Nur mal kurz anlegen?

Wer sein Geld bloss für ein paar Monate anlegen will, hat ohne Risiko kaum vernünftige Renditechancen. Die Gründe.

Eile ist ein schlechter Ratgeber: Kurzfristige Investitionen in Aktien oder Fonds führen oft zu Verlusten. Foto: iStock

Ich bin 62, habe 360’000 Franken auf meinem Konto angespart und würde gern vorerst für ungefähr ein Jahr in ein Produkt mit guter Rendite investieren. Was würden Sie mir als Neueinsteiger empfehlen? J.M.

Die Rendite, die Sie auf Ihrem Sparbatzen erwirtschaften können, hängt von zwei Hauptfaktoren ab: erstens von Ihrer Risikobereitschaft und zweitens vom Anlagehorizont. Je nach Anklageklasse haben Sie sehr unterschiedliche Renditechancen.

Falls Sie höchste Sicherheit anstreben wollen und deswegen nur Franken-Anleihen von Schuldnern mit bester Bonität nutzen möchten, wäre kaum eine Rendite machbar. Denn die Rendite von Bundesobligationen der Schweizerischen Eidgenossenschaft liegt im Minusbereich, und auch Franken-Anleihen von erstklassigen Schweizer Unternehmen werfen angesichts der rekordtiefen Zinsen praktisch keine Rendite mehr ab.

Mehr Rendite möglich wäre mit Obligationen von Schuldnern mit keinem oder einem schlechten Schuldnerrating. Allerdings riskieren Sie, dass Sie im schlimmsten Fall einen Teil Ihres Geldes verlieren.

Mehr Rendite liegt auch bei Fremdwährungsanleihen drin. Doch dabei tragen Sie neben dem Schuldnerrisiko auch ein Währungsrisiko. Selbst breit diversifizierte Obligationenfonds mit Papieren von guten Schuldnern geben Ihnen keine Garantie, dass Sie nach zwölf Monaten nicht doch auf Buchverlusten sitzen, wie dies beispielsweise 2018 der Fall war. Sie tragen immer ein Anlagerisiko.

Da stellt sich die Frage, wie Sie mit der realen Gefahr von Buchverlusten umgehen können.

Wesentlich höhere Renditechancen haben Sie bei Aktien. Allerdings sind Sie bei Aktien starken Kursschwankungen ausgesetzt. Offensichtlich war das während des Corona-Crashs, als die Kurse im März tief in den Keller tauchten. Angesichts der zahlreichen Unsicherheitsfaktoren wegen der Corona-Krise und der globalen Rezession sowie geopolitischen Risiken wie dem Konflikt zwischen den Supermächten USA und China dürften die Turbulenzen an den Aktienmärkten wohl noch länger anhalten.

Da stellt sich die Frage, wie Sie mit starken Kursschwankungen und der realen Gefahr, dass Sie auf Buchverlusten sitzen, umgehen können. Selbst bei anderen Anlageklassen wie dem Rohstoff Gold oder auch Immobilienfonds oder -aktien sind Sie Kursschwankungen und einem erheblichen Anlagerisiko ausgesetzt. Je weniger Risiko Sie tragen können oder wollen, desto weniger Rendite ist möglich.

Abgefedert wird das Risiko durch den Anlagehorizont. Wenn jemand bereit ist, sein Erspartes mindestens zehn oder sogar zwanzig Jahre in Aktien zu investieren, verlieren die Kursschwankungen deutlich an Schrecken. Denn auf eine lange Anlagedauer hinaus hat man eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass man mit Aktien trotz Turbulenzen eine attraktive Rendite erzielt, zumal selbst gekürzte Dividenden die Rendite noch optimieren.

Wenn jemand aber, so wie Sie es in Ihrer Frage schreiben, nur bereit ist, sein Geld nicht länger als ein Jahr anzulegen, fällt der positive Effekt des langen Anlagehorizonts praktisch vollkommen weg, und es bleibt lediglich noch der Risikoaspekt.

Theoretisch könnten Sie auch auf ein Jahr hinaus Aktien, Fonds oder andere Wertpapiere erwerben. Doch davon rate ich Ihnen ab. Denn bei einem solch kurzen Anlagehorizont haben Sie eine gute Wahrscheinlichkeit, dass Sie nach zwölf Monaten nicht wie gewünscht auf Kursgewinnen, sondern vielleicht auf empfindlichen Buchverlusten sitzen. Wenn Sie dann verkaufen müssen, haben Sie real Geld verloren.

Mir ist nicht klar, ob Sie Ihr Erspartes nach einem Jahr zwingend brauchen. Da ich nicht davon ausgehe, dass Sie einfach nur spekulieren möchten, rate ich Ihnen, sich zuerst nochmals genau zu überlegen, welche Ziele Sie mit Ihrem Geld verfolgen.

Vor allem müssen Sie sich vor einer Anlage genau im Klaren sein, wie viel Risiko Sie eingehen können und wollen und wie lange Sie Ihr Geld tatsächlich nicht benötigen und es daher mit einem längeren Anlagehorizont investieren können.

5 Kommentare zu «Nur mal kurz anlegen?»

  • Marcel Zufferey sagt:

    Eine unmöglichere Ausgangslage für einen Beitrag ist kaum vorstellbar: 62 Jahre alt + Neueinsteiger + 360‘000.— + nur 1 Jahr Anlagehorizont in dieser Marktsituation = Lassen Sie das Geld am besten liegen oder geben Sie‘s aus!

  • Martin sagt:

    Wieder mal einer, der sein Geld aus der PK abzügelt, zum ersten mal im Leben selber investiert? Zehn Jahre Saus und Braus und die Allgemeinheit darf ihm dann das Pflegheim finanzieren.

    50’000 Gold physisch ins Schliessfach, 50’000 bar auf dem Konto und den Rest in die Pensionskasse für die Rente.

    • Panja Flöte sagt:

      J.M. hat sein Geld zusammengespart, es stammt nicht von der PK (siehe Text).

      Es gibt sicher ein paar wenige, die ihr PK-Geld verprassen, aber die Mehrheit geht verantwortungsbewusst mit den PK-Geldern um. Wer seine PK verprasst, bekommt garantiert keine AHV-Ergänzungsleistungen, und im Altersheim steht vielleicht ein Bett in einem 4er-Zimmer für ihn bereit. Spassig ist das bestimmt nicht, dort seinen Lebensabend zu verbringen.

  • Peter Steinemann sagt:

    Mit grossem Interesse lese ich jeweils die Geldblogrubrik.
    Es ist aber auffallend, dass Sie nie / selten Bezug zu Cryptoanlagen nehmen.
    Diese Anlagen bieten doch in verschiedenen Anlagesituationen interessante Anlagemöglichkeiten.

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