Vorsicht bei privaten Investments!

Statt direkt in Privatfirmen zu investieren, sollte man Private Equity-Fonds nutzen. Selbst da bleiben die Risiken aber sehr hoch.

Klumpenrisiko, geringer Anlegerschutz: Privatplatzierungen werden abseits der Börse gehandelt. Foto: iStock

Ich bekam von der Areos Energie AG ein interessantes Angebot für einen Aktienkauf. Die Informationen über ihr Produkt sind beeindruckend. Eine Investition in diesen Bereich ist in der Klima- und CO2-Diskussion sehr verlockend. Würden Sie von einem Kauf abraten, oder ist das eine sinnvolle Investition? R.H.

Ich kenne die Firma Areos Energie, die an keiner Börse gehandelt wird, nicht und kann mich daher nicht zum Unternehmen äussern. Ihren Angaben entnehme ich aber, dass es sich bei dem Angebot für einen Aktienkauf um eine Privatplatzierung handelt. Damit will sich die Firma Kapital beschaffen, und zwar indem sie direkt Investoren anspricht.

Solche Privatplatzierungen erfolgen nicht über eine Börse. Das ist für Sie ein wichtiger Aspekt: Bei einer öffentlichen Platzierung über die Börse haben Unternehmen strenge Vorschriften wie etwa die Publizitätspflicht zu erfüllen. Damit soll zum Schutz der Investoren eine hohe Transparenz für die Anleger garantiert werden. Bei einer Privatplatzierung ist das Unternehmen von solchen Vorschriften befreit. Für Sie heisst das gleichzeitig, dass Sie einen weit geringeren Anlegerschutz haben.

Ein anderer Aspekt ist die Handelbarkeit der Aktien. Wenn Aktien über eine Börse gehandelt werden, haben Sie die Sicherheit, dass Sie diese später in der Regel locker wieder verkaufen können. Bei Privatplatzierungen ist das nicht garantiert. Unter Umständen kriegen Sie die Aktien dann später nicht mehr los oder nur zu einem miserablen Preis.

Bei Privatplatzierungen ist man an die Firma gebunden, erst recht in Krisenphasen wie aktuell wegen des Coronavirus, und man sollte einen sehr langen Anlagehorizont haben.

Das Unternehmen bietet gemäss der von Ihnen mitgeschickten Werbeschrift privaten Anlegern die Möglichkeit, am künftigen europäischen Energiemarkt zu partizipieren: «Investoren finden in unserem Private Placement für einen begrenzten Anlegerkreis chancenreiche Beteiligungsmöglichkeiten in diesem hochprofitablen Markt.» Das klingt vielversprechend.

Gleichzeitig sollten Sie sich aber bewusst sein, dass Sie ein sehr hohes Anlagerisiko eingehen. Wie bei jeder Anlage sollte man nicht nur das Aufwärtspotenzial im Kopf haben, sondern auch das Abwärtsrisiko beachten. Sollte sich das Unternehmen anders als Ihre Erwartung nicht positiv entwickeln, sondern scheitern, müssen Sie damit rechnen, dass Sie Ihr ganzes, in diese Aktien investiertes Geld verlieren.

Generell rate ich Privatanlegern von Privatplatzierungen ab. Und zwar ganz einfach darum, weil man aus meiner Sicht mit einer solchen Einzelanlage ein hohes Klumpenrisiko eingeht. Ich würde Ihnen auch nie raten, einen für Sie hohen Betrag nur in eine einzelne an der Börse gehandelte Aktie zu investieren.

Anders als bei einfach handelbaren Börsenfirmen ist es für Private mit in der Regel begrenzten finanziellen Mitteln noch weit schwieriger, eine gute Diversifikation bei Privatplatzierungen zu erreichen. Sie müssten in eine Vielzahl von verschiedenen Privatplatzierungen investieren können und dann auch noch in verschiedene andere Anlageklassen anlegen können, damit Sie kein Klumpenrisiko eingehen.

Sinnvoller finde ich es, wenn man als Privater, statt in Einzelplatzierungen zu investieren, einen Private-Equity-Fonds nutzt, der in ausserbörslich gehandelte Firmen investiert. Auch bei solchen Anlagevehikeln tragen Sie grundsätzlich ein hohes Anlagerisiko und benötigen einen langen Anlagehorizont. Immerhin erreichen Sie damit aber eine breite Diversifikation und verlieren nicht gleich alles Geld, falls eine der Firmen im Fonds in Konkurs geht, was wegen der Corona-Krise vermehrt der Fall sein wird.

Mein Fazit: Statt direkt in einzelne Privatfirmen zu investieren, sollte man, wenn überhaupt, als Depotabrundung Private-Equity-Fonds vorziehen – auch dann sind die Risiken noch sehr hoch.

8 Kommentare zu «Vorsicht bei privaten Investments!»

  • Michael sagt:

    Da zeigt sich exemplarisch das Problem von 10 Jahre steigender Märkte. Seien es Privatfirmeninvestments, Drittweltländeraktien oder auch Kryptowährungen und Startups. Alle Regeln des gesunden Menschenverstandes werden ausgesetzt – mit den entsprechenden Verlusten. Ausser ein paar Insider macht niemand Geld. Übrigens hätte man mit der langweiligen Nestlé sein Investment in 10
    Jahren auch verdoppelt – mit zusätzlichen Dividenden und (fast) ohne Risiko!

  • Anh Toàn sagt:

    Fast jeder kennt doch Forrest Gump: Der hat seinen Gewinn aus dem Shrimps Business in eine Obstfirma investiert, die machten sehr erfolgreich in Äpfeln.

  • Jean Gilette sagt:

    Meine Erfahrung zeigt, lassen Sie die Finger davon. Es ist immer das Gleiche. Eine meist „unbekannte Firma“ hat von heute auf morgen die industrielle Lösung gefunden. Oft agieren solche Firmen trendmässig und bieten aktuelle „Investment-Themen“ an. Mal geht es a) um Solar- und das Thema erneuerbare Energien b) um Pseudotoken ohne jeglichen inneren Wert (ausser Bitcoin) c) um undurchsichtige Immobilienbeteiligungen und aktuell d) um Umwelt- und CO2-Angebote.

  • Jean Gilette sagt:

    Viele dieser Firmen engagieren im Hintergrund grosse Sales-Teams. Denen ist nur eines wichtig. Möglichst viel Umsatz (Neugeld) reinholen und saftige Kommissionen abschöpfen. Die oben genannte Firma besitzt ein Aktienkapital von lediglich CHF 100‘000, welches in 10 Millionen Namensaktien zu 1 Rappen aufgeteilt ist. Der aktuelle Kurs der Aktie in CHF beträgt 6.20 (!).

  • Jean Gilette sagt:

    Beispiel: Eine Private-Equity Firma X (PEFX) kauft der oben genannten Firma 5 Millionen Namensaktien zu CHF 1 ab und bezahlt dafür 5 Millionen. Die Firma kommt so schnell zu Liquidität und kann sich so eine gewisse Zeit über Wasser halten. Nun verkauft die PEFX die gleichen Aktien zu CHF 5 und „garniert“ so eine Kommission von 400% (!!). Noch Fragen?

  • Stefan sagt:

    Private-Equity-Fonds sind tatsächlich die richtige Alternative, die es sowohl den Kapitalgebern, als auch den Kapitalempfängern erlauben, Ihre „Risiken“ breiter abzustützen. Denn bei einem einzelnen grossen Investor, kann es durch den Geldgeber zu Micro-Management-Interventionen kommen, die der Entwicklung des jungen Unternehmens hinderlich sein können. Daher emfielt sich zur Vermittlung eine der Plattformen, welche „Equity“ breiter „pitchen“. Der Name ist Programm: http://www.equitypitcher.com

  • Stephan Fehlmann sagt:

    Bei solchen Investements ist nur der Totalverlust garantiert! Die Geldeintreiber verdienen zuerst einmal eine hohe Provision. Wo der Rest hinfliesst weiss niemand. Wenn das alles so lukrativ sein soll und hohe Renditen verspricht , warum muss man denn solches Kapital eintreiben? Dann müssten sich ja die Investoren um solches Investement prügeln. Und übrigens, man liest ja ständig in den Medien von Gerichtsakten von exakt solchen Anlage-Betrügereien. Der Ausgang ist meist der Selbe, die Betrüger werden verurteilt, das Geld ist auch weg….verprasselt im Luxusleben. Las Vegas hat übrigens den höheren Unterhaltungs-Effekt!!!

  • Theo Camenzind sagt:

    Privte Equity Fonds empfehlen? Die Kosten sind horrend, z.T. insgesamt mehr als 8 % jährlich wiederkehrend. PE sind total intransparent. Sie gehen faktisch blind eine Wette mit ihrem Geld ein. Der private Anleger ist mit kostengünstigen ETF wesentlich besser bedient.

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