Schnelle Rendite? Eine Utopie!

Festgeldanlagen, Aktien oder Vorsorge: Unser Experte sagt, wie Sie Bargeldbeträge gewinnbringend investieren können.

Von wegen schnelles Geld: Der Anlagehorizont ist in Zeiten rekordtiefer Zinsen matchentscheidend. Foto: iStock

Ich werde ein Erbe erhalten in der Höhe von 1.5 Millionen Franken. Wie soll ich dieses Geld anlegen? Ich bin berufstätig, kann meinen laufenden Lebensunterhalt mit meinem Einkommen decken, sodass ich keinen Bezug des Vermögens vornehmen muss. Ich bin 58-jährig und berufstätig bis 65. Wichtig: Es soll eine sichere Anlage sein und ich möchte in ein bis zwei Jahren eine Eigentumswohnung kaufen. Gleichzeitig müsste ich bei einem Kauf jederzeit über einen Teil für den geforderten Eigenmittelanteil verfügen können. Was raten Sie mir? J.W.

Es ist ein Glück für Sie, dass Sie das Erbe erhalten werden. Allerdings wird die Anlage des Kapitals, so wie Sie es sich wünschen, keineswegs einfach. Eine anständige Rendite auf Ihrem Kapital erzielen Sie in Zeiten rekordtiefer Zinsen nur mit einem längeren Anlagehorizont.

Früher, als die Zinsen noch hoch waren, hätte man in Ihrem Fall eine Geldmarktanlage machen können, die es möglich machte, dass man das Geld nur wenige Monate binden musste und sehr rasch wieder Zugriff auf das Kapital hatte. Heute lohnt sich das kaum mehr, da die Zinsen tief im Keller sind und wohl noch längere Zeit dort bleiben werden. Festgeldanlagen von einem bis zwei Jahren Laufzeit bringen entweder null Zins oder nur gerade 0,1 bis 0,2 Prozent.

Neben dem extrem kurzen Anlagehorizont erschwert Ihre in der Sache durchaus verständliche Vorgabe, dass Sie eine sichere Anlage wünschen. Grundsätzlich gibt es sehr wohl sichere Anlagen. Das Problem dabei ist aber, dass diese sicheren Anlagen keine Rendite mehr abwerfen oder im schlimmsten Fall sogar eine Negativrendite aufweisen.

Auch viele Unternehmensanleihen in Schweizerfranken von Schuldnern mit guter Bonität bringen kaum mehr Zins.

Offensichtlich ist das bei den Eidgenossen, also den Schweizer Bundesanleihen. Die Rendite dieser Bundesanleihen in Franken mit einer Laufzeit von 10 Jahren bewegt sich bei Minus 0,6 Prozent. Diese Papiere bieten höchste Sicherheit, weil die Eidgenossenschaft dafür bürgt. Aber Sie würden bei einem Investment wegen der Negativrendite faktisch Geld verlieren.

Auch viele Unternehmensanleihen in Schweizerfranken von Schuldnern mit einer guten Bonität bringen kaum mehr Zins. Immerhin gibt es Anlagefonds, die breit diversifiziert sowohl in Anleihen von Schweizer und ausländischen Schuldnern mit unterschiedlicher Bonität und Laufzeiten investieren und so bei vertretbarem Risiko wenigstens etwas Rendite erwirtschaften. Doch tragen Sie dabei dennoch ein kleines Anlagerisiko.

Aktien, die langfristig eine wesentlich höhere Rendite versprechen, kommen wegen des sehr kurzen Anlagehorizontes in Ihrem Fall kaum infrage, zumal Sie auch ein erhöhtes Anlagerisiko in Kauf nehmen müssten – erst recht angesichts der weiter bestehenden Unsicherheiten aufgrund der Coronakrise.

Da Sie voll berufstätig sind und planen, bis zum Erreichen des ordentlichen Rentenalters erwerbstätig zu bleiben, können Sie noch eine andere Variante prüfen. Allenfalls haben Sie bei Ihrer Pensionskasse eine Lücke, was Ihnen ermöglichen würde, freiwillige Einzahlungen in die Pensionskasse zu leisten. Solche Einzahlungen dürfen Sie noch im Erwerbsleben von den Steuern abziehen, womit Sie einiges an Steuern sparen.

Falls Sie allerdings bei der Pensionierung einen Kapitalbezug planen, dürfen Sie drei Jahre vor der Pensionierung keine Einzahlungen mehr vornehmen, da dies sonst als Steuerumgehung eingestuft würde. Immerhin wäre dieses Geld aber sicher angelegt. Unter Berücksichtigung des Steuereffektes würden Sie mit wenig Risiko faktisch eine hohe Rendite erreichen – erst recht, wenn Sie die Einzahlungen auf mehrere Jahre splitten.

Auch die Säule 3a könnten Sie nutzen. Sie könnten einen Teil des Erbes für den möglichen Kauf der Eigentumswohnung reservieren, damit Sie die notwendigen Eigenmittel einschiessen könnten. Einen weiteren Teil könnten Sie steuerattraktiv in die Säule 3a und die Pensionskasse einzahlen, sofern diese robust aufgestellt ist, und den Rest mit einem etwas längeren Anlagehorizont wenigstens bis zu Ihrer ordentlichen Pensionierung anlegen.

22 Kommentare zu «Schnelle Rendite? Eine Utopie!»

  • Martin sagt:

    Es ist mir ewig ein Rätsel, warum die Leute nichts machen mit ihrem Geld. Kaufen Sie ein Malergeschäft oder eine Zügelfirma oder eine Hightechbude, führen Sie die Firma zum Erfolg und verkaufen in einigen Jahren einen Anteil.

    • Rolf Rothacher sagt:

      Nicht jeder ist Unternehmer. Und wer als Nicht-Unternehmer bloss ein Unternehmen kauft, wird erst recht NIE zu einem Unternehmer. Er wird auf jeden Fall scheitern.

    • Panja Flöte sagt:

      Man kann ja auch ganz einfach in Aktien investieren. Natürlich nicht in Einzelwerte, sondern — Überraschung! — in ETFs. Aber wenn jemand nur 2 Jahre Zeit für eine Investition mitbringt, dann bleibt heutzutage eigentlich nur das Bankkonto übrig (inkl. Strafzinsen von ca. 1%).

  • Benno Weber sagt:

    Ob sich eine Einzahlung in die zweite Säule rechnet, hängt von Ihrem normalen Einkommen ab; bei so einem hohen Betrag läuft die Progression möglicherweise gegen Sie. Am Ende zahlen Sie auf Ihrer Rente mehr Steuern, als Sie initial sparen.
    Wenn Sie sich eine Wohnung kaufen möchten, können Sie auch auf eine Hypo verzichten, denn um die Marge der Bank wieder reinzuholen müssen Sie auf der Anlageseite einige Risiken eingehen, bevor netto etwas übrigbleibt. Hier ist die Frage, ob Sie die 1.5 Mio aufbrauchen oder einen Teil Ihren Nachkommen hinterlassen möchten. Ein Leben ohne Hypothek ist wahre Freiheit!

    • Rolf Rothacher sagt:

      Richtig. Wenn er SOFORT eine Eigentumswohnung kauft, spart er sich auch SOFORT die Miete, d.h. vielleicht 2’000 Franken pro Monat. So erzielt er auf jeden Fall eine Rendite von 1 – 2 % auf diesem Teil der Erbschaft und das dauerhaft.
      Und den Rest kann er dann problemlos in Aktien stecken, weil dann sein Anlagehorizont über 10 Jahre liegt. Wenn er sich auf CH-Bluechips-Aktien mit einem Streubesitz von mindestens 60% konzentriert, kann ihm kaum was passieren. Er erzielt 2 – 3 % Dividendenrendite und hat Kurschancen.
      Geldanlegen ist weitaus einfacher, als es Experten uns verkaufen wollen.

      • Anh Toàn sagt:

        Warum CH Bluechips?

        Was ist ein CH-Bluechip? Was ist CH an Nestle? Wäre Nestle etwas anderes, wenn die ihren Hauptsitz nach Luxemburg verlegen oder ihre Aktien an einer anderen Börse (erst-)verticken, bzw. zurück kaufen? War Transocean auch ein CH Bluechip? Für einen CH-Bluechip Fonds bestimmt!

        Echte Bluechips heute sind die Amazons, Facebooks Alphabet und Co..

  • Anh Toàn sagt:

    „Früher, als die Zinsen noch hoch waren, hätte man in Ihrem Fall eine Geldmarktanlage machen können, …“ Früher waren Zinsen und Inflation höher, eine Geldmarktanlage brachte auch Verlust der Kaufkraft, etwa in der Dimension der Negativzinsen heute.

    Nein, auch für Anleger war nicht früher alles besser!

  • Anton sagt:

    CH Blue Chip, wie die Swissair!?
    Man muss international investieren. CH Aktien (Bluechips) sind nicht sicher so oder so, generell sind Aktien risikobehaftet! Bundesanleihen vielleicht, bringen aber nichts momentan!
    PK geht auch nicht grenzenlos, da es hier eine 1,05 Regel gibt! Deshalb Geld nehmen und in eine Immobilie im Ausland investieren, zB Algarve!

  • Anton german sagt:

    CH Blue Chip, wie die Swissair!?
    Man muss international investieren. CH Aktien (Bluechips) sind nicht sicher so oder so, generell sind Aktien risikobehaftet! Bundesanleihen vielleicht, bringen aber nichts momentan!
    PK geht auch nicht grenzenlos, da es hier eine 1,05 Regel gibt! Deshalb Geld nehmen und in eine Immobilie im Ausland investieren, zB Algarve!

  • Marco Lopez sagt:

    Wenn er in 2 Jahren sowieso eine Wohnung kaufen möchte, warum zuwarten? Es schreit förmlich danach die Wohnung sofort zu kaufen. Das Geld ist parkiert, er zahlt keine Miete, und hat dadurch monatlich mehr Einkommen, nämlich den Mietertrag minus Kosten. Warum so kompliziert machen wenn es so einfach sein kann?

  • M. Cesna sagt:

    Man kann sich von dem Geld auch einen Kartoffelacker kaufen. Dann braucht es noch einen Sack Kartoffeln und eine Hollywood-Schaukel:
    Die Kartoffeln kommen in den Boden, die Schaukel oben drauf, damit man den Kartoffeln beim Wachsen zugucken kann.
    Im Herbst brauchts eine Grabgabel, wenn das Kraut verdorrt ist und etwas Fitness.
    Die braunen Dinger da im Boden sind dann der Gewinn davon.
    … und im nächsten Jahr wiederholbar.

  • Sven sagt:

    Wenn ich mit 58 Jahren 1,5 Millionen erhalten würde, dann wäre nichts mit anlegen. Zusammen mit meiner Pension in den Ruhestand und die restliche Zeit geniessen. Es ist aber wohl ein Spiegelbild unserer Gesellschaft, streben nach immer noch mehr.

  • Alex sagt:

    Vor Covid hätte ich gesagt: Gehen Sie auf Weltreise, lernen sie neue Kulturen kennen, gönnen sie sich Erlebnisse, tun Sie Gutes! Wer weiss, ob Sie mit 60, 64, 69, 76 Jahren den Löffel abgeben müssen. Wenn Sie dann auf dem Sterbebett noch eine 1/2Mio+, Aktien, Obligationen etc. auf der hohen Kante haben, werden Sie kaum zu sich sagen „och hätte ich doch vor Jahren in xy bonds um investiert um eine 2% Rendite zu erzielen“, sondern „schön dass ich noch jene oder die andere Erfahrung in meinem Leben machen durfte“. Auch Ihr letztes Hemd hat keine Taschen! Und wenn ihr Traum ein Eigenheim ist, finanzieren Sie sich was Bescheidenes im momentanen günstigen Zinsumfeld und haben Sie Freude daran, heute und nicht erst in zwei Jahren. Das Leben ist kurz und Sie haben ab 65 genug mit AHV, PK und 1.5M!

    • Anton German sagt:

      Stimmt alles, aber wer macht das schon? Alle wollen alt werden, niemand denkt an’s vorzeitige Sterben. Die Sterbetafeln sagen eben ein langes Leben voraus. Unfälle ausgenommen. Corona kommt hoffentlich nicht so oft vor? Die Menschen lernen hoffentlich daraus? Obwohl heute viele Leute schon handeln, als ob alles schon vorbei wäre. Die Pandemie lebt, das Virus bleibt und wird in der kalten Jahreszeit zurückkommen. Zurück zum Thema: Immobilie im Ausland (warme Gegend) und so schnell als möglich (mit 63, da dann die AHV meistens eh nicht mehr anwächst) das Leben geniessen!

    • Panja Flöte sagt:

      @Alex
      Ja, gut geschrieben! Es gibt die Redensart: Sammle Momente und nicht Gegenstände. — Oft wird einem erst klar, was man verpasst hat, wenn man alt und/oder krank ist.

  • Werner sagt:

    Ich würde bei solch einer Erbschaft sofort aufhören zu arbeiten, aber viele Leute haben Angst, ohne Arbeit in ein Loch zu fallen.
    Ich bin schon mit 51 Jahren gegangen und das war der Beste Entscheid.
    Uns reicht ein kleines Haus, das bezahlt ist aber ich habe auf einen Porsche verzichtet.
    Heute mit 70 werde ich von allen Bekannten beneidet, dass ich damals diesen Schritt gemacht habe.

  • Alain Surlemur sagt:

    Interessant wär welcher Betrag für die Eigenmittel beim Wohnungskauf notwendig ist. Sagen wir mal die WHG kostet 1 Mio und Sie wollen gemütliche 50% Eigenkapital.

    Dann wäre es sinnvoll 500K auf dem Konto / den Konten liegen zu lassen und die restliche Mio tranchenweise in Aktien zu investieren.

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.