3. Säule mit Versicherung – ist das sinnvoll?

Unternehmen wie Swiss Life bieten Vorsorgelösungen mit integrierten Versicherungsleistungen an. Was dafür spricht – und was dagegen.

Ist die Empfehlung des Brokers einem normalen Vorsorgekonto mit Fondsplan wirklich überlegen? Das gilt es zu überprüfen. Foto: Getty Images

Mein Broker empfiehlt mir die 3a-Vorsorgelösung Swiss Life Dynamic Elements Duo. Ich hatte bisher nur 3a-Kontos, die ja nicht mehr viel bringen. Der Anlagehorizont wäre 19 Jahre. Könnten Sie etwas zu diesem Swiss Life Dynamic sagen oder eine Empfehlung abgeben? L.D.

Die Ihnen von Ihrem Broker vorgeschlagene Vorsorgelösung beinhaltet einen Sparteil sowie einen Versicherungsteil. Dabei wird ein Teil des investierten Geldes in Fonds investiert, womit Sie eine Chance haben, deutlich mehr Rendite zu erwirtschaften als bei einer Vorsorgelösung ohne Fonds.

Zum Einsatz kommen kostengünstige Exchange Traded Funds (ETF), die an einen Index gekoppelt sind. Dank der Anlage in Aktien ist es möglich, mit dem Instrument langfristig attraktive Renditen zu erzielen. Je nach Ihrer Wahl können Sie bei dem Produkt mehr oder weniger Risiken eingehen. Das ist die positive Seite des Produktes.

Wenn Sie sich dafür entscheiden, müssen Sie sich bewusst sein, dass die gewünschte höhere Rendite keinesfalls garantiert ist. Die höhere Rendite hängt vom Erfolg der gewählten Anlagestrategie auf der Basis der ETF und damit auch von Ihrer Risikobereitschaft ab. Grundsätzlich hat man auf eine lange Frist von 19 Jahren, während denen Sie das Produkt halten möchten, eine realistische Chance, mit Aktien-ETFs eine gute Rendite zu erreichen. Sicher ist das dennoch nicht.

Nach zehn Jahren Hausse an den Börsen kann es künftig auch wieder mal zu einer mehrjährigen Baisse an den Aktienmärkten oder sogar zu einer Finanzkrise mit lange sinkenden Kursen kommen. Sie sollten also die in Aussicht gestellte höhere Rendite nicht einfach als gegeben einstufen. Indem Sie über das Vehikel in ETF investieren, tragen Sie je nach Ihrem gewählten Risikoprofil das Anlagerisiko mehr oder weniger massgeblich mit.

Dazu kommt, dass ein Teil Ihrer Rendite durch die Kosten für die Versicherung aufgefressen wird. Daher sollten Sie sich auch gut überlegen, ob Sie den Versicherungsschutz, den das Produkt beinhaltet, auch wirklich brauchen. Denn diesen gibt es nicht gratis.

Sie schreiben, dass Sie bis jetzt nur 3a-Konten bei der Bank hatten, die kaum mehr einen anständigen Zins abwerfen. Allerdings dürfen Sie dabei nicht Äpfel mit Birnen vergleichen: Sie können auch bei einem 3.-Säule-Bankkonto eine Variante wählen, bei der Sie kostengünstig in Fonds investieren. Sie könnten auch da Ihr Geld in passiv verwaltete Vorsorgefonds anlegen, die zu tiefen Gebühren eine breite Diversifikation ermöglichen, einen höheren Aktienanteil aufweisen und dadurch eine langfristig attraktive Rendite versprechen. Wie beim Swiss-Life-Produkt, tragen Sie auch da das Anlagerisiko, haben aber nicht zusätzlich einen Versicherungsschutz.

Beim Swiss-Life-Produkt sind Sie weniger flexibel als bei der Banklösung, weil Sie langfristig vertraglich gebunden sind, und zahlen zusätzlich eine Prämie für den Versicherungsschutz. Falls Sie diesen gar nicht brauchen und Ihnen Flexibilität wichtig ist, fahren Sie mit einer Banklösung günstiger und haben ebenfalls eine vergleichbare Möglichkeit, Ihr Kapital langfristig in Fonds anzulegen.

Auf keinen Fall sollten Sie das 3.-Säule-Geld während der langen Zeit von 19 Jahren einfach auf einem Konto brachliegen lassen. Lassen Sie sich zum Vergleich auch von Ihrer Bank einen entsprechenden Vorschlag ausarbeiten. Wichtig ist, dass Sie das Vorsorgegeld überhaupt investieren. Sie müssen sich aber bewusst sein, dass Sie mit diesem Schritt deutlich höhere Risiken in Kauf nehmen.

4 Kommentare zu «3. Säule mit Versicherung – ist das sinnvoll?»

Kommentar

Die E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Die benötigten Felder sind mit * markiert.

800 Zeichen übrig

Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt.