2% aller Schweizer überhaupt Mitglied bei einer Partei sind. Die anderen schauen eben lieber J. P. Love oder züchten Chüngeli oder gehen an eine Volksabstimmung.

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