Wie Immobilien dem Virus trotzen

Wohnungen bleiben trotz Corona eine solide Investitionsmöglichkeit – bei Gewerbebauten drohen aber Mietzinsausfälle.

Bei Wohnbauten sorgen die tief bleibenden Zinsen auch künftig für eine gute Nachfrage: Neubau in Genf. Foto: Keystone

Ich habe bisher 171 Anteile am Sima-Immobilienfonds Valor 144 2087 im Depot und könnte neue Anteile zu 96.40 Franken erwerben. Wegen Corona bin ich unsicher, ob die Werte in den Keller gehen könnten, anderseits gab es seit Jahrzehnten gute Zinsen. Ich bin verheiratet, 81 Jahre alt und habe noch CS Interswiss im Depot. Ansonsten leben wir mit den Renten von AHV und PK und haben noch knapp 200’000 Franken Bares und eben die Immobilienfonds. Was soll ich tun? H.J.

Der Immobilienfonds Sima der Grossbank UBS gehört zu den grossen Immobilieninvestoren in der Schweiz und gibt Ihnen die Möglichkeit, breit diversifiziert in inländische Immobilien zu investieren. 48,8 Prozent des Kapitals ist in Wohnbauten parkiert und 38,2 Prozent in kommerziell genutzte Liegenschaften. Der Rest entfällt auf gemischte Bauten, Bauland oder Projekte.

Heikel ist in der aktuellen Rezession wegen der Corona-Krise vor allem der Bereich kommerziell genutzte Bauten. Hier ist der Fonds mehrfach Risiken ausgesetzt. Einerseits ist der Fonds so wie die meisten anderen Immobilienbesitzer mit den Forderungen nach Mietzinsreduktionen konfrontiert. Auch ist es während des Lockdown im Frühling zu vollständigen Mietzinsausfällen gekommen.

Die Fondsleitung der UBS selbst geht für diesen Immobilienfonds aufgrund der Corona-Krise im laufenden Jahr von einem möglichen Mietausfall in der Grössenordnung von zwei bis vier Prozent aus und weist darauf hin, dass rund ein Fünftel der vom Lockdown betroffenen Firmen Grossmieter mit sehr guter Bonität seien. In diesem Jahr sei in den betroffenen Branchen mit einem Mietzinsrückgang im Bereich von 10 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu rechnen.

Einen Einbruch erwarte ich weder am Schweizer Immobilienmarkt noch bei den Immobilienfonds.

Längerfristig muss aus meiner Sicht mit Rückgängen gerechnet werden: Aufgrund der Rezession und der vermehrten Konkurse und des Digitalisierungsschubs im Detailhandel sowie des Trends zu mehr Homeoffice dürften einige kommerziell genutzte Flächen künftig nicht mehr genutzt werden. Leerstände dürften sich häufen. Das wird auch den Sima-Fonds belasten. Der hohe Anteil Wohnbauten schafft aber ein stabilisierendes Gegengewicht.

Ich stufe die Perspektiven des Fonds etwas weniger gut ein, erwarte aber keinen Kurseinbruch. Die attraktive bisherige Ausschüttungsrendite von 2,57 Prozent ist nicht garantiert. Sie dürfte künftig etwas geringer ausfallen, aber immer noch gut bleiben.

Bereits im April wollte die UBS bei ihrem Swiss Mixed Sima Fund eine Kapitalerhöhung von 200 Millionen Franken durchführen und musste diese wegen Corona auf den Juni verschieben. Das Zeichnungsangebot ist tiefer als der aktuelle Kurs der Fondsanteile und aus meiner Sicht interessant. Das spricht dafür, dass Sie das Angebot nutzen, zumal Sie einiges an Bargeld haben, das brachliegt, und Sie an Ausschüttungen interessiert sind.

Allerdings müssen Sie sich überlegen, ob Sie das leicht erhöhte Risiko, das sich aufgrund der Rezession auch für den Immobiliensektor ergibt, tragen wollen und können, zumal Sie noch einen weiteren Immobilienfonds halten und damit einem Klumpenrisiko ausgesetzt sind. Einen Einbruch erwarte ich aber weder am Schweizer Immobilienmarkt als Ganzes noch bei den Immobilienfonds.

Bei den kommerziell genutzten Flächen wird es Probleme geben, aber der Immobilienmarkt als Ganzes bleibt robust. Insbesondere bei den Wohnbauten sorgen die noch länger anhaltenden rekordtiefen Zinsen weiter für eine gute Nachfrage.

Allerdings könnte es auch bei Mietobjekten aufgrund der Rezession etwas mehr Leerstände geben. Trotzdem bleiben Immobilienfonds mit hohem Wohnbautenanteil eine solide Investitionsmöglichkeit mit ansprechender Ausschüttungsrendite.

1 Kommentar zu «Wie Immobilien dem Virus trotzen»

  • M. Vetterli sagt:

    “…das leicht erhöhte Risiko, das sich aufgrund der Rezession auch für den Immobiliensektor ergibt…”

    Dies ist eine sehr gewagte Aussage. Die Heftigkeit der Rezession entspricht wohl auch der Höhe des Risikos. Wie lange die Rezession anhält wird durch den Verlauf der Pandemie geprägt. Diese Entwicklung ist sehr schwer einschätzbar.
    Erhöhung des Einsatzes in den Immobilienbereich scheint mir zum gegenw. Zeitpunkt mit einem nicht kleinen Risiko verbunden. Auch wenn die tiefen Zinsen den Werterhalt stützen muss doch, bei nicht schneller V-Rezession, mit deutlich ansteigenden Leerständen auch bei den MFH gerechnet werden. Bezüglich SIMA: Dass der Wertverfall und Ausfälle bei den Wirtschaftsbauten (38%) durch die Entw. der Werte und Erträge zu MFH (49%) aufgefangen wird ist kaum denkbar.

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