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  • Kein Burger, nein, ein «Tätschmeister».

  • «Curry-Tätsch»: Siehe da, es ist lecker!

  • Lorenz, der fröhliche Metzger: Per Comic wird die Fleischherstellung erklärt.

Glückliches Rind, glückliche Esser

Ernsthafte Burger sind den Tätschmeischtern eine Herzensangelegenheit. Ein Testessen in der Lorraine.

Ein Burger ist für die Herren Fabrice Haldemann und Christian Probst eine wichtige Angelegenheit. Sie sind dem typisch amerikanischen Dickmachergericht erlegen und haben ihre «normalen» Jobs gekündigt, um sich dem eingeklemmten Stück Rindfleisch zu widmen. Genau genommen ist es Kalbfleisch, darauf verweisen sie auf der Preisliste: Osomofleisch von Jumi… aha. Auf dem netten Comic wird erklärt, dass es sich hierbei um «12 Monate altes Piemonteserkalb» handelt, welches ausschliesslich mit Schweizer Futter, Gras und Heu ernährt wurde. Diese patriotische Haltung treibt auch dem hartgesottensten Swissness-Anhänger Tränen in die Augen.

In Köniz gestartet, expandieren die zwei Burger-Flipper mit ihrem mobilen Laden Tätschmeischter in das Lorraine-Quartier, wo sie dienstags am Lagerweg anzutreffen sind. Und ja, Sie ahnen es schon, die Burger heissen nicht Burger, nein, sie heissen Tätschmeischter und Curry-Tätsch – obwohl Göri-Tätsch die logische Fortsetzung des Firmenkonzeptes sein sollte.

Aber lassen wir die sprachlichen Finessen erst mal links liegen, und kommen wir zum Wesentlichen: Das Tätschmeischter-Menü kostet 16 Franken. Nicht ganz günstig für ein schnelles Mittagessen zum Mitnehmen. Dafür erhält man ein Getränk, Pommes frites (fein gewürzt, sonst leider etwas dünn) und natürlich den Burger. Das sorgsam angebratene Fleisch wird dabei nicht in ein profanes Weissbrot verpackt, der Tätschmeischter kommt im Silserbrot – eine gute Wahl, auch ästhetisch durchaus ansprechend. Unsere gegenüber den Bürokollegen rücksichtsvolle Art müssen wir für einmal ablegen: Burger ohne Zwiebeln gibt es nicht, «die sind in der Sauce dabei», wie es heisst. Uns solls also recht sein. In Sachen Geschmack bereuen wir die Zugabe nicht: Die Specktatarsauce mit Quittensenf ist zwar würzig, aber genug dezent, dass sie den grossen Auftritt dem Fleisch lässt. Zu Recht, denn die Hacktätschli überzeugen durch einen feinen Kalbsgeschmack und ihre zarte Konsistenz.

Zurück zur Linguistik: «Curry-Tätsch» ist ein ungewohnter Ausdruck. Wie soll das geschmacklich funktionieren? Ist es nicht gar Blasphemie, wenn man Curry mit Rindfleisch kombiniert?! Mit der Angst, im nächsten Leben eine Kaste runtergesetzt zu werden, wird in den Tätsch gebissen. Und siehe da, es ist lecker! Dieser Osomo weiss, wie man Kühe züchtet. Sogar die Ananasscheibe aus der Konservendose fügt sich gut in die Geschmackszusammensetzung ein. Aber der Höhepunkt bleibt das Fleisch. Zu den Pommes frites wurde schon genug gesagt – und sind auch nicht der Rede wert.

Erst zum etwa vierten Mal seien sie in der Lorraine anzutreffen, sagen die Burgerbrater. Leider haben wir trotzdem etwas spät entdeckt: Anfang November gehen sie in die Winterpause. Weiter geht es dann wieder im März.

Tätschmeischter, immer am Dienstag am Lagerweg in der Lorraine, noch bis Anfang November.

Ragulan Vivekananthan

Ragulan Vivekananthan ist offiziell Oberaargauer, aber das Herz gehörte schon immer der Stadt. Er ist weiterhin auf der Suche nach dem besten Cordon Bleu der Stadt. Tipps sind herzlich willkommen.


Publiziert am 15. Oktober 2014

1 Kommentar

  1. Annie Kast says:

    “Mit der Angst, im nächsten Leben eine Kaste runtergesetzt zu werden, wird in den Tätsch gebissen.” ha ha, der Satz ist gut… muss ich mir merken! Danke.

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  1. Annie Kast says:

    “Mit der Angst, im nächsten Leben eine Kaste runtergesetzt zu werden, wird in den Tätsch gebissen.” ha ha, der Satz ist gut… muss ich mir merken! Danke.

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