Bei Swissquote klingelt die Kasse

Swissquote-Hauptsitz in Gland VD: Die Onlinebank macht das Geschäft ihres Lebens. Foto: Jean-Christophe Bott/Keystone

Während die Finanzbranche unter den Auswirkungen der Corona-Krise leidet, macht Swissquote das ­Geschäft ihres Lebens. Die auf Trading spezialisierte Onlinebank hat in den vergangenen Wochen derart hohe Zugriffe auf ihr System erlebt, dass die Kapazitäten an ihre Grenzen gestossen sind. Fünfmal mehr Kontoanträge gehen derzeit ein, rund 50 Prozent mehr Börsengeschäfte verzeichnet die Bank im ersten Quartal. Das spült ordentlich Geld in die Kassen. Und die Aussichten sind gut: Solange die Volatilität hoch bleibt, profitiert Swissquote. Angesichts der aktuellen Verwerfungen kann ich mir gut vorstellen, dass das noch eine ganze Weile dauert. Das Management ist optimistisch und rechnet mit einem guten ersten Quartal. Auch an den ambitionierten Finanzzielen für 2022 hält Swiss­quote fest. Durch die geplante Verdoppelung des Vorsteuergewinns dürfte der Gewinn pro Aktie in den nächsten Jahren stark ansteigen. Das macht die Titel auch langfristig zu einer attraktiven Anlage. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 16 für 2020 erachte ich die Aktien als moderat bewertet. Kaufen

14 Prozent Dividendenrendite

Wenn der Ölpreis absackt, geht das an Mineralölunternehmen nicht spurlos vorbei. Selbst die Grossen der Branche wie etwa das britisch-niederländische Unternehmen ­Royal Dutch Shell müssten pro Barrel Öl um die 50 Dollar lösen, um profitabel arbeiten zu können. Davon sind die Notierungen für das Rohöl weit entfernt, weshalb der Aktienkurs von Royal Dutch Shell zuletzt abgestürzt ist. Analysten bezweifeln jedoch, dass der Preiskrieg im Ölmarkt noch längere Zeit anhalten wird. Von diesen Aussichten auf längerfristig wieder steigende Preise profitiert Royal Dutch Shell als Branchenleader besonders. Für mich ist vor allem die Dividendenrendite von 14 Prozent eine Kursstütze, die als gesichert gilt. Das Unternehmen hielt auch in der Vergangenheit in schwie­rigen Zeiten an einer stabilen Ausschüttungspolitik fest. Auch von der Bewertung her befindet sich Royal Dutch Shell auf einem seit langem nicht mehr gesehenen Niveau. Als weiteres Kaufargument dient das britische Pfund, das sich weiter abgewertet hat. Für Royal Dutch Shell, das in der britischen Währung bilanziert, bedeutet das einen währungsbedingt höheren Jahresgewinn. Kaufen

235 Millionen Franken Verlust

Bereits im vergangenen Mai war klar: 2019 wird für Hochdorf ein Jahr zum Vergessen. Damals publizierte der Innerschweizer Milchverarbeiter eine Gewinnwarnung und stellte klar, dass es finanziell ums Überleben gehe. Die am Donnerstag ausgewiesenen Zahlen liessen mich dann aber doch nochmals leer schlucken. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von gut 450 Millionen Franken weist für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Verlust von mehr als 235 Millionen aus. Das ist happig, auch wenn der Grossteil davon auf Sondereffekte zurückgeht. So hatte Hochdorf im Sommer entschieden, sich von vielen nicht profitablen oder sonst enttäuschenden Tochtergesellschaften zu trennen. Diese sind heute deutlich weniger wert als noch beim Kauf vor wenigen Jahren. Immerhin: Die Liquidität wurde in der Zwischenzeit gesichert, das Unternehmen deutlich verschlankt. Aber die Wachstumsaussichten bleiben schwierig, die Betriebsgewinn­marge ist hauchdünn. Wie lange das gut gehen kann, ist für mich unklar. Für Anleger gibt es da nichts zu holen. Verkaufen

Finanziell solid

Die Aktien des Flughafens Zürich fahren dieser Tage Achterbahn. Am Montag verloren sie in der Spitze mehr als 20 Prozent. Es gab aber auch Tagesgewinne, in der Summe resultierte sogar ein Plus. Zum globalen Einbruch des Flugverkehrs kamen Anfang Woche ­Dividendensorgen dazu. In der Mitteilung zur Verschiebung der Generalversammlung auf unbestimmte Zeit schrieb die Gesellschaft, dass der Aufschub es erlaube, «die betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf das Geschäft und auf die Finanzlage der Gesellschaft weiter zu beobachten». Damit könnte eine Neubeurteilung der Dividende verbunden sein. Mit Kurzarbeit und dem Ausschöpfen der Kreditlinien sichert sich die Gesellschaft die notwendige Liquidität. Dank der sorgfältigen Bilanzpflege in den letzten Jahren steht der Flughafen Zürich finanziell solide da, dies im Gegensatz zur Krise Anfang Jahrtausend. Die Volatilität der Aktien wird hoch bleiben, weil die Folgen des Coronavirus nicht abzuschätzen sind. An der Seitenlinie auszuharren, ist dennoch angebracht, denn das Geschäftsmodell mit dem Fokus auf Diversifikation stimmt. Halten

Umsatzzunahme von 5 bis 9 Prozent

Tecan ist eine der wenig bekannten Perlen an der Börse. Just am Tag des 40-Jahr-Jubiläums gab der Ausrüster medizinischer Labors vergangene Woche ein sehr gutes Jahresresultat 2019 bekannt. Und der Ausblick bleibt relativ gut. Günstige und belastende Effekte aus der Corona-Krise heben sich dieses Jahr wahrscheinlich auf. So rechnet Tecan mit einer Umsatzzunahme in Lokalwährung von 5 bis 9 Prozent, bei höherem organischem Wachstum als im vergangenen Jahr. Zudem soll die operative Gewinnmarge von 19,3 auf 19,6 Prozent steigen. Das ist zwar weniger als von Finanzanalysten erwartet. Doch das Medizinaltechnikunternehmen setzt die Vorgaben jeweils vorsichtig an – und übertrifft sie dann oft. Besondere Fantasie weckt die überdurchschnittlich hohe Nettoliquidität in der Bilanz. Tecan kann sich problemlos grössere Übernahmen leisten. Derzeit ist die Wirtschaft zwar fast im Stillstand. Doch ich bin mir sicher, dass das Management nach der Krise günstiger zugreifen kann und es auch tun wird. Die Bewertung an der Börse ist hoch, aber gerechtfertigt. Kaufen

15 Kommentare zu «Bei Swissquote klingelt die Kasse»

  • erich schweizer sagt:

    Banken und Oelaktien sind jenseits von Gut und Böse momentan, die Kurse deuten bei vielen dieser Firmen auf einen Konkurs hin.
    Doch dazu wird es nicht kommen, der Staat steht auch noch bereit zum eingreifen.
    Eigentlich erstaunlich dass kein reicher Scheich oder jemand wie Bezon oder Buffett die UBS oder CS kauft, so günstig wie die jetzt sind.

  • Anh Toàn sagt:

    Habe swissquote, weil die die einzige Bank sind in der Schweiz, die wächst. Der Gewinner der Bankenlandschaft. Ein Risiko sehe ich für swissquote in den Bitcoins, kenne den Abschreibungsbedarf nicht, wenn niemand mehr Bitcoins handelt: Ich erwarte nicht mal tatsächlich grosse Probleme daraus für swissquote, aber der Markt könnte die zumindest für eine Zeit sehen. Auch habe ich den Eindruck, ich halte swissquote schon lange, dass z.B. Fonds die in Banken / Finanzwerte investieren (müssen), in swissquote flüchten, wenn es abwärts geht bei den Banken: gehen UBS und CS aufwärts, geht zumindest im ersten Moment swissquote abwärts.

    Ich halte noch immer ein paar swissquote, habe einen Teil verkauft, werde die zurückkaufen und noch mehr davon, aber sicher nicht nächste Woche.

  • Anh Toàn sagt:

    „Selbst die Grossen der Branche wie …. ­Royal Dutch Shell müssten pro Barrel Öl um die 50 Dollar lösen, um profitabel arbeiten zu können.“ und „Als weiteres Kaufargument dient das britische Pfund, das sich weiter abgewertet hat. Für Royal Dutch Shell, das in der britischen Währung bilanziert, bedeutet das einen währungsbedingt höheren Jahresgewinn.“ Sie wollen sagen, einen kleineren Jahresverlust, bei einem Ölpreis unter 30 USD.

    Und die „gesicherte Dividende“ gibt’s in abgewerteten britischen Pfund, oder nicht?

    Öl ist ein Produkt des letzten Jahrhunderts, wie Autos und Tabak, man muss die Royal Dutch und Fords und Philipp Morris des 21 Jahrhunderts kaufen, nicht die des letzten, darum haben letztere so hohe Dividendenrendite. FAANGS sind die Qualitätsaktien des 21JH!

    • Ch. Wäfler sagt:

      Gesicherte Dividende: Shell bezahlt seit sieben Jahrzehnten!!! eine solide Dividende. Da gab es schon viele Krisen und die Div wurde ausbezahlt. Des weiteren ist Shell mehr als nur ein simpler Förderer von Öl sondern schöpft die gesamte Wertschöpfungskette aus. Aus meiner Sicht fehlt noch der Hinweis bezüglich der Shell A und B Aktie. Die Dividende der A Aktie ist in den Niederlanden mit 15% Steuerpflichtig und die B Aktie in England, welche keine Besteuerung auf Dividenden kennen.

      • Tinu Berger sagt:

        Und permanentes Einkommen durch Quartalsdividende…

      • Vergilius sagt:

        Seit dem 1.1.2020 haben die NL die Quellensteuer von 15% abgeschafft .

      • Anh Toàn sagt:

        Die Hausse ging an RD fast spurlos vorbei, 2007 bis zum Höchst etwa +44%, und jetzt ist man seit 2007 mit RD rund 50% in den Miesen, da reichen die ganzen Dividenden gerade etwa so weit, wie wenn man das Geld auf dem Konto gelassen hätte. Und auch wenn Quellensteuerfrei, sind die doch steuerbar, die Dividenden in der Schweiz.
        Da hatte man doch lieber FAANGS ich schätze das Plus von 2007 bis heut auf etwa 600%, steuerfrei auch noch (ausser den Dividenden, die gibt’s z.T. auch, wenn auch weniger üppig.

      • Ch.Wäfler sagt:

        @Vergilius: Mir wurde gestern 23.03.2020 die Dividende der RD Shell A Aktie GB00B03MLX29 mit einem Abzug von 15% Quellensteuer ins Depot gebucht. Ihr Aussage bezüglich der Abschaffung der Quellensteuer mag ich somit anzuzweifeln!!!

  • Philip Santschi sagt:

    Schöner als in diesem Artikel lässt sich das Motto „Geld vor Ethik“ nicht darstellen. Ziemlich entlarvend, aber nicht weiter überraschend.

    • Gabriel sagt:

      nun nennt sich das hier „Geldblog“ und nicht „Ethik im Wunderland Blog“.
      Ich war tatsächlich einmal an einem Grillkurs und ein Teilnehmer war Vegetarier – der hatte sich fürchterlich aufgeregt als Fisch und Fleich gegrillt wurde. Bist du’s Philip? Winterthur, im Frühlingskurs 2016.

      • Vergilius sagt:

        Nur wer Geld verdient, kann Geld ausgeben. Wer Geld ausgibt, sichert Arbeitsplätze. Moralisch ist daran nichts verwerflich.

  • Stephan Fehlmann sagt:

    @ Santschi….aber Ihnen ist schon bewusst, dass ohne Geld auf dieser Welt rein gar nichts funktionieren dürfte, ausser Anarchie. Wenn das ganze ineinander verflochtene Wirtschaftssystem komplett zusammenbricht infolge dieses Virus, dann dürfte es auch um Ihre Pfründe geschehen sein. Aber eventuell haben Sie diese schon im Vorfeld in Sicherheit gebracht…..dann dürfen Sie natürlich schon so argumentieren.

  • Daniel von Trub sagt:

    Die Empfehlung ­Royal Dutch Shell zu kaufen war gut 🙂
    Da beissen sich aber jetzt viele Anleger in den Hintern ob der saftigen Dividendenkürzung 🙂
    Es beweist mir nur, dass auch ein vermeintlicher Börsenjournalist keine Glaskugel besitzt und man nie blindlings irgendwelchen Empfehlungen nachrennen muss.
    In dieser Krise ist Cash King und es gibt noch viele Möglichkeiten um gute und preiswerte Aktien zu kaufen.
    Man muss in einem Bärenmarkt nach einem ersten Taucher nicht schon den ganzen Cash Bestand verbraten.

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