Schweizer Wirtschaft im freien Fall

Neben der Corona-Krise wird auch der starke Franken die hiesige Konjunktur bremsen. Bis zu einer Erholung wird es viel Geduld brauchen.

Die Gastrobranche leidet besonders: Ein Angestellter eines Restaurants in Chur muss die Tische abbauen. Foto: Keystone

Die Neuansteckungen mit dem Coronavirus flachen in der Schweiz ab. Kann man bald Entwarnung geben? Und mit der Schweizer Wirtschaft geht es dann langsam wieder bergaufwärts? L.U.

Man sollte sich keine Illusionen machen: Die Corona-Krise wird uns noch lange Zeit im Bann halten und unsere Wirtschaft schwer belasten. Als stark vom Export abhängiges Land leidet die Schweiz besonders stark unter der rückläufigen Weltwirtschaft.

Dass die Konjunktur global in eine Rezession gleitet, ist kaum zu verhindern. Die Frage ist lediglich, wie tief die Rezession ausfällt und wie lange sie anhält. Damit brechen für die Schweizer Exportindustrie praktisch alle wichtigen Märkte weg. Nicht nur die Wirtschaft in Europa, die wegen des dramatischen Ausmasses der Krankheit in Italien, Spanien und Frankreich und der Blockade auch in den übrigen Ländern in einer Schockstarre ist, auch in den USA geht die Konjunktur in den Keller.

Wie ernst die Lage ist, haben bereits die explodierenden US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe und die deutlich gestiegene US-Arbeitslosenquote gezeigt. Doch das ist erst der Anfang. Die Arbeitslosenquote in den USA wird im April steil nach oben gehen.

Immerhin haben in China viele Fabriken ihren Betrieb wiederaufgenommen, und der Handel kommt langsam wieder in Gang. Dennoch wird auch die Wirtschaft in China und in ganz Asien schwer unter der Corona-Krise leiden, womit auch von dieser Seite die Impulse für die Schweizer Wirtschaft fehlen.

Schon vor der Corona-Krise war in China das Wachstum im letzten Jahr auf 6,1 Prozent auf den tiefsten Stand seit 30 Jahren zurückgegangen. Jetzt wären alle glücklich, wenn wieder ein solcher Wert erreicht würde.

Als zusätzlichen Bremsklotz für die hiesigen Exportfirmen stufe ich den negativen Effekt des starken Frankens ein. Trotz intensiven Interventionen der Schweizerischen Nationalbank hat der Euro Mühe, sich auf mehr als 1.05 Franken zu halten. Auch der Dollar tendiert zum Franken zur Schwäche. Damit haben die hiesigen Exportfirmen auch noch Währungsnachteile.

Falls der Franken auch im weiteren Jahresverlauf, wenn die Corona-Krise vielleicht langsam abebbt, stark bleibt oder sogar noch stärker wird, könnte dies zusätzlich auf die Unternehmensergebnisse drücken.

Ein negatives Wachstum von über –5 Prozent ist durchaus möglich.

Wie es mit den Währungen weitergeht, hat ebenfalls einen grossen Einfluss auf das künftige Wachstum in der Schweiz und das Ausmass der Rezession hierzulande. Nur schon die ausgefallenen sportlichen Grossveranstaltungen wie Olympia, Eishockey-WM und Fussball-EM drücken unsere Wirtschaftsleistung in diesem Jahr weiter in den Keller, sodass ein negatives Wachstum von über –5 Prozent für die Schweizer Wirtschaft durchaus möglich ist.

Auch bei uns wird die Arbeitslosenquote im Jahresverlauf trotz Kurzarbeit deutlich zunehmen. Das wird auch heftig auf den Konsum durchschlagen, nachdem Detailhandel und Gastronomie ohnehin schon durch den Lockdown schwer geschädigt sind.

Für eine Entwarnung ist es definitiv zu früh: Der Schweizer Wirtschaft stehen harte Zeiten bevor, und Firmenkonkurse werden sich häufen. Immerhin haben wir eine berechtigte Hoffnung, dass die milliardenschweren Hilfs- und Überbrückungsmassnahmen des Bundes und der Kantone Wirkung zeigen und es im nächsten Jahr deshalb zu einer starken Erholung kommt. Bis dahin braucht es noch viel Geduld.