Wie kann man Negativzinsen vermeiden?

Die UBS empfiehlt einem Kunden eine Treuhandanlage. Ob sich das lohnt, weiss unser Geldexperte.

Bei einer Treuhandanlage wird das Geld bei einer Drittbank parkiert. Foto: Keystone

Ich habe etwas mehr als eine Million Franken auf meinem Konto und befürchte Negativzinsen. Mein UBS-Berater empfahl mir deshalb, das Geld in Treuhandanlagen zu verschieben, womit ich auf jeden Fall Negativzinsen vermeiden könne. Man versicherte mir mehrmals auf meine Fragen, dass hiermit keinerlei Risiko bestehe, da das Geld bei der UBS bleibe. Was ist dabei der Haken? R.H.

Wenn Sie eine Treuhandanlage abschliessen, tätigen Sie ein Geldmarktgeschäft. Dabei platziert Ihre Bank das Geld in Form von Festgeldern bei ausländischen Banken. Der Vorteil liegt darin, dass die Anlage mit einem festen Betrag, Verfalltermin und festgelegtem Zins erfolgt.

Wichtig zu wissen ist, dass bei einer Treuhandanlage die Anlage im Namen der Bank, aber auf Rechnung und Gefahr des Kunden getätigt wird. Sie tragen somit das Ausfallrisiko. Wenn das Geld – in der Regel mindestens 100’000 Franken – beispielsweise bei einer Bank mit einem schlechten Kreditrating platziert würde, übernehmen Sie ein erhöhtes Ausfallrisiko.

Man sollte somit immer darauf achten, bei wem das Kapital parkiert wird, selbst wenn es dort nur wenige Monate liegt. Wenn ausgerechnet in dieser Zeit bei einer Drittbank, wo das Geld platziert ist, ein Zusammenbruch erfolgt, läuft man Gefahr, dass man unter Umständen viel Geld verliert.

Zum Teil werden Treuhandanlagen auch bei ausländischen Tochterfirmen parkiert. Dies ist bei der UBS der Fall, wo die Treuhandanlage bei der UBS AG, Jersey Branch liegt und Ihr Ausfallrisiko somit vertretbar ist.

Ob für Sie bei einer Treuhandanlage die Rechnung aufgeht, hängt neben dem Ausfallrisiko und der Anlagedauer vor allem von der Rendite des Produktes und den Gebühren ab, die Sie für das Tätigen der Treuhandanlage bezahlen.

Genau darin liegt meines Erachtens der Haken der Sache: Erstens bekommen Sie auf Treuhandanlagen in Schweizer Franken derzeit überhaupt keine Rendite – oder genauer gesagt: Sie haben eine Negativrendite. Je nach Anbieter liegt diese derzeit bei minus 0,75 Prozent, also so hoch, wie die Schweizerische Nationalbank die Negativzinsen festgelegt hat, welche ihr die Banken zahlen müssen.

Etwas besser fahren würden Sie, wenn Sie in eine Fremdwährung gehen: Da tragen Sie aber ein Währungsrisiko. Selbst im Euro erwirtschaften Sie aktuell mit einer Treuhandanlage je nach Anbieter eine Minusrendite von –0,4 bis –0,5 Prozent. Das wären immerhin noch etwas weniger als die Negativzinsen im Schweizer Franken.

Doch sollten Sie auch die Gebühren berücksichtigen. Die UBS verrechnet Ihnen bei einer Treuhandanlage eine Kommission von bis zu 0,5 Prozent oder mindestens 250 Franken. Sie hätten also eine Minusrendite und würden zusätzlich noch eine Kommission bezahlen.

Sie könnten mit der Treuhandanlage tatsächlich Negativzinsen vermeiden, doch attraktiv ist das nur noch für die Bank, aber nicht für Sie. Und bei einer Fremdwährung würden Sie neben dem Ausfallrisiko auch noch das Währungsrisiko tragen. Für mich macht das keinen Sinn.

Bevor Sie den Treuhandvertrag unterschreiben: Lassen Sie sich doch noch von Ihrem UBS-Berater anhand Ihres Kontobetrages konkret aufzeigen, welche Rendite Sie auf einer Treuhandanlage aktuell in Schweizer Franken bekämen und wie viel Kommission Sie konkret bezahlen müssten. Ich gehe davon aus, dass Sie dann nicht besser fahren, als wenn Sie auf einem Teilbetrag Negativzinsen bezahlen.

Besser wäre es aus meiner Sicht, wenn Sie, falls möglich, wenigstens einen Teil des Geldes investieren und selbst mit einer konservativen Strategie wenigstens eine höhere Rendite als die Teuerung erzielen, die derzeit an Ihrem Geld nagt.

Treuhandanlagen hingegen sind in Zeiten rekordtiefer Zinsen wegen der Minusrendite und der Gebühren aus meiner Sicht keine überzeugende Alternative, um Negativzinsen zu vermeiden.

8 Kommentare zu «Wie kann man Negativzinsen vermeiden?»

  • Peter Waldner sagt:

    Wenn Sie eine Million auf dem Konto „flüssig“ erhalten wollen: Eröffnen Sie bei 10 Banken je ein Sparkonto und verteilen Ihr Geld…

    • Josef Marti sagt:

      Genau, möglichst viele Gebühren und Spesen generieren.

      • Julian H. sagt:

        Es ist ein ganz einfacher Trade-Off, zumindest zu einem bestimmten, fixierten Zeitpunkt. Ich bin immer voll investiert oder sogar darüber hinaus, habe also nie Guthaben. Aber hätte ich kleinergleich 100kchf, würde mich das bei meiner Bank 12chf p.a. kosten, das sind 0.012%. Das ist äusserst verkraftbar gegenüber 0.75%.

      • Peter Waldner sagt:

        Herr Marti – Sparkonten kosten in der Regel rein gar nichts!

  • Benjamin sagt:

    Verstehen sollte jeder das all die schönen Vorschläge aus der Finanzbranche am Ende alle innerhalb der Finanzbranche ihr Ende finden. Gut zu erkennen bei allen herumgereichten Vorschlägen zur Rententhematik. Insofern ist auch die Beratung immer in diesem Kontext zu verstehen und bei jeder Transaktion und anderen kreativen Konzepten wird die Hand aufgehalten. Virtuelle Edelmetallkonten, Kartengebühren, Bargeldtransaktionen usw. Das immer schon 100% Ausfallrisiko liegt trotz aller rechtlicher Tricksereien und Schönredereien immer beim Besitzer des Geldes und es liegt in der Kunst des Bankiers diese Risiken unkenntlich zu machen. Leider hat sich die Finanzbranche quasi einem natürlichen Vorgang gleich in unser aller Leben eingeschlichen und ist nicht mehr wegzudenken.

  • Tom Sivers sagt:

    Ein Waldis Safe von höchster Schweizer Qualität für 50´000.- kaufen und 500´000.- Cash darin lagern, die Geldwerte kann man versichern.
    Waldis bietet eine Garantie von bis zu 30-Jahren gegen Aufbruch.

    • Renata Rubina Rolischo sagt:

      Auch, wenn ich den Code verhüenere? 😉

      Im übrigen: das sind dann realisierte 9.1% Verlust im Moment, wo ich von 550’000.- für 50’000.- den Tresor kaufe, um noch 500’000.- darin lagern zu können.

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