Wie Senioren anlegen sollten

Handlungsspielraum statt Maximalrendite: Unser Geldberater sagt, welche Anlagen im Alter etwas taugen.

Zu viel Risiko? Lohnt sich nicht! Im Alter sollte man sich gegen Marktverwerfungen schützen. Foto: iStock

Da ich mit regulärem Alter 65 pensioniert wurde und aufgrund meines gesundheitlichen Rucksacks dem Kapitalbezug einer Rente den Vorzug gegeben habe, suche ich nun nach überschaubaren, sicheren Anlagemöglichkeiten. Ein Berater von Swiss Life empfiehlt mir nun eine Investition in den Swiss Life Calmo Income Plan. Aufgrund der langen vorgesehenen Dauer dieses Produkts bis ins Alter 90 habe ich da meine Vorbehalte. Würden Sie diese Anlage empfehlen? H.S.

Der Ihnen empfohlene Swiss Life Calmo Income Plan bietet Ihnen gemäss Werbeschrift der Swiss Life ein «sicheres, individuelles Zusatzeinkommen zur Ergänzung Ihrer Leistungen aus AHV und Pensionskasse». Das klingt eigentlich gut.

Der Swiss Life Calmo Income Plan ist faktisch ein Auszahlungsplan mit einigen zusätzlichen Pluspunkten. Sie profitieren von einer hohen Sicherheit und partizipieren an der Entwicklung der Finanzmärkte. Damit die Erträge im Zuge der üblichen Kursschwankungen, wie man sie an den Finanzmärkten kennt, nicht laufend wieder wegschmelzen, werden die Gewinne jährlich abgesichert. Das ist positiv. Doch all das gibt es nicht kostenlos. Dafür bezahlen Sie Gebühren, was letztlich Ihre Rendite schmälert.

Die Kombination des Auszahlungsplans Swiss Life Calmo Income mit der Lebensrente Swiss Life Calmo Pension gewährleistet Ihnen ein lebenslanges garantiertes Einkommen und eine Partizipation an der positiven Entwicklung eines Index-Basket, basierend auf dem SMI, dem europäischen Euro Stoxx 50, dem japanischen Nikkei-Index, dem britischen FTSE-Index und dem amerikanischen S&P-500-Index mit Absicherung.

Sie müssen sich kritisch fragen, wie viel Risiko Sie wirklich tragen können und wollen.

Sollten Sie vorzeitig sterben, ist das im Auszahlungsplan investierte Geld nicht einfach weg. Das nicht aufgebrauchte Geld verbleibt bei den Erben. Während Sie den Rententeil versteuern müssen, ist der Teil aus dem reinen Auszahlungsplan steuerfrei.

Grundsätzlich können Sie auch selbst bei einer Bank einen Auszahlungsplan gestalten und erwerben. Wenn Sie wie von Ihnen geplant bis zu 400’000 Franken einschiessen, kann dieses Geld auch breit diversifiziert angelegt werden, und Sie erhalten jeden Monat einen bestimmten Betrag ausbezahlt. Da es sich um einen reinen Vermögensverzehr handelt, ist dieser Betrag dann steuerfrei.

Allerdings tragen Sie anders als beim Produkt der Swiss Life das volle Anlagerisiko und haben nicht auch noch einen Rententeil. Das Anlagerisiko sollte man gerade im Alter nicht unterschätzen, wie der Corona-Crash gezeigt hat. Wenn es an den Finanzmärkten, wie wir es wegen der Corona-Krise erlebt haben, zu Verwerfungen kommt, drückt das fast alle Anlageklassen mehr oder weniger nach unten.

Sie müssen sich also kritisch fragen, wie viel Risiko Sie wirklich tragen können und wollen. Generell würde ich im Alter die Risiken eher minimieren. Dafür sind Sie bei einem Vermögensverzehrplan bei einer Bank deutlich flexibler und zahlen auch klar weniger Gebühren.

Das Anlagerisiko hängt von der gewählten Strategie ab. Je mehr Ertrag Sie sich wünschen, desto mehr Risiko tragen Sie bei dieser Variante. Da Sie neben der AHV offenbar schon die Absicherung einer Rente von der Pensionskasse haben, würde ich mir überlegen, ob Sie sich nicht wenigstens mit Ihrem übrigen Kapital Ihren Handlungsspielraum offenhalten möchten.

Kapitalsicherheit im Alter halte ich für wichtig. Persönlich würde ich mich im Alter dennoch nicht zu lange binden.

6 Kommentare zu «Wie Senioren anlegen sollten»

  • Anh Toàn sagt:

    1. Grundsätzlich kann auch ein 70 jähriger mit einem Anlagehorizont von 20 Jahren rechnen, ist er in fünf Jahren schon tot, reicht das Geld auch noch, wenn er bis dahin 50% verloren hat.

    2. Hier aber wurde das Kapital bezogen aus der PK, weil mit eine geringe Restlebenszeit erwartet wird: Mehr als 1-2 Basispunkte über dem Geldmarktsatz kann ein seriöser Anleger nicht erwarten: Kaum relevant, wenn diese „Outperformance“ nur 3 oder 5 Jahre erreicht wird?

    3. Im Aller vermehrt man sein Vermögen nicht, m<an verzehrt es, damit einem nicht die Kinder unterstützen müssen, fürs Alter hat man ein Leben lang gespart: Heute spart man im Alter für die Erben, aber die hätten die Kohle lieber gleich statt wenn man endlich abgenippelt ist, etwas mehr!

    • Anh Toàn sagt:

      Das grösste Risiko für einen mehr oder weniger gut situierten Alten ist, durchaus pervers, noch lange nicht zu sterben! Dieses Risiko lässt sich mit einer lebenslangen Rente oder einer langfristigen Anlagestrategie mindern, wobei die lebenslange Rente aus der PK mit privilegiertem Umwandlungssatz zumindest im obligatorischen Teil wohl unschlagbar ist.

      Ich erachte für strategisch falsch, dies aus Sicht der Erben zu betrachten: Strategisch gibt man denen einen Teil des Vermögens zu Lebzeiten, und überlässt damit die Sorge darum denen, dann kann man mit der Zeit die noch bleibt, etwas sinnvolleres machen als Renditen zu jagen.

  • Peter Rohner sagt:

    Sich das PK-Kapital auszahlen zu lassen, um dann damit wieder eine Rente zu kaufen, ist nicht empfehlenswert. Schlussendlich wird man weniger Geld bekommen, als wenn man bei der PK-Rente geblieben wäre. Für die Erben ist der Kapitalbezug evtl. besser, aber hier sollte man auf sich und seine Lebenszeit schauen (und nicht auf die Erben).

    Wenn (Teil-)Kapitalbezug, dann nur, um das Geld zu verwenden (Reisen, Renovation des Hauses, Anschaffung eines Oldtimers etc.) oder um es selbst anzulegen und sich selbst eine Rente auszuzahlen (in der Hoffnung, dass man das besser, günstiger kann als die PK).

    Standardlösung für Anfänger: Avadis-Fonds kaufen (mind. 60% Aktienanteil) und regelmässig Anteile verkaufen und sich Geld überweisen lassen (siehe „avadis.ch“).

    • Peter Rohner sagt:

      Wenn man plant, das PK-Kapital selbst anzulegen, muss man sich unbedingt mit der Materie befassen und sich nicht allein auf die Ratschläge verlassen von Experten, Bankern, Beratern, Bloggern und Kommentatoren.

      Wer nicht bereit ist, sich weiterzubilden, sollte den Kapitalbezug bleiben lassen (Teilbezug für Konsum natürlich möglich). Guter Einstieg sind die folgenden Bücher:
      — Martin Weber et al.: Die genial einfache Vermögensstrategie.
      — Gerd Kommer: Souverän investieren vor und im Ruhestand. (Erscheint im Mai 2020.)

  • Martin sagt:

    Seltsame Sache. Sich das Kapital auszahlen lassen anstelle der Rente und sich dann eine Rente installieren? Dazu ist die Pensionskasse da.

    Man kann ja auch eine Teilauszahlung machen, 50’000 auszahlen und den Rest als Rente. Dann ist man flüssig und es kommt lebenslang etwas rein.

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