Lange Durststrecke für Straumann

LafargeHolcim ist robust in der Krise +++ Bucher verfügt über Marktmacht +++ ­Comets Produkte sind gefragt

Höhenflug gestoppt: Beim Dentalimplantate-Hersteller Straumann sinken die Umsätze. Foto: Georgios Kefalas (Keystone)

Während langer Zeit war es schwer, keine Begeisterung für Straumann zu zeigen. Wenn ich das richtig gesehen habe, ist der Umsatz ununterbrochen während vier Jahren Quartal für Quartal mit zweistelligen Prozentraten gestiegen, aus eigener Kraft. Gleichzeitig ist es dem Dentalunternehmen gelungen, die Profitmarge zu steigern. Aber klar, nun hat das Coronavirus den Höhenflug gestoppt. Im Startquartal 2020 ist der Umsatz gesunken, auch wegen des starken Frankens. Ein Umsatzminus, das gab es für Straumann seit Mitte 2014 nicht mehr. Das dicke Ende kommt aber erst noch. Der Rückgang von 25 Prozent in Asien – in China weit mehr – bietet einen Vorgeschmack dessen, was Straumann im zweiten Quartal blüht. Ich rechne mit mindestens 30 Prozent Umsatzeinbusse und frage mich, ob das Unternehmen so trotz aller Anstrengungen noch schwarze Zahlen schreibt. Auch wenn die Zahnarztpraxen langsam wieder öffnen – mit einer raschen Erholung rechne ich nicht. Das verfügbare Einkommen vieler Kunden ist gesunken. Das Vertrauen dürfte eine Weile angeknackst bleiben. Darum warte ich für Neuengagements niedrigere Börsenkurse ab. Halten

Ich bin seit längerem überzeugt vom Potenzial von LafargeHolcim. In den vergangenen Jahren haben Anleger mit den Aktien des Zementkonzerns kaum etwas verdient. Doch seit CEO Jan Jenisch und Finanzchefin Géraldine Picaud am Ruder sind, haben sie das Unternehmen gründlich ausgemistet. Kaderstufen gestrichen, Verantwortung in die Regionen delegiert, wenig rentable Bereiche abgestossen und die Bilanz gestärkt. Das Resultat: Im vergangenen Jahr hat LafargeHolcim erstmals seit Jahren die Kapitalkosten verdient. Angesichts der Corona-Pandemie hat sich der Konzern im ersten Quartal robust gezeigt. Der eigentliche Einbruch steht zwar noch bevor, LafargeHolcim ist aber gerüstet, diese Krise gut zu meistern. CEO Jan Jenisch zeigte sich zudem sehr zuversichtlich. In China produziere LafargeHolcim bereits wieder voll, sagte er. Für den Rest der Welt erwarte er eine ebenso schnelle Erholung. Die Aktie hat im Jahresverlauf zeitweise bis zu 45 Prozent eingebüsst. Unterdessen hat sie sich bereits merklich erholt. Erneute Rückschläge sind möglich. Längerfristig wird sich ein Einstieg aber auszahlen. Kaufen

Die Industriegruppe Bucher verfügt über fünf Divisionen und eine starke Bilanz. Das hilft in der Krise. Nicht alle Sparten sind vom Abschwung gleich stark betroffen. Und mit genügend Kapital im Rücken lassen sich Schwächephasen sicher überwinden. Temporäre Fabrikschliessungen und ein Nachfragerückgang haben das erste Quartal zwar beeinträchtigt, der Umsatz ist organisch 11 Prozent zurückgegangen. Die Aufträge nahmen aber bloss um 6 Prozent ab. Im zweiten Quartal erwarte ich einen deutlich stärkeren Rückgang, doch für das Gesamtjahr rechnet Bucher trotzdem noch mit einem kleinen Gewinn. Unternehmen, die wie Bucher über starke Stellungen in ihren Märkten verfügen – bei Bucher sind das die Märkte für Landmaschinen, Kommunaltechnik, Hydraulikkomponenten und Glasproduktionsanlagen –, profitieren in der Regeln von Marktrückschlägen, weil sie Krisen besser meistern können als schwächere Mitbewerber. Das antizipiert die Börse bis zu einem gewissen Grad: Bucher-Aktien notierten nur wenig unter dem August-Tief von 2019 – als die Welt noch nichts von Corona wusste. Kaufen nach Kursrückgang

Das Technologieunternehmen Comet hat seine Strategie überarbeitet und konzentriert sich jetzt noch intensiver auf Kunden aus der Halbleiter- und Elektronikbranche. Deren Umsatzanteil soll von 50 auf 70 Prozent steigen. Dabei hatte das Unternehmen in den vergangenen beiden Jahren unter rückläufiger Nachfrage aus eben dieser Branche gelitten. Was auf den ersten Blick paradox wirken mag, erscheint mir durchaus plausibel. Zum einen ging die Nachfrage wegen Überkapazität bei der Halbleiterherstellung zurück – die mittlerweile aber vom Markt absorbiert ist. Zum anderen schreitet die Digitalisierung von Branchen und Märkten ungebremst voran und generiert eine Nachfrage nach mehr und mehr Hochleistungschips: Internet der Dinge, maschinelles Lernen, schnell wachsende Daten-Clouds oder autonomes Fahren sind die Stichworte. Und genau in diesen Bereichen ist Comet ideal positioniert mit ihrer Hochfrequenztechnologie für die Halbleiterproduktion und der Röntgentechnik für die notwendige Qualitätskontrolle. Wie ich hörte, sind die beiden Technologien so wichtig, dass Kunden aus den Vereinigten Staaten in Briefen an Comet eindringlich darum baten, doch auch während der Pandemie unbedingt lieferfähig zu bleiben. Mit Wachstum ist also zu rechnen. Die Valoren haben einen grossen Teil des Verlusts seit dem Lockdown wieder wettgemacht, Kursfantasie ist aber weiterhin vorhanden. Dosiert kaufen

2 Kommentare zu «Lange Durststrecke für Straumann»

  • urs brand sagt:

    Dosiert kaufen – was genau verstehen Sie darunter? Könnten Sie das bei Gelegenheit einmal eingehender erläutern.

  • Hans Wolfgang Kennel sagt:

    Es wird noch immer das starke Aufholen, die sensationellen Möglichkeiten
    der Gesundheitsbranche, von Dental – und Medizinaltechnik völlig verkannt.

    Straumann ist Primus und ein Spitzenwert mit absolutem technischen Know- how, der Valor hat zudem eine gewisse Marktenge, wobei es trotzdem wegen der Pandemie jedenfalls noch etwas andauern wird. Dosiert kaufen, heisst angepasst kaufen mit dem zeitlichen Horizont: wann ist der Impfstoff – und Grippe Medikamente da?

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.