Warum ein rentables Depot wechseln?

Bevor man Fonds umschichtet, sollte man prüfen, ob der Wechsel sinnvoll ist oder ob die Bank bloss verdienen will.

Gut gemeinter Rat oder Eigeninteressen? Depotumschichtungs-Vorschläge gilt es stets zu hinterfragen. Foto: Keystone

Ich habe 12’000 Euro investiert in die Fonds DWS TOP Dividende (DE0009848119) und DWS Concept Kaldemorgen (LU0599946976). Nun rät mir mein Finanzberater, diese zu verkaufen. Da die Rendite bis heute sehr gut war, frage ich mich, ob ich seinen Rat befolgen soll. Als neue Investition schlägt er mir eine Mischung aus folgenden Investments vor: Allianz dyn. multi Ass 15, DWS Invest green bonds, Postbank Wachstum 35, Grundbesitz Europe, DWS Invest SDG global, FvS mult. opportunities, JPM global income fund. D.G.

Der von Ihnen bisher gehaltene DWS TOP Dividende-Fonds hat zum Ziel, möglichst attraktive Erträge zu erwirtschaften. Der Fokus liegt denn auch auf Dividendenperlen – also auf Aktien mit einer hohen Dividendenrendite. Angesichts der rekordtiefen Zinsen und der schwachen Erträge bei Anleihen sind über 90 Prozent des Kapitals bei dem Fonds in Aktien investiert und lediglich etwas mehr als 7 Prozent in Anleihen und 2 Prozent Cash. Die Aktien sind international breit diversifiziert.

Als aktiv verwalteter Fonds deckt das Vehikel nicht einfach nur einen Index ab, sondern gewichtet einzelne Papiere stärker und andere weniger, was allerdings mitverantwortlich ist, dass die Kosten, die dem Fonds belastet werden und die von Ihrer Rendite weggehen, mit 1,45 Prozent ziemlich hoch sind.

Noch etwas teurer ist der zweite Fonds, den Sie halten: Der DWS Concept Kaldemorgen. Dieser ist ein Mischfonds und investiert international breit diversifiziert in Aktien, Obligationen, Zertifikate, Geldmarkt- und Kassainstrumente. Ausserdem können Derivate genutzt werden. Der Aktienanteil ist mit knapp 45 Prozent deutlich geringer.

Auch der Ihnen von Ihrem Berater neu empfohlene Fonds, der Allianz Dynamic Multi Asset Strategy 15, ist ein Mischfonds, der breit versifiziert international in Aktien sowie am europäischen Anleihen- und Geldmarkt investiert. Mit einer Gesamtgebührenkennzahl Total Expense Ratio TER von 0,75 Prozent ist der Fonds aber günstiger.

Je nach Bank haben einige Institute auch ein Interesse an Umschichtungen, weil so zusätzliche Gebühren generiert werden.

Auf regelmässige Erträge ausgerichtet ist der Ihnen ebenfalls vorgeschlagene JPM global income fund. Die angestrebte Ausschüttung beträgt rund 4 Prozent pro Jahr. Allerdings ist diese Ausschüttung für Sie nicht garantiert – erst recht nicht nach dem Corona-Jahr 2020. Da dürfte es auch künftig viele Dividendenkürzungen geben. Mit einer Gebühr von 1,40 Prozent ist der Fonds in etwa gleich teuer wie Ihre bisherigen Vehikel 1,40 Prozent.

Warum Ihre bisherigen Fonds, mit denen Sie gemäss Ihrem Schreiben eigentlich zufrieden sind, laut Ihrem Berater kein Potenzial mehr haben sollen, ist mir nicht klar. Ein Argument könnte durchaus der hohe Aktienanteil in einem der Fonds sein. Angesichts der vielen Unsicherheitsfaktoren aufgrund der Corona-Krise und der weltweiten Rezession könnte es je nach Risikofähigkeit Sinn machen, einen Fonds mit weniger Aktien zu nutzen.

Da aber auch die neuen, Ihnen vorgeschlagenen Fonds wieder einen beträchtlichen Aktienanteil aufweisen, verstehe ich das genaue Ziel der Umschichtung nicht.

Je nach Bank haben einige Institute auch ein Interesse an Umschichtungen, weil so zusätzliche Gebühren generiert werden. Ich weiss nicht, ob das bei Ihnen der Fall ist. Falls ja, wäre ich gegenüber der Umschichtung kritisch, denn der Fondsverkauf und Neukauf verursacht Gebühren, die Sie bezahlen.

Zudem würde ich fragen, in welchem Umfang der Berater Retrozessionen – also eine Vergütung seitens der Fondsfirmen – bekommt und ob Ihnen diese rückvergütet werden, wie es in der Schweiz gemäss Rechtssprechung eigentlich erfolgen sollte. Eine Garantie, ob die neuen Fonds besser laufen, haben Sie ohnehin nicht.

Bevor Sie der Umschichtung zustimmen, sollten in Ihrem Interesse die Strategie des Wechsels, Ihre Risikobereitschaft und die Gebührenfrage aus meiner Sicht besser geklärt sein.