Wie Anleger garantiert ruhig schlafen

Kassenobligationen sind zwar renditemässig uninteressant, in Spezialsituationen kann eine Anlage dennoch Sinn machen.

Börsenturbulenzen? Interessieren mich nicht! Bei Kassenobligationen gibt es keine böse Überraschungen. Foto: iStock

Ich bin in Kürze pensioniert und habe, da ich selbständig mit eher niedrigem Einkommen gearbeitet hatte, lediglich die AHV und ein Freizügigkeitskonto von knapp 120’000 Franken. Davon brauche ich für die nächsten zehn Jahre 1000 Franken pro Monat. Später werde ich noch ein Haus erben, so dass ich gut über die Runden komme. Etwa die Hälfte könnte ich sicher anlegen. Risiko liegt nicht drin. Was könnte ich tun – selbstverständlich nur faire Anlagen? Wie wär es mit Kassenobligationen bei der Regiobank Männedorf: 50’000 Franken für 5 Jahre 4% oder 7 Jahre 5%? H.H.

Da Sie zur Finanzierung Ihres Lebensstandards nur die AHV-Rente zur Verfügung haben, sind Sie auf den Vermögensverzehr aus dem Freizügigkeitskonto angewiesen. Da liegt das Kapital jetzt praktisch ohne Zins. Wenn Sie die Teuerung berücksichtigen, verlieren Sie zum Teil sogar Geld. Darum ist es sinnvoll, wenn Sie wenigstens einen Teil des Kapitals investieren.

Ich teile Ihre Meinung, dass Sie es sich schlicht nicht leisten können, erhöhte Risiken zu übernehmen. Sie könnten mit der Hälfte des Geldes zwar theoretisch Dividendenperlen kaufen und würden von einer stolzen Dividendenrendite profitieren. Weil solche Anlagen aber stark schwanken, würden Sie das Risiko eingehen, dass diese Aktien ausgerechnet dann tief im Keller sind, wenn Sie nach fünf Jahren wieder auf das Geld zurückgreifen müssen.

Zudem sind die Dividenden wegen der Coronakrise keineswegs mehr gesichert. Einige Firmen werden die Dividenden für das Geschäftsjahr 2020 streichen oder sicher kürzen. Zudem kommt es an den Börsen im Zuge der Coronakrise immer wieder mal zu Rückschlägen. Selbst Franken-Obligationen sind kleineren Schwankungen ausgesetzt und werfen angesichts der rekordtiefen Zinsen keine anständige Rendite ab oder rentieren sogar negativ. Auch bei Immobilienfonds hätten Sie Schwankungen. Darum kommen solche Anlagen für Sie in der Tat nicht infrage.

Kassenobligationen sind immer gleich viel wert, haben eine fixe Laufzeit und werfen einen festgelegten Zins ab.

Zu den ganz wenigen Anlagen, die keine Kursschwankungen aufweisen, zählen Kassenobligationen. Diese sind immer gleich viel wert, haben eine fixe Laufzeit und werfen einen voraus festgelegten Zins ab. Die einzige Gefahr liegt im Ausfallrisiko bei der Bank, welche die Kassenobligation herausgibt.

Die von Ihnen erwähnte Regiobank Männedorf ist eine typische Schweizer Regionalbank, die gut in der Region verankert ist, eine robuste Eigenmittelbasis hat und eine konservative Strategie verfolgt. Punkto Sicherheit ist es so, dass Sie von der gesetzlichen Einlagensicherung profitieren. Bei einem Zusammenbruch der Bank, den ich indes nicht erwarte, wären maximal 100’000 Franken pro Kunde durch das Konkursprivileg gesichert. Auch Kassenobligationen, die im Namen des Inhabers bei der ausgebenden Bank hinterlegt sind, gelten als privilegierte Einlagen. Ihre Risiken wären somit sehr gering.

Leider hat die Sache dennoch einen Haken: Sie bekommen auf den Kassenobligation kaum noch Zins. Bei den Zinsangaben haben Sie sich leider um eine Kommastelle geirrt: Sie würden auf den Kassenobligationen mit Laufzeit 5 Jahre nicht etwa 4 Prozent Zins erhalten, sondern lediglich 0,4 Prozent. Auch bei einer Laufzeit von 7 Jahren gäbe es nicht etwa 5 Prozent Zins, sondern nur 0,5 Prozent.

Im Vergleich zu anderen sicheren Anlagen ist das trotzdem nicht so schlecht. Sie hätten Ihr Geld recht sicher parkiert, würden damit nicht noch Geld verlieren und würden wenigstens etwas mehr Rendite erzielen, als wenn Sie das Geld einfach auf dem Konto liegen lassen würden. Daher würde ich in Ihrem Fall die Anlage tätigen.

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